Den schwarzen Schafen in den weißen Kitteln soll es künftig an den Kragen gehen
29.02.2012So lange es Umfragen zum Thema “Ansehen von Berufen” gibt, haben immer die Ärzte in der Gunst der befragten Bürger vor allen anderen Berufen gelegen. Wie könnte es auch anders sein bei den “Göttern in Weiß”? Dieses Bild hat sich offenbar in den letzten Jahren gewandelt. Zwar ist man wohl immer noch der Meinung, dass man der Kunst der Ärzte viel zu verdanken hat, aber das Bekanntwerden vor allem von Honorar-Betrügereien hat doch so einige Fragen aufgeworfen. So schätzt die Anti-Korruptions-Organisation Transparancy International den jährlichen Gesamtschaden - nicht nur durch Betrug von Ärzten sondern auch von Krankenhäusern, Apotheken, Sanitäts-Fachgeschäften, Krankengymnasten usw. - in Deutschland auf acht bis 24 Milliarden Euro. Milliarden, die dem ohnehin stark strapazierten Gesundheitssystem fehlen. Und die wir am Ende mit unseren Beiträgen bezahlen müssen. Es ist also nicht so, dass uns diese Betrügereien egal sein könnten.
Da fragt man sich als Kassenpatient dann doch schon mal: “Hat vielleicht auch mein Arzt Leistungen abgerechnet, die er gar nicht erbracht hat?” Privatpatienten sind da besser dran, da sie ja nach jedem Besuch eine Rechnung bekommen und daraus ersehen können, für welche ärztliche Leistung der Arzt wie viel berechnet hat. Vielleicht kann man nicht immer alles nachvollziehen, aber der Arzt muss doch jederzeit damit rechnen, dass der Patient, der ja die Rechnung zumindest teilweise bezahlen muss, einen kritischen Blick darauf hat.
Mitglieder der gesetzlichen Kassen haben diesen Blick nicht. Sie können ihn gar nicht haben, weil sie auch keine Rechnungen erhalten. Es stimmt zwar, dass der Arzt ihnen auf Wunsch eine Patienten-Quittung geben muss, auf der seine Behandlungen aufgelistet sind, aber wer traut sich schon, danach zu fragen? Immerhin könnte der Arzt das ja als ein Misstrauens-Votum ansehen und dem Patienten übel nehmen.
Man kann auch die eigene Krankenkasse fragen. Meine Kasse forderte kürzlich in ihrer Mitglieder-Zeitschrift sogar dazu auf. Ich habe keine Ahnung wie kompliziert das sein könnte, außerdem macht das möglicherweise auch nicht jede Kasse. Deshalb soll per Gesetz festgelegt werden, dass alle Kassenpatienten künftig auf der Homepage ihrer Krankenkasse einsehen können, wie viel der Arzt für Behandlungen und Verordnungen der Kasse in Rechnung gestellt hat. Man müsste das ja nicht immer machen, aber einmal so “spaßeshalber”? Mal sehen, wann es tatsächlich so weit ist.
Ich bin gespannt und bin mir heute noch nicht sicher, was ich wohl tun werde. Meine Ärztin im Augustinum ist doch soooo nett. Und tüchtig ist sie auch.