Spätes Hobby: Scannen Sie doch mal…

Geschrieben am 31.08.2010 von Uwe Neumann

Auf unserem letzten Advents-Basar war die Schar der Bewohnerinnen, die mit dem Verkauf eigener Erzeugnisse und Kreationen richtig viel Geld in die Kasse brachten – natürlich für einen guten Zweck – größer denn je. Was mich besonders faszinierte waren selbst hergestellte farbige Briefkarten, die geradezu reißenden Absatz fanden. So schön waren die. Als ich die Urheberin dieser kleinen Kunstwerke fragte, wie sie das gemacht hatte, erzählte sie mir vom Entstehen ihres neuen Hobbys. Für alle, die Lust haben es ihr nachzumachen, hat sie den folgenden Bericht geschrieben:

„Als ich 1990 pensioniert wurde, freute ich mich darauf, dass ich nun alles tun konnte, wozu ich in der Dienstzeit nicht gekommen war. Ich schloss mich einer kreativen Gruppe an und fand Freude an der Seidenmalerei. Es entstanden Briefkarten mit den verschiedensten Motiven, zu Freunden in alle Welt verschickt ernteten sie großen Beifall. In dieser Phase des „Ausprobierens“ fertigte ich auch Clownpuppen und bemalte Keramik.
Durch meine Enkelkinder wurden meine Interessen jedoch plötzlich in andere Bahnen gelenkt. Bei unseren Gesprächen benutzten sie „Vokabeln“ mit denen ich überhaupt nicht umgehen konnte. (Zum Beispiel Maus, Menü, Monitor, Rom, Explorer….) Oder ich dachte an Bedeutungen, die gar nicht gemeint waren. So war mein Leben lang eine Maus ein kleines Tier, das vorzugsweise von der Katze gefressen wird. Meiner Bitte um Aufklärung wurde geduldig Folge geleistet. Es wäre jedoch nicht richtig, wenn ich behaupten würde, dass ich alles verstanden hätte.
Diesem unhaltbaren Zustand wollte ich so schnell wie möglich ein Ende bereiten. Ich bat unseren Sohn um Hilfe und Beschaffung eines Rechners, eines Monitors, eines Druckers und Scanners. Bei den ersten Erkundigungsversuchen, das Eigenleben meiner Erwerbungen kennen zu lernen, leitete mich unser Sohn. Viele seiner guten und fachlich fundierten Ratschläge begleiten mich noch heute und waren in der Anfangsphase unerlässlich. Schlaue Bücher halfen, mein Wissen zu erweitern.
Es dauerte gar nicht lange, und der Scanner wurde mein liebstes „Spielzeug“. Es ist wirklich erstaunlich, was ein Scanner alles kann, wenn man seine Fähigkeiten richtig zu lenken weiß. Das Spiel der Farben ist faszinierend. Aus den vier Grundtönen (Cyan = blau, Magenta = rot, gelb und schwarz) können über 200 Farbtöne entstehen. Auch beim Verändern von Fotografien, beim Umsetzen in Braun- und Grautöne kommt es zu verblüffenden Ergebnissen.
Ich griff meine ursprüngliche Vorliebe, Briefkarten zu gestalten, wieder auf und habe viel Freude daran. Dabei bin ich mir sicher, dass ich noch lange nicht an die Grenzen aller Möglichkeiten des Scanners gestoßen bin. Ich werde weiter probieren.“

Ich muss gestehen, mein nächster Weg führte mich in einen großen Elektromarkt. Was ich fand waren sogenannte „Multifunktionsgeräte“ mit denen man nicht nur drucken, sondern auch scannen und sogar in Farbe fotokopieren kann. Ein Exemplar, das mir sofort ins Auge stach, kostete ganze 106 Euro. Jetzt überlege ich, wann ich meinen aktuellen Drucker dem „Müll der Geschichte“ übergebe und selbst mit dem Scannen beginne.

P.S.
Dies, liebe Blog-Besucher, ist der vierte Bericht über ein Hobby im Alter. Die Kategorie “Spätes Hobby” wird damit fortgesetzt. Auch künftig immer am Ende eines Monats mit einem neuen Beitrag. Ich hoffe, dass ich noch eine Weile durchhalten kann, und mir nicht der “Stoff” ausgeht.
Wenn Sie auch ein “Spätes Hobby” haben, von dem Sie erzählen wollen, schicken Sie einen Text, versehen mit Ihrem Namen oder auch anonym, an Uwe Neumann, c/o Augustinum Hamburg, Neumühlen 37, 22763 Hamburg. Ich würde mich freuen und die Besucher von “Neumanns Welt” bestimmt auch.

Ein Kommentar auf “Spätes Hobby: Scannen Sie doch mal…”

  1. Peter Marquardt schreibt:

    Ich kann dass often sehen…wenn mann aufhoert mit der kuriositaet, dann ist es zu ende. Aber Ich glaube dass die Menschen die in so einem Wohnstift wohnen wie das Augustinum, das sie groesere moeglichkeiten haben um mit der Kuriositaet zu spielen….Jedenfals so ist dass hier. Ich sehe andere “retirement homes” Plaetze wo die Menschen einfach “muede” sindt…..Sie shalten ab und warten fuer denn “grave digger.” Bei meinem Wohnstift, sind sie aktiv in der Uni, abeiten as “volunteers” als Aertzte, usw. Die wissen das sie nicht abschalten keonnen. Wir haben genug Studien gelessen ueber wie wichtig es ist um activ zu bleiben….Bleib activ, lebe laenger!

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