Archiv für ‘Aus dem Leben gegriffen’ Kategorie

Augustinum Hamburg: Zwanzig Jahre danach…

05.05.2012

Vielleicht kennen Sie ja “Die drei Musketiere”. Das Buch oder auch den Film. Vom Buch gibt es eine Fortsetzung mit dem Titel “Zwanzig Jahre danach”. Ob vom Film auch, weiß ich nicht genau, aber ich glaube schon. Immerhin dürfte die Geschichte ja wohl zigmal gedreht worden sein.
Im Augustinum haben wir jetzt auch “Zwanzig Jahre danach”. Nein, nicht zwanzig Jahre nach Eröffnung - das dauert noch ein paar Jahre - sondern nach “Grundsteinlegung”. Ich sage dazu nur: “Wenn man gerne feiert, findet man in einem Augustinum immer einen Anlass.”
Dabei waren auch Gäste herzlich willkommen. Aus der Umgebung, aus dem Bereich Kultur und seltsamerweise auch ein ganzer Schwarm Kinder. Ich weiß nicht, ob es sich da auch um Enkelkinder von Bewohnern oder um Kinder von Mitarbeitern oder einfach nur aus der Nachbarschaft handelte, auf jeden Fall amüsierten sie sich königlich auf einer riesigen “Hüpfburg”. Ich habe so was noch nie gesehen sondern immer nur davon gehört. Wenn ich 70 Jahre jünger wäre, hätte ich bestimmt mitgemacht. So musste ich mich mit Bier und Bratwurst zufrieden geben. Nebenbei gab es flotte Swing-Musik und einen Spielmannszug, von dem ich allerdings nichts gehört habe. Abends folgte dann noch im Augustinus Saal ein festliches Streichkonzert. Alles in allem ein gelungener Tag für alle.

Ich bin kein Mensch, der gerne Ordnung hält

30.04.2012

Ich weiß: Es gibt Menschen für die ist Ordnung das halbe Leben. Manchmal überlege ich, ob ich diese Menschen bewundern oder bemitleiden soll. Immer wenn ich vergeblich etwas suche, bewundere und beneide ich sie, und immer, wenn ich aus einem Wust von Papier auf Anhieb das richtige heraus finde, bin ich wiederum richtig stolz auf mich.
Mein Appartement hier im Augustinum Hamburg hat zwar angenehme 41 qm, aber nur 1 Zimmer. Das allerdings ist ganz schön groß, größer als in den meisten 2-Zimmer-Appartements. Jetzt kann man darüber trefflich streiten, ob man in einem 1- Raum-Appartement theoretisch besser Ordnung halten kann als in 2 Räumen oder umgekehrt.
In den letzten Tagen habe ich mich endlich dazu aufgerafft, meine “Dinge zu ordnen”, wie man so schön sagt. Das heißt, ich habe ein Schriftstück verfasst mit dem schönen Titel “Für den Todesfall”. Schließlich mache ich mir - bei aller Liebe am Leben - nichts vor. Irgendwann wird auch mein letztes Stündlein geschlagen haben. Und da will ich meiner Familie doch keine “ungeordneten” Verhältnisse hinterlassen.
Ich habe also eine sehr penible Aufstellung gemacht, in der genau drin steht, wo bestimmte Unterlagen zu finden sind. Leider gibt’s da nämlich nicht nur 1 Möglichkeit. Wichtig ist natürlich, wer im Falle meines Todes zu benachrichtigen ist und dann auch, wo mein Vermögen versteckt ist. Ha, ha, ist ein Scherz! Nicht das Vermögen sondern das Versteck. Da zumindest ist alles bestens geregelt. Aber: Was ist steuerlich und rentenmäßig zu bedenken? Welche Abos müssen gekündigt werden, welche Abbuchungen sollten künftig weg fallen? Was ist mit dem Augustinum zu regeln? Was ist mit meinem Testament?
Denken Sie einmal darüber nach, wie das alles bei Ihnen aussieht. Und nicht vergessen: Ab und zu muss man auch mal überprüfen, ob noch alles stimmt oder ob neue Dinge dazu gekommen sind. Wenn man das immer gleich macht, wenn sich etwas ändert, nennt man das etwas “à jour” bringen. Für Ordnungs-Fanatiker selbstverständlich, für alle anderen “beherzigenswert”.
Was ganz anderes: Heute war ich bei meinem Lieblings-Italiener. Das Essen war gut, wenn auch nicht überragend. Das könnte aber auch an mir gelegen haben. Als kleinen Ausgleich habe ich mir zum Schluss eine “Kleine Käse-Variation” geleistet. Was für eine Enttäuschung. Italiener sind eben keine Franzosen. Jetzt sollte ich eigentlich in meinem PC eine Ordnungs-Notiz hinterlegen: “Lieblings-Italiener” - vor Käse-Variation hüten!

Ich weiß gar nicht, ob ich schon davon berichtet habe…

26.04.2012

…nämlich von der Tatsache, dass ich seit einigen Monaten stolzer Besitzer eines ganz besonderen Festnetz-Telefons bin. Mit diesem “Festnetz-Telefon” kann ich von jeder Ecke meines Appartements schnurlos telefonieren. Dazu muss ich nicht etwa das ganze Telefon in die letzte Ecke transportieren oder ein schnurloses “Extra-Telefon” immer wieder aufladen, weil es sonst nicht funktioniert, sondern nur den Hörer meines neuen Telefons in die Hand nehmen. Das geht ganz einfach, da der Hörer an keine Schnur angebunden ist. Ist das Gespräch beendet, lege ich den Hörer einfach wieder auf.
Klingt gut, nicht wahr? Ist auch gut. Aber wenn eines gut ist, muss nicht alles gut sein. (Alte Lebensregel.) Aber das merkt man immer erst nach dem Kauf. Das Telefon sieht aus wie eines aus der Frühzeit des vorigen Jahrhunderts. Retro-Look nennt man das heute. Mit einer imitierten Wählscheibe seligen Angedenkens. Genauso sind nämlich die Ziffern von 0 - 9 angeordnet. Können Sie sich vorstellen, nicht wahr? Nur dass man an den Ziffern nicht drehen muss, sondern sie ganz modern “drückt”. Dann macht es ein Geräusch, als ob gedreht wird, aber es dreht sich eben nichts. Trotzdem wird die betreffende Ziffer angewählt. Alles klar?
Aber wenn sich der Angerufene nicht meldet oder besetzt ist, hätte ich bei meinem alten Telefon nach einiger Zeit auf “Wahlwiederholung” gedrückt und notfalls im Laufe des Tages noch mal und noch mal usw. . Und jetzt? Pustekuchen: Wahlwiederholung ist nicht. Ganz schön blöd. Ich muss also alle Ziffern noch einmal drücken. Wenn ich Glück habe, kann es bei einem Mal bleiben. Wenn nicht…nun Sie können sich das sicher vorstellen. Ich vermute, ‘Wahlwiederholung” gab es vor 50, 60 Jahren auch nicht.

Eine Bratwurst auf die Hand, direkt bei uns am Elbestrand

23.04.2012

An unserem Fähranleger liegt seit vielen Jahren die außer Dienst gestellte Hafenfähre “Bergedorf” fest vor Anker. Nur zum Hafengeburtstag werden die Leinen los gemacht, und die Bergedorf nimmt Fahrt auf. Mit Passagieren, versteht sich.
In der übrigen Zeit des Jahres ist ihre Bestimmung “Restaurant und Café”. Es gibt regionale Gerichte, Kaffee und Kuchen, ein gut gezapftes Bier und vieles mehr. Ein paar Mal im Jahr kehre ich dort ein und esse eine Kleinigkeit. Wenn draußen schönes Wetter ist, mache ich mich am Sonntag-Nachmittag auf und gucke, ob der Bratwurst-Grill in Betrieb ist. Genau gesagt: Ich mache das nur, wenn ich am Mittag fleischlos gegessen habe. Die fleischlosen Gerichte in unserem Kuppelrestaurant - Menü Nr. 3 - sind meistens ausgesprochen lecker, aber so eine schöne Thüringer Bratwurst quasi als Vor-Abendbrot hat eben auch was.
Der Grill steht draußen auf dem Ponton und wird von einem Schwarzen Mann bedient. Der kennt mich schon und grinst mich mit seinen weißen Zähnen im schwarzen Gesicht freundlich an, wenn ich komme. Ab und zu haben wir einen Deal gemacht. Ich möchte die Bratwurst immer schön “braun” haben. Manch einer würde wohl sagen “leicht verkohlt”. Ich weiß, das soll angeblich Krebs fördernd sein, aber ich glaube nicht, dass das schon bewiesen ist. Außerdem: Ich esse ja nicht jede Woche etwas Verkohltes.
Wenn mir die Bratwurst noch zu hellhäutig war, habe ich des Öfteren meine 2 Euro im voraus bezahlt und gesagt, dass ich in einer Viertelstunde wieder kommen würde. Ich muss sagen: Manchmal fällt es mir sehr schwer, mich so lange auf eine Bank zu setzen und zu warten bis meine Bratwurst endlich die richtige Bräune hat. Aber was tut man nicht alles für den richtigen Genuss.
Kürzlich stand am Grill statt des Schwarzen Mannes ein blonder Jüngling. Der nahm zunächst einmal 50 Cent mehr für die Bratwurst. Darüber hinaus hatte er für seine Kundschaft nicht einmal ein Lächeln übrig. Ich fand: So machte die Sache keinen richtigen Spaß mehr und verzichtete für längere Zeit auf meinen angestammten Genuss.
Gestern nun habe ich einen neuen Versuch unternommen. Und siehe da: Mein schwarzer Freund war wieder da. Und mit ihm auch der alte Preis: 2 Euro für eine schöne braun gebrannte Bratwurst. Ich hoffe, der blonde Jüngling bleibt da wo der Pfeffer wächst.

“Sie sind Fürst Pückler!”

19.04.2012

So sprach mich eine Dame an, die ich an unserer Bus-Haltestelle gerade freundlich gegrüßt hatte, weil sie mir irgendwie bekannt vor kam. Ich stutzte und lachte, denn Fürst Pückler war das Thema meines letzten Vortrages im Augustinum gewesen. Damit hatte ich viele überrascht, denn kaum jemand hatte gewusst, was für ein toller Mann das gewesen war. Und nun war ich plötzlch “Fürst Pückler”.
Nachdem ich meinen “richtigen” Namen genannt hatte, und sie mir auch sagte wie sie heißt - ich habe es sogar bis jetzt behalten, aber ich weiß nicht, ob ich sie so ohne weiteres wieder erkennen würde. Wir unterhielten uns über dies und jenes, hauptsächlich natürlich über unser Augustinum, stiegen dann in den Bus ein und führten unser Gespräch dort fort. Wie es meistens so ist, wenn man sich an unserer Bus-Haltestelle trifft, hatten wir das gleiche Ziel: “Bahnhof Altona”, wo alle Einkäufe ihren Anfang nehmen. Bis dahin sind es nur wenige Stationen, aber man kann sich trotzdem so einiges erzählen. Als dann schließlich jeder von uns seiner Wege ging, sagte ich “Tschüss” und sie sagte: “Auf Wiedersehen Herr Fürst.”
Da wusste ich wirklich nicht mehr: War das ein Versehen oder der volle Ernst?