Archiv für ‘Spätes Hobby’ Kategorie

Manchmal bin ich als Mann echt überfordert…

27.07.2011

Bei einer Aufzugfahrt – die kann bei uns bekanntlich bis zu 13 Stockwerke lang sein – fragte mich eine Mitbewohnerin, ob ich wüsste, wie man den Kühlschrank ausschaltet. Ich musste zu meinem großen Bedauern bekennen, ich wüsste es nicht. Sie meinte dann, dass sie schon 2 Jahre im Augustinum wäre und es jetzt höchste Zeit sein würde, den Kühlschrank abzutauen und sauber zu machen.
Spontan platzte es aus mir heraus, dass ich das in 11 Jahren Augustinum noch nicht gemacht hätte, als mir dann doch einfiel: Vor etlichen Jahren hatte ich einmal das Tiefkühlfach mit einem Spray bearbeitet und die dicke Eisschicht zum Verschwinden gebracht. Aber da habe ich den Kühlschrank mit Sicherheit nicht ausgeschaltet. Seitdem war nichts mehr passiert. Außer einigen vergeblichen Anläufen, das Spray zu finden. Vielleicht sollte ich doch einmal genau ausmessen, wie viele Millimeter oder Zentimeter das Eis jetzt hat.
Ich muss ganz offen sagen: Was das Saubermachen anbetrifft, verlasse ich mich ganz auf die uns vom Augustinum gestellten Putzkräfte. Natürlich weiß ich, dass die nicht für meinen Kühlschrank zuständig sind und ihre fest umrissenen Aufgaben haben. Dazu gehört unter anderem auch, nur dort Staub zu putzen, wo sie es, ohne allzu viele Gegenstände zu „verrücken“, gefahrlos tun können. Deshalb ist auf meinem Schreibtisch noch nie Staub geputzt worden. Er liegt nämlich ständig voller Papier, und ich bilde mir ein, dass ich durch das häufige „Umwälzen“ des Papiers auch eventuell angefallenen Staub beseitige. Allerdings: Wenn ich eine freie Stelle bemerke, an der Staub zu sehen ist, greife ich schon mal zum Staubtuch. Es sind ja immer nur kleine Stellen und ist nicht so viel Arbeit, dass ich das nicht schaffen könnte.
Manchmal höre ich, dass die Damen in unserem Hause den Putzkräften bei der Arbeit genauestens auf die Finger gucken oder ihnen sogar assistieren. So etwas käme mir nie in den Sinn. Ich gehe auch immer, wenn meine „Putzi“ kommt und habe noch nie den Eindruck gehabt, dass ich ihr fehle. Der “kleine” Unterschied ist eben nicht alles, was Männer und Frauen von einander trennt.

Spätes Hobby, schönes Hobby: Das „Spiel“ mit historischen Persönlichkeiten…

01.06.2011

Zum vorläufigen Ende der kleinen Serie über Alters-Hobbys möchte auch ich von mir aus etwas zum Thema beitragen: Als ich im Sommer 2000 ins Augustinum kam, wurde ich vom damaligen Beiratsvorsitzenden, der wusste, dass ich im früheren Leben Werbetexter war, gefragt, ob ich nicht einen Vortrag über „Werbung“ halten wollte. Meine spontane Antwort war ein kategorisches „Nein“. Ich hatte weiß Gott nicht die Absicht, mir von Anfang an mein Image zu verderben.
Um aber nicht als Feigling dazustehen, suchte ich nach einer Alternative. Da fügte es sich gut, dass gerade für das Fernsehen ein neuer Kleopatra-Film angekündigt wurde und die BILD das Thema aufgriff, indem sie auf der Titelseite die provokante Schlagzeile brachte: „Kleopatra – klein, dick und hässlich“. Das waren angeblich die neuesten Erkenntnisse einer englischen Wissenschaftlerin. Ich war außerordentlich irritiert. „Klein“? Früher war man kleiner als heute. „Dick“? Ist zum Teil immer noch ein Schönheitsideal im Orient. „Hässlich“? Auf Münzen aus jener Zeit war Kleopatra mit einer etwas langen Nase zu sehen. Nichts von alledem hat Cäsar und Marc Anton daran gehindert, sich unter Kleopatras Pantoffel zu begeben. Ich wollte es nun genau wissen und besorgte mir aus den Öffentlichen Bücherhallen so an die 10 bis 12 Bücher über Kleopatra, Cäsar und Marc Anton.
Der Titel meines Vortrages lautete: „Kleopatra – Königin, Göttin, Hure“? Über das Wort „Hure“ mokierten sich im Vorwege einige Damen im Hause. Aber exakt als „Hure“ wurde sie nun mal von Bertolt Brecht und George Bernard Shaw bezeichnet, während Horaz und Vergil, die zu ihrer Zeit lebten, sie eine „würdevolle Königin“ nannten. Ich meine: Das eine schloss das andere nicht aus, wenn es um die Staats-Räson geht. Darüber hinaus soll Kleopatra 12 Sprachen gesprochen haben. Auch schrieb sie ein Buch über Gynäkologie.
Mir machte es unheimlich Spaß, den mir vorliegenden „Stoff“ unterhaltsam zu verarbeiten. Bei Cäsars Siegeszug durch Gallien erwies ich auch dem kleinen Dorf in der Bretagne und seinen Protagonisten Asterix und Obelix, die ihm - ganz im Gegensatz zur Königin von Ägypten - unüberwindbaren Widerstand entgegenbrachten, meine Reverenz. Was meine Zuhörer sichtlich erheiterte. Ich mache es kurz: Mein erster Vortrag war ein voller Erfolg.
Nicht nur ich, auch einige Bewohner hatten Blut geleckt. Als eine Dame anregte, ich solle doch mal einen Vortrag über Casanova halten, bekam ich allerdings kalte Füße. Bis mir die rettende Idee kam und die lautete: „Goethe & Casanova – eine vergleichende Betrachtung in 15 Kapiteln“. Beide mussten auf Wunsch ihrer Eltern Jura studieren. Aber während Casanova mit 17 Jahren an der Universität von Padua zum Doktor beider Rechte promoviert, wird Goethes Doktorarbeit als „nicht zur Publikation geeignet“ abgelehnt. Der eine wie der andere hätte im Grunde viel lieber Medizin studiert. Später konnten beide auf naturwissenschaftlichem Gebiet tatsächlich einige Meriten ernten. Beide schrieben fürs Theater und führten auch Regie. Über Goethes Dichtkunst brauchen wir nicht zu reden, aber Casanovas Memoiren – in denen 132 Geliebte geschildert werden – gehören heute zur Weltliteratur.
Beide lieben die Frauen. Natürlich. Aber während Casanova die Freuden der körperlichen Liebe schon sehr früh ungehemmt genießt, bleibt Goethe bei der literarischen „Abarbeitung“. Wie er an seinen Mentor, den Herzog von Weimar, anlässlich seiner italienischen Reise schreibt, hat endlich auch er „Kohabitation“ – d.h. Beischlaf – gehabt. Da war Goethe 39 Jahre alt. Dies sind nur einige von etlichen interessanten und für manch einen auch neuen Aspekten, die ich bei meinen Recherchen zu Tage förderte.
Inzwischen habe ich an die 20 „Hauptdarsteller“ und noch weit mehr „Nebendarsteller“ auf meine Weise porträtiert. Ein Ende ist vorläufig nicht in Sicht. Und die kleine Serie in meinem Blog? Wer etwas zu berichten weiß, kann mir gern seinen Beitrag schicken. Anonym! Einfach an Uwe Neumann, Augustinum Hamburg, 22763 Hamburg.

Der „Weltuntergang“ fand erst einmal nicht statt

30.05.2011

Seit etwas mehr als einer Woche hat Deutschland gerade noch ganze 4 Kernkraftwerke am Netz. Von insgesamt 17 vorhandenen. Konnte das gut gehen? Die Medien waren sich keineswegs einig. Die einen hielten sich mit Prophezeiungen vornehm zurück, die anderen hauten kräftig auf die Pauke.
Hier nur einige der Vorhersagen: Ampeln gehen aus, die Bahnen bleiben stehen, die Notstromaggregate in den Krankenhäusern sind überfordert, Operationen müssen ausfallen, Haushalte bleiben ohne Strom und die Wirtschaft funktioniert nicht mehr. Ob das alles auf einmal passieren würde oder erst nach und nach blieb erstmal offen. Und: Was ist wirklich passiert? Sind bei Ihnen die Kerzen ausgegangen, die Sie vorsorglich besorgt hatten? Eben: Nichts ist passiert, keine alarmierenden Nachrichten in den Medien. Weder in der Presse noch im Fernsehen, noch im Internet. Oder hatten die einfach nur mit EHEC und den dazu gehörigen Gurken, dem grünem Salat und den Tomaten ein besseres Thema gefunden?
Mal ganz im Ernst: Ich finde es eigentlich schade, dass offenbar überhaupt nichts geschehen ist, obwohl von 17 nur noch 4 Kernkraftwerke liefen. Denn: Wäre etwas passiert, hätten wir wenigstens gewusst, woran wir sind und worauf wir uns vorbereiten müssen. Zum Beispiel auf ein Gesetz, das bindend festlegt: Es gibt keine Widerspruchsmöglichkeit gegen den Bau neuer Hochspannungsleitungen, selbst, wenn sie vor meiner Haustür verlegt werden sollten. Gemeinsinn geht vor “Eigensinn”.
Vorläufig werden wir mit der „Apokalypse now“ – wenn wir manchen Experten glauben dürfen – auf den Winter vertröstet. Da wird nämlich jahreszeitlich bedingt wesentlich mehr Strom verbraucht, und auch die Franzosen können mit ihrem Atomstrom nicht helfen, denn den brauchen sie dann wahrscheinlich selbst.
Uns in Norddeutschland wird das alles weniger treffen als unsere Landsleute im Süden. Sie wissen schon: „Hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen“. Da soll alles tausendmal schlimmer werden als bei uns. Da schneit es häufiger, da ist es kälter, da gibt es mehr Industrie, die viel Strom verbraucht und, und, und. Ich sage mir jedoch: Die sieben Zwerge haben seinerzeit Schneewittchen gerettet, weshalb sollten sie also nicht in der Lage sein, sich auch selbst zu retten? So clever wie die sind…

Spätes Hobby, schönes Hobby: Den Hochadel im Herzen - und auf edlem Bütten…

30.04.2011

Es ist allgemein bekannt: Wenn Menschen älter werden, fangen sie an, in der Tageszeitung die Todesanzeigen zu lesen. Man will wissen: Wie alt werden andere Menschen denn so? Kenne ich vielleicht jemanden? Das Interesse oder die Neugierde kann aber noch weiter gehen. Nicht selten trifft man bei einem Familien-Begräbnis auf wildfremde Menschen. Vielleicht ist Ihnen das auch schon mal passiert.
Die Dame, die gleich zu Wort kommen soll, hat ihr Interesse gewissermaßen von ihren Eltern geerbt. Sie interessiert sich jedoch keineswegs für jeden. Aber lesen Sie selbst:
„Ich bin in der Mitte der zwanziger Jahre geboren. Wie wir alle wissen, war es eine schwierige Zeit. Inflation, Börsencrash, Arbeitslosigkeit machten den Menschen zu schaffen. Letztere betraf meine Familie glücklicherweise nicht, denn mein Vater war ein höherer Beamter und Reserveoffizier. Als Nesthäkchen der Familie und später Nachkömmling – ich hatte noch zwei wesentlich ältere Schwestern – bekam ich nur wenig von alldem mit. Später sprachen meine Eltern des Öfteren darüber, auch als Hitler an die Macht gekommen war und von vielen Menschen als Messias gefeiert wurde. Da lernte ich denn auch, dass meine Eltern zu den überzeugten „Kaisertreuen“ gehörten, die den böhmischen Gefreiten, wie sie ihn wohl nannten, von ganzem Herzen verabscheuten.
Ein einschneidendes Erlebnis für unsere Familie war dann der Tod des Kaisers im Frühsommer des Jahres 1941. Meine Eltern trugen drei Tag lang Schwarz. Ich weiß nicht, ob das der üblichen Hoftrauer entsprach, aber ich erinnere noch genau unsere Diskussion, ob wir eine Beileidskarte nach Holland schicken sollten. Das haben wir dann tatsächlich getan und uns riesig gefreut, als wir einige Zeit später eine Danksagung erhielten. Nach dem Tode meiner Mutter fand ich in ihren Unterlagen diese Danksagung wieder. Sie war von ihr mit einer goldenen Schleife versehen worden.
Seitdem ich im Augustinum bin, wo wir alle großen Zeitungen ausliegen haben, habe ich darin etliche Todesanzeigen des deutschen Hochadels gefunden und spontan Beileidsbezeugungen an die entsprechenden Adressen geschickt. Meistens erhielt ich eine Antwort. Kürzlich erst habe ich zum Tode von Herzog Georg Moritz von Oldenburg kondoliert. Meine Sammlung von Danksagungen ist und bleibt mein ganzer Stolz.“

Ich möchte der Schreiberin recht herzlich danken für die Offenheit und Souveränität mit der sie dieses doch sehr persönliche Thema behandelt und finde, es ist eine ganz besondere Art, sich mit Tradition und Geschichte zu befassen.

Spätes Hobby, schönes Hobby: Gut geplant ist schon mal halb gewonnen…

04.04.2011

Manch einer, der sich im Alter ein Hobby zulegen will, beginnt mit einem „Schnellschuss“ und wirft dann, wenn nicht alles so geht, wie er sich das gedacht hat, vorzeitig die Flinte ins Korn. Wenn man erstmal frustriert ist, wird es dann oft doppelt schwer, noch einmal einen Anlauf zu wagen. Das haben schon viele leidvoll erfahren müssen.
Wie man es besser macht, können Sie dem folgenden Bericht einer Mitbewohnerin von mir entnehmen.

„Als Kind mochte ich nicht malen und zeichnen; meine Gebilde missfielen mir immer. In einer höheren Schulklasse sollten wir einander porträtieren; das machte mir Spaß und weckte die Neugier, so dass ich mir in den verregneten Sommerferien danach einen Zeichenblock nahm, und siehe da, nach einigen Anläufen war der Jasminzweig, den ich gezeichnet hatte, als solcher zu erkennen! - Dann war ich viele Jahre vollauf beschäftigt mit Haushalt und Kindern, Studium und Beruf.
Als die Pensionierung nahte, machte ich mir Gedanken, was ich mit der vielen freien Zeit wohl anfangen könnte. Im Nachhinein glaube ich, waren es vor allem zwei Motive, die für das Hobby „Malen und Zeichnen“ den Ausschlag gaben: Ich hatte einen sehr schönen und interessanten Beruf , aber in der Beschäftigung mit den Problemen und Leiden meiner Klienten war ich immer mit den Schattenseiten des Lebens konfrontiert. Das wirkte über die Jahre hinweg doch oft bedrückend. Davon wollte ich mich erholen und mir darum vermehrt die farbige, fröhliche Seite der Welt anschauen und sie eventuell wiedergeben. –
Das zweite Motiv geht auf die häufigen, weiten Reisen zurück, die ich mit meinem Mann machen konnte. Die vielfältigen Eindrücke jagten und überlagerten sich, und nach meiner Rückkehr glaubte ich kein einziges Bild davon in meinem Inneren zu haben und war mit mir unzufrieden und manchmal auch traurig. So fing ich an, wann immer es ein bisschen Zeit auf den verschiedenen Reisestationen gab, eine Skizze zu machen. Das hatte sogar mehrere Vorteile; während der Anfertigung nahm ich das Gesehene viel genauer in mich auf, ich hatte eine Skizze mit nach Hause zu nehmen und konnte später vielleicht im Atelier ein Bild daraus machen für eine Galerie von Reisebildern.(Fotografieren ist kein Ersatz, finde ich)
Dieses Hobby bringt auch noch mehr für mich. Weil man vor dem Malen und Zeichnen erst einmal den Gegenstand genau ansehen muss, habe ich sehen gelernt und nehme jetzt allgemein viel mehr von meiner Umgebung auf: viele Nuancen von Farben, Feinheiten von Strukturen, interessante Proportionen – sogar farbige Schatten! Haben Sie die schon mal versucht zu sehen? Es gibt sie! Das alles ist wirklich eine Bereicherung und macht mir viel Freude. – Und während des Zeichnens und Malens bin ich ganz konzentriert und lebe nur in der Gegenwart, im Hier und Jetzt. Das empfinde ich jetzt im Alter auch beglückend und wichtig.“

Ich glaube, zufriedener kann man gar nicht sein. Wollen wir das nicht gern alle so haben?