Archiv für 04.2010

Peng! Peng! Peng! Peng! Peng!

28.04.2010

Im Internet fand ich eine schon etwas ältere Nachricht. Da sein Computer ihm endgültig den letzten Nerv geraubt hatte, machte ihm ein Rentner in Italien mit 5 Schüssen aus einer Pistole Kaliber 22 den Garaus. Nachbarn, welche die Schüsse gehört hatten, riefen die Polizei. Die fand den Rentner völlig frustriert vor den rauchenden Trümmern. Da der alte Herr einen gültigen Waffenschein besaß, gab es für ihn keine strafrechtlichen Konsequenzen. Allerdings wurde die Tatwaffe trotzdem „einbehalten“. Was ich jedoch nicht ganz verstehe. Gilt ein Waffenschein denn gar nichts mehr?
Ich hatte von meinem Vater ein Kleinkaliber-Gewehr mit Zielfernrohr geerbt. Damit schoss Vater Neumann die Stare aus seinem Kirschbaum. (Das hatte er auf einem Gut in Ostpreußen gelernt.) Ich stamme aus Hannover. Zwar aß ich auch gern die schönen dicken Knubberkirschen aus unserem Garten, aber mit dem Gewehr hatte ich nichts am Hut. Genau genommen bewahrte ich es eigentlich nur aus Pietät auf. Ganz ohne Waffenschein. Wahrscheinlich hätte ich aber auch gar keinen gebraucht. Als ich dann jedoch in der Zeitung las, dass Privatleute alle Schusswaffen abgeben müssten, ging ich damit in ein Waffengeschäft. Um bei uns im Augustinum, vor allem aber im Bus kein unnötiges Aufsehen zu erregen – sonst hätte ich wohl am Ende auch noch die Polizei auf dem Hals gehabt – hatte ich das gute Stück vorsichtshalber in ein Bettlaken eingewickelt. Wegen des Fernrohrs dachte ich, ich könnte vielleicht noch ein paar Euro erlösen, aber das war eine Fehlkalkulation. Immerhin: Das Gewehr war ich los.
Nur, was mache ich jetzt, wenn ich mit meinem Computer nicht mehr weiter weiß?

Warum wollen manche Senioren keine Senioren sein?

23.04.2010

In Deutschland hat angeblich die Hälfte aller Menschen über 65 kein Handy. Ich auch nicht. Aber immerhin hatte ich schon zweimal eins. Beide habe ich sie an meine Töchter verschenkt. Zum einen, weil sie mir einfach zu kompliziert waren, zum anderen, weil ich sie nicht brauchte. Trotzdem mussten sie alle Nase lang aufgeladen werden. Wozu ich nun absolut keine Lust hatte. Und es natürlich auch immer wieder vergaß.
Klar: Es könnte jeden Tag passieren, dass ich in der Stadt umkippe und Hilfe benötige. Aber dazu bräuchte ich kein superanspruchsvolles Handy sondern ein möglichst einfaches und unkompliziertes. Und wenn ich nun tatsächlich gar keines dabei habe? Dann denke ich, und hoffe ich, dass es in meiner Umgebung genug Leute mit Handy gibt, die viel schneller als ich 112 anrufen können.
Trotzdem bin ich schon des Öfteren in einem Senioren-Shop gewesen und habe mir Senioren-Handys angeschaut. Mit wenigen Tasten – unter anderem einer Notruftaste auf der Rückseite – und ohne allen unnötigen Schnick-Schnack. Auch im Internet brauchen Sie nur bei Google „Senioren Handys“ einzugeben und werden fündig. Wobei offensichtlich manche Firmen den Begriff „Senioren“ fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Anscheinend haben Befragungen ergeben, dass sich viele ältere Menschen nicht zu ihrem „Seniorentum“ bekennen mögen. Ehrlich gestanden verstehe ich das nicht ganz. In meinem Beruf als Werbetexter war es üblich, dass man als Juniortexter begann und wenn man genügend Erfahrungen gesammelt hatte, wurde man zum Senior-Texter befördert. Es war ein Ausdruck der Anerkennung und in der Regel auch mit mehr Gehalt verbunden. In den USA ist das gang und gäbe. Da gibt es in manchen Unternehmen sogar den Senior Vice-President. Ebenso wie es vermutlich auch heute noch in vielen deutschen Firmen den Senior-Chef oder die Senior-Chefin gibt. Die entweder geliebt oder gefürchtet werden oder beides. Nur dass die das nicht auf ihrer Visitenkarte stehen haben.
Ich las jetzt, dass sich Hersteller von Senioren-Handys mit der Entwicklung altersgerechter Handys mit ganz neuen “Features” oder Funktionen beschäftigen. So sollen diese Handys in bestimmten Abständen den Blutzucker messen oder automatisch einen Notruf absetzen, wenn ihr Besitzer stürzt oder sich melden, wenn sich der Besitzer 15 Minuten lang nicht bewegt. Dann könnte sogar die Möglichkeit bestehen, dass das Telefon eine SMS absetzt mit den GPS-Koordinaten, so dass man Sie auch finden kann. Ob nun am Hauptbahnhof oder auf der grünen Wiese.
Ich sehe schon: Irgendwann werde auch ich ein passendes Handy finden, und es ist mir völlig piepe, ob das dann Senioren- Handy heißt oder „Handy für Opas und Omas“ oder “Handy für Scheintote”. Hauptsache, ich muss es nicht dauernd aufladen.

Eine „Erfindung“, die wir möglicherweise gut gebrauchen könnten…

20.04.2010

Der „Stern“ hat einmal unser Kuppelrestaurant als den schönsten Speisesaal Deutschlands bezeichnet. Das war bald nach der Eröffnung unseres Hauses vor rund 15 Jahren. Wir haben diesem Urteil nie widersprochen und tun es selbstverständlich auch heute nicht, obwohl inzwischen rund 15 Jahre ins Land gegangen sind. Wer sich selbst überzeugen will, braucht nur auf der Website www.augustinum-hamburg.de den virtuellen Rundgang mitzumachen.
Schön ist der Rundum-Blick unter der Glaskuppel in alle Himmelsrichtungen außer Norden allemal. Und natürlich auch nach oben in den blauen Himmel über uns. Was im Sommer aber auch seine Schattenseiten haben kann. Da wird’s nämlich manchmal ganz schön warm, trotz Jalousien und einer sich heftig bemühenden Klimaanlage. Es ist nun mal so, dass sich Räume mit großen Glasflächen im Sommer zum Teil erheblich aufheizen. Forscher aus den neuen Bundesländern wollen das in Zukunft ändern und zwar mit Hilfe eines farblosen Klebstoffs auf der Basis von Kartoffelstärke. Dieser wird mit einem speziellen Farbstoff versehen, so dass die Glasscheiben bei besonderer Lichtintensität blau werden und auch weniger Licht durchlassen. Zwischen zwei Verbundglasscheiben soll das einwandfrei funktionieren – etwa ab dem Jahre 2012.
Vielleicht wäre das dann auch was für uns, falls wir die riesige Glasfläche in unserer Kuppel mal ersetzen müssten. Aber es gibt ja noch sehr viele andere augustinische Häuser mit etwas kleineren Glasfenstern.

Auf der Suche nach dem, was es bei uns nicht gibt…

17.04.2010

Was das ist? Ganz einfach: Spiegeleier. In keinem Augustinum werden Sie Spiegeleier finden. (Nebenbei gesagt: Auch in keiner anderen Seniorenresidenz.) Genauso ist es mit weich gekochten Eiern zum Frühstück. Der Grund ist, dass das Eigelb beim Brat- und Kochvorgang nicht genügend erhitzt wird und damit die Gefahr einer Salmonellenvergiftung bestehen könnte. Und damit ist gerade bei älteren Menschen nicht zu spaßen.
Schon zu wiederholten Malen wurde bei uns in Bewohnerversammlungen die „Eier-Frage“ aufgeworfen. Meistens natürlich von Bewohnern, die „neu“ ins Augustinum gezogen waren. Immer lautete die Antwort wie oben geschildert, immer hieß es Rührei ja, hart gekochte Eier ja, aber keine weich gekochten Eier und leider auch keine Spiegeleier. Dabei schmecken Spiegeleier doch sooo gut. Besonders mit Bratkartoffeln.
Auch mich überkommt immer wieder mal ein Sehnen. Dann gehe ich los und mache mich auf die Suche. Eigentlich kenne ich nur eine Quelle, an der es sowohl gute Spiegeleier als auch gute Bratkartoffeln gibt. Aber die ist sehr weit von uns entfernt und ich muss ganz ans andere Ende der Stadt fahren. Wobei die Spiegeleier eigentlich nicht das Problem sind, denn da lässt sich wohl kaum etwas falsch machen. Aber die Bratkartoffeln! Entweder sind sie matschig oder mit zuviel und dazu noch schlechtem Speck gebraten, oder es fehlen die Zwiebeln oder das Salz. Ein Teufelskreis.
Gestern nun war ich so gegen 17 Uhr 30 am Großneumarkt. Dieser stadtbekannte Platz liegt auf halbem Wege zwischen St. Pauli und dem Kiez und der Innenstadt. Abends und nachts ist da die Hölle los. Der Großneumarkt ist seit Jahrzehnten als Szene-Treff anerkannt. Tagsüber ist dagegen vergleichsweise eher “tote Hose”. Außer den “Einheimischen” und einigen Touristen sieht man relativ wenige Menschen in und vor den Kneipen, die hier dicht an dicht ein fast folkloristisches Bild abgeben. Als ich vor einem dieser Lokale stand, hatte ich irgendwie das sichere Gefühl: Hier kriegst du ordentliche Bratkartoffeln mit Spiegeleiern. Und so war es denn auch. Eine große Schiefertafel setzte mich vollends ins Bild. Da stand nämlich groß und deutlich zu lesen: “Die Besten Bratkartoffeln. Mit drei Spiegeleiern.” Das war’s - genau richtig für mich. Nicht ein Spiegelei, nicht zwei sondern drei. Ich muss sagen: Man hatte nicht zu viel versprochen. Die Spiegeleier waren prima und die Bratkartoffeln geradezu exzellent. Passend dazu – das wird die Leute in München freuen – ein „Augustiner Hell“. Ein hervorragendes Bier kann ich nur sagen.
Ich glaube, ich habe einen Schatz entdeckt.

Wie der Service in unserem Kuppel-Restaurant „beschleunigt“ wurde…

14.04.2010

Jeder hat das schon erlebt: Wenn man in einem normalen Restaurant nach dem Kellner ruft, gerät man meistens an den „Falschen“. Über „Kollege kommt gleich“ sind schon viele Witze gerissen worden. Sie kennen das: Jeder Kellner hat „sein“ Revier, das er standhaft verteidigt. Dort ist er – und nur er – dafür verantwortlich, dass die Gäste zügig bedient werden. Nach welchen Kriterien ein Kellner seinen Bereich zugeteilt bekommt, dürfte in der Regel Sache des Geschäftsführers sein.
Naturgemäß gibt es bessere und schlechtere Bereiche - mit einem schönen Ausblick oder aber auch gleich hinter der Tür, durch die es zieht. Die besseren Bereiche sind allgemein besser besucht. Und wo es mehr Gäste gibt, gibt es auch mehr Trinkgeld. Es wäre also nur gerecht, wenn die Kellner in gewissen Abständen „rotieren“ würden. Bei uns im Kuppel-Restaurant gibt’s kein Trinkgeld. Warum sollte man also rotieren?
Eigentlich haben wir auch keine „Bereiche“, die besser sind als andere. Gute Sicht nach draußen hat man überall. Überdies können wir uns auch jeden Platz aussuchen, der uns gefällt. „Freie Platzwahl“ nennt man das. Wir können auch zwischen 12 Uhr und 13 Uhr 30 die Zeit frei wählen, wann wir uns zu Tisch setzen wollen. Wir haben sogar freie Hand, uns bis 10 Uhr eines jeden Tages vom Essen abzumelden und gar nicht zu erscheinen. Oder wir sind so frei und laden uns Gäste ein. Alles ist möglich. Und weil alles so wunderbar „frei“ und möglich ist, kann es passieren, dass die einzelnen Kellner-Bereiche von einem Tag zum anderen sehr unterschiedlich besetzt sind. Was – zugegeben – auch dazu führt, dass man mal ein wenig länger auf sein Essen warten muss. Zwar bin ich immer wieder erstaunt, mit welchem Tempo unsere Bedienung durch die Gänge flitzt, aber schneller als schnell kann keiner gehen.
Irgendein kluger Kopf hat nun die Idee gehabt, dass die Kellner, die nun mal weniger zu tun haben, statt Däumchen zu drehen den anderen zur Seite stehen. Das klappt wunderbar. Alle Kellner helfen ihren viel beschäftigten Kollegen, indem sie gebrauchtes Geschirr mitnehmen, wenn sie an einem Tisch vorbei kommen oder auch mal zwischendurch Bestellungen aufnehmen und Essen servieren.
Ich habe ein paar Mal auf die Uhr geschaut: Für ein Viergang-Menü - Salat, Suppe, Hauptgericht und Nachtisch - brauche ich selten mehr als 30 Minuten, und ich bin alles andere als ein schneller Esser. Natürlich: Wenn man sich mehr unterhält statt zu essen, dann kann es auch länger dauern. Ich sage nur: Jeder nach seinem Gusto.