Eine Dame raucht nicht auf der Straße
01.08.2009So hieß es jedenfalls früher mal. Wobei man sicherlich die Frage stellen muss: „Wer oder was ist eine Dame?“ Sind es nur die weiblichen Wesen, die das Glück haben, in einem Augustinum zu leben? Dann gäbe es natürlich nicht allzu viele. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass alle weiblichen Wesen “über 18″ irgendwie Damen sind, dann könnte man schon ins Grübeln kommen. Ich jedenfalls, der noch viel in der Stadt herum kommt, sieht weitaus mehr Damen als Herren auf der Straße rauchen.
Meine Schwiegermutter hat mal zu ihrem Mann gesagt: „Wer nicht raucht, ist kein richtiger Mann.“ Das wollte der nicht auf sich sitzen lassen und griff prompt nach der Zigarette. Er hat sie erst wenige Jahre vor seinem Tode mit 95 aus der Hand gelegt. Meine Schwiegermutter war eine Dame. Sie rauchte nur ausnahmsweise, bei ganz „besonderen“ Anlässen, aber auf der Straße selbstverständlich auf gar keinen Fall. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Frauen von heute die besseren Männer sein wollen. Aber ich mag mir da kein Urteil erlauben, sonst kriege
ich noch Ärger.
Die Queen hat sicherlich niemals in der Öffentlichkeit geraucht – wie sie es „Zuhause“ damit hält, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber eines weiß ich bestimmt: Wenn sie vor die Tür geht, trägt sie immer einen Hut und Handschuhe. Sommers wie winters. Es gibt auch bei uns Damen, die sich ohne Handschuhe nackt und bloß fühlen. Im Moment, wo wir gerade unter der Schweinegrippe leiden, hat das sogar einen ganz praktischen Nutzwert Immerhin kann man so unbesorgt auch mal einen Türgriff anfassen, sich im Bus irgendwo festhalten, wo es auch andere tun, oder unbesorgt einen Klingelknopf drücken.
Eine Dame vermied es früher auch, alle Welt wissen zu lassen, dass sie in anderen Umständen war. Mit weit geschnittenen Kleidern oder luftigen Hängerchen kam sie viele Monate über die Runden, ohne dass es groß auffiel. Bis es sich dann zum guten Schluss gar nicht mehr verbergen ließ. Heute tragen viele – ganz junge, aber auch ältere – schon den leisesten Anflug eines „Baby-Bauches“ stolz vor sich her. Ganz besonders deutlich wird das, wenn die werdende Mutter nur scheinbar normale T-Shirts oder Pullover trägt. Dann sitzen die wie eine zweite Haut. Als ich kürzlich an einem Geschäft für Umstands-Moden vorbei kam, sah ich im Schaufenster wunderschön dekorierte Kleider, wie auch Röcke und Blusen. So wie man bei Bäumen von Jahresringen spricht, konnte man hier die Monatsringe zählen. Für meine Begriffe befanden sich alle Schaufensterpuppen mindestens im 6. oder 7. Monat. Jetzt frage ich mich allerdings: Braucht man nun für jeden Monat ein neues Kleid oder wie macht man es, dass das Kleid auch immer entsprechend prall sitzt? Gibt es da irgendeine “Stellschraube”, an der man drehen kann? Vielleicht kann mich ja jemand aufklären?