Was tun, wenn einen die eigene Tochter mächtig ausschimpft?
11.03.2010Vor einigen Tagen wandelte ich mit meiner Tochter auf dem weltberühmten Hamburger Jungfernstieg. Das heißt, von Wandeln konnte eigentlich keine Rede sein, es war vielmehr ein Balancieren zwischen eisigen und eisfreien Zonen. Plötzlich fuhr mich meine Tochter an: „Nimm doch die Hände aus den Taschen!“ Nun muss ich gestehen: Dass ich wenn möglich beide Hände in die Taschen stecke, ist seit Menschengedenken eine meine größten Unarten. Im Sommer stecke ich sie in die Hosentaschen, im Winter in die Taschen von Anorak und Mantel. Das weiß natürlich auch meine Tochter, allerdings hat sie bisher immer großzügig darüber hinweg gesehen.
Meine Tochter ist Physiotherapeutin, kennt sich also mit Knochenbrüchen bestens aus. Besonders in diesem Winter. Mir war natürlich klar, warum dieser „Anranzer“ kam. Ebenso natürlich war, dass ich dagegen Widerworte fand. Ich sagte ihr: „Wenn ich stürze, und ich habe die Hände in den Taschen, dann kann ich mich nicht abstützen und breche mir auch nicht das Handgelenk.“ Woraufhin sie konterte und meinte: „Wenn du die Hände nicht in den Taschen hast, kann du mit etwas Geschick verhindern, dass du überhaupt stürzt. Man kann mit entsprechenden Armbewegungen sehr gut das Gleichgewicht bewahren.“ Sollte ich nun die Probe aufs Exempel machen? Lieber nicht. Also nahm ich wie ein gehorsamer Vater die Hände aus den Taschen, und wir wandelten unfallfrei über den mehr oder weniger vereisten Jungfernstieg.