Archiv für 04.2009

Der Osterspaziergang - wie ich ihn sehe…

09.04.2009

Auf ein Wort:

Eigentlich wollte ich Sie mit dem “Osterspaziergang” von Johann Wolfgang von Goethe erfreuen. Als ich das Original nach vielen Jahrzehnten erstmals wieder las, dachte ich: Erfreuen? Mit so einem langen und weitschweifigen Text, den selbst wir Älteren nur noch schwer nachvollziehen können? Und ich dachte weiter: Kann ich es wagen, Hand anzulegen an einen unserer größten Dichter? Nun, wie Sie sehen, habe ich es getan. Und wenn Sie anschließend bei Google “Osterpaziergang” eingeben und das Original lesen, können Sie selbst entscheiden, ob ich recht getan habe oder nicht. Ich jedenfalls fand, dass für ältere Menschen, die - wie ich - nicht mehr so gut zu Fuß sind, ein so langer Spaziergang einfach zu viel ist. Und im Übrigen: Wenn man erleben muss, was mit so manchem Klassiker auf der Theaterbühne passiert, ist das hier doch harmlos. Meinen Sie nicht auch? Wem es nicht gefällt, der kann mir ja die Ohren, oder besser gesagt die “Löffel” lang ziehen. Ich bin offen für jeden Kommentar. Aber erstmal viel Spaß beim Lesen…

Der Osterspaziergang - frisch und frei und stark gekürzt nach Johann Wolfgang von Goethe…

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück.

Überall regen sich Bildung und Streben.
Die Sonne will alles mit Farben beleben;
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Jeder sonnt sich heute so gern.
Man feiert die Auferstehung des Herrn.
Sieh nur, sieh! wie behänd sich die Menge
Durch die Straßen und Gassen bewegt.

Ich höre schon der Menschen Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

In diesem Sinne Frohe Ostern!

Jederzeit gerne – aber nicht zu Ostern!

07.04.2009

Nicht jeder, der sich vornimmt,  zu Ostern eine Kirche zu besuchen oder zu besichtigen, ist ein gläubiger Christ. Trotzdem wird einem wohl nirgendwo ausdrücklich gesagt, dass man unwillkommen ist. Eine Ausnahme stellt das griechisch-orthodoxe Katharinenkloster auf der Halbinsel Sinai dar. Es ist eines der ältesten christlichen Klöster überhaupt und wurde niemals zerstört. Jedes Jahr wird es von rund 50.000 Touristen aufgesucht, darunter Japanern, Amerikanern und natürlich auch Europäern, die in Bussen herangeschafft. In der Zeit um das orthodoxe Osterfest jedoch, das eine Woche nach dem unsrigen stattfindet, ist der Zutritt für Touristen nicht erlaubt. Dann nämlich wird das Klosterleben bestimmt von den Liturgien und Zeremonien zur Feier der Auferstehung Christi, und die Gläubigen bleiben unter sich. Den armen Touristen bleibt dann nur noch der Aufstieg auf den Berg Sinai oder auch Berg Moses,  auf dem der Legende zufolge Moses von Gott zwei Tontafeln mit den 10 Geboten empfing. Allerdings: Das Kloster liegt auf 1570 m Höhe, während der Berg Moses  2285 m erreicht. Da muss man also schon was tun.
Die Anfänge dieses Klosters lassen sich zurückverfolgen bis zum Jahre 324 als Kaiserin Helena, die Mutter Konstantins d. Gr., auf dem Berg Moses eine Marien-Kapelle errichten ließ. Zum Schutze der Mönche in der Marien-Kapelle wurde dann unter dem oströmischen Kaiser Justinian I. in den Jahren 548 – 565 das Kloster „zum brennenden Dornbusch“ - heute unter dem Namen Katharinenkloster bekannt - in der bis heute bestehenden festungsartigen Form erbaut. Das verhinderte allerdings wenige Jahre später nicht die Besetzung des Klosters durch muslimische Truppen.
Es war die Zeit des Propheten Mohammed. Er hatte kurz zuvor eine neue Religion begründet: den Islam, auf deutsch “Hingabe zu Gott”. Vor allem aber hatte er etwas erreicht, was völlig unglaublich erschien: Es gelang ihm, die ewig zerstrittenen Beduinen-Stämme Arabiens – es sollen weit über 400 gewesen sein – unter dem “Grünen Banner des Propheten” zu einigen. Dabei sind es nicht nur Heiden, die den neuen Glauben annehmen. Auch Stämme, die vorher jüdisch oder christlich waren, gehören dazu. Jetzt also schickte er seine Truppen gen Norden, den neuen Glauben in aller Welt zu verbreiten. Das Katharinenkloster lag da gewissermaßen „am Wege“. Er selbst blieb in Medina. Dort erreicht ihn ein Hilferuf des Klosterabtes.
Mohammed, der offenbar einige Male zu Gast im Kloster gewesen war, vermutlich noch in seiner frühen Zeit als Karawanenführer, setzte sich sofort hin und schrieb einen Brief an das Kloster, in dem dessen Fortbestand von ihm persönlich garantiert wurde. Zwar gibt es heute Wissenschaftler, die diesen “Schutzbrief” für eine Fälschung halten, seinen Zweck hat er jedoch erfüllt, denn die Garantie ist über die Jahrhunderte von den jeweiligen islamischen Herrschern stets anerkannt worden, und der Brief hat somit die Existenz des Klosters bis heute gesichert. Die Mönche haben sich dafür erkenntlich gezeigt, indem sie neben der Basilika mit dem Glockenturm ein Minarett bauten, das allerdings deutlich niedriger geraten ist, als das christliche Wahrzeichen. Während die Basilika mit Ikonen von unschätzbarem Wert geschmückt ist, enthält die Bibliothek des Klosters, neben dem Vatikan, die wertvollste Schriftensammlung der Glaubensgeschichte. Der eigenhändig geschriebene Brief Mohammeds liegt dagegen nur als Kopie vor, das Original befindet sich in einem Museum in Istanbul.
Wer mehr über das Kloster wissen will und auch Bilder sehen möchte, braucht bei Google nur den Begriff “Katharinenkloster” einzugeben.

Ein Gipfel in „Rot“ – unser aller Angela unübersehbar

04.04.2009

Wenn es beabsichtigt war, war es genial; wenn es nicht beabsichtigt war, auch: die rote Jacke der Angela Merkel auf dem Gipfel in London. Jetzt werden manche ihrer Parteifreunde und Sympathisanten, die immer etwas zu kritisieren haben, fragen: „Musste es denn unbedingt Rot sein?“ Denen antworte ich als Werbefachmann: „Ja, es musste Rot sein, denn Rot ist die “Signalfarbe” schlechthin. Mit keiner anderen Farbe hätte sie so viel Aufmerksamkeit erzielt.”
Vorbei sind die Zeiten, wo man unsere Angela als graue Maus betrachtete. Nein, ihre “Gipfel-Präsenz” war die ganze Zeit über unübersehbar. Vor allem beim berühmten „Gruppenfoto“ stach sie die Masse grauer Mäuseriche bei weitem aus, überstrahlte selbst einen Barack Obama. Und das will schon etwas heißen. Über die schmallippigen Kommentare ihrer heimischen Opposition kann sie da nur lachen.
Ich bin jetzt schon gespannt, ob sich  ihre männlichen Kollegen beim nächsten Gipfel in rote Sakkos schmeißen werden. Oder in grüne, blaue oder gelbe. Wer weiß?  Neid macht bekanntlich erfinderisch. Meine Herren, wäre das nicht eine Chance, die vielleicht nie wiederkommt?

Liebesgrüße aus Hamburg

01.04.2009

Wir Menschen trauen - was die Intelligenz betrifft - uns selbst alles zu, den Tieren vieles und den Pflanzen eigentlich gar nichts. Es gibt jedoch zumindest einen Menschen, der, was die Pflanzen betrifft, ganz anderer Meinung ist. Und er ist nicht allein, denn immer mehr Forscher in aller Welt gestehen dem „schweigsamen“ Grün, das sich nicht artikulieren kann, eine besondere Form der Intelligenz zu. Der Mensch, von dem ich rede, ist J. Scheppacher, der uns in seinem Buch „Das geheime Bewusstsein der Pflanzen“ mit den fantastischsten Beispielen aus der Welt des sensiblen Grüns konfrontiert. Rotwein-Reben sollen schneller wachsen und kräftiger werden, wenn man sie mit Musik beschallt. Winzer im Elsass schicken Mozart-Melodien über den Weinberg und erhalten auf diese Weise eine besonders aromatische Spätlese. Prinz Charles, der Pflanzen-Versteher, spricht sogar mit seinen Lieblingen, und ist sich sicher, dass sie ihm zuhören und ihn verstehen.
Ich will ja nicht angeben, aber wenn ich meine Orchideen so ansehe – und das tue ich jeden Tag viele, viele Male – dann möchte auch ich behaupten, dass sie mich verstehen. Und ich sie. Dabei verwöhne ich sie keineswegs. Nein, ich behandle sie eher mit väterlicher Strenge als mit mütterlicher Fürsorglichkeit. Nur keine Übertreibungen sage ich mir immer.  Zwar beschütze ich sie vor zuviel Sonne, aber das ist auch schon fast alles. (An einem Nordfenster geht das übrigens wie von selbst.) Jeden Samstag bekommen sie ein Schnapsglas mit Wasser aus der Leitung. Das trinke ich selbst auch! Noch nie haben sie Orchideen-Dünger zu Gesicht bekommen und wurden auch noch nie umgetopft. Dafür können sie bei mir ganz nach ihrem eigenen Gusto leben: Ich denke gar nicht dran, mich da einzumischen.
Insgesamt habe ich 5 Phalaenopsis in 4 verschiedenen Farben. Drei davon besitze ich schon seit etlichen Jahren, zwei habe ich irgendwann im vorletzten Jahr zugekauft bzw. geschenkt bekommen. Ich erinnere mich auch noch genau, dass meine Pflanzen im letzten Jahr zu unterschiedlichen Zeitpunkten eine nach der anderen ihre Blühphase beendeten. Ich habe dann – das muss nun wirklich sein – die Stängel über dem 2. Auge abgeschnitten. Und jetzt kommt das Wunderbare: Kurz vor Weihnachten zeigten sich nahezu gleichzeitig an allen fünf Orchideen neue Knospen, und zwischen Weihnachten und Neujahr erfreuten  sie mich alle - ohne Ausnahme - mit neuen Blüten. Als hätten sie sich verabredet, mir ein gemeinsames Weihnachtsgeschenk zu machen. Jetzt, drei Monate später, stehen die meisten von ihnen noch im vollen Saft, nur einige wenige Blüten sind inzwischen abgefallen. Andererseits zeigen sich vereinzelt sogar neue, zusätzliche Knospen. Die werden mich wahrscheinlich zu Ostern erfreuen. Kurz gesagt: Meine Orchideen tuen unendlich viel für mein Wohlbefinden. Ich vermute, es ist ihr Dankeschön für mein Verständnis ihrer Psyche. Oder bilde ich mir das alles nur ein?
So oder so: Wir, das heißt meine 5 Phalaenopsis und ich,  schicken allen Menschen und Pflanzen von hier aus liebe Grüße.

P.S. Dies ist kein Aprilscherz!