Am 18. Februar 1884 fuhr die erste elektrische Straßenbahn Deutschlands zur Personenbeförderung von Frankfurt am Main nach Offenbach. Eine Strecke von 6,7 Kilometern. Aber erst 15 Jahre später, im Jahre 1899, ist die Frankfurter Pferdestraßenbahn endgültig Vergangenheit. Ich weiß nicht, wie das in meiner Heimatstadt Hannover war, aber ich kann mich noch gut erinnern, dass meine Mutter sagte: „Wir fahren nachher mit der Elektrischen zu Tante Elfriede“.
Und jetzt sollen die „Elektroautos“ kommen. Die sind allerdings keineswegs eine Erfindung der Neuzeit. Im Jahre 1882, also schon vor der ersten Straßenbahn, führte Werner Siemens erstmals einen elektrisch betriebenen „Oberleitungsbus“ vor, praktisch einen Kutschwagen mit Stromabnehmer, aber ohne Gleise. Und Ferdinand Porsche trat 1890 auf der Pariser Weltausstellung mit einem Elektrowagen ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Deutsche Erfinder gehörten also, wie so oft, zu den Ersten. Aber anders als bei den Straßenbahnen konnte sich der Elektroantrieb bei den Autos nicht durchsetzen. Benzin- und Dieselmotoren gewannen das Rennen. Und nun also die Kehrtwende. Die Bundesregierung hat gerade einen „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ beschlossen. Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos fahren. Und nicht nur das. Deutschland, Heimat der Erfinder von Diesel- und Ottomotor, soll zum Weltmarktführer der Elektromobilität werden. Das sind gewiss hehre Ziele, aber kommen wir nicht wieder einmal zu spät? Die USA, Japan und China sind uns um einiges voraus. Man hat schon viel früher mit den Anstrengungen begonnen, und man nimmt vor allem mehr Geld in die Hand. Schon seit 2005 wird zum Beispiel in China der Kauf von Elektro-Fahrzeugen staatlich subventioniert. Jedes dieser drei Länder hat eine leistungsfähige Autoindustrie, die als Wettbewerber nicht zu verachten ist.
Wir brauchen nur wenige Jahrzehnte zurück zu denken. Da begann der Handy-Boom. Die Geschichte des Handys ist die Geschichte des Mobilfunks. Auch hier lag der Anfang in Deutschland. Bereits im Jahre 1926 führte die Deutsche Reichsbahn einen Telefondienst in ihren Zügen auf der Strecke Hamburg – Berlin ein. Mit den ersten deutschlandweit verwendbaren Autotelefonen dauerte es bis zum Jahre1958, und die Geräte waren riesig. Seit Beginn der 90er Jahre wurden die Mobiltelefone schließlich kleiner und kleiner, so dass man sie in die Jacken- oder Hosentasche stecken konnte. Der quasi-englische Begriff „Handy“ wurde geboren. Seltsamerweise in Deutschland, im Ausland kennt man dieses Kundst-Wort nicht. Im Jahre 2007 hatten 78,4% der Deutschen ein Handy. Aktuell soll es weltweit 4 Milliarden Mobiltelefone geben, und irgendwann wird der Tag kommen, da gibt es weltweit mehr Handys als Menschen. Wetten, dass…?
Die bedeutendsten Hersteller von Handys sitzen in Finnland, den USA und verschiedenen asiatischen Ländern. Der einzige deutsche Hersteller von Bedeutung konnte dem zunehmenden Wettbewerbsdruck nicht standhalten und hat seine Mobilfunksparte 2005 an eine asiatische Firma verkauft. Es geht allerdings das Gerücht rum, dass der Mann an der Spitze gesagt haben soll, das Handy hätte in Deutschland keine Zukunft, weil es bei uns so viele Telefonhäuschen gebe. Gerücht oder Wahrheit - ich möchte das nicht weiter kommentieren.
Allerdings gehöre auch ich zu denen, die bisher auf ein Handy verzichten. Als ich kürzlich mit einem Freund in der Stadt verabreder war, und dieser mich mehr als eine halbe Stunde warten ließ, wollte ich ihn anrufen und fragen, was los war. Aber wie, ohne Handy? Da merkte ich erst, dass direkt vor mir eines der vielen deutschen Telefonhäuschen stand. Manchmal sieht man eben den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich also rein in das Häuschen - ich brauchte nicht einmal anzustehen - schnell das nötige Kleingeld rausgesucht und dann sollte es losgehen. Dummerweise wusste ich die Telefonnummer meines Freundes nicht. Aber wozu gibt es Telefonbücher? Da kann ich jetzt mit Wilhelm Busch nur sagen: “Und er guckte stumm in dem ganzen Häuschen rum.” Kein Telefonbuch, nicht mal ein Zeichen, dass es mal da gewesen, aber geklaut war. Auch nirgendwo ein Hinweis, wie man notfalls die Auskunft erreichen kann. Da stand ich nun, ich armer Tor. Wenn ich doch nur ein Handy hätte! Da kann man die wichtigsten Telefonnummern wenigstens einspeichern.