Nicht jeder, der sich vornimmt, zu Ostern eine Kirche zu besuchen oder zu besichtigen, ist ein gläubiger Christ. Trotzdem wird einem wohl nirgendwo ausdrücklich gesagt, dass man unwillkommen ist. Eine Ausnahme stellt das griechisch-orthodoxe Katharinenkloster auf der Halbinsel Sinai dar. Es ist eines der ältesten christlichen Klöster überhaupt und wurde niemals zerstört. Jedes Jahr wird es von rund 50.000 Touristen aufgesucht, darunter Japanern, Amerikanern und natürlich auch Europäern, die in Bussen herangeschafft. In der Zeit um das orthodoxe Osterfest jedoch, das eine Woche nach dem unsrigen stattfindet, ist der Zutritt für Touristen nicht erlaubt. Dann nämlich wird das Klosterleben bestimmt von den Liturgien und Zeremonien zur Feier der Auferstehung Christi, und die Gläubigen bleiben unter sich. Den armen Touristen bleibt dann nur noch der Aufstieg auf den Berg Sinai oder auch Berg Moses, auf dem der Legende zufolge Moses von Gott zwei Tontafeln mit den 10 Geboten empfing. Allerdings: Das Kloster liegt auf 1570 m Höhe, während der Berg Moses 2285 m erreicht. Da muss man also schon was tun.
Die Anfänge dieses Klosters lassen sich zurückverfolgen bis zum Jahre 324 als Kaiserin Helena, die Mutter Konstantins d. Gr., auf dem Berg Moses eine Marien-Kapelle errichten ließ. Zum Schutze der Mönche in der Marien-Kapelle wurde dann unter dem oströmischen Kaiser Justinian I. in den Jahren 548 – 565 das Kloster „zum brennenden Dornbusch“ - heute unter dem Namen Katharinenkloster bekannt - in der bis heute bestehenden festungsartigen Form erbaut. Das verhinderte allerdings wenige Jahre später nicht die Besetzung des Klosters durch muslimische Truppen.
Es war die Zeit des Propheten Mohammed. Er hatte kurz zuvor eine neue Religion begründet: den Islam, auf deutsch “Hingabe zu Gott”. Vor allem aber hatte er etwas erreicht, was völlig unglaublich erschien: Es gelang ihm, die ewig zerstrittenen Beduinen-Stämme Arabiens – es sollen weit über 400 gewesen sein – unter dem “Grünen Banner des Propheten” zu einigen. Dabei sind es nicht nur Heiden, die den neuen Glauben annehmen. Auch Stämme, die vorher jüdisch oder christlich waren, gehören dazu. Jetzt also schickte er seine Truppen gen Norden, den neuen Glauben in aller Welt zu verbreiten. Das Katharinenkloster lag da gewissermaßen „am Wege“. Er selbst blieb in Medina. Dort erreicht ihn ein Hilferuf des Klosterabtes.
Mohammed, der offenbar einige Male zu Gast im Kloster gewesen war, vermutlich noch in seiner frühen Zeit als Karawanenführer, setzte sich sofort hin und schrieb einen Brief an das Kloster, in dem dessen Fortbestand von ihm persönlich garantiert wurde. Zwar gibt es heute Wissenschaftler, die diesen “Schutzbrief” für eine Fälschung halten, seinen Zweck hat er jedoch erfüllt, denn die Garantie ist über die Jahrhunderte von den jeweiligen islamischen Herrschern stets anerkannt worden, und der Brief hat somit die Existenz des Klosters bis heute gesichert. Die Mönche haben sich dafür erkenntlich gezeigt, indem sie neben der Basilika mit dem Glockenturm ein Minarett bauten, das allerdings deutlich niedriger geraten ist, als das christliche Wahrzeichen. Während die Basilika mit Ikonen von unschätzbarem Wert geschmückt ist, enthält die Bibliothek des Klosters, neben dem Vatikan, die wertvollste Schriftensammlung der Glaubensgeschichte. Der eigenhändig geschriebene Brief Mohammeds liegt dagegen nur als Kopie vor, das Original befindet sich in einem Museum in Istanbul.
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