Das Leben kann doch so schön sein…
14.12.2009Kennen Sie das? Es gibt Tage, da möchte man am liebsten niemanden sehen und andere, da könnte man die ganze Welt umarmen. Eine Mitbewohnerin erzählte mir neulich, dass es ihr in letzter Zeit gar nicht gut gegangen war. Nicht nur, dass sie etliche gesundheitliche Probleme hatte. Es irritierte sie auch, dass alle nur an die vielen bevorstehenden Feiern denken, obwohl unsere Welt doch mitten in der größten Krise steckt. Das Wetter war auch kein Trost, immer nur Regen, Regen, Regen, kurz, es machte alles keinen Spaß. Ihr Schlusssatz lautete: „Ich war so richtig „brägenklüterig“.
Anmerkung des Chronisten: „Brägen“ ist das plattdeutsche Wort für „Hirn“ – man denke an den englischen Begriff „Brain“ – und „Klüten“ nennt man auch die kleinen Klümpchen in einer missratenen Mehlschwitze. Brägenklüterig heißt deshalb: Man hat lauter kleine Mehlklümpchen im Kopf. Was das für ein Gefühl ist, kann sich jeder selbst ausmalen.
Und dann kam dieser Morgen: Sie saß am Frühstückstisch, der Himmel war blau, die Sonne brachte das Wasser der Elbe zum Leuchten und Funkeln; das normalerweise ziemlich unansehnliche Hochhaus dicht vor dem Airbus-Gelände strahlte wie ein aufrecht stehender Goldbarren; ein großer Airbus 380 startete in Richtung Norden und überquerte in geringer Höhe den Fluss; gleichzeitig kam ein Riesen-Passagierdampfer aus Richtung Nordsee und entpuppte sich nach einiger Zeit als die „Queen Victoria“. Nicht, dass sie, die Mitbewohnerin, Lust gehabt hätte neben rund 2.000 anderen Passagieren mit solch einem Monster wer weiß wohin zu fahren, aber beeindruckend sei es doch gewesen, soviel „Schiff“ aus der Nähe zu sehen.
Tja, Sie sehen: Bei uns kann man eben „Großes“ erleben, in der Luft und auf dem Wasser. Meine Mitbewohnerin hatte jedenfalls sichtbar neuen Auftrieb bekommen und ihre kurze Schwäche-Phase überwunden.
Am Abend des gleichen Tages sah dann auch ich die „Queen Victoria“ – im Norddeutschen Fernsehen. Sie wurde zwar nur kurz an ihrem Liegeplatz gezeigt, aber man konnte sehen, wie etliche der Passagiere von Bord gingen, augenscheinlich, um sich die Stadt anzugucken. Offensichtlich gehört zu einer Sightseeing-Tour im Dezember auch der Besuch eines der vielen Hamburger Weihnachts-Märkte. Ein englisches Ehepaar, das interviewt wurde, war des Lobes voll: So etwas hätten sie in England nicht. Solch eine Vielfalt zu essen und zu kaufen. Und es duftete alles so herrlich. Die beiden waren regelrecht „hin und weg“ und ganz und gar nicht „brägenklüterig“.