Archiv für 06.2010

Stress dich, oder ich fress’ dich…

08.06.2010

„Das ganze Leben ist ein einziger Stress.“ Es gibt nicht wenige Menschen, die so denken und es auch laut sagen. Und darüber klagen. Fachleute sehen die Sache mit dem Stress differenzierter.
Wir alle erleben Stress. Stress ist eine natürliche Reaktion von Körper und Geist auf Druck, Spannung oder Veränderung. Das hat auch jeder von uns erlebt, als er oder sie ins Augustinum übergesiedelt ist. Der Umzug, das Einrichten, die neue Umgebung, andere Menschen…das alles kann schon zu Stress führen. Da ich innerhalb Hamburgs umzog, hatte ich es nicht weit. Ich war also schon vor dem Mittagessen in der neuen Wohnung und dachte, ich würde bis zum Abend alles ausgepackt haben. Welch ein Irrtum.
Am späten Nachmittag stapelten sich in der Mitte meines ziemlich großen Wohnzimmers immer noch „turmhoch“ die Umzugskisten mit meinen Büchern. Schließlich brauchte ich fast drei Tage. Stress pur also. Körperlich war ich ziemlich kaputt, geistig trotz allem ziemlich euphorisch. Einen Stress, der das Leben interessanter macht nennt der Fachmann „Eustress“. Das Gegenteil ist der „Distress“, der schädliche Stress. Es ist auch genau dieser Stress, der einen auffrisst. Der kann entstehen, wenn wir unseren Körper durch zu viel Arbeit überfordern, aber auch durch Krankheit, einen Trauerfall oder Behinderungen wie schlechtes Hören oder Sehen. Aber auch wenn wir zu wenig „um die Ohren“ haben, das heißt durch Langeweile, Eintönigkeit oder Isolation, kann schädlicher Stress entstehen. Dagegen lässt sich etwas tun.
Unser umfangreiches Kulturprogramm ist solch ein Mittel gegen den Stress, ebenso Einladungen unserer Stiftsdirektion zu einem Sektfrühstück im kleinen Kreis, zum Dämmerschoppen und zu besonderen Feiern. Wer sich auch allein beschäftigen kann zum Beispiel mit einem guten Buch – unsere Bibliothek ist reich bestückt – oder unserem umfangreichen Sortiment an Zeitschriften und Zeitungen, wirkt dem Distress entgegen.
Positiven Stress erzeuge ich, indem ich mir für jeden Tag ein erreichbares Ziel setze. Dann gibt es hinterher auch eine Belohnung. Wie die aussieht, muss jeder für sich selbst bestimmen. Ich weiß, was mir gefällt…

Jedem das Seine…

04.06.2010

In Kürze bin ich 10 Jahre im Augustinum Hamburg. Kein Grund für eine große Feier, aber vielleicht, um einmal zurück zu denken, was sich in diesen 10 Jahren alles so geändert hat. Im Augustinum und bei mir. Was mir damals als erstes auffiel, war die Tatsache, dass die Herren alle „Krawatte“ trugen. Ich kam aus einem Beruf, wo man solches tunlichst vermied. Obwohl ich bestimmt mehr als 30 oder 40 der schönsten Krawatten mein eigen nannte. Und nun sollte ich mir wieder so ein Ding um den Hals „würgen“? Ich dachte gar nicht dran! Und siehe da: Offenbar hatte die anderen Herren nur darauf gewartet, dass jemand wider den Stachel löckte.
Heute ist es längst so, dass „mann“ nur noch an Sonn- und Feiertagen zur Krawatte greift. Kürzlich, am Pfingstsonntag, hörte ich, wie ein Herr sagte: „Heute freut sich meine Krawatte, dass sie mal wieder unter Menschen darf.“ Ich muss gestehen, dass es eine ausgesprochen schöne Krawatte war.
Vor 10 Jahren war es auch verpönt, zum Mittagessen Alkohol in Form von Wein oder Bier zu trinken. Da uns ausreichend Wasser kostenfrei kredenzt wird, habe ich mich daran schnell gewöhnt, obwohl vorher ein Glas Wein für mich zum Mittagessen dazu gehört hatte. Abends sah das ganz anders aus und bei den vielen Festen, die gefeiert wurden sowieso. Da hat sich das Augustinum noch nie lumpen lassen. In den ersten Jahren gehörte ich auch ich immer zu denen, die am längsten durchhielten, oft bis nach Mitternacht. Es ist ja auch echt verführerisch, wenn immer wieder zugeschenkt wird. Nur, dass man da allzu leicht die Kontrolle verliert. Was man spätestens am nächsten Morgen bemerkt.
Heute bemerke ich mein zunehmendes Alter. Wenn zum Beispiel an Feiertagen wie Ostern und Pfingsten der Ober zum Mittagessen mit der Weiß- und der Rotweinflasche herum geht, sage ich ebenso wie die meisten anderen nicht nein. Aber mehr als zwei Gläser schaffe ich nicht mehr. Ist das nicht entsetzlich? Manchmal kann ich es nicht fassen.
Dass man notfalls auch morgens schon ein paar Tropfen Alkohol trinken kann, zeigt neuerdings das von unserer Hausdame initiierte „Sektfrühstück“, das einmal im Monat stattfindet. Das Frühstück kostet 7,50 €, ein Glas Sekt ist im Preis inbegriffen. Die Teestunde, die ebenfalls von der Hausdame geleitet wird, kommt ohne Alkohol aus. Es gibt Tee, aber auch Kaffee. So ist für jeden gesorgt.