Archiv für 01.2010

Wenn die Stadtverwaltung sich Sand in die Augen streut…

30.01.2010

Sie sollte lieber Salz nehmen, das tut wenigstens richtig weh. In den Augen, meine ich. In diesem Winter dürfte es eigentlich „deutschlandweit“ genügend Schnee und Eis gegeben haben, um auch die lahmste Stadtverwaltung endlich auf Trab zu bringen.
Das Streuen von Salz ist in den meisten Städten generell verboten. So auch in Hamburg, weil es angeblich den Pflanzen und Tieren schadet. Das „Nichtstreuen“ von Salz – trotz Eisglätte oder Eisregen – schadet hingegen in erster Linie nur den Menschen. Und auf die kommt es offenbar nicht so sehr an. Ich war heute, am Samstag, in der Stadt unterwegs. Zu Fuß in einer größeren Fußgängerzone und zwar gegen 11 Uhr 30. Einige der Ladenbesitzer hatten ihre Pflicht schon getan, andere fingen gerade damit an. Die Deutsche Post mit einer Straßenfront von mehr als 100 m hatte noch keinen Finger gerührt. Und die Stadtverwaltung interessierte sich offenbar für den großen Rest der Fußgängerzone auch nicht. Unter dem Neuschnee gab es Stellen mit blankem Eis. Stellen, die schon einige Wochen alt sind, wie ich definitiv weiß. Zweimal stand ich dicht davor, mich auf den Hosenboden zu setzen und dabei unter Umständen sogar einen Oberschenkelhalsbruch zu riskieren.
Nichts gegen den Schutz von Pflanzen und Tieren. Aber übertreiben wir nicht manchmal den Schutz von „Minderheiten“ jeglicher Art und vergessen unsere Verpflichtungen, die wir gegenüber dem Gemeinwohl haben? Und gab es in früheren Zeiten nicht auch Pflanzen und Tiere und sogar noch strengere und längere Winter als diesen?

Dummheit muss bestraft werden…

26.01.2010

Schusseligkeit und Unkonzentriertheit auch? Das sind doch genau unsere Schwächen im Alter. Wie ich leider selbst erfahren musste. Obwohl wir in unserem Augustinum eine sehr gut bestückte Bibliothek haben, habe ich mir vorgenommen, auch weiterhin Bücher, die mich besonders interessieren in den Hamburger Bücherhallen auszuleihen. Die Stadtteil-Bücherhalle ist leicht zu erreichen, und ab und zu fahre ich auch zur „Zentralbücherei“ in der Innenstadt. Da ist die Auswahl noch größer.
Darüber hinaus gibt es ja noch das Internet. Dort kann ich im Katalog der Bücherhallen stöbern, und wenn es irgendwo in irgendeiner der 10 Bücherhallen ein bestimmtes Buch gibt, kann ich es bestellen und es wird in meine Stadtteil-Bücherhalle geschickt, wo ich es nur noch abzuholen brauche. Die Ausleihfrist kann im Internet 2 x verlängert werden und beträgt dann insgesamt 9 Wochen. In der Zeit kann ein schneller Leser, wie ich es bin, schon mehrere Bücher wegputzen. So weit, so gut.
Vor ein paar Tagen habe ich mir nun zwei Bücher geholt und gleichzeitig auch noch ein paar Lebensmittel eingekauft. Die tat ich wie immer in meinen Rucksack, so kann ich sie am besten tragen. Für die Bücher war dann allerdings kein Platz mehr. Also steckte ich sie in eine wirklich edle Plastik-Tasche. Das war relativ ungewohnt. Als ich zu Hause ankam, merkte ich: Verdammt, ich hatte die Bücher im Bus vergessen. Ich also auf dem Absatz kehrt gemacht und zurück zum Bus. Da unsere Haltestelle eine „Endhaltestelle“ ist, sah ich ein Chance, dass der Bus noch da war. Leider war es schon der nächste Bus, der dort stand. Ich fragte den Fahrer, was ich jetzt noch tun konnte.
An seiner Kasse druckte er einen kleinen Zettel aus, auf dem ganz klare und verständliche Handlungsanweisungen standen. Und dazu gleich zwei Telefonnummern. Eine, die ich in den nächsten 3 Tagen anrufen konnte – das war die Nummer des Fundbüros des öffentlichen Nahverkehrs – und eine für einen späteren Anruf im städtischen Fundbüro. Beide Nummern habe ich ausprobiert und wurde beide Male äußerst freundlich behandelt. Leider ohne Erfolgserlebnis. Im städtischen Fundbüro gab man mir noch eine Internet-Adresse, da konnte ich meine Angaben noch einmal ganz präzise schriftlich von mir geben. Wieder nichts.
Jetzt muss ich den Verlust wohl bald mal bei den Bücherhallen melden. Aber ich habe immer noch die leise Hoffnung, dass jemand die Bücher gefunden und gelesen hat und sie am Ende in einer der vielen Bücherhallen abgibt. Denn wer stellt sich ein schon ziemlich abgegriffenes „fremdes“ Buch in seinen Bücherschrank. Ich würde das nicht tun. Aber ich bin ja auch dumm. Oder doch nur schusselig und unkonzentriert?

…dann wäre ich schon längst tot!

23.01.2010

Zehn Tage nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti scheint sich die Lage ein ganz klein wenig zu normalisieren. Wenn man den Medienberichten Glauben schenkt, herrschte vorher das reine Chaos. Vieles davon konnten wir im Fernsehen hautnah miterleben. Auch wenn ich persönlich nicht immer alles glaube, was wir zu sehen und zu hören bekommen.
Eindeutig aber war, dass es offensichtlich ein organisatorisches Chaos gab. Niemand schien in der Lage oder willens zu sein, die Hilfe, die aus den verschiedensten Ländern kam, auch nur einigermaßen zu koordinieren. Jeder arbeitete auf eigene Faust, manche Helfer aber waren selbst hilflos. Hätte man es besser machen können? Die Regierung in Haiti war dazu offensichtlich nicht in der Lage. Man hätte einen „Macher“ gebraucht. Aber woher nehmen und nicht stehlen?
Als im Jahre 1962 die Stadt Hamburg von der großen Flut überrascht wurde, waren wir besser dran. Die erste Nachricht von einer verheerenden Sturmflut kam am 16. Januar um 22.15 Uhr im Fernsehen. Es wurde prophezeit, die Flut werde 3 1/2 m höher als sonst ansteigen. Da war es der damalige “Polizei-Senator” und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt, der noch in den Nachtstunden von einer Sitzung der Landesinnenminister in Berlin nach Hamburg zurückeilte und in den frühen Morgenstunden die Koordinierung der Rettungsmaßnahmen übernahm. Oder sollte man sagen „an sich riss“?
Am Ende stieg die Flut sogar um 5,18 m über Normal-Null. Besonders stark betroffen war der Stadtteil Wilhelmsburg mit über 100.000 Einwohnern - viele von ihnen wohnten in Kleingarten-Kolonien - in dessen Straßen das Wasser über 3 m hoch stand. Mehr als 20.000 Menschen verloren vorübergehend ihr Obdach. Obwohl verfassungsrechtlich nicht dazu befugt, gelang es Helmut Schmidt, NATO-Streitkräfte – und hier insbesondere Pioniertruppen mit Sturmbooten – sowie 100 Hubschrauber der Bundeswehr und der Royal Air Force in “Marsch” zu setzen, welche die Helfer des Roten Kreuzes, des Technischen Hilfswerks und der Feuerwehren bei der Evakuierung der Bewohner unterstützten. Alles hörte auf sein „Kommando“. So konnten Zigtausende von der Flut eingeschlossene Bewohner gerettet werden. Dass es in Hamburg „nur“ 315 Todesopfer gab, war in erster Linie sein Verdienst, wobei er weit über seine Befugnisse hinaus ging.
Weshalb ich das hier schreibe? Als Helmut Schmidt kürzlich von einer Zeitung interviewt wurde und man ihn fragte, wie er es denn mit seinen 91 Jahren, einem Herzschrittmacher und im Rollstuhl sitzend, schaffe, immer noch Bücher zu schreiben, Vorträge zu halten und auch sonst in der Öffentlichkeit präsent zu sein, da antwortete er sinngemäß: „Wenn ich das nicht mehr hätte, wäre ich schon längst tot.“
Sollte uns das nicht Mut machen, uns trotz unseres Alters eine Aufgabe zu suchen oder einer Herausforderung zu stellen? Bei mir war es dieser Blog, der mir viel Spaß - aber auch Arbeit - beschert und mich hoffentlich noch lange “jung im Geiste” erhält.

Endlich wissen wir’s genau: Beamte sind „reich“, weil sie die „Gewinner“ im Alter sind

20.01.2010

Für die Medien ist es ein gefundenes Fressen, für die Beamten und Pensionäre eine mit einigem Misstrauen aufgenommene Behauptung, für die vielen Nicht-Beamten die Bestätigung des „Wir haben es ja schon immer gesagt“.
Mein Vater wollte, dass ich Beamter werde. Grund genug für mich, es nicht zu tun, sondern in die freie Wirtschaft zu gehen und zwar dahin, wo der Wind am stürmischsten weht – in die Werbung. Ich weiß auch noch, wie meine Klassenkameraden und ich des Öfteren ein wenig mitleidig auf die Beamten unter uns herabgeschaut haben. Weil diese weniger verdienten als wir und nur sehr langsam in ihrer Karriere voran kamen. Andererseits standen da im Hintergrund die Unkündbarkeit und die Pensionsberechtigung. Was das im Laufe eines Lebens einmal wert sein würde, konnten wir seinerzeit alle nur vermuten.
Die Erkenntnisse aus der jüngsten Vermögensstudie des “Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW” sind nun eine kleine Sensation. Erstmalig wurde von diesem Institut eine Reichtums-Berechnung der Deutschen vorgenommen, in die man die Ansprüche an die verschiedenen Altersvorsorgesysteme einbezogen hat. Danach wächst der Reichtum der Beamten mit dem Alter prozentual weitaus mehr an, als der anderer Berufsgruppen. Darüber hinaus gehören sie aber auch absolut gesehen zu den Reichsten im Lande.
Unter den Bewohnern und Bewohnerinnen im Augustinum Hamburg haben wir nicht wenige Beamte. Wie viele es genau sind, kann ich nicht sagen. Es steht ihnen schließlich nicht auf die Stirn geschrieben. Ich weiß auch nicht, ob es mehr oder weniger sind als uns nach der Statistik „zustehen“ würden. Aber in einem bin ich ziemlich sicher: Nämlich, dass es bei uns keine Neiddebatte geben wird, wie vielleicht sonst in der “breiten Öffentlichkeit”.

Ich hab’s schon immer gesagt: „Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen.“

17.01.2010

Jedenfalls manchmal. Was ist passiert? Nun, meine Frau und ich gehen jedes Jahr um diese Zeit mit guten Freunden zu einem nachträglichen Weihnachtsessen. Ganz ohne die Hektik der Vorweihnachtszeit ist das immer besonders gelungen.
So sollte es auch heute wieder sein. Aber bei diesem Wetter? Wo kein Mensch hier in Hamburg weiß, ob es nun taut oder Blitzeis gibt oder beides? Wenn ich auf die Straße vor meinem Fenster blicke, liegt darauf Neuschnee, und der ist kaum befahren. Nahezu „jungfräulich“, wie man so sagt. Es fahren aber auch kaum Autos. Weil heute Sonntag ist, oder weil die Leute ihr Auto lieber stehen lassen? Fragen über Fragen. Wir haben jetzt gerade mal 11 Uhr am Vormittag und der Tag und die Nacht sind noch lang. Ich werde gleich mal unsere Freunde anrufen – ich hoffe, sie sind schon aufgestanden – und vorsichtshalber mal deren Meinung erkunden.
Mein Schwiegervater ist bei solch einem Wetter schwer gestürzt. Das Ergebnis: Oberschenkelhalsbruch. Er kam danach nie wieder auf die Beine und starb zwei Jahre später. Da war er dann allerdings auch schon 95. Ich könnte ja den Versuch machen und unsere Pflegeabteilung mal auf Herz und Nieren prüfen. Aber ich glaube, dazu werden sich auch noch andere Möglichkeiten ergeben, die weniger dramatisch sind. Und mit unseren Freunden werden wir uns treffen, wenn wir - hoffentlich bald - wieder mal eine „Warmzeit“ haben.