Dies ist keine Weihnachts-Geschichte, obwohl sie mit einem Loblied auf äußerst leckere Kekse beginnt. Ich war noch nie in Schottland, aber “Walkers Shortbread” und da insbesondere die “Shortbread Fingers” liebe ich über alles. Und das nicht nur, aber auch zur Weihnachtszeit. Hergestellt im Herzen des schottischen Hochlandes – so steht es auf der Packung - gibt es die nämlich auch bei uns im anglophilen Hamburg. Und vielleicht ja auch bei Ihnen. Sie wissen leider nicht, was Shortbread ist? Also im Prinzip sind es Kekse aus Weizenmehl, die sich dadurch auszeichnen, dass sie 32% Butter enthalten. Sie sind der Meinung, das sei eine ganze Menge? Finde ich auch. Das Besondere an dieser Butter ist – wie bei englischer Butter meistens – dass sie gesalzen ist. Wenn Sie jetzt denken „na, ja, dann ist das also ein fettreiches Salzgebäck“, dann sind Sie allerdings auf dem Holzweg. Denn Shortbread enthält weitaus mehr Zucker als Salz.
Süß und salzig, salzig und süß – dass muss man erstmal mögen. Ich mag es und die Schotten und Engländer offenbar auch. Unter uns gesagt: Die meinen es überhaupt gut mit dem Salzen. Meinen letzten Urlaub verbrachte ich an der Kanalküste, allerdings auf dieser Seite des Kanals. Honfleur hieß der kleine Ort in der Normandie, der Geburtsort meines Lieblings-Komponisten Erik Satie und offenbar ein Lieblingsziel englischer Touristen, die in ganzen Busladungen kamen. Wenn ich das geahnt hätte. Aber es sollte sowieso ein eher „kulinarischer“ Urlaub werden. Leider nur eine Woche lang. Was konnte mir da im Schlemmerland Frankreich schon groß passieren?
Der Fisch am ersten Abend – ein Rochen in einer Art Sahnesoße – erwies sich als eine einzige Enttäuschung. Weder der Fisch als solcher, noch die Zubereitung, konnten mich vom Hocker reißen. „Lasch und fade“ lautete abschließend mein vernichtendes Urteil. Am nächsten Mittag bestellte ich, natürlich in einem anderen Restaurant - ich hatte das Gefühl jedes dritte Haus beherbergte ein Restaurant - eine Schüssel „Muscheln in Weißwein“. Diese Brühe, sonst mit das Beste und Geschmacksgeber für die Muscheln, schmeckte wie Spülwasser. So langsam wurde mir dieser Ort unheimlich. Ich blickte zum Nebentisch, an dem ein offenbar englisches Pärchen saß. Ich weiß nicht mehr, was sie genau auf ihren Tellern hatten, aber als sie, ohne überhaupt probiert zu haben, ihren Salzstreuer in heftige Bewegung versetzten, war mir alles klar: Ich befand mich an einem Ort, in dem sich ein Touristen-Lokal an das andere reihte. Und die Touristen, das waren jetzt im Frühjahr zu mindestens 80% Engländer. In der Hauptreisezeit wahrscheinlich sogar 120%! Die Gastronomie dieses Ortes hatte sich schlicht und ergreifend darauf eingestellt. Als ich später an der Rezeption meines Hotels diese Vermutung äußerte, wagte niemand, mir zu widersprechen.
Sie wollen wissen, wie ich doch noch zu meinem „kulinarischen Recht“ gekommen bin? Das will ich Ihnen gerne verraten: Ich habe mich auf das konzentriert, was es dort frisch und unverfälscht schon immer gegeben hat. Und das waren Meeresfrüchte in rauen Mengen und jeglicher Art. Auf einem „Plateau de fruits de mer“, einem großen Teller mit Meeresfrüchten, fand sich alles, was das Meer zu bieten hatte: Garnelen und Langustinen, Herz- und Venusmuscheln, Meerschnecken und auch einiges, was ich nicht kannte. Etliche Male habe ich mir auch einfach nur ein Dutzend Austern bestellt. Ich glaube, ich habe selten so fettarm und eiweißreich gegessen, wie in dieser einen Woche in Frankreich. Einmal bin ich aber auch in ein wirklich gutes – und natürlich auch entsprechend teures – Restaurant gegangen. Mein „Ris de Veau“ – ich sage nicht, was das ist, Kenner wissen sowieso Bescheid – war genau richtig gewürzt und schmeckte hervorragend. Engländer habe ich in diesem Restaurant nicht bemerkt.