Seit heute weiß ich: Vor unserer Haustür kann man Aale angeln

Geschrieben am 19.08.2010 von Uwe Neumann

Dies ist garantiert kein Anglerlatein. Seit Jahren komme ich fast jeden zweiten, dritten Tag an den Anglern vorbei, die direkt vor unseren Augen ihr Glück versuchen. Bisher dachte ich immer, die sitzen oder stehen da nur dumm rum. Nie habe ich gesehen, dass einer etwas gefangen hätte.
Heute war das anders. Einer der Angler hatte einen etwa 70 cm langen Fisch gefangen, der für mich aussah wie ein Aal und war gerade dabei, ihm den Garaus zu machen. Ich will das lieber nicht näher beschreiben. Da sich das Tier auch danach noch bewegte, genauer gesagt „sich wand wie ein Aal“, war es auch mit Sicherheit keine Attrappe oder Vortäuschung falscher Tatsachen.
Als ich den Angler befragte, bestätigte er mir, dass es sich tatsächlich um einen Aal handelte – ich kenne Aale eigentlich hauptsächlich als wohlschmeckenden Räucheraal – und weiter erzählte er mir, dass es hier in der Elbe auch Zander, Hechte, Lachse und sogar Störe gäbe. Nach Kaviar habe ich ihn allerdings nicht gefragt. Sonst hätte er mir vielleicht doch noch einen Bären aufgebunden.

4 Kommentare auf “Seit heute weiß ich: Vor unserer Haustür kann man Aale angeln”

  1. klaus behrendt schreibt:

    Irgendwann hat Uwe Neumann einmal geschrieben, dass er ursprünglich aus Hannover stamme. Und dort in Hannover spricht man ja bekanntlich - oder auch nicht “bekanntlich” - das “klare aaa”
    Und nun, bei den Aalen, fällt mir dies ein: kommt eine hochdeutsch sprechende Frau auf den Markt in Hannover und fragt die Fischverkäuferin:
    “haben Sie Aale”? “Naan” ,antwortet die, “ich habe Zaat” = Zeit; denn “ich bin in Aale” sagt der inzwischen fast ausgestorbene echte Hannoveraner, wenn er keine Zeit hat.

  2. Uwe Neumann schreibt:

    Diese “Story” kann ich nur bestätigen. Mein Vater erzählte sie, als ich noch ein Kind war. Wahrscheinlich stammt sie aus Kaiser Wilhelms Zeiten. Pardon: Mit Kaiser Wilhelm und den Preußen hatten die Hannoveraner ja nichts am Hut. Also sage ich lieber “aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg”.

  3. Kurt schreibt:

    Ja, interessant diese Mundarten. Ob wir auch alles glatt verstehen, wenn wir im Urlaub auf solche Sprüche treffen? Geht dann alles aalglatt oder entschlüpft uns dann die Sprache? Oder erkennen wir auch nur, wie eng a(a)lles miteinander verbunden ist?

    Was es da nicht alles gibt zum Thema Aal. Manches ist unwahr und gemein, hält sich aber seit Jahrhunderten hartnäckig, wie Friedrich von Logau (1604-1655) schon erwähnte: “Wer einen Aal beim Schwanz/und Weiber faßt bei Worten,/Wie feste der auch hält,/hält nichts an beiden Orten.” Ähnlich wird dieser Spruch noch heute in der Schweiz: “Wer en Ol hät beim Schwanz, der hät ‘en nid halb und nid ganz” und in Österreich verwendet: “Wer einen Aal nimmt beim Schwanz und eine Frau beim Wort, der bringt wenig fort”.

    Auch der Schleimer entspringt dieser Sprachverwirrung. Schließlich ist es der Schleim, der den Aal so schlüpfrig macht; der Fisch ist ohne viel Aufhebens um die Verwendung von Worten und Wörtern Schleimer genug, um sich überall herauszuwinden. Erinnert stark an die Schleimer in Gesellschaft und vor allem in der Politik, die sich trotz ihrer Unbeweglichkeit und Steifheit im Allgemeinen nie zu schlüpfrig sind, im Besonderen ihrer Verantwortung zu entgleiten.

    Die Römer haben schon gewarnt: “Anguilla est: elabitur” (Er ist ein Aal: er entwischt), wenn es aufgrund seiner gesellschaftlichen Stellung schwierig geworden ist, einen Täter dingfest zu machen. Bei Goethe hieß es: “Durch Drang und Menge aalgleich zu schlupfen” und im Rheinland sagt man noch heute: “Wie en Aal es er mir durchgewitscht”. Walther von der Vogelweide schließlich wird nachgesagt, gesagt zu haben: “Der sich dem man wint ûz der hant reht als ein âl”.

    Aber die haben alle keine Aale gehabt, sie hatten Zaat um nachzudenken!

  4. Uwe Neumann schreibt:

    Da bin ich ein gutes Stück klüger geworden. Und ich nehme an, das geht nicht nur mir so. U. N.

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