Während meiner Tätigkeit als Werbetexter – lang, lang ist’s her – habe ich auch für verschiedene Dinge werben müssen, die nicht ganz “ohne” waren. Da gab es Strom aus Kernkraftwerken, Karamellbonbons, sprich “Plombenzieher” und Kariesverursacher für Kinder und Erwachsene und nicht zuletzt einen stark chlorhaltigen Allzweckreiniger für Bad und WC.
Werbung für gefährliche Dinge? Macht ein anständiger Mensch so was? Eigentlich wohl nicht, aber man kann sich seine Arbeit leider nicht immer aussuchen. Der bewusste Toilettenreiniger war sehr effektiv, aber darüber hinaus auch ein Mittel, dass nicht in die Hände von Kindern gelangen durfte. Der Hersteller sah sich deshalb genötigt, einen „kindersicheren“ Verschluss zu entwickeln, und ich hatte die verantwortungsvolle Aufgabe, dazu eine „Gebrauchsanweisung“ zu schreiben. Diese sollte möglichst aus 3 - 4 Worten bestehen, die oben auf den Verschluss gedruckt wurden. Damit sollten erwachsene Verbraucher - jedoch keine Kinder! - befähigt werden, den Verschluss zu öffnen, ohne sich dabei „umzubringen“. Was besonders bei älteren Personen leicht hätte passieren können.
„Umbringen“ ist das richtige Stichwort. Kurze Zeit später ging eine Nachricht durch die Presse, die besagte, dass ein Verbraucher bei dem Versuch sein WC mit dem besagten Produkt zu reinigen, den Kopf zu tief in die Schüssel gesteckt hatte und durch das Einatmen der Chlordämpfe ohnmächtig umgekippt war. Dafür konnte ich natürlich nichts – ich hatte ja nur geschrieben, wie man die Flasche öffnen sollte. Wahrscheinlich hatte der Verbraucher noch einen zweiten Reiniger hinterher gekippt, die beiden waren eine chemische Verbindung eingegangen und schon war’s passiert. Sicherlich nicht in selbstmörderischer Absicht. Wie dem auch sei - der Vorfall führte zu einer kleinen Anfrage im Bonner Bundestag. So lange ist das schon her! Der Hersteller nahm daraufhin das Produkt für einige Zeit vom Markt, um die Rezeptur umzustellen, und ich konnte mich schöneren Dingen widmen.
Ich wurde erst wieder an diese Geschichte erinnert, als ich kürzlich in einem Feinkostladen einen leckeren Salat kaufte. Wie üblich tat ihn die Verkäuferin in einen Plastikbecher, Deckel drauf und fertig zum Mitnehmen. Oft sitzen diese Deckel so locker, dass sie unterwegs abgehen, und man die ganze Bescherung in der Tasche hat. Nicht so bei diesem Deckel. Der hatte nämlich einen Patentverschluss, der mir beim Öffnen ungeahnte Schwierigkeiten bereitete. Ja, wenn da jemand gewesen wäre, der eine Gebrauchsanweisung dazu geschrieben hätte. War aber leider keiner.
Es dauerte eine Weile bis ich den Nippel fand, an dem man offensichtlich ziehen musste. Als ich das dann tat, hatte ich ihn plötzlich in der Hand, was mit Sicherheit nicht so vorgesehen war. Das Ende vom Lied: Ich nahm mir ein Küchenmesser und schnitt mit der Spitze den Deckel rundum auf. Das war also mein Waterloo mit der modernen Verpackungstechnik. Ein Kind wäre wahrscheinlich besser damit zurecht gekommen.