Archiv für 01.2010

Ich hab’s geahnt: In jedem von uns steckt ein “heimlicher” Struwwelpeter…

14.01.2010

Wer kennt ihn nicht aus Kindertagen, den Struwwelpeter? Mit Haaren, die offensichtlich meterhoch zu Berge stehen und unendlich langen Fingernägeln. Ich hoffe, Sie haben das Bild vor sich. Geschrieben hat den Struwwelpeter1844 der Arzt Heinrich Hoffmann für seinen damals 3-jährigen Sohn. Inzwischen ist er in ich weiß wie viele Sprachen übersetzt worden. Und falls es die Damen interessiert: Es liegt auch eine “Struwwelliese” in gedruckter Form vor, so ist es nicht!
Nun kann man heute ungestraft die Haare lang oder kurz tragen. Aber was ist mit den Fingernägeln? Was mich persönlich betrifft, so habe ich feststellen müssen, dass eine sorgfältige Maniküre und Pediküre offenbar in immer kürzeren Abständen erforderlich ist. Da ich beides noch selber mache und nicht “professionellen” Händen überlasse, habe ich darüber nicht „Buch geführt“. Aber es kam mir jedenfalls so vor, als müsste ich immer häufiger aktiv werden. Jetzt konnte ich es in der Zeitung lesen, dass mein Gefühl mich nicht getrogen hat. Wissenschaftler der Universität von North Carolina haben es herausgefunden. Sie erfassten 3 Monate lang das Wachstum von jeweils 195 Finger- und Fußnägeln. Dann verglichen sie ihre neu gewonnenen Daten mit Nagelwachstumsstudien aus früheren Zeiten. Das Ergebnis: Nägel wachsen heute rund 20 % schneller als noch vor 70 Jahren. Das ist immerhin eine Zeit, an die auch wir uns - wenn vielleicht auch nur schwach - noch erinnern können. Ohne damals zu wissen, dass man überhaupt solche Studien anstellte.
So soll seinerzeit ein Daumennagel eine Höchstgeschwindigkeit von drei Millimetern pro Monat erreicht haben. Die heutigen Struwwelpeter-Nägel bringen es auf 3,55 mm. Das sind im Jahr mehr als 4 Zentimeter. Man stelle sich das vor. Und in einem Menschenleben? Das möchte ich lieber gar nicht wissen. Angeblich ist an dem verstärkten Wachstum unsere eiweißreichere Ernährung schuld. Das heißt also: Weniger Fleisch essen oder öfter die Nägel bearbeiten. Sie haben die Wahl.
Übrigens: Die Physiotherapie in unserem Haus bietet auf Nachfrage auch Maniküre und Pediküre an.

Zu Christi Geburt gab es die drei Weisen aus dem Morgenland, heute haben wir die 5 Wirtschaftsweisen

07.01.2010

Die drei Weisen aus dem Morgenland führte ein guter Stern nach Bethlehem. Auch wenn man sie gemeinhin als Könige betitelt – der gestrige Tag ist bekannt als der „Dreikönigstag“ – so waren sie wohl doch eher Magier oder Sterndeuter. Und sie deuteten richtig, denn sie fanden, was sie suchten: das neugeborene Jesuskind.
Die 5 Wirtschaftsweisen suchen auch etwas: Den besten Weg für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland. Sie analysieren mindestens einmal im Jahr die Situation der deutschen Volkswirtschaft und die voraussichtliche zukünftige Entwicklung. Dabei geben sie der Regierung auch unverbindliche Ratschläge, die diese in der Regel wohlwollend entgegennimmt. In ihrem letzten Gutachten vom Herbst 2009 ließen die Weisen allerdings kein gutes Haar an den bekannten Vorhaben der Regierung, wie unter anderem den für die nächsten Jahre geplanten Steuersenkungen. Eine derart vernichtende Kritik gab es meines Wissens noch nie. Die Kanzlerin trug damals das mehr als 400seitige Gutachten mit Fassung und einem gütigen Lächeln. Weiß sie doch aus Erfahrung, dass die 5 Weisen nicht immer von einem günstigen Stern geleitet sind. Lassen wir uns also überraschen. Obwohl: Gegen weniger Steuern hätten auch wir Bewohner im Augustinum nichts einzuwenden. Schließlich müssen auch wir heute unsere Pensionen und Renten erheblich höher versteteuern als früher, und das Leben wird nicht billiger. Nicht einmal im Augustinum.

Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen…

04.01.2010

Egal, ob das nun „Volksmund“ ist oder „Goethe“: Es stimmt. Da werden mir sicher die meisten von Ihnen schweren Herzens zustimmen. Deshalb trat ich heute morgen mit Angst und Bangen zum ersten Mal seit 14 Tagen wieder auf meine Waage. Natürlich hätte ich auch zwischendurch mal nach dem Rechten gucken können. Aber solche „Zwischenergebnisse“ verderben einem doch nur die Freude am Genießen, habe ich mehr als einmal festgestellt.
Vor 14 Tagen also war der 21. Dezember, der Tag unserer Weihnachtsfeier. Es war der Anfang der Völlerei. Ich kann nur sagen: „Exquisit, was unsere Köche da wieder auf die Beine gestellt hatten.“ Dahinter brauchten sich allerdings meine Töchter nicht zu verstecken, die wie immer Heiligabend ebenfalls zu einem 4-Gänge-Menü geladen hatten. Bei ihnen kommt stets noch ein gesunder „Touch“ hinzu. Das ist eben eine neue Generation. Klar, dass es im Augustinum auch am 1. und 2. Weihnachtstag etwas Gutes gab, immer begleitet von einem Glas Wein oder auch zweien.
Kaum hatte man das verdaut, kam auch schon Silvester. Ersparen Sie mir die genaue Beschreibung. Am Neujahrstag dann die Überraschung: Es gab Karpfenfilet mit Meerrettichsoße – Filet finde ich gut, aber ich sah, wie doch einige mit Gräten zu kämpfen hatten – ich hatte mich sowieso für die Alternative „Birnen, Bohnen und Speck“ entschieden. Mein Lieblingsessen. Sie meinen, dass sei kein Essen für Neujahr? Also, nach meinen Beobachtungen ging das Rennen unentschieden aus. Das hat selbst mich erstaunt.
Gestern nun gab es unseren traditionellen Neujahrs-Brunch. Kalt und warm. Kalt waren die Fisch-Delikatessen in allen Variationen und das Roastbeef, warm das Rührei mit gebratenem Speck, die kleinen Bratwürstchen und und und . Hinterher 1.000 Käsesorten und Süßes. Ehrlich gesagt: Es fiel schwer aufzuhören, aber irgendwann muss ja mal Schluss sein. Und heute Morgen stand ich also auf der Waage. Darauf haben Sie doch gewartet, nicht wahr? Ich auch. Ich mache es kurz: Ich wog genau 100 Gramm mehr als am 21. Dezember. Was sagen Sie nun? Aber man sollte sich nie zu früh freuen. Das weiß ich aus bitterer Erfahrung. Manchmal kommt das “dicke Ende” nämlich erst hinterher. So kann ich nur hoffen, dass es diesmal besser ausgeht.

“Gib Gummi, Lady!”

02.01.2010

Ich saß im Bus. Es war der letzte Tag des Jahres, kurz vor dem Mittagessen. Wir standen an einer Ampel, vor uns schätzungsweise noch 2 – 3 Pkws auf beiden Spuren. Neben uns – direkt vor meinen Augen – ein roter Sportwagen. Sah mir sehr nach einem Oldtimer aus. Wie „old“ weiß ich nicht, ich bin kein Fachmann. Besonders auffällig die „Schlafzimmer-Augen“ – Sie kennen diese Scheinwerfer, die man auf- und zuklappen kann. Sicher haben die auch einen speziellen Namen, den ich jedoch nicht kenne. Hier waren sie mitten am Tage demonstrativ aufgeklappt. Der Wagen trug auf den Radkappen den Schriftzug „Porsche“. Daher war es wohl auch einer.
Im Wagen saß eine Dame. Ja, eine richtige Dame. Die behandschuhten Hände lagen lässig auf dem Holzlenkrad mit den polierten Metall-Speichen. Dazu passte auch die sportlich elegante Kleidung – soweit ich das sehen konnte. Obwohl die Dame mir nur das Profil zeigte, bemerkte ich doch, dass sie hin und wieder den Mund öffnete und offensichtlich einige Kraftworte ausstieß. Ich bin mir dessen ganz sicher. Natürlich konnte ich nicht direkt hören, was sie sagte. Aber ihre ganze Haltung sprach dafür. Worüber konnte sie sich so aufregen? Musste sie vielleicht noch die Silvester-Party vorbereiten? Zugegeben, wir standen bereits eine ganze Weile da, das war schon nicht mehr normal. Ich konnte nur zur Seite sehen, sie hatte den Blick nach vorn. War da vielleicht ein Stau auf der Kreuzung, der den Verkehr aufhielt? Oder was sonst?
Plötzlich ging es weiter. Der Bus fuhr an, die Wagen von nebenan ebenfalls. Nur meine Lady ließ sich Zeit, obwohl sie es doch so eilig zu haben schien. Aber dann schoss der Wagen geradezu nach vorn. Oh, dachte ich, die Dame gibt aber Gummi. So sagt man doch wohl, wenn jemand direkt aus dem Stand so kraftvoll beschleunigt, dass die Reifen quietschen. Vermutlich hatte sie nur so lange gewartet, um genügend „Spielraum“ für den Start zu haben. Denn sonst hätte sie bestimmt gleich auf ihrem Vordermann drauf gesessen. So aber konnte sie Gas geben und mit „Karacho“ rechts abbiegen. Ich fuhr dagegen mit meinem Bus gemütlich weiter geradeaus und dachte mir meinen Teil.
Ach, ja – ich vergaß noch zu erwähnen, weshalb ich dauernd von einer „Lady“ gesprochen habe. Ich schätze nämlich, dass die sportlich elegante Dame sicher an die 80 Jahre alt oder sogar darüber war. Da ich jetzt seit fast 10 Jahren im Augustinum lebe, kann ich das, glaube ich, recht gut beurteilen. Sollte ich mich trotzdem vertan haben, bitte ich hier in aller Form um Entschuldigung.