Archiv für 03.2010

Was tun, wenn einen die eigene Tochter mächtig ausschimpft?

11.03.2010

Vor einigen Tagen wandelte ich mit meiner Tochter auf dem weltberühmten Hamburger Jungfernstieg. Das heißt, von Wandeln konnte eigentlich keine Rede sein, es war vielmehr ein Balancieren zwischen eisigen und eisfreien Zonen. Plötzlich fuhr mich meine Tochter an: „Nimm doch die Hände aus den Taschen!“ Nun muss ich gestehen: Dass ich wenn möglich beide Hände in die Taschen stecke, ist seit Menschengedenken eine meine größten Unarten. Im Sommer stecke ich sie in die Hosentaschen, im Winter in die Taschen von Anorak und Mantel. Das weiß natürlich auch meine Tochter, allerdings hat sie bisher immer großzügig darüber hinweg gesehen.
Meine Tochter ist Physiotherapeutin, kennt sich also mit Knochenbrüchen bestens aus. Besonders in diesem Winter. Mir war natürlich klar, warum dieser „Anranzer“ kam. Ebenso natürlich war, dass ich dagegen Widerworte fand. Ich sagte ihr: „Wenn ich stürze, und ich habe die Hände in den Taschen, dann kann ich mich nicht abstützen und breche mir auch nicht das Handgelenk.“ Woraufhin sie konterte und meinte: „Wenn du die Hände nicht in den Taschen hast, kann du mit etwas Geschick verhindern, dass du überhaupt stürzt. Man kann mit entsprechenden Armbewegungen sehr gut das Gleichgewicht bewahren.“ Sollte ich nun die Probe aufs Exempel machen? Lieber nicht. Also nahm ich wie ein gehorsamer Vater die Hände aus den Taschen, und wir wandelten unfallfrei über den mehr oder weniger vereisten Jungfernstieg.

Ich bin für: „Jeder Partei ihr eigenes Arbeitslosen-Beschäftigungs-Programm!“

09.03.2010

Der Anführer von „Gelb“ hat es vor einiger Zeit vorgemacht, als er vorschlug, Hartz IV-Empfänger zum Schneeschippen abzuordnen. Ein allgemeines Aufheulen im Blätterwald, vor allem aber auch bei der Parteien-Konkurrenz, den Gewerkschaften sowie den verschiedenen Sozialverbänden war die Folge. Jetzt zieht „Rot“ nach. In Nordrhein-Westfalen – Achtung Wahlkampf – wünscht man sich die Arbeitslosen als Hilfskräfte in den Altenheimen. Zum Beispiel zum Vorlesen. Bei uns im Augustinum wird auch vorgelesen, aber von Leuten, die das können. Als ob das so einfach wäre…
Ich finde: Jetzt sollten aber schleunigst auch die anderen Parteien Farbe bekennen. „Gelb“ könnte ja beim Schneeschippen bleiben. Man müsste sich nur noch etwas für den kurzen Rest des Jahres ausdenken. „Rot“ setzt sich also für die Alten ein. Natürlich soll alles absolut freiwillig sein und keine regulären Jobs blockieren. „Schwarz“ möchte vielleicht Arbeitslose als Streitschlichter auf die Schulhöfe schicken oder als Schulweg-Begleitschutz für Kinder unter 10 Jahren. Für „Grün“ wüsste ich gleich zwei adäquate Aufgaben. Als da wären: Nach Kaugummiausspuckern fahnden – bringt in Singapur nicht nur Sauberkeit sondern auch viel Geld ein. Oder man lässt die Arbeitslosen ausschwärmen und Umweltschäden aller Art dokumentieren, zum Beispiel auch vom sauren Regen geschädigte Bäume. Mir fällt gerade ein: Davon haben wir lange nichts mehr gehört…
Für „Dunkelrot“ hätte ich ein besonderes Schmankerl zu bieten. Wie wäre es damit, jedem Banker einen Aufpasser zur Seite zu stellen? Da käme man natürlich mit einem 6-Stunden-Tag nicht aus. Vielleicht bietet sich eine „Dreifachbesetzung“ an? 18 Stunden, das dürfte passen. Dann könnte für die Beteiligten auch ein kleiner Bonus abfallen.
Auf diese Weise kann sich also jede Partei für ihre Klientel stark machen, darüber hinaus etwas für ihr Image tun und vielleicht sogar neue Wähler und Sympathisanten gewinnen.
Meine Damen und Herren: Wie bei jeder guten Show kommt der „Brüller“ zum Schluss. Bezahlt wird das alles nicht etwa von uns Steuerzahlern, oh nein, sondern von den Parteien selbst. Und zwar aus Wahlkampfspenden. Gegen die dann ja wohl niemand mehr etwas einwenden kann. Wie finden Sie das? Für diese geniale Idee lasse ich mich auch gern mit dem Friedensnobelpreis belohnen.

Alle mitsingen: „So ein Tag, so wunderschön wie heute…“

07.03.2010

Wir haben Samstag den 6. März. Als ich heute früh aufstand, da wusste ich: Es würde ein toller Tag werden. Die Sonne schien, der Himmel war strahlend blau, unsere ganze Umgebung jungfräulich weiß vom frisch gefallenen Schnee. Mein Entschluss war schnell gefasst: Ich würde mir keine Mühe mit dem Frühstück machen, sondern mich zu unserem Anleger begeben, die nächste Fähre besteigen und zur neuen Hafencity fahren. Dort kannte ich ein hübsches kleines Bistro, und ich könnte mich mal wieder an Schwarzbrot mit Spiegeleiern laben. Zum Frühstück mal was anderes.
Ich kämpfte mich durch den ziemlich hohen Schnee, die Fähre kam pünktlich, und ich konnte mich sogar oben auf Deck hinsetzen. Zu meiner Freude waren die Sitze bereits schneefrei gemacht. Clever, wie ich bin, hatte ich ein Sitzkissen mitgenommen, so dass mein “Achtersteven” auf den Metallsitzen vor der Kälte geschützt war. Ich hatte meine Pelzmütze auf, und die Sonne wärmte mein Gesicht. Fast hatte ich das gesamte Deck für mich, nur zwei weitere einsame people hatten sich nach oben getraut. An der Endstation angekommen – für Nichteingeweihte: Eine Station nach Landungsbrücken – machte ich mich zielstrebig auf zu dem bewussten Bistro. Um dort feststellen zum müssen: „Öffnung ab 12 Uhr“. Und ich hatte solch einen Hunger! War ich sauer!
Als nächste Einkehrmöglichkeit bot sich ein Wiener Kaffeehaus an. Das erwartet man ja schließlich auch an der Waterkant. Es trug den sinnigen Namen „K.u.K. Kaffeehaus. Klein und Kaiserlich.“ Es hatte zwar keine Spiegeleier – kennt man die in Österreich überhaupt? – aber einen phantastischen Apfel-Kuchen mit Schlagobers. Ich weiß nicht, ob ich solch einen Apfel-Kuchen überhaupt schon jemals gegessen habe. Dazu gab es einen „Verlängerten“ und hinterher gönnte ich mir noch einen kleinen Obstbrand, ein Weichsel-Cuveé. Die Spiegeleier waren glatt vergessen.
Als ich die gastliche Stätte verließ, hatte sich der Himmel bezogen, und es schneite leise vor sich hin. Ich beschloss, mit dem Bus zurück zu fahren. Beim Umsteigen am Hauptbahnhof geriet ich in eine lärmende und froh gestimmte Gruppe Berliner Fußballfans, der Schneefall hatte sich fast zu einem Sturm entwickelt. Und was war, als ich wieder zu Hause war? Die Sonne schien, der Himmel war blau und mein Appartement wie immer warm und gemütlich.
Übrigens: Der Hamburger SV hat Hertha BSC Berlin mit 1 : 0 geschlagen. Welch ein schöner Tag.

Dummheit muss bestraft werden, Teil 2

03.03.2010

Kurz vor Weihnachten konnten Sie in meinem Blog einen echten Akt der Selbstkasteiung erfahren. Ich hatte mir aus den Öffentlichen Bücherhallen der Stadt Hamburg zwei Bücher geholt und dieselben im Bus liegen lassen. Dumm gelaufen, kann man da nur sagen. Meine Leser und auch Bewohner dieses Hauses, denen ich davon erzählte, zeigten lebhafte Anteilnahme. Deshalb denke ich, dass der eine oder andere daran interessiert sein könnte, zu erfahren wie es weiter ging.
Ich hatte mich natürlich gleich telefonisch und danach noch mehrmals über das Internet an das hiesige Fundbüro gewandt – leider ohne Erfolg. Auch meine Hoffnung, dass jemand die Bücher direkt bei den Bücherhallen abgeben würde, zerschlug sich. Inzwischen hatte ich sie dreimal elektronisch verlängert, um dem Finder genügend Zeit zum Lesen zu lassen. Jetzt habe ich einen Schlussstrich gezogen, und die beiden Bücher endgültig bei den Bücherhallen als „verloren gegangen“ gemeldet.
Und das ist die „Quittung“: Für die Neubeschaffung der Bücher hatte ich 20,90 Euro zu berappen. Hinzu kamen 10 Euro Bearbeitungsgebühr. Ich meine, es hätte schlimmer kommen können. Jetzt bin ich gespannt, wann denn die beiden Bücher – jetzt ganz neu – wieder in meiner Bücherhalle auftauchen werden. Denn lesen möchte ich sie natürlich immer noch. Ich muss nur aufpassen, dass ich sie nicht wieder im Bus liegen lasse. Das wäre fatal – für mein jetzt schon ramponiertes Selbstbewusstsein.

Weltoffen, dynamisch, jung und für die Zukunft positiv gestimmt…

01.03.2010

Das ist Hamburg – auch wenn es mit der Schnee- und Eisbeseitigung in den letzten Wochen nicht so richtig hingehauen hat. Aber wo in Deutschland hat es das schon?
Deutschland altert. Das wissen wir schon länger. Es gibt Städte, die jetzt schon Probleme haben. So soll Chemnitz auf dem besten Wege sein, die älteste Stadt Europas zu werden. Das heißt: Korrekterweise müsste man sagen, die Stadt mit dem ungünstigsten Verhältnis zwischen Alt und Jung – mit allen Nachteilen, die sich zwangsläufig daraus ergeben.
Ganz anders sieht das in Hamburg aus. Glaubt man den Prognosen von Eurostat werden die Hamburger im Jahre 2030 im Schnitt 39,9 alt sein, heute sind sie 41,1 Jahre alt. Auch der Anteil der über 65-Jährigen schrumpft von aktuell 18,3% auf 17,5%. Wird uns also im Augustinum irgendwann der „Nachwuchs“ ausgehen? Ich glaube nicht, denn Hamburg wird nicht nur jünger, auch die Bevölkerungszahl nimmt zu. Das liegt ganz generell an den guten Wirtschaftsaussichten der Hansestadt und einer gesunden Mischung bei den Arbeitsplätzen in vielen Branchen. So etwas wirkt anziehend auf junge Leute. Und dann ist da noch die wachsende Kinderzahl. Das ist kein Scherz. Hamburgs Stadtteil mit der weitaus höchsten „Kinderwagendichte“ ist angeblich Ottensen. Zu Ottensen gehören auch wir, allerdings nur ganz am Rande. Jedenfalls werden Kinderwagen bei uns nur sehr selten gesichtet – im Gegensatz zu den Kreuzfahrtschiffen. In diesem Jahr sollen mehr als 100 Kreuzfahrtschiffe mit rund 200.000 „Kreuzfahrern“ an Bord in Hamburg festmachen. Und die müssen alle bei uns vorbei. Wenn das keine „schönen Aussichten“ sind…