Ich bin kein Mensch, der gerne Ordnung hält
30.04.2012Ich weiß: Es gibt Menschen für die ist Ordnung das halbe Leben. Manchmal überlege ich, ob ich diese Menschen bewundern oder bemitleiden soll. Immer wenn ich vergeblich etwas suche, bewundere und beneide ich sie, und immer, wenn ich aus einem Wust von Papier auf Anhieb das richtige heraus finde, bin ich wiederum richtig stolz auf mich.
Mein Appartement hier im Augustinum Hamburg hat zwar angenehme 41 qm, aber nur 1 Zimmer. Das allerdings ist ganz schön groß, größer als in den meisten 2-Zimmer-Appartements. Jetzt kann man darüber trefflich streiten, ob man in einem 1- Raum-Appartement theoretisch besser Ordnung halten kann als in 2 Räumen oder umgekehrt.
In den letzten Tagen habe ich mich endlich dazu aufgerafft, meine “Dinge zu ordnen”, wie man so schön sagt. Das heißt, ich habe ein Schriftstück verfasst mit dem schönen Titel “Für den Todesfall”. Schließlich mache ich mir - bei aller Liebe am Leben - nichts vor. Irgendwann wird auch mein letztes Stündlein geschlagen haben. Und da will ich meiner Familie doch keine “ungeordneten” Verhältnisse hinterlassen.
Ich habe also eine sehr penible Aufstellung gemacht, in der genau drin steht, wo bestimmte Unterlagen zu finden sind. Leider gibt’s da nämlich nicht nur 1 Möglichkeit. Wichtig ist natürlich, wer im Falle meines Todes zu benachrichtigen ist und dann auch, wo mein Vermögen versteckt ist. Ha, ha, ist ein Scherz! Nicht das Vermögen sondern das Versteck. Da zumindest ist alles bestens geregelt. Aber: Was ist steuerlich und rentenmäßig zu bedenken? Welche Abos müssen gekündigt werden, welche Abbuchungen sollten künftig weg fallen? Was ist mit dem Augustinum zu regeln? Was ist mit meinem Testament?
Denken Sie einmal darüber nach, wie das alles bei Ihnen aussieht. Und nicht vergessen: Ab und zu muss man auch mal überprüfen, ob noch alles stimmt oder ob neue Dinge dazu gekommen sind. Wenn man das immer gleich macht, wenn sich etwas ändert, nennt man das etwas “à jour” bringen. Für Ordnungs-Fanatiker selbstverständlich, für alle anderen “beherzigenswert”.
Was ganz anderes: Heute war ich bei meinem Lieblings-Italiener. Das Essen war gut, wenn auch nicht überragend. Das könnte aber auch an mir gelegen haben. Als kleinen Ausgleich habe ich mir zum Schluss eine “Kleine Käse-Variation” geleistet. Was für eine Enttäuschung. Italiener sind eben keine Franzosen. Jetzt sollte ich eigentlich in meinem PC eine Ordnungs-Notiz hinterlegen: “Lieblings-Italiener” - vor Käse-Variation hüten!