Archiv für 01.2012

Wir alle wissen: Das Leben ist “endlich!”

29.01.2012

Zuweilen werde ich von Freunden und Bekannten gefragt: Wie hält man das eigentlich aus, wenn um einen herum regelmäßig Menschen sterben? Ich sage dann: Jeder, der den Entschluss fasst, in eine Seniorenresidenz oder ähnliche Institution zu ziehen, weiß ganz genau, dass das Leben endlich ist. Das ist der Lauf der Zeit. “Treffen” kann es jeden. Den 75jährigen, der gerade eingezogen ist genauso wie den, der schon seit 20 Jahren im Hause wohnt und jetzt mehr als Hundert Jahre zählt. Deshalb ist auch jeder mehr oder weniger darauf vorbereitet. Gesprochen wird darüber allerdings so gut wie nie. Kürzlich jedoch sprach mich ein Mitbewohner an und äußerte heftige Kritik an der Stiftsleitung. Er meinte, jetzt würde man es wohl schon nicht mehr für nötig halten, der Bewohnerschaft mitzuteilen, dass jemand gestorben sei.
Ich muss zur Erklärung sagen: Wenn ein Bewohner gestorben ist, findet bei uns jeder am nächsten Tag eine Todesnachricht mit Namen, Todestag und - nicht immer, wenn auch meistens - dem Alter des Betreffenden in seinem Wohnungsbriefkasten. Da ich wusste, dass der Mitbewohner, der sich so bitter beklagte und sogar meinte wir hätten doch wohl als Bewohner-Gemeinschaft einen Anspruch darauf, von den Todesfällen zu erfahren, sich sehr leicht einmal kritisch äußert, ging ich der Sache auf den Grund. Ich erfuhr daraufhin von der Leiterin unserer Bewohner-Betreuung, dass in diesem speziellen Fall der Ehemann, der auch im Hause wohnt, eine Bekanntgabe nicht wünschte. Solch ein Fall sei selten, aber käme - auch auf Wunsch von anderen Hinterbliebenen - schon mal vor, und dass Haus müsste das, allein schon aus Datenschutzgründen, respektieren. Ich habe dann den kritischen Mitbewohner informiert und dabei gedacht, er hätte ja auch mal selber fragen können. Aber die kritischen Mitbewohner machen oft nur dann den Mund auf, wenn sie unter sich sind. Ich finde das schade und denke, dass es ein Mangel an Zivilcourage ist. Aber vielleicht hat derjenige ja schon mal schlechte Erfahrungen gemacht.
Natürlich berührt es einen, wenn ein direkter Wohnungsnachbar verstirbt oder auch jemand mit dem man vielleicht viele Jahre lang mittags bei Tisch gesessen hat, plötzlich nicht mehr da ist. Da muss auch nicht immer gleich das Schlimmste passiert sein. Manch einer, dem es gesundheitlich schlecht geht, zieht sich nach und nach vom gemeinsamen Mittagstisch zurück und isst lieber in seinem Appartement. Da im Augustinum pflegbedürftige Bewohner in ihrem Appartement gepflegt und umsorgt werden, dort also auch ihre Mahlzeiten einnehmen, ändert sich so viel gar nicht. Außer, dass die gewohnten Gesprächspartner fehlen. Es gibt aber auch etliche Bewohner, die im Rollstuhl sitzen und sich von den Pflegekräften in unser Kuppelrestaurant bringen lassen. So können sie weiter an den Gesprächen teilnehmen und sehen etwas von der Welt.
Natürlich ist ein Todesfall für kurze Zeit Gesprächsstoff und Anlass zum Innehalten. Doch nur selten lässt jemand tiefer in sich hinein blicken. Selbst wenn man lange mit einem Mitbewohner oder einer Mitbewohnerin zusammen gesessen hat. Schon bald finden sich neue Gesprächs- und Tischpartner. Das Leben geht weiter. Das ist auch eine Gewissheit, die uns verbindet.

Heute werden schon den Babys die ersten Flötentöne beigebracht

28.01.2012

Ich erinnere mich: Schon in den ersten Schuljahren hatte ich, wenn ich mich an die Hausaufgaben machte, immer das Radio an. Meine Mutter regte das wahnsinnig auf. Sie meinte, ich könnte mich bei dem Gedudel - ich weiß gar nicht mehr, welche Art Musik ich gehört habe - doch gar nicht richtig konzentrieren. Und ob ich das konnte. Bis heute - auch wenn ich diesen Blog schreibe - höre ich Radio. Sollte ich mich ernsthaft konzentrieren müssen, blende ich die Musik in meinem Kopf automatisch aus. Ich höre sie dann gar nicht. Was natürlich auch wieder schade ist.
Für mich gibt es dabei nur einen Sender: Klassik Radio. Mir ist kein anderer Sender bekannt, der so ganz und gar auf klassische Musik setzt, einzig angereichert mit “New Classic”. Das ist in erster Linie “beste” Filmmusik und nicht die avangardistische moderne Musik, die mir Magenschmerzen bereitet, und die ich absolut nicht verstehe, obwohl sie in meinem Abonnement der Hamburger Philharmoniker immer wieder mit angeboten wird. Solch ein staatliches Orchester hat in diesem Lande natürlich auch einen Bildungsauftrag. Ob es dem zahlenden “Kunden” nun gefällt oder nicht.
Was ich noch gut finde bei Klassik Radio ist die Tatsache, dass man auf “Gequatsche” weitestgehend verzichtet. Alle halbe Stunde höchstens 5 Minuten Kurznachrichten (einschließlich Werbung) - das ist alles. Die meist “älteren” Hörer von Klassik Radio sind nun mal für die werbende Wirtschaft mehr oder weniger uninteressant. Gott sei Dank.
Das kann natürlich anders werden, wenn sich nicht nur die Älteren sondern irgend wann auch mal die Jugend für klassische Musik interessiert. Was leicht passieren kann, denn der “Klassik Radio Store” bietet neuerdings eine Doppel-CD “Klassik für Babys” an. Mit Titeln, die das Baby beruhigen, es sanft in den Schlaf wiegen und es darüber hinaus inspirieren. Studien sollen ergeben haben, das auch die Kreativität und die Intelligenz gefördert wird. Ob aus diesen Babys später mal große Musiker oder sogar Komponisten werden, wird die Zeit zeigen müssen. Die CDs sind ja schließlich erst seit kurzem auf dem Markt.
Bekannt ist übrigens seit langem, dass Musik bei Kühen die Milch-Produktion anregt. Zwölf Stunden lang wurden den Tieren gemächliche Titel vorgespielt, was ca. 3% mehr Milch ergab. Bei schnelleren Stücken waren dagegen die Euter weniger gut gefüllt. Der Unterschied dürfte darauf beruhen, dass beruhigende Musik den Stress reduziert.

Und mit welchen Komponisten werden die Babys nun bekannt gemacht?
Es sind unter anderem Johann Sebastian Bach, Händel, Debussy, Brahms und Schumann speziell mit seinen Kinderszenen.
Auch mein Lieblingskomponist Erik Satie ist dabei. Die Gymnopedie Nr. 1., nur 4 oder 5 Minuten lang, beruhigt sogar mich auf der Stelle in jeglicher Stress-Situaton. Sehr zu empfehlen.

Schönes Wetter heute und so nette Leute…

26.01.2012

Man sagt Hamburg ja “beständigen” Regen oder zumindest schlechtes Wetter nach. Welch ein Quatsch. Wer regelmäßig den Wetterbericht im Fernsehen sieht wird nicht umhin kommen, mir Recht zu geben. Ein früheres Kollegen-Ehepaar, das Anfang der 80er Jahre aus München kam und wohl das Schlimmste erwartet hatte, gab seinerzeit zu “Protokoll”, dass sich beide Städte in punkto Regen nichts nehmen würden. Es ist eben alles relativ.
Ich stelle immer wieder fest, dass wir als Anwohner direkt am “Elbstrom” bevorzugt sind. Wenigstens, was die Außentemperatur betrifft. Das Wasser ist zu bestimmten Jahreszeiten wärmer als die Luft und strahlt diese Wärme teilweise ab. Was uns dann tatsächlich mit ein paar Grad mehr zugute kommt.
Viele Jahre lang habe ich die Temperatur mit einem einfachen und billigen Außenthermometer gemessen. Leider konnte ich es nicht am Fensterrahmen festschrauben. Der Rahmen meines Erker-Fensters - es ist das einzige, wenn auch große Fenster meines Appartements - besteht nämlich nicht aus Holz sondern aus Metall. Ergo blieb mir nur ein ganz einfaches Plastik-Thermometer zum Ankleben an die Fensterscheibe. Nachdem binnen kurzer Zeit das zweite Thermometer vom “Winde verweht” wurde habe ich es aufgegeben.
Jetzt ziehe ich meinen Computer zu Rate. Der gibt mir präzise die aktuelle Hamburger Außentemperatur an, außerdem ob es in Kürze regnen wird oder nicht. Bleibt der Wind, der vor allem so manche Bewohnerin davon abhält, sich nach draußen zu begeben. Ich muss zugeben: Er weht manchmal ein wenig heftig. Für mich ist es eine frische Brise, die mich mal ein bisschen durchpustet. Aber so etwas ist eben nicht jedermanns Sache.
Ich habe für den Wind sogar einen gewissen “Gradmesser”. Meinem Fenster gegenüber befinden sich sehr schöne Ein- und Mehrfamilien-Häuser aus Wilhelminischer Zeit. Sie alle haben ziemlich große Vorgärten, in denen Fahnenstangen aufgestellt sind. Daran findet sich die deutsche Flagge - zu Zeiten von Welt- oder Europameisterschaften im Fußball - ferner die Flagge von Schleswig-Holstein oder direkt mir gegenüber die dänische Flagge und darüber noch ein deutscher Wimpel.
Je nachdem, wie stark die Flaggen im Winde flattern, kann ich nicht nur die allgemeine Windrichtung sondern auch die Stärke des Windes ermessen. Na, ja, sagen wir: So ungefähr.
Wenn das Wetter mitspielt, begegnet man sich draußen, grüßt sich freundlich, bleibt zu einem kleinen Klönschnack stehen oder findet sogar jemanden, der einem beim Spaziergang oder beim Gang zum Bus Gesellschaft leistet.
Natürlich kann man auch auf einer der Bänke vorm Haus sitzen oder in einem der Strandkörbe, vorausgesetzt sie stehen nach dem Winter bereits wieder in unserem Augustinum Park.

Ganz aktuell: Es ist 10 Uhr. Mein Computer zeigt für Hamburg eine “volle” Sonne und - 2°, die Faggen wehen relativ kräftig in Richtung Nordsee, also haben wir vermutlich einen ziemlich kühlen Ostwind und damit habe ich, wenn ich gleich zum Bus gehe, Rückenwind. Besser als “Gegenwind”, meinen Sie nicht auch?

Ich will selbst bestimmen, wohin ich die Sauce haben will…

23.01.2012

Nämlich ganz bestimmt nicht genau über die herrliche Kruste meines Schweinebratens oder über ein kross gebratenes, paniertes Fischfilet. Wie oft wird Sauce einfach ziellos und lieblos auf den Teller gegossen oder “geklatscht”? Hat man in der Küche keine Zeit zum Nachdenken oder ist das den betreffenden Personen, die den Teller “auffüllen”, schlicht egal?
Es scheint ja auch mancher Bewohnerin und manchem Bewohner egal zu sein, sonst würden sie es so wie ich machen und gleich bei der Bestellung dazu sagen: “Die Sauce bitte extra”. Ich habe diesen Wunsch sogar “festschreiben” lassen. Er ist seitdem im Computer vermerkt und wird automatisch erfüllt. Selbstverständlich gibt es auch Gerichte, bei denen das nicht geht. Ein “Hirschragout in Preiselbeer-Pfeffersauce” ist eine Einheit, ebenso wie Gulasch, Frikassee und einiges andere, was zusammen im Topf bereitet wird.
Man kann sich auch auf “halbe Portionen” umstellen, ohne dass man das jedes Mal sagen muss. Allerdings ist oftmals nicht so recht voraus zu sehen, wie klein eine halbe Portion manchmal sein kann. Zuweilen habe ich den Eindruck, als hätte ich irrtümlich eine halbe Portion bekommen. Meine Vermutung war, dass man mir damit entgegen kommen wollte, weil ich oftmals meine ganze Portion nur zur Hälfte aufesse. Als ich einmal diesen Gedanken ganz unschuldig äußerte, wurde das höflich verneint und man sagte mir, wenn es mal zu wenig sei, könnte ich doch ohne weiteres nachbestellen. Ich musste zugeben, dass ich das auch schon einige Male getan habe. Nicht, weil es zu wenig war, sondern weil es mir in diesen Fällen ganz besonders gut geschmeckt hatte.
Eine andere Möglichkeit zu noch mehr Genuss zu kommen besteht darin, dass man das Fleisch von Gericht 1 mit dem Gemüse von Gericht 2 kombiniert und sich außerdem statt für Reis oder Salzkartoffeln für Pellkartoffeln entscheidet. Nur pellen muss man die Pellkartoffeln leider selbst. Aber was tut man nicht alles für den Genuss am Mittag.

Hurra, ich habe einen “Neuen”…

20.01.2012

Einen neuen Wasserkocher, was denken Sie denn? Auch Wasserkocher kommen nämlich in die Jahre. Mein “alter” hat mir lange treue Dienste geleistet. Dabei war er ein echtes Schnäppchen. Der Einzige unter vielleicht 10 bis 15 Modellen und Größen, der das richtige Format hatte. Ich wollte von ihm ja nicht mehr, als das morgendliche Kaffeewasser zum Kochen gebracht haben.
Das Pech - oder Glück? - war, dass er schon fast zum Ausstellungs-Stück mutiert war. Es gab ihn nur ohne Verpackung und auch ohne Gebrauchsanweisung und Garantie, dafür bot mir die Verkäuferin immerhin einen anständigen Rabatt an. Das heißt, ich habe für so gut wie nichts für ihn bezahlt. Dafür war seine Leistung “bestens”.
Schwierigkeiten machte nur der Deckel. Erst langsam fand ich heraus, dass ich den Wasserkocher, nachdem ich das kochende Kaffeewasser seiner Bestimmung zugeführt hatte, umdrehen musste. Dann konnte ich von “unten” auf den Deckel drücken, und er sprang auf. Manchmal aber auch nicht, dann musste ich das frische Wasser für das nächste Mal aus der Wasserleitung durch die Tülle einfüllen, was viel Fingerspitzengefühl erforderte. Was soll ich lange drum rum reden - zuletzt tat der Deckel es gar nicht mehr. Also machte ich mich notgedrungen auf die Suche nach einem neuen Wasserkocher.
Dieses Mal fand ich auf Anhieb ein ansprechendes Exemplar. Sogar in der richtigen Größe. Vor allem mit Gebrauchsanweisung.
Bei meinem “Alten” hatte ich einfach den Stecker in die Steckdose gesteckt und den Kocher angestellt. Wenn er fertig war - das ging unheimlich schnell - schaltete er sich von selbst aus. Bis zum nächsten Mal ließ ich ihn dann stehen, natürlich mit dem Stecker in der Steckdose. Ganz einfach.
Wie gut, dass ich keine Gebrauchsanweisung hatte. Der “Neue” hat wie gesagt eine. Mir wurde fast schlecht beim Durchlesen. Ich will hier nicht auflisten, was ich alles beachten soll. Auf jeden Fall muss ich immer wieder den Stecker ziehen - Wahnsinn!
Für mich gibt es drei Sorten von Menschen: Da sind einmal die, die sich mit Elektrizität auskennen; dann die, die sich nicht auskennen, sich aber auch “Null” Gedanken und schließlich die, die wie ich, höchsten Respekt vor allem haben, was mit Strom zu tun hat.
Ein Gutes hat das Ganze: Ich gehe jetzt die morgendliche Kaffeewasser-Bereitung immer mit der höchsten Konzentration an. Wenn ich das doch nur bei allen Dingen tun würde…