Archiv für 09.2009

Ja, Prügel für die, die es verdient haben…

10.09.2009

Aber wenn schon, dann bitte auch für alle. Ohne Ausnahme. Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich die Politiker gegen die verschiedensten Vorwürfe verteidigt. Damit ist jetzt Schluss. Im Moment schießt sich ja alle Welt auf die Manager ein. Abgesehen davon, dass Manager nicht gleich Manager ist, kann man ihnen nun wirklich nicht alles anhängen. Trotzdem: Jetzt kommt von Politikern unterschiedlichster Couleur die Forderung, die Manager sollten bitteschön in Zukunft für ihre Fehler haften. Gemeint ist selbstverständlich “finanziell”. Na, prima, die Versicherungswirtschaft wird sich freuen über viele Neuabschlüsse von dicken Haftpflichtversicherungen. Die Prämien zahlen natürlich nicht die Manager selbst, sondern die Unternehmen und am Ende wir Verbraucher. Es kann natürlich sein, dass ein paar “kleine” Manager ins Straucheln kommen. Aber das nimmt man wohl billigend in Kauf.

Und was machen die Politiker selbst? Die sind doch im Grunde auch so was wie Manager und bewegen oft sehr viel Geld und zwar das der Steuerzahler. Und sie machen Fehler. Aber haben Sie schon mal erlebt, dass Politiker für ihre Fehler zur Rechenschaft gezogen wurden? Ich nicht. Gut, sie mussten sich vielleicht entschuldigen oder möglicherweise sogar zurücktreten, aber dann bestimmt mit Pensionsberechtigung. Und wenn der Bundesrechnungshof einmal im Jahr den Finger in die Wunde legt, dann tut gleich jemand ein Pflaster drauf, und schon ist nichts mehr zu sehen. Wie heißt es doch so schön? „Heile, heile Gänschen…“

Habe ich heute 240.000 EURO „weggeworfen“?

08.09.2009

In meinem Briefkasten lag ein einsamer Brief. Eigentlich war ich bereits auf dem Weg zum Mittagessen, aber dieser Brief sah in seinem grauen Outfit irgendwie „amtlich“ aus. Daher fand ich, dass das Mittagessen wohl noch ein paar Minuten warten könnte. Ein Blick auf den Absender machte mich noch ein bisschen neugieriger. „Ziehungsbüro Hamburg“ stand da hinter einem Wappen, das wiederum in der Mitte das Wappen der Stadt Hamburg zeigte. Mhm…
Der Brief, der in dem Umschlag steckte, war „ausgestellt“ von der “Ziehungs-Kommission Hamburg”. Es ging um meine Gewinnchance auf eine Rente in Höhe von 2.000 EURO jeden Monat und das zehn Jahre lang. Genau hieß es da: „Ihr Name Uwe Neumann und Ihre Anschrift Neumühlen 37 in 22763 Hamburg entsprechen zu 100% den Auswahlkriterien, die die Mitglieder der Ziehungs-Kommission festgelegt haben. Sie haben dadurch den Status des potentiellen Gewinners unserer Großen Ziehung über die Monatsrente von 2.000 EURO für 10 Jahre erreicht.“ Ob da jemand wusste, dass es die Adresse des Augustinums ist? Ich vermute mal, nein. Wenn doch, dann wollte uns bestimmt jemand etwas Gutes tun.
Die Rechenmaschine in meinem Kopf lief auf Hochtouren. Das waren doch, ja, wirklich 240.000 EURO insgesamt. Wahrlich mehr als ein Taschengeld, finden Sie nicht auch? Und was musste ich dafür tun? Ha, ich brauchte mich nur anzumelden. Am besten natürlich gleich, spätestens aber bis zum 08. Oktober. Natürlich, am 09. Oktober sollte die Ziehung sein.
Jetzt begann für mich die Suche nach dem Pferdefuß. Nun, es war relativ einfach, wenn auch nicht für jeden ersichtlich. Das Unternehmen, das diesen so viel versprechenden Brief verschickt hatte, firmierte folgendermaßen: “Abo-Service International AMV GmbH. Eingetragen beim Amtsgericht Hamburg, HRB 65089.” Mir war klar: „Abo-Service“, das würde bedeuten, dass ich in Zukunft laufend Angebote für alle nur denkbaren Zeitschriften-Abonnements bekommen würde und trotz der neuen Datenschutzregeln nicht das Geringste dagegen tun konnte.
Jetzt blieb nur noch die Frage: Woher hatte denn nun das Ziehungsbüro Hamburg meinen Namen und meine Adresse? Ich stehe schließlich in keinem Telefonbuch. Und ich erinnere mich auch nicht, dass ich in den letzten Jahren an irgendeinem Preisausschreiben, einer Verlosung oder etwas ähnlichem teilgenommen hätte. Dann könnte man sagen, ich hätte damit meinen Willen geäußert, gern auch an ähnlichen “Events” teilzunehmen. Hätten Sie Lust, darüber zu streiten? Ich nicht. Also lassen wir’s dabei bewenden.

Wir fuhren voller Stolz mit der „Elektrischen“

03.09.2009

Am 18. Februar 1884 fuhr die erste elektrische Straßenbahn Deutschlands zur Personenbeförderung von Frankfurt am Main nach Offenbach. Eine Strecke von 6,7 Kilometern. Aber erst 15 Jahre später, im Jahre 1899, ist die Frankfurter Pferdestraßenbahn endgültig Vergangenheit. Ich weiß nicht, wie das in meiner Heimatstadt Hannover war, aber ich kann mich noch gut erinnern, dass meine Mutter sagte: „Wir fahren nachher mit der Elektrischen zu Tante Elfriede“.
Und jetzt sollen die „Elektroautos“ kommen. Die sind allerdings keineswegs eine Erfindung der Neuzeit. Im Jahre 1882, also schon vor der ersten Straßenbahn, führte Werner Siemens erstmals einen elektrisch betriebenen „Oberleitungsbus“ vor, praktisch einen Kutschwagen mit Stromabnehmer, aber ohne Gleise. Und Ferdinand Porsche trat 1890 auf der Pariser Weltausstellung mit einem Elektrowagen ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Deutsche Erfinder gehörten also, wie so oft, zu den Ersten. Aber anders als bei den Straßenbahnen konnte sich der Elektroantrieb bei den Autos nicht durchsetzen. Benzin- und Dieselmotoren gewannen das Rennen. Und nun also die Kehrtwende. Die Bundesregierung hat gerade einen „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ beschlossen. Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos fahren. Und nicht nur das. Deutschland, Heimat der Erfinder von Diesel- und Ottomotor, soll zum Weltmarktführer der Elektromobilität werden. Das sind gewiss hehre Ziele, aber kommen wir nicht wieder einmal zu spät? Die USA, Japan und China sind uns um einiges voraus. Man hat schon viel früher mit den Anstrengungen begonnen, und man nimmt vor allem mehr Geld in die Hand. Schon seit 2005 wird zum Beispiel in China der Kauf von Elektro-Fahrzeugen staatlich subventioniert. Jedes dieser drei Länder hat eine leistungsfähige Autoindustrie, die als Wettbewerber nicht zu verachten ist.
Wir brauchen nur wenige Jahrzehnte zurück zu denken. Da begann der Handy-Boom. Die Geschichte des Handys ist die Geschichte des Mobilfunks. Auch hier lag der Anfang in Deutschland. Bereits im Jahre 1926 führte die Deutsche Reichsbahn einen Telefondienst in ihren Zügen auf der Strecke Hamburg – Berlin ein. Mit den ersten deutschlandweit verwendbaren Autotelefonen dauerte es bis zum Jahre1958, und die Geräte waren riesig. Seit Beginn der 90er Jahre wurden die Mobiltelefone schließlich kleiner und kleiner, so dass man sie in die Jacken- oder Hosentasche stecken konnte. Der quasi-englische Begriff „Handy“ wurde geboren. Seltsamerweise in Deutschland, im Ausland kennt man dieses Kundst-Wort nicht. Im Jahre 2007 hatten 78,4% der Deutschen ein Handy. Aktuell soll es weltweit 4 Milliarden Mobiltelefone geben, und irgendwann wird der Tag kommen, da gibt es weltweit mehr Handys als Menschen. Wetten, dass…?
Die bedeutendsten Hersteller von Handys sitzen in Finnland, den USA und verschiedenen asiatischen Ländern. Der einzige deutsche Hersteller von Bedeutung konnte dem zunehmenden Wettbewerbsdruck nicht standhalten und hat seine Mobilfunksparte 2005 an eine asiatische Firma verkauft. Es geht allerdings das Gerücht rum, dass der Mann an der Spitze gesagt haben soll, das Handy hätte in Deutschland keine Zukunft, weil es bei uns so viele Telefonhäuschen gebe. Gerücht oder Wahrheit - ich möchte das nicht weiter kommentieren.
Allerdings gehöre auch ich zu denen, die bisher auf ein Handy verzichten. Als ich kürzlich mit einem Freund in der Stadt verabreder war, und dieser mich mehr als eine halbe Stunde warten ließ, wollte ich ihn anrufen und fragen, was los war. Aber wie, ohne Handy? Da merkte ich erst, dass direkt vor mir eines der vielen deutschen Telefonhäuschen stand. Manchmal sieht man eben den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich also rein in das Häuschen - ich brauchte nicht einmal anzustehen - schnell das nötige Kleingeld rausgesucht und dann sollte es losgehen. Dummerweise wusste ich die Telefonnummer meines Freundes nicht. Aber wozu gibt es Telefonbücher? Da kann ich jetzt mit Wilhelm Busch nur sagen: “Und er guckte stumm in dem ganzen Häuschen rum.” Kein Telefonbuch, nicht mal ein Zeichen, dass es mal da gewesen, aber geklaut war. Auch nirgendwo ein Hinweis, wie man notfalls die Auskunft erreichen kann. Da stand ich nun, ich armer Tor. Wenn ich doch nur ein Handy hätte! Da kann man die wichtigsten Telefonnummern wenigstens einspeichern.