Wir Älteren haben wenig Grund, uns auf die Welt der Elektroautos zu freuen…
Geschrieben am 16.02.2012 von Uwe NeumannDie Bundesregierung hat sich ein hohes Ziel gesetzt: Bis zum Jahre 2020 sollen sich auf deutschen Straßen 2 Millionen Elektroautos tummeln. Ein zu hohes Ziel? Immerhin wollen die deutschen Automobil-Konzerne jetzt endlich gemeinsam an der “Elektromobilität” arbeiten. Wir sind ja auch schon ganz schön in Rückstand geraten, verglichen mit den Südkoreanern, Japanern und - ja, auch unseren französischen Nachbarn. Allerdings: Wer mit Strom fahren will, muss mit Sicherheit sehr tief in die Tasche greifen. Er muss auch sehr häufig tanken, da die Reichweite gering ist und bisher kaum jemand weiß, wo er denn tanken kann. Mal ganz abgesehen davon ist auch noch offen, ob es in Zukunft überhaupt genug Strom gibt. Man kann eben nicht die Kernkraftwerke abschalten und dann auch noch am Ende für mehr als 40 Millionen Pkws - so viele gab es im letzten Jahr in Deutschland - Benzin und Diesel durch Strom ersetzen. Wobei auch nur “Öko-Strom” die Energiebilanz der Elektroautos wirklich positiv beeinflusst.
Natürlich, wenn wir an das große Ganze denken, an die Rettung der Welt vor dem Klimawandel und an die schwindenden Ölvorräte, dann wäre eine gut geplante Elektromobilität schon wünschenswert. Da sollten wir Älteren uns nicht ausschließen. Auch wenn der Anteil der über 60jährigen unter den Autohaltern nur bei ca. 27% liegt, und bei den über 80jährigen mit Sicherheit noch viel niedriger. Aber wir sind vor allem auch Fußgänger. Und da ist die Frage: Wer rettet uns, wenn wir als ältere Menschen in Zukunft die heranbrausenden Autos nicht mehr hören? Und möglicherweise auch nicht mehr so richtig sehen?
Das Problem ist erkannt. Politiker, Blindenverbände und sogar die UNO sind sensibilisiert. Elektroautos sind fast lautlos. Insbesondere beim Anlassen des Motors, beim Anfahren und bei Geschwindigkeiten bis zu 20 kmh. Auch wenn ein Elektroauto beim Ausparken rückwärts fährt, hört man nichts. Was manchen lärmgeplagten Großstadt-Bewohner freuen mag, ist für uns Alte also eine latente Gefahr. Wobei noch hinzu kommt, dass mancher ältere Mensch die in Jahrzehnten liebgewonnene Angewohnheit hat, Fußgänger-Überwege links liegen zu lassen. Ganz einfach, um einen oft ärgerlichen Umweg zu vermeiden.
Die lautlosen “Stromer” sollen also zumindest soviel Lärm machen, dass jeder sie bemerkt. Manche Experten fordern sogar, dass ein Elektrofahrzeug durch entsprechende “Lärm-Signale” auch Auskunft über das Fahrverhalten geben soll, wie “beschleunigen”, “verzögern” und “Konstantfahrt”. Andere wiederum halten die ganze Aufregung für einen Sturm im Wasserglas. Sie argumentieren damit, dass heutzutage moderne Autos mit Diesel- oder Verbrennungsmotor schon fast so leise sind wie die künftigen Elektroautos. Technisch gesehen ist es natürlich überhaupt kein Problem, in jedem Elektroauto ein “Sounddesign” zu installieren. Wobei man nur aufpassen müsste, dass niemand übertreibt. Wer hätte nicht gern einen richtig schönen Sportwagen-Sound? Ein Elektro-Polo oder Mini mit Ferrari-Klang - das wär’ doch was. Oder?
„Sound-Ingenieure“ arbeiten bereits an verschiedenen Möglichkeiten für künstliche Warnsignale, die bis zu einem bestimmten Fahrtempo per Lautsprecher unter der Motorhaube oder hinter dem Stoßfänger ausgestrahlt werden sollen. Vielleicht ja nicht andauernd sondern nur dann, wenn ein Meldesystem im Wege stehende Fußgänger erfasst und die entsprechenden Geräusche auslöst.
Ich denke, wir dürfen gespannt sein, was da noch auf uns zu kommt. Wenn wir das noch erleben.
17.02.2012 um 16:56
Lieber Herr Neumann,
ich meine, daß vor allem die Busse (PNV) mit Wasserstoff-Hybrid sehr vorteilhaft zum Sparen anhalten würden. Sind Sie schon einmal mit so einem (Wasser-) “Dampfer” hier beim HVV gefahren ? ich fand ihn große Klasse!
Die Elektroautos müssen nicht nur aus Kostengründen in Zukunft wohl dann nicht nur von einer einzigen Person genutzt werden, oder? Außerdem werden die Elektro-Tankstellen meist (nach meinen Beobachtungen in der Nachbarschaft) von egostischen Benzin-/Dieselfahrern trotz Kenntlichmachung zugeparkt.
Grüße von Sibylle G. aus HH-W.
18.02.2012 um 10:38
Liebe Sybille G., ja, ich kenne die HVV-Busse, die mit Wasserstoff betrieben werden. Wenn ich mich recht erinnere bin ich auch schon mal mit einem gefahren. Ich kann Ihre Ansicht dazu nur bestätigen. Allerdings kann ich nichts zur “Effizienz” dieser Busse sagen. Meines Wissens dürften sie jetzt schon ein paar Jahre in der Erprobung sein, ohne dass man Näheres gehört hat.
Dass Besitzer von Elektroautos weitere Fahrgäste mitnehmen sollten, kann ich mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen. Dass wäre ja noch eine weitere Hürde. Wenn es stimmt, was Sie über das “Zuparken” von Elektro-Tankstellen schreiben, sollten Sie das mal der Polizei melden oder die Bild-Zeitung drauf hetzen.
Viele Grüße U. N.
18.02.2012 um 11:10
Sooo einfach ist das nicht mit “der Polizei melden”! Hier in Stuttgart kennt der Schreiber zwei derartige Zapfstellen, die auch fast immer mit anderen Fahrzeugen zugeparkt sind. Es findet sich aber auch kein Hinweis, daß das nicht erlaubt sei. Da kommt möglicherweise irgendeine “…..-Verordnung” ins Spiel. Also nutzt man natürlich diese günstige Lücke, wenn es sonst schon voll ist!
18.02.2012 um 15:50
Das habe auch selbst erfahren - auf unserer Revierwache, auf der ich wg. einer anderen Sach war, wurde dies mit der Bemerkung entgegnet: “Danke, aber wir sind gerade sehr wenige Leute und da müssen wir abwägen….”
Autofahrer, die in einem 4-5sitzigen Auto allein fahren, fand ich übrigens schon immer ziemlich egoistisch….
Gruß Sibylle*
siehe Duden 25. Auflage, Seite 983, mittlere Spalte = soll auch einzig richtige Schreibweise aus dem Griechischen sein!
18.02.2012 um 16:30
Zunächst mal meine Entschuldigung wegen des falsch geschriebenen Vornamens. Ich hätte ja auch mal genauer hingucken können. Das ist so ähnlich wie Libyen - habe ich früher auch immer falsch geschrieben.
Aber noch einmal zu den Wasserstoff-Bussen: Ich hatte meinen Kommentar gerade abgeschickt, als ich im Hamburgteil der “WELT” einen Artikel fand, aus dem hervorging, dass es seit gestern in der Hamburger Hafencity eine Wasserstoff-Station gibt, die täglich bis zu 20 Brennstoffzellenbusse sowie zahlreiche Autos versorgen kann. Das wurde natürlich an Ort und Stelle vom Hamburger Wirtschafts-Senator demonstrativ begrüßt und als Technologie der Zukunft gefeiert.
19.02.2012 um 14:39
Oh, bitte - da nicht für- wie der Hamburger so sagt. Manche Lektoren! schreiben selbst die Damen in der Sixtinischen Kapelle falsch herum .
Diese H-Tankstelle (Europas größte öffentliche T.) an der Oberbaumbrücke wurde schon seit 2009 hingebastelt.
Im Parkhaus am Hanseviertel gibt es außerdem auch seit Jahren ein E-Tankstelle.
Gruß Sibylle