Archiv für 10.2009

Bis zum Beweis des Gegenteils: Ein Insolvenzverwalter ist ein ehrenwerter Mann…

30.10.2009

Im Sommer des Jahres 2000, also praktisch zeitgleich mit meinem Einzug ins Augustinum Hamburg, ist mir erstmals ein Insolvenzverwalter begegnet. Zwar nicht persönlich, aber zumindest auf dem Papier. Er schrieb mir einen Brief, in dem er mir kurz mitteilte, dass sich das Möbelhaus Soundso in Insolvenz befinde. Beigefügt war ein Formular, auf dem ich meine Ansprüche an dieses Möbelhaus begründen und beziffern sollte.
Der Fall war sonnenklar: Ich hatte in der Hamburger Filiale des Möbelhauses eine Matratze bestellt. Was ich nicht realisierte: Dieses Möbelhaus war wohl im Grunde ein Versandhaus. Dummerweise hatte ich den Kaufpreis im voraus bezahlt, wofür man mir mit 3% Rabatt entgegen gekommen war. Ich will es kurz machen: Nach der Insolvenz wurde mir die Matratze nicht mehr ausgeliefert, und mit meinen Ansprüchen auf Rückzahlung des Kaufpreises rangierte ich ganz am Ende der Gläubigerliste. So ein bisschen habe ich noch die Erinnerung, dass mir der Insolvenzverwalter kurz mitteilte, dass jetzt die Dinge ihren Lauf nehmen würden, und ich von Nachfragen bitte absehen sollte. Immer, wenn ich in der Folgezeit von irgendwelchen Insolvenzverfahren in der Zeitung las, fiel mir wieder meine Matratze ein. (Ich hatte natürlich längst eine andere gekauft.) Anscheinend können sich solche Verfahren erheblich in die Länge ziehen. Sonst hätte ich doch wohl von dem Insolvenzverwalter mal etwas hören müssen. Oder?
Ein ganz aktueller Fall ist die Insolvenz von Arcandor und damit auch des Versandhauses Quelle. Auch dort gibt es einen Insolvenzverwalter. Dieser hat den Ruf, einer der Besten seiner Zunft zu sein. Trotzdem ist er mit seinen Bemühungen, Quelle zu retten, nach eigenem Bekunden gescheitert. Jetzt droht einem Großteil der Beschäftigten die Arbeitslosigkeit und dem Insolvenzverwalter ein Aufstand der Zulieferer. Bei denen wurden nicht nur vor kurzem noch neue Waren bestellt, sondern auch deren Bezahlung offenbar garantiert. Jetzt, wo die Zulieferer Geld sehen wollen, werden, wenn man den Medien glauben darf, angeblich noch nicht einmal ihre E-mails und Briefe beantwortet. Bei der Post-Tochter DHL stapelten sich für kurze Zeit Tausende von Paketen. Sie wurden zurückgehalten, weil der Insolvenzverwalter anscheinend mit Zahlungen im Rückstand war. Das scheint sich jetzt wieder eingerenkt zu haben. Bei mir ging es nur um ein paar Hundert Mark, die ich längst verschmerzt habe. Ehrlich gestanden: Ich würde heute nicht gern Lieferant oder Kunde in solch einem Falle sein. Insolvenzverwalter aber auch nicht. Der gute Mann mag sich ja mit vielem auskennen, aber der Versandhandel hat seine ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. So ist das leider.
Übrigens: Insolvenzverwalter werden vom Insolvenzrichter beim zuständigen Amtsgericht eingesetzt. In der Regel handelt es sich bei ihnen um Rechtsanwälte mit Schwerpunkt Insolvenzrecht sowie Betriebswirte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Zum Insolvenzverwalter sollen nur geeignete Personen bestellt werden.

Wie in Abrahams Schoß…

29.10.2009

Manch einer wird sich noch erinnern an die Sendung „Vorsicht Falle“, die über mehrere Jahrzehnte im ZDF lief. Da ging es um Nepper, Schlepper, Bauernfänger und deren Tricks. Jetzt las ich in einem Zeitungsartikel, dass gerade ältere, alleinstehende Menschen immer häufiger ins Visier dieser Menschen geraten. Sie sind in ihrer Einsamkeit nicht nur hilfloser sondern vielfach auch vertrauensseliger als jemand, der sich noch tagtäglich im Beruf beweisen muss.
Manchmal kann man gar nicht glauben, was alles passiert. Wenn zum Beispiel jemand anruft und sagt: „Hier ist dein Enkel“. Ich habe zwar nie verstanden, wie man darauf reinfallen kann, aber ich weiß auch ganz genau, dass ich keine Enkel habe. Alles andere hätte mir bei meinen Töchtern schon mal auffallen müssen. Aber wenn jemand an der Tür klingelt und um ein Glas Wasser bittet, um eine Kopfschmerztablette nehmen zu können? Da finde ich es schon gut, dass wir in unserem Augustinum solchen Belästigungen nicht ausgesetzt sind. Jeder „Besucher“, der mich persönlich sprechen wollen, mir von unserem Empfang telefonisch angekündigt. Es liegt also ganz bei mir, ob ich jemanden empfangen will oder nicht. Der Empfang ist übrigens 24 Stunden am Tag besetzt. Von 20:30 Uhr bis 7 Uhr von einem Nachtportier, in der übrigen Zeit von zwei Empfangs-Damen.
Zum Telefonieren habe ich – wie die meisten von uns – einen Nebenanschluss des Augustinums; ich stehe damit nicht im Telefonbuch. Wer mich sprechen will, muss entweder die Nummer dieses Anschlusses kennen, und die bekommen von mir nur Leute, die ich sehr genau kenne, oder er muss die Zentrale anrufen. Die verbindet niemanden ohne einen vorherigen Rückruf bei mir. So bin ich vor allen Anrufen von irgendwelchen Versicherungen, Finanzvertrieben, Geldinstituten und allen anderen, die mir etwas “andrehen” wollen gefeit. Leider geschieht es jedoch immer wieder, dass meine Adresse, von wem auch immer – ich wünschte, ich wüsste es – unerlaubt weiter gegeben wird. Dann bekomme auch ich Post, auf die ich gern verzichten würde. Die absolute „Hoheit“ über meinen Briefkasten habe also auch ich leider nicht.
Trotzdem: Niemand kann uns vor allen möglichen Gefahren des Lebens schützen, auch das Augustinum nicht. Nehmen wir nur den aktuellen „Tatort Internet“. Da lauern Gefahren, die man sich gar nicht vorstellen kann. Ich habe mit dem “unechten” Enkel angefangen und werde jetzt mit einer “echten” Enkelin schließen. Die Geschichte ist so kurios, dass ich sie Ihnen unbedingt erzählen muss. In England hat ein 10-jähriges Mädchen versucht, seine Oma bei Ebay zu versteigern. Sie hat dort ihre Großmutter als „nervig“, aber „zum Liebhaben“ angepriesen. Ehe etwas Schlimmes passieren konnte, nahm Ebay die Anzeige wieder aus dem Netz. Ich sage nur: „Noch mal Glück gehabt, liebe Oma.“

Bald soll es in unserer Nähe jemanden geben, der noch höher hinaus will als wir…

27.10.2009

Sie denken, noch höher geht’s gar nicht? Wenn Sie meinen, dass ich hier von einem neuen Konkurrenten für unser Augustinum spreche, dann liegen Sie allerdings falsch. Über die Konkurrenz spreche ich nicht - jedenfalls nicht so öffentlich. Aber es gibt ja auch noch andere öffentliche und private Bauherren.
Bisher war es so, dass wir am Eingang zum Hamburger Hafen eine so genannte Landmarke gesetzt haben als das weithin nicht nur höchste sondern auch markanteste Haus, und das nun schon seit Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Da hatte der Vorgänger-Bau – das ehemalige Union-Kühlhaus – zwar noch nicht die prägende Kuppel, aber die Höhe wurde trotzdem von niemandem überboten. Jetzt aber soll es nun bald so weit sein: Die Planung für ein neues Wohn-Hochhaus mit 12 Stockwerken ist eigentlich uralt. Wenn es dabei bliebe, wären wir immer noch ein gutes Stück höher. Jetzt allerdings denkt ein Investor an 18 Stockwerke mit ca. 50 – 60 hochwertigen Wohnungen. Das Elbufer ist eben eine begehrte Wohnlage, wer wüsste das nicht besser als wir?
Genehmigt ist noch nichts, und uns würde der Bau auch nicht stören, selbst wenn wir dann nicht mehr die “Größten” wären. Wir liegen bekanntlich direkt am Flussufer, der neue Bau aber würde ca. 500 m von uns entfernt in der zweiten Reihe stehen. Und zwar hinter einem zum Bürohaus umgebauten ehemaligen Speicher. Der hat etwa 5 -7 Stockwerke und nähme damit vielen Bewohnern des neuen Hochhauses den begehrten Elbblick. Dafür würden sie allerdings in einem Gebäude wohnen, dass „unten“ schmal ist und sich in der Höhe verbreitert. Wie das aussehen soll, weiß ich zwar nicht, aber ich fände das schon interessant. Ich vermute außerdem, dass diese Bauform, und auch die neue Höhe, durch das sehr schmale Grundstück bedingt ist. „Luftraum“ gibt es dagegen genug, auch ohne dass man damit dem schon erwähnten Bürokomplex in die Quere käme.
Bleibt die Frage des zunehmenden Verkehrs. Und da wird die Sache noch interessanter. Hamburg hat nämlich ein Nahverkehrs-Juwel, das seit den 90er Jahren nicht mehr genutzt wird. Es ist die 1876 erbaute „Hafenbahn“, die in einem Tunnel – im Volksmund „Schellfisch-Tunnel“ genannt – vom Altonaer Bahnhof zum Elbufer führte. Die Strecke ist ca. 1 km lang und tritt kurz unterhalb des Altonaer Balkons am steilen Geestabhang zu Tage. Von dort ging es oberirdisch bis zum oben erwähnten Kühlhaus, dessen Nachfolger wir sind. Es wäre natürlich toll, wenn diese direkte „Anbindung“ des Augustinums an den zweitgrößten Hamburger Bahnhof und das Zentrum des Bezirks Altona ermöglicht würde. Am besten ginge das vermutlich mit einem Spur- oder Schienenbus. Die Strecke wäre zwar nur eingleisig, aber bei einer Fahrzeit von wohl kaum mehr als 3 Minuten würde das keine Rolle spielen, denn man könnte ja leicht immer hin und her fahren. Also warten wir es mal ab. Manchmal geschehen ja noch Zeichen und Wunder.

Was schert mich mein dummes Geschwätz von gestern…

25.10.2009

Als im letzten Jahr die Finanzkrise über uns hereinbrach, waren die Buhmänner schnell gefunden: Die Banker waren schuld. Aber nicht nur die, sondern alle, die ihre „Gier“ nicht zügeln konnten. Vom alten Mütterlein, das ihrem Enkel eine gute Ausbildung sichern wollte und ihr ganzes Geld in irgendwelche Zertifikate investierte, von denen sie noch nie gehört hatte und von denen sie auch nichts verstand, bis zum Milliardär, der die Gelegenheit wahrnehmen und seine Milliarden mal eben verdoppeln wollte. Was dabei heraus kam wissen wir alle.
Danach wurde eine neue Ethik gepredigt, nicht nur von den Kirchen, aber von denen eben auch. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass die Kirchen sich nicht in alles einmischen sollten, doch in diesem speziellen Falle fand ich es absolut gerechtfertigt. Die Oberhirten sowohl der evangelischen wie auch der katholischen Kirche in Deutschland fanden daher meinen uneingeschränkten Beifall.
Wie ich jetzt in der Zeitung lesen konnte, haben damals die Erzbischöfe von Canterbury und von York ebenfalls mit Kritik nicht gespart. Letzterer sprach von „Bankräubern“ und „Kapitalvernichtern“. Schließlich gehörte auch er mit seinen Kirchengeldern zu den Leidtragenden. Das investierte Vermögen der Church of England soll von 2007 auf 2008 um 1,3 Mrd. Pfund abgenommen haben. Jedoch London als “Metropole des Kapitalismus” hat aus dem Desaster wenig gelernt. So wenden sich heute auch die Erzbischöfe gegen das Vorhaben der EU, die Hedgefonds zu regulieren. Sie wissen schon: Hedgefonds sind jene Institutionen, die ein bekannter deutscher Politiker einmal als Heuschrecken bezeichnet hat. Heuschrecken sind bekanntlich ausgesprochen gefräßig und können ganze Landstriche verwüsten. Gerade wurde in New York ein Milliardär und Hedgefonds-Manager festgenommen. Er soll 20 Millionen Dollar ergaunert haben. Für einen Milliardär müssten das eigentlich Peanuts sein. Aber eben nicht für einen, der von sich selbst sagt: “Nach einiger Zeit ist Geld nicht mehr die Motivation. Ich will gewinnen - jeden Tag.”
Gewinnen würden offenbar auch sehr gern die englischen Bischöfe sowie viele der international tätigen Wohltätigkeits-Organisationen, die ihre Spenden-Einnahmen auf Teufel komm raus zu vermehren versuchen. Und die Spender können nichts dagegen tun. Außer, sich sehr genau zu überlegen, wem sie ihre Spenden zukommen lassen.

Das „Heim“ wird abgeschafft: Kosmetik oder Neubeginn?

22.10.2009

Eigentlich hat das Wort „Heim“ ja einen guten Klang. Es hört sich so heimelig an, so kuschelig und vertraut. Nicht umsonst ist das in Bayern gebräuchliche „dahoam ist dahoam“ durch das Fernsehen in ganz Deutschland bekannt geworden. Wir Bewohner in den Wohnstiften des Augustinums fühlen uns – egal, ob in Hamburg, München oder einem der anderen Häuser – meist schon nach einer kurzen Eingewöhnungszeit im Augustinum ganz und gar „daheim“, aber ganz und gar nicht im „Heim“. Tatsache ist: Die Begriffe „Altenheim“ und „Pflegeheim“ stehen allgemein in keinem guten Ruf. Und wer ins „Heim“ muss, ist „arm“ dran.
Mit der „Föderalismusreform“ hat nun der Bund die Gesetzeszuständigkeit für die Pflegeeinrichtungen speziell für alte Menschen an die Bundesländer abgetreten. Clever, clever sag ich nur. Einige Länder haben bereits mit eigenen Gesetzen reagiert. So gibt es in Bayern ein „Pflege-Wohnqualitätsgesetz“, in Nordrhein-Westfalen heißt das neue Gesetz „Wohn- und Teilhabegesetz“, in Hamburg wird in Kürze das „Wohn- und Betreuungsqualitätsgesetz“ in Kraft treten, und nur in Baden-Württemberg findet das „Heim“ zumindest dem Wortlaut nach noch Platz im neuen „Landesheimgesetz“. Genaueres über die Heime, die keine Heime mehr sein sollen, kann ich – das werden Sie verstehen – natürlich nur zu Hamburg sagen.
Mehr Transparenz, mehr Qualität, mehr Verbraucherschutz bei weniger Bürokratie, damit in Zukunft mehr der Mensch im Mittelpunkt steht – das sind die großmundig in die Öffentlichkeit posaunten Ziele des neuen Gesetzes in der Hansestadt. Ob’s gelingt? Schon bei dem Punkt „weniger Bürokratie“ möchte ich ein großes Fragezeichen setzen. Im Grund sind das alles die üblichen Politiker-Floskeln, die uns hier aufgetischt werden. Aber: Es wird künftig keine Alten- und Pflegeheime mehr geben. Dafür wird neu eingeführt der Begriff „Wohn-Pflege-Einrichtung“. Wir dagegen werden vermutlich in die Kategorie „Servicewohnanlage“ eingruppiert. Dass der Begriff „Pflege“ darin fehlt, hat nichts zu sagen. Der gilt nur bei Häusern mit stationärer Pflege. Das Augustinum aber ist allseits bekannt dafür, dass die Bewohner in ihren Appartements betreut und gepflegt werden. Die „ambulanten“ Pflegekräfte, die dafür in ausreichender Zahl und Qualifikation benötigt werden, sind ein integrativer Bestandteil des Personals in jedem Augustinum. Sie sind ständig vor Ort und sorgen nicht nur für die nötige Pflege sondern auch für die so wichtige „persönliche Zuwendung“. Für die Bewohnerinnen und Bewohner eines Augustinums sind das seit langem Selbstverständlichkeiten. Und so wird das sicherlich auch bleiben.
Apropos Bewohnerinnen und Bewohner: Die sind bei der Formulierung des neuen Gesetzes zusammen mit dem „Heim“ über Bord gegangen. In Zukunft sind wir laut Gesetz – bitteschön – „Nutzerinnen und Nutzer“. Unser Stiftsdirektor müsste uns also, wenn er „politisch korrekt“ sein wollte, in seinen offiziellen Ansprachen mit „Liebe Nutzerinnen und Nutzer“ anreden. Wie ich ihn kenne, wird er das natürlich nicht tun, sondern auf das altbewährte „Meine Damen und Herren“ zurückgreifen. Mir war da noch eine andere, sehr hübsche Alternative eingefallen, nämlich „Liebe Augustinerinnen und Augustiner“. Als ich ihm kürzlich diesen Vorschlag machte, guckte er mich ganz groß an. Und fragte mich dann, welche Taufnamen ich hätte. Ich sagte wie aus der Pistole geschossen und ohne überhaupt nachzudenken: „Otto, Heinrich, Wilhelm, Uwe.“ Woraufhin er nur meinte, „Bruder Otto“ würde ihm am besten gefallen. Es dauerte etliche Momente, bis mir ein Licht aufging, und wir beide schallend lachten. Ich muss dazu sagen: Unser Stiftsdirektor ist Theologe und kennt sich aus.

Im Internet finden Sie bei Wikipedia: „Die Augustiner sind eine Gruppe von Mönchsorden, die nach den Ordensregeln des Augustinus von Hippo leben. Der weibliche Zweig sind die Augustinerinnen. Generalprior des Ordens ist seit 2001 Robert Francis Prevost.“