Abrechnung? Kassenleistungen pauschal, sonst individuell, aber minutengenau!
06.08.2010Im deutschen Gesundheitswesen fällt einerseits immer wieder das große Wort vom „Bürokratie-Abbau“, auf der anderen Seite wird ständig mehr „Transparenz“ gefordert. Was sich wie ein Widerspruch anhört, muss es nicht unbedingt sein. Wer bei uns im Haus in letzter Zeit das Pflegepersonal beobachtet hat, konnte sich wundern über ein neues „Accessoire“ der Damen und Herren. Aus der Nähe betrachtet sah der Gegenstand aus wie ein wahrhaft überdimensionales Mobiltelefon, aus dem man vermutlich 50 Normal-Handys hätte „schnitzen“ können.
Das genannte Gerät ist eine Neuentwicklung für die Mobile Daten-Erfassung (MDE). Während das Pflegepersonal bisher nach jeder „Leistungserbringung am Bewohner“ penibel Buch führen musste, was oft zeitraubend war und nicht immer wirklich zeitnah geschehen konnte, nimmt ihm das MDE diese Arbeit ab. Für jede Pflegekraft wird von der Pflegeleitung täglich im Computer ein Tourenplan erstellt, mit dem Namen des zu besuchenden Bewohners, den verordneten Medikamenten und vielem mehr. Das alles wird auf das MDE übertragen und ist über das Display abzulesen. Die Pflegekraft braucht nach Abschluss der Tätigkeit dann nur noch per Tastendruck „Vollzug“ zu melden. Der Vorgang ist damit dokumentiert und nachgewiesen. Der geforderten Transparenz ist so eindeutig Genüge getan.
Die Abrechnung mit den Pflegekassen und in bestimmten Fällen auch mit den Krankenkassen ist im Prinzip unproblematisch, da für nahezu alle Pflegeleistungen Festpreise bestehen, die für uns genauso verbindlich sind wie für andere Seniorenheime oder –Residenzen. Da spielt es auch keine Rolle, wenn für die Hilfe beim Duschen einmal 20 Minuten erforderlich sind und in einem schwierigeren Fall vielleicht 40 Minuten.
Anders sieht es bei Wahlleistungen aus, die an keine Kasse weiter berechnet werden können, sondern vom Bewohner selbst bezahlt werden müssen, wie zum Beispiel Betten beziehen, Geschirr abwaschen und Ähnliches. Hier kommt der Stundensatz der Pflegekraft zum Tragen. (Oder auch der einer Hilfskraft.) Umso wichtiger ist es deshalb, dass ganz korrekt abgerechnet wird. Und zwar nicht aufgerundet auf volle Viertelstunden sondern minutengenau. Die Pflegekraft nutzt dazu das genannte MDE, drückt beim Betreten der Wohnung auf „Start“ und beim Verlassen auf „Ende“. Da Bewohner schon mal ab und zu etwas vergessen – wir erleben das ja leider oft genug bei uns selbst – ist damit auch in diesen Fällen sogar noch eine nachprüfbare Dokumentation erfolgt. Missverständnisse sind so gut wie ausgeschlossen.
Ich frage mich eigentlich nur, ob man das MDE nicht noch ein bisschen kleiner und handlicher machen kann. Andererseits: So wie es jetzt ist findet man es immer wieder, auch wenn man es mal verlegt haben sollte. Ist ja auch ein Vorteil, d. h. ich weiß wovon ich spreche, da ich selbst auch immer wieder etwas “verlege”.