Sind Eier heute auch nicht mehr das, was sie mal waren?

Geschrieben am 06.09.2010 von Uwe Neumann

Als ich vor gut 10 Jahren hierher ins Augustinum kam, habe ich mir morgens mein Frühstück immer selbst bereitet. Am Samstag und am Sonntag gab es jeweils ein weich gekochtes Ei. Die schmeckten jedes Mal ausgezeichnet, offenbar hatte der Inhaber unseres kleinen Ladens im Erdgeschoss gute Beziehungen zum Bauern.
Irgendwann, vor einigen Jahren, habe ich dann meine morgendliche Ernährung umgestellt auf Müsli. Nein, es hatte nichts mit der „Cholesterin-Frage“ zu tun und mit der Kostenfrage schon gar nicht. Meiner Meinung nach sind Eier das Lebensmittel, dessen Preis in den letzten 50 Jahren am wenigsten gestiegen ist. Jetzt war mal wieder Wochenende, und ich hatte plötzlich geradezu einen Heißhunger auf ein schönes, weich gekochtes Ei. Es war ein großes Ei, das ich mir in unserem Lädchen gekauft hatte und nicht etwa ein kleines, aber der Anteil an Eigelb – und das ist doch das Schönste an einem weich gekochten Ei, nicht wahr? – war geradezu enttäuschend klein. Im Vergleich zu früher.
Habe ich die Dinge in meiner Erinnerung verklärt? Wollte mich das Huhn, das dieses Ei fabriziert hatte, vielleicht „vergackeiern“? Oder sind wir schon so weit, dass wir Hühner züchten, die Eier legen, die im Vergleich zu früher weniger Eigelb enthalten und damit auch entscheidend weniger Cholesterin? Das wäre schon interessant zu wissen. Vor einigen Tagen nun hatte ich meine älteste Tochter zu einem gemeinsamen Frühstück in unser Kuppelrestaurant eingeladen. Da haben wir uns Rührei mit Speck bestellt. Die Portion war riesig, der Speck kross, der Geschmack exzellent. Mit einem Satz: Es schmeckte wie bei Muttern.
Da ich immer alles genau wissen möchte, habe ich unseren Serviceleiter gefragt, ob das eventuell frische Eier gewesen wären. Obwohl ja auch ich weiß, dass wir keine frischen Eier verarbeiten dürfen, weswegen es leider auch nie Spiegeleier gibt. Er versicherte mir daraufhin hoch und heilig, dass es selbstverständlich keine frischen Eier gewesen seien. Zum Beweis brachte er mir eine Ein-Liter-Packung, genauer gesagt einen “TetraPak” mit flüssigem, pasteurisierten „Vollei“, d.h. also Eigelb und Eiweiß zusammen. Inhalt lauf Aufschrift 20 Eier. Ich habe keine Ahnung wie viele davon bei uns für eine Portion Rührei herhalten müssen, aber es dürften nach der Größe der Portion, die wir bekommen haben, eine ganze Menge sein.

2 Kommentare auf “Sind Eier heute auch nicht mehr das, was sie mal waren?”

  1. klaus behrendt schreibt:

    Diese ganze Geschichte gibt doch Anlaß, sich über die”Eier-Phobie” des Augustinums zu wundern! Da gibt es riesige Hotel-Restaurants, Betriebs- und Behörden-Kantinen, Mensen etc., die keine Probleme mit frischen Eier haben - die erfahrenen Küchenchefs in den Augustinum-Häusern jedoch sollten nicht in der Lage sein, das “Cholesterin-Problem” in den Griff zu bekommen? Da kann doch wohl nur zu viel Ängstlichkeit und nicht mangelnde Professionalität im Spiel sein. Oder haben speziell Ältere damit Probleme??
    Jedenfalls sollten sich demzufolge alle Vorvertragspartner wie der Schreiber rechtzeitig mit einer kleinen Pfanne ausstatten, um nicht auf das Spiegelei oder das Rührei verzichten zu müssen!

  2. Uwe Neumann schreibt:

    Die “Eierfrage” habe ich nach meiner Erinnerung schon früher einmal angeschnitten. Deshalb muss ich jetzt eine Lanze für die augustinischen Köche brechen: Es geht nicht um das Cholesterin, das muss jeder Bewohner für sich selbst verantworten. Das Gefährliche an frischen Eiern, die nicht durch und durch gekocht oder gebraten werden, zum Beispiel weich gekochte Eier oder Spiegeleier, liegt darin, dass dann die Salmonellen, die offenbar tatsächlich des Öfteren in frischen Eieiern zu finden sind, nicht abgetötet werden. Und eine Salmonellen-Vergiftung könnte gerade bei älteren Menschen, deren Immunsystem nicht mehr so richtig funktioniert, schwer wiegende Folgen haben.
    Dieses Risiko will und kann das Augustinum nicht auf sich nehmen. Hart gekochte Eier können wir soviel kriegen, wie wir wollen. Aber darauf kann ich gern verzichten.

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