Letzten Donnerstag und Freitag sollte die Finsternis über uns hereinbrechen, wie ich in meinem vorigen Beitrag schrieb. Nun, am Donnerstag merkte ich überhaupt nichts, außer, dass mein Internet nicht so wollte wie ich. Ich kam unter anderem nicht an meine Emails ran. Das war nun nicht vorhergesagt worden. Ich muss gestehen, ich fühlte mich nackt und bloß.
Der Freitag kam, an dem wir bis 22 Uhr und länger ohne Strom sein sollten. Ab 14:30 harrten wir alle der Dinge, die da kommen sollten. Eine Mitbewohnerin, mit der ich kurz vor dem Mittagessen vom Bus nach Hause ging, erzählte mir, dass sie ihr „Dampfradio“ entmottet hätte. Ich muss sie wohl ein wenig verständnislos angeguckt haben, den sie fügte hinzu: „Ein uraltes tragbares Radio mit Batteriebetrieb.“ Tatsächlich, so etwas hatte es ja auch mal gegeben. Dabei fiel mir ein, dass die jungen Leute heute allesamt ihre MP3-Player haben. Sie wissen: Diese Dinger von denen man meistens nur die Ohrstöpsel sieht, die aber Hunderte von Musikstücken speichern können. Vielleicht wäre das auch mal eine Idee für uns Ältere. Ich hatte mir für die dunklen Stunden aus der öffentlichen Bücherhalle ein Buch mit Großdruckbuchstaben mitgebracht und war gespannt, ob man das auch nur mit Kerzenschein lesen konnte.
Es dauerte bis ca. 18 Uhr, ehe ich die Probe aufs Exempel machen konnte. Andere Leute hätten sich wohl vorher alles, was sie eventuell brauchen würden, zurecht gelegt. Nicht so Uwe Neumann. Ich musste also zunächst mal nach den Kerzen gucken. OK, ich fand schließlich 3 Stück von unterschiedlicher Höhe und Dicke. Dann aber ging die Suche nach den Streichhölzern los. Ich hatte gedacht, ich hätte haufenweise davon. (Nach einem Feuerzeug habe ich gar nicht erst gesucht, da ich seit einigen Jahren Nichtraucher bin.) Es dauerte eine Weile bis ich ein kleines Streichholzbriefchen aus meinem letzten Spanienurlaub fand. Sie kennen diese Streichhölzer wahrscheinlich: Man muss den Daumen auf das „Zündköpfchen“ halten, und dann das Streichholz mit kräftigem Druck über die Reibfläche ziehen, nicht ohne im richtigen Moment den Daumen weg zu ziehen. Im richtigen Moment heißt nicht zu früh und nicht zu spät. Nachdem ich mit etlichen Streichhölzern Schiffbruch erlitten hatte – waren sie zu alt oder ich zu dumm? – klappte es schließlich doch noch.
Ich hatte es mir gerade mit meinem Buch und meiner Kerze bequem gemacht und zu lesen angefangen – das ging recht gut, denn das Tageslicht war auch noch nicht ganz weg – da war der ganze Spuk auch schon vorüber und das elektrische Licht wieder da. Also: „Viel Lärm um nichts?“ Ich finde nicht. Denn bei Reparaturen kann man nie wissen, wie lange sie benötigen. Und das Wichtigste war ja, dass jeder wusste: Die Fahlstühle gehen eventuell für ziemlich lange Zeit nicht.
Am Samstag brauchte man dann noch bis zum späten Nachmittag, um unseren Internet-Anschluss wieder einzurichten. Da konnte ich mich endlich an nicht weniger als 27 Emails „erfreuen“, die sich angesammelt hatten. Leider waren nur 3 davon „brauchbar“. Aber das kennen Sie wahrscheinlich auch.