Archiv für 12.2009

Denn wir tanzen „cheek to cheek“

30.12.2009

Sagen Sie nicht, Sie hätten das nie gemacht. Ich war noch zu jung dazu oder besser gesagt noch gar nicht auf der Welt. Aber in den zwanziger und dreißiger Jahren soll es genau die Tanzmusik dazu gegeben haben. Die Musik ist nicht mehr dieselbe, aber Tanzen Wange an Wange, das gibt es auch heute noch.
Ich war über Weihnachten mit guten Freunden zusammen. Wir hatten einen netten Abend hinter uns. Als es ans Verabschieden ging, machten es die Männer – unter einander – wie immer mit einem Händedruck ab. Die Damen, die offensichtlich mit der Zeit gehen wollten, suchten den Kontakt zu einem Wangenkuss. Da ich selbst zu den „Beteiligten“ gehörte, hatte ich wenig Gelegenheit zu einer genaueren Beobachtung. (Gehört sich ja auch nicht, einfach so zugucken.) Aber mir schien doch einige Unsicherheit zu herrschen. Ich selbst will mich davon gar nicht ausnehmen. Gibt man nun der Dame die Hand und drückt zusätzlich seine Wange an ihre Wange? Oder hat der Händedruck bei dieser Prozedur gar nichts zu suchen? Küsst man – Wange an Wange – einfach nur in die Luft? Oder drückt man – das wäre eine „Steigerung“ – sogar einen leichten Kuss auf die Wange? Küsst man einmal, zweimal, dreimal? Fragen über Fragen!
Übrigens: Bei unserer Silvester-Feier gibt es Musik aus “vergangenen Zeiten”. Zum Mitsingen und auch zum Tanzen. So ist es jedenfalls im Kulturkalender angekündigt. Ob sich auch jemand traut - “cheek to cheek”? Die Ehepaare könnten doch…

Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit Schwung ins Neue Jahr kommen, und Ihre Wünsche alle in Erfüllung gehen, vor allem der Wunsch nach Gesundheit. Ihr U. N.

Soll ich, soll ich nicht, soll ich, soll ich nicht…?

27.12.2009

Die Hamburger Sparkasse will uns allen ein Geschenk machen. Ein „Nikolausgeschenk“, weil wir doch seit drei Jahren ein so ein gutes Verhältnis zueinander haben. Jeden Freitag treffen sich nämlich die Bankberater der „Haspa“ mit etlichen unserer Bewohnerinnen und Bewohner. Ich darf gleich sagen. Ich bin nicht dabei, ich trage mein Geld zu einer anderen Bank. Trotzdem soll ich eine SparCard mit einem Startguthaben von 20 € bekommen. So steht es in einem netten Brief, den ich vor kurzem – wie alle anderen Bewohner auch – in meinem Briefkasten fand. Ich muss nur den beigefügten Antrag ausfüllen, und schon ist die Sache geritzt.
Früher, so kenne ich das jedenfalls, gab es solche Großzügigkeit nur bei der Geburt eines Kindes. Wenn dann die Eltern jeden Monat etwas dazu taten, war das Kind am Ende reich und die Sparkasse glücklich. Glücklich ist die Sparkasse vermutlich auch jetzt, denn mit dem Antrag erhält sie quasi die Erlaubnis, mit ihrem neuen Kunden und Geschäftspartner in persönlichen Kontakt zu treten. Ganz legal nach dem Datenschutzgesetz. Vermute ich jedenfalls.
Ich frage mich jetzt: Soll ich die 20 € annehmen oder soll ich großzügig darauf verzichten? Immerhin: 20 € sind 20 €. Und darauf kriege ich auch noch 0,5% Zinsen im Jahr. Hilfe, das kann ich gar nicht ausrechnen, wie wenig das ist. Das sind…ja, das sind 10 Cent. Davon abgerechnet 25% Abgeltungssteuer – das Finanzamt wird sich freuen. Ich kann natürlich auch jeden Monat aus meiner eigenen Tasche jeweils weitere 20 € zulegen. Dann habe ich in 10 Jahren 2.400 €, die Zinsen und Zinseszinsen nicht zu vergessen. Wenn ich allerdings gleich noch 2480 € drauflege, dann gibt es gleich auch mehr Zinsen – 0,6%. Furchtbar: Immer diese Entscheidungen…
Wie wär’s denn, wenn ich die SparCard mit den 20 € annehme und gleich wieder kündige? Dann müsste ich doch irgendwann die 20 € ausgezahlt bekommen. Ist das dann so etwas wie ein „Bonus für außerordentliche Geschäftstüchtigkeit eines Kunden“? Oder wird man soviel Hinterhältigkeit von einem Bewohner des Augustinums nicht erwarten und eine Beschwerde an unseren Stiftsdirektor schicken? Wegen ungebührlichen Benehmens…

Weihnachtsgruß

23.12.2009

“Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzelein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzelein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach gar nicht langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
die grünen Nadeln war’n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm.
Hei! Tat’s da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.”

Allen Lesern meines Blogs wünsche ich
frohe Weihnachten, ein gesundes Neues
Jahr und viel Spaß am feinen Humor
des unvergesslichen Christian Morgenstern,
1871 - 1914.
U. N.

“Süß und salzig lieb’ ich sehr”… Und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

20.12.2009

Dies ist keine Weihnachts-Geschichte, obwohl sie mit einem Loblied auf äußerst leckere Kekse beginnt. Ich war noch nie in Schottland, aber “Walkers Shortbread” und da insbesondere die “Shortbread Fingers” liebe ich über alles. Und das nicht nur, aber auch zur Weihnachtszeit. Hergestellt im Herzen des schottischen Hochlandes – so steht es auf der Packung - gibt es die nämlich auch bei uns im anglophilen Hamburg. Und vielleicht ja auch bei Ihnen. Sie wissen leider nicht, was Shortbread ist? Also im Prinzip sind es Kekse aus Weizenmehl, die sich dadurch auszeichnen, dass sie 32% Butter enthalten. Sie sind der Meinung, das sei eine ganze Menge? Finde ich auch. Das Besondere an dieser Butter ist – wie bei englischer Butter meistens – dass sie gesalzen ist. Wenn Sie jetzt denken „na, ja, dann ist das also ein fettreiches Salzgebäck“, dann sind Sie allerdings auf dem Holzweg. Denn Shortbread enthält weitaus mehr Zucker als Salz.
Süß und salzig, salzig und süß – dass muss man erstmal mögen. Ich mag es und die Schotten und Engländer offenbar auch. Unter uns gesagt: Die meinen es überhaupt gut mit dem Salzen. Meinen letzten Urlaub verbrachte ich an der Kanalküste, allerdings auf dieser Seite des Kanals. Honfleur hieß der kleine Ort in der Normandie, der Geburtsort meines Lieblings-Komponisten Erik Satie und offenbar ein Lieblingsziel englischer Touristen, die in ganzen Busladungen kamen. Wenn ich das geahnt hätte. Aber es sollte sowieso ein eher „kulinarischer“ Urlaub werden. Leider nur eine Woche lang. Was konnte mir da im Schlemmerland Frankreich schon groß passieren?
Der Fisch am ersten Abend – ein Rochen in einer Art Sahnesoße – erwies sich als eine einzige Enttäuschung. Weder der Fisch als solcher, noch die Zubereitung, konnten mich vom Hocker reißen. „Lasch und fade“ lautete abschließend mein vernichtendes Urteil. Am nächsten Mittag bestellte ich, natürlich in einem anderen Restaurant - ich hatte das Gefühl jedes dritte Haus beherbergte ein Restaurant - eine Schüssel „Muscheln in Weißwein“. Diese Brühe, sonst mit das Beste und Geschmacksgeber für die Muscheln, schmeckte wie Spülwasser. So langsam wurde mir dieser Ort unheimlich. Ich blickte zum Nebentisch, an dem ein offenbar englisches Pärchen saß. Ich weiß nicht mehr, was sie genau auf ihren Tellern hatten, aber als sie, ohne überhaupt probiert zu haben, ihren Salzstreuer in heftige Bewegung versetzten, war mir alles klar: Ich befand mich an einem Ort, in dem sich ein Touristen-Lokal an das andere reihte. Und die Touristen, das waren jetzt im Frühjahr zu mindestens 80% Engländer. In der Hauptreisezeit wahrscheinlich sogar 120%! Die Gastronomie dieses Ortes hatte sich schlicht und ergreifend darauf eingestellt. Als ich später an der Rezeption meines Hotels diese Vermutung äußerte, wagte niemand, mir zu widersprechen.
Sie wollen wissen, wie ich doch noch zu meinem „kulinarischen Recht“ gekommen bin? Das will ich Ihnen gerne verraten: Ich habe mich auf das konzentriert, was es dort frisch und unverfälscht schon immer gegeben hat. Und das waren Meeresfrüchte in rauen Mengen und jeglicher Art. Auf einem „Plateau de fruits de mer“, einem großen Teller mit Meeresfrüchten, fand sich alles, was das Meer zu bieten hatte: Garnelen und Langustinen, Herz- und Venusmuscheln, Meerschnecken und auch einiges, was ich nicht kannte. Etliche Male habe ich mir auch einfach nur ein Dutzend Austern bestellt. Ich glaube, ich habe selten so fettarm und eiweißreich gegessen, wie in dieser einen Woche in Frankreich. Einmal bin ich aber auch in ein wirklich gutes – und natürlich auch entsprechend teures – Restaurant gegangen. Mein „Ris de Veau“ – ich sage nicht, was das ist, Kenner wissen sowieso Bescheid – war genau richtig gewürzt und schmeckte hervorragend. Engländer habe ich in diesem Restaurant nicht bemerkt.

Morgens um 10 ist die Welt noch in Ordnung…

17.12.2009

Auch in der Zeit der Weihnachtseinkäufe, wo man später am Tage keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt. Es ist ja so eine Sache mit den Weihnachtsgeschenken: Da gibt es die einen, die man sich selber ausdenkt – für die Familie. Das sind die schwierigsten Geschenke, denn da muss man zunächst mal seinen Kopf anstrengen. Dann gibt es die Geschenke, die – meist auf Nachfrage – von den Familienmitgliedern selbst geäußert werden. Das ist weniger eine Sache für den Kopf als für die Füße. Da hat man dann einfach eine Liste, und die muss man „abarbeiten“, wie man heute so schön sagt. Manchmal weiß man, wo man das Gewünschte bekommt, manchmal muss man aber auch von Geschäft zu Geschäft wandern.
So erging es mir heute. Aber ich bin ja nicht dumm. Glaube ich jedenfalls. Also stand ich extra früh auf, beeilte mich mit dem Frühstück und stand um Punkt 10 Uhr vor dem ersten Geschäft, einem Schallplattenladen. Oder nennt man das heute einen CD-Laden oder DVD-Laden? Keine Ahnung, ist aber auch egal. Auf jeden Fall ist es nach meiner Erfahrung ein Geschäft, in dem man sich manchmal kaum umdrehen kann. Heute Morgen nun war ich fast der einzige Kunde. Ich konnte mich nicht nur in aller Ruhe umgucken, der Verkäufer hatte sogar alle Zeit der Welt, mich intensiv zu beraten. Kennen Sie sich mit Felix Mendelssohn-Bartholdy aus? Da gibt es auf der einen CD fünf Stücke, von denen es auf einer anderen CD aber auch drei gibt und auf einer wieder anderen CD gibt es 2 Stücke von der ersten und 2 Stücke von der zweiten und, ach, ich sage Ihnen – es war entsetzlich. Und es gab ja nicht nur diese drei CDs.
Ich wäre hoffnungslos verloren gewesen, hätte nicht der nette Verkäufer die Ruhe und Übersicht behalten und mir alles gegeben, was ich brauchte und noch einiges mehr. Insgesamt zu einem Preis, den ich sagenhaft niedrig fand. Deshalb konnte ich mir anschließend in einem exquisiten Tabakwaren- und Zeitungsgeschäft eine Silvester-Zigarre für … Euro kaufen, die eigentlich gar nicht eingeplant war, denn ich rauche schon seit etlichen Jahren nicht mehr. Aber meinen Sie nicht auch, dass man es ausnutzen muss, wenn man gerade überraschenderweise etliches Geld gespart hat? Ich meine: Ausnahmsweise. Eine Zigarre wird mich schon nicht umbringen. Hoffe ich.