Archiv für 12.2008

Zeit für die langen Unterhosen

31.12.2008

Früher hießen sie die “Unaussprechlichen”, aber die Zeiten sind, denke ich, vorbei.  Mein Vater trug sie, sobald der Sommer vorbei war. Mir waren sie immer ein Gräuel (für Ungläubige: Schreibt man heute tatsächlich mit „äu“). Aber da es jetzt auch in Hamburg ziemlich kalt wird, und die „gefühlte“ Temperatur rund ums Augustinum immer noch um einiges kälter erscheint, werde auch ich mein einziges Exemplar aus der Schublade holen.
John F. Kennedy soll gerne und oft in seine „Long Johns“ geschlüpft sein, um damit bei Staatsspaziergängen nicht zu frieren. Er sparte sich den Mantel und machte dadurch neben seinen Weltmachts-Kollegen eine abgehärtete und dynamische Figur. Um gleich allen möglichen bösen Gerüchten vorzubeugen: Ich habe nicht die Absicht, ihm nachzueifern. Nein, absolut nicht.
Ich frage mich nur manchmal, was die Damen wohl machen ohne lange Unterhosen, oder ob die vielleicht heimlich auch welche haben?

Nach uns die Sintflut? Ach, bitte lieber nicht…

30.12.2008

Übermorgen beginnt das neue Jahr: Zeit für viele gute Vorsätze. Vielleicht auch  für die Idee, künftig etwas besser nachzudenken, ehe wir etwas tun. Denn nur allzu häufig vergessen wir,  die Folgen unserer Taten richtig abzuschätzen. (Oder auch die Folgen unseres “Nichtstuns”.)
„Wir sind alle kleine Sünderlein…“ sang schon Willy Millowitsch. Ich muss gestehen, ich kenne den Text nicht weiter, aber ich bin der Meinung,  wir sind tatsächlich „alle“ kleinere oder größere Sünder: Der Staat, die Behörden, die Unternehmen und natürlich auch wir Bürger. Ein paar Beispiele gefällig?  Es liegt schon etliche Jahre zurück, da bekam ich von einem bekannten deutschen Unternehmen den Auftrag, für das Internet eine Kurzbeschreibung der verschiedensten spanischen Urlaubsgebiete zu verfassen. Dieser Text sollte zusammen mit möglichst vielen „Anzeigen“ für Fremdenverkehrs-Verbände, Hotels, Campingplätze usw. potenzielle Urlauber anziehen und zum Buchen animieren. Nur: Die Anzeigen – die das Geld bringen sollten – die kamen nicht. Mein Text über viele, viele Seiten war für sich allein wertlos. Ich konnte damals von Glück sagen, dass ich wenigstens einen kleinen Teil des vereinbarten Honorars bekam. Jetzt stieß ich beim Surfen im Internet plötzlich auf……genau, das war doch mein Text! Einsam und verlassen. Eine vergessene „Ruine“. Und davon gibt es viele im Internet, sehr viele. Als normaler Surfer und Unbeteiligter merkt man es nur nicht so.
„Ruinen“ sind auch etliche der vielen, vielen Toilettenhäuschen, die noch bis weit nach dem Kriege in Hamburg zu finden waren. Geschlossen, mangels Personal. Die meisten allerdings sind ganz einfach verschwunden. Nicht verschwunden sind dagegen oftmals die Hinweisschilder mit einem Pfeil und dahinter  „WC 100 m, 200 m, usw.”  Wer endlich bei oft qualvoller Dringlichkeit des Bedürfnisses die 100 oder 200 m geschafft hat, steht dann entweder vor verschlossenen Türen oder – was noch wahrscheinlicher ist – vor dem „Nichts“. Spätestens dann weiß man, warum diese Häuschen früher “Bedürfnisanstalt” tituliert wurden.
Das ist in Singapur ganz anders. Dort gibt die Stadtverwaltung einen Toiletten-Führer heraus mit den 500 saubersten und schönsten öffentlichen WCs der Stadt.  Und wenn Singapur von „sauber“ spricht, dann darf man das unbesehen glauben. Schließlich werden seit vielen Jahren alle diejenigen, die sich an der Sauberkeit der Stadt „versündigen“ mit drakonischen Strafen belegt. Kaugummi ausspucken, oder Bonbonpapier auf die Straße werfen, kostet umgerechnet 500 Euro, Papiertaschentücher oder Cola-Dosen das Doppelte. Und bei uns? Hier in  Hamburg gibt es jede Menge platt getretener Kaugummireste auf den Bürgersteigen. An manchen exponierten Orten, zum Beispiel Bus-Haltestellen,  sieht es aus, als hätte der Bodenbelag die Masern oder die Windpocken. Die Stadtverwaltung scheint machtlos. Vielleicht sollte sie sich mal in der Heimat von Willi Millowitsch umsehen. In Köln hat man nämlich den Kölner Dom “kaugummifrei” bekommen. Habe ich jedenfalls gelesen. Wie man das geschafft hat, stand allerdings nicht dabei. Schade, denn vielleicht könnten ja andere Städte daraus lernen. Sie meinen jetzt vielleicht, das wären Kleinigkeiten gemessen an dem, was uns mit der Klimakatastrophe bevorstehen könnte? Stimmt. Aber mit den kleinen Gedankenlosigkeiten und Nachlässigkeiten und fängt es an. Deshalb: Im nächsten Jahr soll alles besser werden. Finden Sie nicht auch?

Ich wünsche Ihnen ganz persönlich einen guten Rutsch sowie Gesundheit und Zufriedenheiten im Neuen Jahr. Auf dass wir unsere Welt nicht zerstören, die wir  in ebenfalls schweren Zeiten mit aufgebaut haben.  U. N.

Was hat eine “vornehme alte Dame aus dem Augustinum” an Heiligabend auf der Reeperbahn zu suchen?

28.12.2008

Nun kriegen Sie mal  bitte keinen Schock, werte Damen und Herren. Es ist alles nur „Theater“ – St. Pauli Theater, um genau zu sein. In diesem Etablissement, gegründet 1841 und seitdem immer am gleichen Fleck auf der Reeperbahn, läuft über Weihnachten das Musical „Nachttankstelle“. Die „Tanke“, so heißt etwas Derartiges auf dem Kiez, gibt es wirklich. Ganz in der Nähe des Theaters. Sie wurde für dieses Musical - der Autor und Regisseur nennt es mit typisch Hamburger Understatement lieber schlicht einen “Liederabend” - mitsamt ihrem Sortiment für alles und jeden auf der Bühne naturgetreu nachgebaut. Nur bei dem im Original „längsten Kühlregal für Getränke in ganz Hamburg“ musste man notgedrungen einige Abstriche machen.
In diesem Ambiente treffen sich nun all diejenigen, die an diesem heiligen Abend zu kurz gekommen sind: Der Philosophieprofessor, der Ehekrach hatte, weil ihm seine Frau den Rotwein verboten hat – hier bekommt er nun so viel er will – das Punkermädchen, das von zu Haus weggelaufen ist und mal ein Verhältnis mit dem Dorfkaplan hatte; ein alter Seemann, dem gerade gekündigt worden war; der Betrunkene von der Weihnachtsmannvermittlung; die Prostituierte und der Rapper; ein Eisbär, der sich ein Eis kauft, weil es für die Jahreszeit zu warm draußen ist, sowie – last but not least – die “vornehme alte Dame aus dem Augustinum”, die wutschnaubend weggelaufen war, weil sie im hauseigenen Krippenspiel nicht die Maria spielen durfte. Prompt hatte ihr das Wohnstift eine polnische Pflegekraft hinterher geschickt, damit sie in ihrem verständlichen Frust nicht unter die Räder kommen sollte. Hier erfolgt nun der einzige „Bruch“ in der Geschichte: Denn erstens gibt es bei uns gar kein hauseigenes Krippenspiel, und zweitens haben wir keine polnische Pflegekraft! Trotzdem finde ich es gut für unser Image, dass unser Haus -  einschließlich der vornehmen alten Dame - in dieser auch von der Presse sehr  gelobten Aufführung genannt wird  und nicht eine der zahllosen anderen Residenzen. Die dürfen uns gern auch weiterhin um unseren Ruf und unsere Bekanntheit beneiden!
Natürlich werden all die genannten “Biographien” nicht erzählt, sondern gesungen. So schwärmt die Punkerin von ihrem Kaplan, und die alte Dame – übrigens hinreißend gespielt von der weit über Hamburgs Grenzen hinaus bekannten Schauspielerin Marion Martienzen – röhrt Tina Turners „Proud Mary“. Am Ende inszeniert sie dann an der Tanke ein Krippenspiel, in dem sie - und niemand anderes! - die Maria geben darf. Ich habe mir schon überlegt: Vielleicht sollten wir im Augustinum auch mal ein Krippenspiel vorführen? Ich wüsste da bei uns einige Damen und Herren, die so etwas gut über die Bühne bringen könnten. Ganz seriös, versteht sich! Mal sehen.

Weihnachten

23.12.2008

Markt und Straße steh’n verlassen,
still erleuchtet jedes Haus;
sinnend geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
tausend Kindlein steh’n und schauen,
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins freie Feld.
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern,
wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen;
aus des Schnees Einsamkeit
steigt’s wie wunderbares Singen.
O, du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff 1788 - 1857

“Still” ist die Welt heute nicht mehr. Wahrlich nicht. Aber sonst? Ich habe das Gefühl, gerade zu Weihnachten hat sich in den letzten 200 Jahren noch am wenigsten verändert. Die Menschen besinnen sich auf alte Werte. Familien, die sonst weit verstreut sind, finden zum Fest wieder zusammen. Selbst die Kirchen können sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. Einmal im Jahr ist Weihnachtszeit. Zeit zur Freude und zum Hoffen.

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes und besinnliches Fest.  U. N.

“O Tannenbaum, O Tannenbaum…”

22.12.2008

Der Text dieses wohl bekanntesten und volkstümlichsten deutschen Weihnachtsliedes geht auf das von Melchior Franck verfasste schlesische Volkslied „Ach Tannenbaum“ zurück. In diesem Lied war bereits zwischen 1550  und 1580 die folgende Strophe enthalten:

O Tanne, du bist ein edler Zweig,
Du grünest Winter und die liebe Sommerzeit
Wenn alle Bäume dürre sein
So grünest Du, edles Tannenbäumelein.

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, diesen Text mit der uns bekannten Melodie in Einklang zu bringen, dürfte es Ihnen so gehen wie mir. Ich bin allerdings auch extrem unmusikalisch. Es heißt, zum Weihnachtslied wurde „O Tannenbaum“ erst, nachdem der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz (1780 – 1861), unter Beibehaltung der ersten Strophe, 1824 die heute bekannten Verse zwei und drei hinzufügte. In denen nur noch vom Baum die Rede ist. Schon von alters her glaubten die Menschen übrigens in vielen Kulturen, dass in immergrünen Pflanzen die Lebenskraft steckt, und man sich mit ihnen Gesundheit ins Haus holen konnte.
Aus dem Jahre 1539 stammt ein urkundlicher Beleg, dass im Straßburger Münster ein „Weihnachtsbaum“ aufgestellt wurde. Auch die ersten Aufzeichnungen über einen allgemein üblichen Gebrauch stammen aus dem Elsass und sind datiert aus dem Jahre 1605. Es steht geschrieben: „Auff Weihnachten richtet man Dannenbäume in den Stuben auf. Daran henket man Roßen auß vielfarbigem Papier geschnitten, Aepfel, Oblaten, Zischgold und Zucker.“ Die ersten Kerzen kamen dagegen erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Mode. In Norddeutschland schmückte man den Baum noch bis ins 19. Jahrhundert mit Adam und Eva, inklusive der Schlange, aus Holz oder gebacken. Um 1830 wurden die ersten Christbaumkugeln geblasen. Der Gebrauch von Lametta wurde 1878 in Nürnberg entwickelt. Damit wollte man offenbar das Aussehen von glitzernden Eiszapfen imitieren. Die Spitze des Baumes schmückt häufig ein Stern, der den Stern von Bethlehem darstellen soll.
Nach und nach eroberte der Tannenbaum friedlich die ganze Welt. Als sich Queen Victoria 1840 mit Albert von Sachsen-Coburg-Gotha vermählte, kam der Weihnachtsbaum nach London. Die Niederlande, Frankreich, Russland und Italien schlossen sich an, bald auch die USA und andere „ferne“ Länder, wo deutsche Auswanderer ihn als Erinnerung an die alte Heimat einführten. So ist der deutsche Weihnachtsbaum selbst dort bekannt, wo man Weihnachten im Sommer feiert.