Archiv für 05.2009

Was man beim Aufräumen so alles entdecken kann…

29.05.2009

Aufräumen muss mal sein, sagte ich mir und fand am Ende einen kleinen Schatz: einen Kasten mit der Aufschrift „Die Ahnen“. Wir alle kennen noch die Zeiten, als Ahnenforschung sozusagen “überlebensnotwendig” war. Heute kann es ein Hobby sein. Was ich in dem Kasten fand, waren alte Bilder und eine Fülle von Bescheinigungen, in der Regel Abschriften aus ostpreußischen Kirchenbüchern. Unter anderem fand ich auch dieses:

Trauschein

Auf Grund der hiesigen Kirchenbücher wird hiermit amtlich bescheinigt,
dass der Jüngling Schullehrer Friedrich Neumann, 21 J. alt, (evg. Konf.),
aufgeboten in Grabowen und die Jungfrau Luise Rogowski, 19 J. alt, (evg. Konf.),
wohnhaft in Ostkehmen am 27. (siebenundzwanzigsten) Dezember 1847 (1800 und siebenundvierzig) in hiesiger Kirche getraut sind.

Diverse Unterschriften und Siegel

Was mich bei dieser Geschichte verblüfft:
Dass schon ein 21-Jähriger Lehrer sein kann und dass man ihn amtlicherseits trotzdem als „Jüngling“ bezeichnet. Dagegen war wohl eine 19-jährige „Jungfrau“ mehr oder weniger eine Selbstverständlichkeit. Damals.

Interessant auch ein Familien-Stammbuch mit der ersten Eintragung 1903, der Heirat meines Großvaters mütterlicherseits. Da war nun weder von einem Jüngling noch von einer Jungfrau die Rede. Dafür konnte ich auf einer der letzten Seiten unter der Überschrift „Deutsche Vornamen“ folgendes lesen:
„Verschiedene Ursachen haben zusammengewirkt, um den ursprünglichen Reichtum unserer Sprache an sinnreichen Rufnamen allmählich in Vergessenheit zu bringen und fremdländische Namen - damals schon, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts! -  in großer Menge einzuführen. Seit wir gelernt haben, uns als Deutsche zu fühlen und unser heutiges Leben an die Vergangenheit unseres eignen Volkes anzuknüpfen, ist es wohl auch Zeit, dass wir auf den reichen Schatz alter deutscher Namen zurückgreifen.“ Und dann kommt eine wahre Fülle von Namen.
Wie wäre es, wenn Sie Ihren Nachkommen die folgende „Taufliste“ für künftige Politiker und Politikerinnen in der Familie wärmstens ans Herz legen würden:
Adelhart = der Edelste = Bundespräsident; Immo = mächtig waltend = Bundeskanzler; Elimar =  in der Fremde berühmt = Außenminister; Reinbrand = Ratglänzend = Innenminister, Richbert = durch Reichtum glänzend = Finanzminister; Bernfried = Friedensschutz = Minister für Verteidigung; Tankmar =  Denkberühmt = Justizminister; Witfried = Waldesschutz = Umweltminister; Genovefa = des Zaubers Erfinderin = Wissenschaftsministerin; Zeizbirk = Leibesschutz = Ministerin für Frauen, Jugend und Familie. Für Tusnelde = Riesenbekämpferin bliebe dann nur der harte Job als Oppositionsführerin.
Wenn Sie jetzt diese Vornamen lebenden Politikern zuordnen, könnte das sehr reizvoll sein. Probieren Sie es mal…Elimar Steinmeier, Zeizbirk von der Leyen…Tusnelde Künast…ach, wäre das schön…

Wen wollen wir denn heute mal verklagen?

25.05.2009

Sie haben sich diese Frage noch nie gestellt? Gut so! Ich auch nicht. Aber es muss wohl Menschen geben, die nutzen offenbar jede Gelegenheit, wenn sie sich davon einen Nutzen versprechen. Das gilt besonders in den USA. Dort hat vor einiger Zeit jemand eine Klage gegen Gott eingereicht. Weiß Gott warum. Das zuständige Gericht, so las ich, hat die Klage allerdings abgelehnt. Begründung: Man wisse nicht, wo Gott wohne. Ich nehme an, der Kläger war auch nicht schlauer.
Besonders beliebt in den USA sind wohl die Klagen wegen sexueller Belästigung. Wenn jemand seiner Kollegin auch nur flüchtig die Hand auf die Schulter legt, ist er scheinbar schon ein Sexualstraftäter. Aber was ist, wenn ihm diese Dame zuvor Tag für Tag mit einem atemberaubenden Dekolleté vor die Augen getreten war? So tief, dass ihm die Luft weg blieb. Ich finde, das ist – wenn schon keine sexuelle Belästigung – dann doch zumindest eine Einladung dazu. Bekommt er dann für seine Tat wenigstens „mildernde Umstände“? Das würde mich doch mal interessieren. Natürlich nur rein theoretisch.
Ernsthafter – in meinen Augen – sind natürlich Klagen gegen Unternehmen im Rahmen der Produkthaftung. Betroffen sind Hersteller aller möglichen Produkte, vor allem aber Pharmafirmen. Wer von uns Medikamente nimmt und sich etwas intensiver mit den Beipackzetteln beschäftigt, der weiß ja bald nicht mehr, was er machen soll. Da wird oft 10 x mehr über mögliche Überkreuz- und Nebenwirkungen erzählt, als über echte Heilungs-Chancen. Nur, um sich abzusichern. Ich fühle mich jedes Mal ganz krank, sobald ich so einen Beipackzettel auch nur angucke. Wenn jemand mehrere Medikamente nehmen muss, ist das fast wie eine Lotterie, und wenn er dann noch mehrere Ärzte hat, die ihm die verschiedensten Medikamente verschreiben, ja, dann gute Nacht.
Wie weit bei den Unternehmen die Angst vor einer etwaigen Haftung gehen kann, hat mir ein guter Freund verraten. Das Objekt seiner Begierde war eine Unterhose, hergestellt von einer deutschen Firma, die weltweit bekannt ist für ihre exquisiten Produkte. In besagter Unterhose fand er unter anderem den Hinweis „Keep away from fire“ oder frei übersetzt „Vorsicht beim Spielen mit dem Feuer.“ Ob er nun zufällig an ein Exemplar für den amerikanischen Markt geraten war, oder ob alle Hosen dieses Typs den Hinweis tragen, weiß ich nicht. Auf jeden Fall würde ich mich hüten, mich damit allzu nah vor einen brennenden Kamin zu stellen. Oder die Hose vorher ausziehen. Was meinen Sie?

Jedem sein eigener Stern? Oder werden wir morgen eher von Robotern gepflegt?

21.05.2009

Das wäre wohl zuviel verlangt, aber der kürzlich von der Nasa gestartete Forschungs-Satellit namens “Kepler” soll im All nicht weniger als 100.000 Gestirne auf ihre Eignung als neue Heimat für uns Menschen überprüfen. Und das ist dringend erforderlich. Nach Berechnungen der UNO wird es bis 2050 fast neun Milliarden Menschen auf der Erde geben. Das sind 2,3 Milliarden mehr als heute.  Zugegeben: Wir Deutschen werden immer weniger, nur die Alten nehmen weiter zu. Aber vielleicht sind wir ja bis dahin sowieso nur noch  eine chinesische Provinz und müssen - gleichgültig, ob alt oder jung - für die „chinesische Oberschicht“ die niedrigen Arbeiten übernehmen. Wer weiß?
Aber möglicherweise kommt es ja noch ganz anders. Die Japaner, die wie wir an Überalterung leiden, sind heute weltweit führend in der Entwicklung von Robotern. Dort werden humanoide, das heißt menschenähnliche Roboter bereits in der Altenpflege eingesetzt, um ältere Personen aufzuheben und herumzutragen. Noch schlimmer als der Mangel an Altenpflegern ist in Japan – ähnlich wie bei uns – der Lehrermangel. Schon hat an einer Grundschule die erste vollautomatische Lehrerin mit der Arbeit begonnen, ein Roboter in Frauengestalt, „Saya“ mit Namen. Wenn Saya die Schülerinnen und Schüler durchgezählt hat, stellt sie den Kindern eine Aufgabe. Die beugen sich über ihre Hefte und bemühen sich, nur ja nicht Sayas Unmut herauszufordern. Denn die kann richtig böse werden: 18 Minimotoren verziehen im Falle eines Falles ihr Latexgesicht zu einer wütenden Grimasse. Die Kinder sind erschrocken. Wahrscheinlich denken sie: “Man kann nie wissen, was so einem Roboter alles einfällt.”
Ich bin nur gespannt, wann wir im Augustinum den ersten Roboter zu Gesicht bekommen.  Und das erste Augustinum auf einem fernen Stern? Das wird wohl noch ein Weilchen dauern. Bis dahin sollten wir froh und glücklich sein, dass wir hier auf Erden ein sicheres Plätzchen haben. Ich jedenfalls bin es.

Frage: „Wie weit ist es vom Augustinum bis zur nächsten Bushaltestelle?“

18.05.2009

Eine ältere Dame aus meinem weiteren Bekanntenkreis, mit der ich mich kürzlich über alles mögliche unterhielt, nur nicht über das Augustinum, fragte mich plötzlich: „Wie weit ist es eigentlich von Ihrem Augustinum bis zur nächsten Bushaltestelle?“ Da hatte sie mich sozusagen auf dem „falschen Fuß“ erwischt. „Ihrem“ Augustinum, das ging mir natürlich runter wie Öl, aber obwohl ich in den letzt Jahren einige Tausend mal zum Bus gegangen war, musste ich doch ernsthaft nachdenken. „So zwischen 100 und 150 Meter“ sagte ich etwas zögerlich. „Ha, damit kann ich nichts anfangen” fuhr sie mich an. “Wie lange gehe ich denn?“ sagte sie mit funkelnden Augen. „Wie lange Sie gehen, weiß ich nicht. Ich gehe viereinhalb Minuten“, war meine, zugegeben, nicht eben sehr höfliche  Antwort. Die Erwiderung der älteren Dame will ich hier nicht kommentieren.
Immerhin hat mir die Geschichte doch zu denken gegeben. Ich kenne Leute, die messen die Länge einer Gartenfront oder von der Zimmertür bis zum Fenster, indem sie weit ausholende Schritte machen – so weit es nur eben geht – und dann sagen: „Das sind so und soviel Meter“. Wobei sie davon ausgehen, dass jeder Schritt genau 1 Meter ist. Ja, wenn jemand 1,98 m misst und über entsprechend lange Beine verfügt, dann mag das vielleicht stimmen, aber sonst? Nee!
Kreativ, wie ich bin, habe ich meine ganz normalen Schritte gemessen und dazu eine neue Maßeinheit erfunden. Ich nenne sie „AkS“. Was auf deutsch heißt: „Altersbedingtes kürzeres Schrittmaß“. Natürlich ist das nur ein Durchschnittswert. Aber die  Rechnung ist jetzt ziemlich einfach: 2,22222 „AkS“ sind 1 Meter, und ich gehe 265 „AkS“ bis zur nächsten Bushaltestelle. Jetzt kann jeder ausrechnen, wie viel Meter das sind. Na, ja, so annähernd.
Achtung: Man muss dividieren und nicht multiplizieren, wie ich es am Anfang gemacht habe. Aber in Mathe war ich schon immer schlecht.

Beginnt so der Untergang des Abendlandes?

14.05.2009

Ich habe seit vielen Jahren eine der bekanntesten überregionalen Tageszeitungen abonniert. Mit der politischen Ausrichtung und auch sonst mit dem Inhalt war ich eigentlich immer zufrieden. Aber das hat sich in den letzten Monaten radikal geändert. Einmal fand ich in einem Artikel mit der Schlagzeile „Kein Haus gleicht dem anderen“ eine sehr interessante Beschreibung einer gelungenen städtebaulichen Maßnahme zur Neubelebung eines innerstädtischen Sanierungs-Gebietes. In diesem Artikel hieß es unter anderem:  „…ihren bei Geschäftsschluss in Ösis versinkenden Zentren …“.  Mir war klar, dass ein ganz bestimmtes Wort in diesem Text auf gar keinen Fall so vom Autor geschrieben sein konnte, weil es überhaupt keinen Sinn ergab. Ich meine das Wort „Ösis“, das ja im heutigen Sprachgebrauch für „Österreicher“ steht, wenn ich mich nicht sehr irre.
Dies schrieb ich in einer Mail – es war der erste „Leserbrief“ meines Lebens – an die Redaktion. Ich äußerte die Vermutung, dass es wohl richtig „Ödnis“ heißen sollte – was immerhin Sinn machen würde – und fragte, wie es zu einem solchen Fehler hatte kommen können. Das war kein simpler „Dreher“, wie er immer mal, auch unbemerkt vom Autor, vorkommen kann. Und wenn der Autor, wie heute üblich, seinen Text elektronisch an die Redaktion übermittelt hatte… wie war dann dieser Fehler möglich? Das wollte ich gern wissen und zwar als jemand, der schließlich auch den einen oder anderen Text verschickt.
Ein paar Tage vorher oder später war ich über eine kurze Meldung auf der Titelseite gestolpert, in der die Marschallinseln – immerhin mal eine deutsche Kolonie – kurzerhand vom Pazifik in den Atlantik verlegt wurden. Die Inseln sind heute ein selbstständiger Staat und in der UNO. Vielleicht sollte man sich vorher informieren, ehe man so etwas schreibt.
Auch diesen Fall hatte ich in meiner Mail aufgegriffen. Aber meinen Sie, ich hätte irgendeine Antwort bekommen? Vielleicht waren diese Fehler nicht offensichtlich genug, um mich einer Antwort würdigen. Mir ist inzwischen  eingefallen, dass ich einmal in einem Manager-Seminar – wie mit Sicherheit zigtausende Manager vor mir und nach mir - gelernt habe, dass man niemals einen Fehler zugeben darf. An welche Lehre sich momentan auch viele deutsche Banker mit allen Kräften halten.
Auch das Neueste will ich Ihnen nicht vorenthalten. Wieder war es immerhin die Titelseite, auf der folgende Überschrift zu lesen war: “EU beschließt neue nergie-Labels für Haushaltsgeräte.” Gut, es war nur eine kleine Notiz und auch nur ein Buchstabe, der fehhlt, aber immerhin ein großer und das in einer Überschrift. Und ich als Abonnent finde, dass ich alle Buchstaben bezahle und damit Anspruch habe auf jeden einzelnen von ihnen.  Jetzt frage ich mich ernsthaft: Lesen die Schreiber ihre Texte nicht mehr durch? Früher gab es Korrektoren, die noch einmal nach dem „Rechten“ sahen. Ich erinnere mich, selbst etliche Dispute ausgefochten zu haben, wenn der Herr Korrektor meinte, ich hätte etwas nicht korrekt geschrieben. Meistens konnte ich ihm nachweisen, dass es – laut Duden – zwei Möglichkeiten gab, von denen ich die eine kannte und er die andere. Ich glaube, ich war damals ganz groß darin, immer die ungewöhnlichere Form anzuwenden. In Zeiten der Neuen Rechtschreibung dürften solche Fälle im Übrigen  eher noch zugenommen haben.

P.S. Soeben habe ich bemerkt, dass ich in meinem letzten Google-Mania-Beitrag in der Schlagzeile das zweite “g” vergessen hatte. Ich sollte also vielleicht nicht so große Töne spucken.  U. N.