Archiv für 02.2010

Meine Herren, besser ist es, Sie gehen in die “Hocke” …

25.02.2010

In höfischen Kreisen war er lange Zeit gang und gäbe – der „Bückling“: Man verneigte sich tief vor seinem „Souverän“. Je geringer der eigene „Wert“ war, desto tiefer geriet der Bückling. (Ob das Wort von “bücken” kommt, entzieht sich leider meiner Kenntnis.) Da musste manch einer sicherlich lange üben, um nicht vornüber zu fallen. Als wir Kinder waren, wurde uns noch eingebläut, stets einen schönen „Diener“ zu machen, die etwas leichtere Version des Bücklings. Die Damen hatten es auch nicht besser: Bei Hofe musste es ein „tiefgehender“ Hofknicks sein, im normalen Leben durfte aber auch der Knicks etwas bescheidener ausfallen.
Heute sehen manche Eltern es nach meiner Kenntnis ein wenig lockerer, was Diener und Knicks anbetrifft. Trotzdem scheint da noch einiges in unseren Genen zu stecken. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Männer sich mit ihrem ganzen Oberkörper nach vorn beugen und die Arme ausstrecken, wenn sie etwas aufheben wollen? Frauen dagegen gehen in die Knie oder in die Hocke. Damit sind ihre Hände praktisch automatisch auf dem Boden. Die Frage bleibt allerdings, wie gut die Damen aus der Hocke wieder hochkommen. Ich schlage vor – egal, ob Dame oder Herr – Sie lassen mal einen EURO auf den Boden fallen und probieren beide Versionen aus. Ein Hosenknopf tut’s natürlich auch. Ich habe mich übrigens - vorausgesetzt, ich denke daran - für die unmännliche Hocke entschieden.
Wer gar nicht mehr „runter und wieder hoch“ kommt, kann sich auch eine Greifhilfe kaufen. Im Internet gibt es bei „Seniorenland“ einen sogenannten „Pickup Greifer“ in drei verschiedenen Längen. Dann brauchen Sie sich überhaupt nicht mehr zu bücken. Außer, der EURO fällt Ihnen an der Supermarktkasse runter. Aber da finden sich bestimmt nette Leute, die ihn für Sie aufheben - sei es per Bückling oder Hofknicks.
Im Augustinum Hamburg haben wir übrigens seit langem einen ständigen Gymnastik-Kursus, der uns fit halten soll. Vor einigen Jahren habe ich da selbst mitgemacht. Aber dazu benötigt man leider eine gewisse „Grund-Gelenkigkeit“, die mir heute abgeht. Es reicht noch gerade mal dazu, dass ich in die Knie gehen kann und auch wieder hoch komme. Fragt sich nur, wie lange noch.
Jetzt warte ich auf Kommentare, die sagen: Bei mir - Dame oder Herr - ist das alles ganz anders. Ich bin gespannt.

Haben Sie auch Geld in der Schweiz?

22.02.2010

Nein, ich will es gar nicht wissen. Viel schlimmer ist es, „ohne Geld in der Schweiz“ zu sein. Ich spreche aus Erfahrung. Anfang der 50er Jahre – ich stand dicht vorm Abi – hatte ich eine Fahrradtour von Hannover nach Rom unternommen und ähnlich Hannibal die Alpen überquert. Allerdings über den Brennerpass. Das war viel leichter als vorher der Weg durch die Rhön, kann ich Ihnen nur sagen. Auf dem Rückweg schickte ich von der italienisch-schweizer Grenze mein Rad mit der Bahn voraus nach Hause und begab mich selbst per Autostop nach Zürich. Dorthin sollte mir mein Vater „hauptpostlagernd“ ein paar „Scheine“ schicken. So hatte ich es ihm von Rom aus geschrieben. Jetzt war ich wirklich um einen kleinen “Zuschuss” sehr verlegen. Um ehrlich zu sein: Ich hatte gerade noch ein paar Fränkli in Hartgeld.
Auf der Post große Enttäuschung: Kein Brief, kein Geld. Was tun? Einem Ondit zufolge wurde in der Schweiz nicht geklaut. Also ließ ich mein Gepäck einfach so in der Hauptpost stehen und guckte mir die Stadt an. Als ich zurückkam gab’s immer noch kein Geld, aber mein Gepäck war tatsächlich noch da. Kein Vergleich mit heute. Heute ist bekanntlich nicht einmal das Bankgeheimnis mehr vor Dieben sicher.
Aber wie und wo sollte ich ohne Geld die Nacht verbringen? Draußen regnete es. Also unter einer Brücke? Erst einmal begab ich mich zum deutschen Konsulat. Doch dort hatte man sich gerade ins Wochenende verabschiedet. Da erinnerte ich mich, von anderen „Reisenden“ gehört zu haben: Hat man kein Geld für eine Übernachtung, geht man am besten zur Polizei. Die hätte im Gefängnis immer ein Zimmer frei. Hatte sie auch. Aber vorher wurde ich erst einmal von allen Seiten abgelichtet. Für die Verbrecher-Kartei. Danach gab’s dann so was Ähnliches wie Wasser und Brot – so weit ich mich erinnern kann. Am nächsten Morgen wollte ich noch mal zur Post. Da hatte ich nun allerdings die Rechnung ohne den Wirt gemacht. In aller Herrgottsfrühe wurde ich in einem vergitterten Eisenbahnabteil außer Landes verbracht oder auch „abgeschoben“. An der Grenze bei Singen übergab man mich den deutschen Zöllnern. Die wünschten mir eine gute Reise. Damit stand ich aber leider immer noch ohne Geld da.
Auf der Post in Singen gelang es mir, ein Telegramm nach Hause zu schicken. Die folgende Nacht verbrachte ich in einer „Herberge zur Heimat“. Seltsamerweise musste ich erstmal mein Hemd ausziehen. Das wurde dann unter einer Quarzlampe beäugt. Man wollte offenbar sehen, ob da nicht vielleicht irgendwas herum sprang. Eine warme Mahlzeit gab es auch: Grünkernsuppe. Lecker! Am nächsten Tag waren dann schließlich 40 Mark da. Per telegraphischer Postanweisung. Meine Heimkehr war gesichert.
Als ich später meinen Vater fragte, warum er mir kein Geld nach Zürich geschickt hatte, meinte er: „Man darf doch kein Geld im Briefumschlag verschicken“. Klar. Man darf auch keine Steuern hinterziehen. Doch wer hält sich schon daran? Natürlich alle Bewohnerinnen und Bewohner in einem Augustinum. Habe ich recht?

„ Wir sind Hartz IV …“

19.02.2010

Ich will mich um Himmels Willen nicht einmischen in den Streit, ob nun der „gemeine“ Hartz IV Empfänger zu wenig oder zu viel Geld von den Steuern bekommt, die wir anderen abführen müssen. Das steht mir gar nicht zu, obwohl es auch meine Steuern sind. Aber aufregen darf ich mich doch wohl, oder?
Weil mir das Hemd näher ist als der Rock, rege ich mich allerdings in erster Linie darüber auf, dass es bis gestern immer noch schneite. Und dass die Straßen und Fußwege immer noch nicht von diesem völlig überflüssigen Schnee und Eis befreit worden sind. In Hamburg hat die „Regierung“ mehr als 5 Wochen gebraucht, ehe sie überhaupt merkte, dass ein gewisser Notstand herrscht. Das war, als die Krankenhäuser Alarm schlugen, wegen der vielen „Bruch-Patienten“. Danach sollte alles besser werden. Ich habe noch nicht viel davon bemerkt.
Ein hochrangiger Politiker, dessen Namen ich nicht nennen will, hatte schon vor längerer Zeit gefordert, doch bitteschön die Hartz IV Empfänger zwangszuverpflichten. Was natürlich sofort einen Sturm der Entrüstung auslöste. Kaum ein Politiker, der ihm beisprang. Und die Medien schon gar nicht. Von Zumutung war die Rede und noch Schlimmerem. Natürlich klatschten auch die Hartz IV Empfänger keinen Beifall. Warum eigentlich nicht?
Bei dem immer wieder gehörten Vorwurf, Empfänger von Hartz IV stünden sich häufig besser als viele Menschen, die Tag für Tag hart arbeiten, könnten doch die Hartz IV Empfänger durchaus mal etwas für ihr Image tun. Sie könnten sich zum Beispiel in kleinen Gruppen zusammenrotten, bei den Kommunen oder Arbeitsämtern Schaufeln und Besen anfordern sowie schöne rote oder orange Jacken. Darauf müsste dann vorn und hinten aufgedruckt werden „Wir sind Hartz IV Empfänger und machen das freiwillig“. Aber auf so eine Idee kann wohl nur ein Werbefachmann kommen, der warm und trocken im Augustinum sitzt.

Am Aschermittwoch ist…

17.02.2010

Auch in Hamburg kann nichts vorbei sein, was gar nicht erst angefangen hat. So viel zum Karneval im hohen Norden. (Ich gestehe freimütig: Ich bin nicht traurig deswegen. Auch wenn die Rheinländer mich jetzt mit Verachtung strafen werden.)
Als ich Ende letzter Woche auf unseren Speiseplan für diese Woche guckte, war ich doch etwas verblüfft. Für Mittwoch stand da als Hauptgericht nur „Fischbuffet“. Davor gab’s noch „Büsumer Krabbensuppe mit Dillsahne“ und zum Nachtisch „Bananen-Kiwi-Mousse“. Aber mitten in der Woche ein „Fischbuffet“ – das brachte mich doch ins Grübeln.
Schließlich fiel mir ein: Aschermittwoch. Da fängt doch die Fastenzeit an, oder? Und in der Fastenzeit soll man kein Fleisch essen. Fisch ist dagegen erlaubt, weil er nicht blutet. Heißt es. Haben Sie schon einmal einen halbierten Karpfen gesehen? Eben. Ich gucke dann immer weg oder mache die Augen zu.
Also, ich hatte mich schon ganz und gar auf das Fischbuffet eingestellt. Es gehört zum Feinsten, was unsere Küche im Augustinum Hamburg zu bieten hat. Man stelle sich jedoch meine Überraschung vor, als ich neben den verschiedenen Fischsorten auch noch ein leckeres Lammcarreé mit Bratkartoffen entdeckte. Da dachte ich so bei mir: Die Fastenzeit fängt doch eigentlich gar nicht schlecht an…
Was soll ich Ihnen sagen: Ich habe gegessen wie ein “Scheunendrescher”.

Warum sind wir nur keine Zackenbarsche?

15.02.2010

Kürzlich sah ich im Fernsehen einen Film mit schönen Unterwasseraufnahmen aus der näheren Umgebung Mallorcas. Also quasi von „vor unserer Haustür“. Da wurden viele kleine und große Fische gezeigt. Zu den großen gehörte der Zackenbarsch, angeblich einer der größten Räuber in diesem Teil des Mittelmeers. Der Kommentator erzählte dazu eine unglaubliche Story: Weibliche Zackenbarsche sollen, wenn sie eine Länge von1,50 m erreicht haben, ihr Geschlecht verändern und zu männlichen Zackenbarschen werden. Einfach so. Ich konnte es kaum glauben. Und was tut Uwe Neumann, wenn er etwas nicht glauben kann und es genauer wissen will? Richtig: Er sieht sich im Internet um.
Als Erstes ergab sich da, dass der Bericht im Fernsehen tatsächlich der Wahrheit entspricht. Auf den Menschen übertragen würde das bedeuten, dass Frauen, die besonders groß sind und fürchten, keinen passenden Partner zu finden, eine hochinteressante Alternative hätten. Nämlich die, sich selbst in einen Mann zu verwandeln und dann eine nette kleine Frau zu heiraten. Es finden sich aber auch noch Zackenbarsche, die als Zwitter geboren werden und gleichzeitig Samen und Eier produzieren. Diese Zwitter befruchten sich normalerweise gegenseitig. Im Extremfalle, wenn sich nämlich partout kein Geschlechtspartner findet, kommt es dann sogar zur Selbstbefruchtung. Eine wahrlich verführerische Idee für extreme Feministinnen? Man sieht: In punkto Evolutionstechnik fehlt uns anscheinend noch so einiges. Ob wir darüber froh sein sollen oder ärgerlich? Ich weiß es nicht.
Übrigens: Das Kultur-Jahresthema unseres Augustinums für 2010 lautet „Artgenossen“. Das gilt für alle Häuser. Aber nicht alle Häuser haben eine habilitierte Biologin unter ihren Bewohnern. So werden wir in diesem Jahr eine Reihe von Vorträgen genießen dürfen, die uns mit Sicherheit alle schlauer machen. Von ihr habe ich auch in einem kurzen Gespräch erfahren, dass der Zackenbarsch nicht das einzige Tier mit derartigen Geschlechtsveränderungs-Ambitionen ist. Also stehen unsere Chancen vielleicht doch nicht so schlecht. Ich wäre im nächsten Leben jedenfalls nicht abgeneigt, es abwechselnd als Mann und als Frau zu versuchen. Mal sehen, was mir dann besser gefällt.