Übermorgen beginnt das neue Jahr: Zeit für viele gute Vorsätze. Vielleicht auch für die Idee, künftig etwas besser nachzudenken, ehe wir etwas tun. Denn nur allzu häufig vergessen wir, die Folgen unserer Taten richtig abzuschätzen. (Oder auch die Folgen unseres “Nichtstuns”.)
„Wir sind alle kleine Sünderlein…“ sang schon Willy Millowitsch. Ich muss gestehen, ich kenne den Text nicht weiter, aber ich bin der Meinung, wir sind tatsächlich „alle“ kleinere oder größere Sünder: Der Staat, die Behörden, die Unternehmen und natürlich auch wir Bürger. Ein paar Beispiele gefällig? Es liegt schon etliche Jahre zurück, da bekam ich von einem bekannten deutschen Unternehmen den Auftrag, für das Internet eine Kurzbeschreibung der verschiedensten spanischen Urlaubsgebiete zu verfassen. Dieser Text sollte zusammen mit möglichst vielen „Anzeigen“ für Fremdenverkehrs-Verbände, Hotels, Campingplätze usw. potenzielle Urlauber anziehen und zum Buchen animieren. Nur: Die Anzeigen – die das Geld bringen sollten – die kamen nicht. Mein Text über viele, viele Seiten war für sich allein wertlos. Ich konnte damals von Glück sagen, dass ich wenigstens einen kleinen Teil des vereinbarten Honorars bekam. Jetzt stieß ich beim Surfen im Internet plötzlich auf……genau, das war doch mein Text! Einsam und verlassen. Eine vergessene „Ruine“. Und davon gibt es viele im Internet, sehr viele. Als normaler Surfer und Unbeteiligter merkt man es nur nicht so.
„Ruinen“ sind auch etliche der vielen, vielen Toilettenhäuschen, die noch bis weit nach dem Kriege in Hamburg zu finden waren. Geschlossen, mangels Personal. Die meisten allerdings sind ganz einfach verschwunden. Nicht verschwunden sind dagegen oftmals die Hinweisschilder mit einem Pfeil und dahinter „WC 100 m, 200 m, usw.” Wer endlich bei oft qualvoller Dringlichkeit des Bedürfnisses die 100 oder 200 m geschafft hat, steht dann entweder vor verschlossenen Türen oder – was noch wahrscheinlicher ist – vor dem „Nichts“. Spätestens dann weiß man, warum diese Häuschen früher “Bedürfnisanstalt” tituliert wurden.
Das ist in Singapur ganz anders. Dort gibt die Stadtverwaltung einen Toiletten-Führer heraus mit den 500 saubersten und schönsten öffentlichen WCs der Stadt. Und wenn Singapur von „sauber“ spricht, dann darf man das unbesehen glauben. Schließlich werden seit vielen Jahren alle diejenigen, die sich an der Sauberkeit der Stadt „versündigen“ mit drakonischen Strafen belegt. Kaugummi ausspucken, oder Bonbonpapier auf die Straße werfen, kostet umgerechnet 500 Euro, Papiertaschentücher oder Cola-Dosen das Doppelte. Und bei uns? Hier in Hamburg gibt es jede Menge platt getretener Kaugummireste auf den Bürgersteigen. An manchen exponierten Orten, zum Beispiel Bus-Haltestellen, sieht es aus, als hätte der Bodenbelag die Masern oder die Windpocken. Die Stadtverwaltung scheint machtlos. Vielleicht sollte sie sich mal in der Heimat von Willi Millowitsch umsehen. In Köln hat man nämlich den Kölner Dom “kaugummifrei” bekommen. Habe ich jedenfalls gelesen. Wie man das geschafft hat, stand allerdings nicht dabei. Schade, denn vielleicht könnten ja andere Städte daraus lernen. Sie meinen jetzt vielleicht, das wären Kleinigkeiten gemessen an dem, was uns mit der Klimakatastrophe bevorstehen könnte? Stimmt. Aber mit den kleinen Gedankenlosigkeiten und Nachlässigkeiten und fängt es an. Deshalb: Im nächsten Jahr soll alles besser werden. Finden Sie nicht auch?
Ich wünsche Ihnen ganz persönlich einen guten Rutsch sowie Gesundheit und Zufriedenheiten im Neuen Jahr. Auf dass wir unsere Welt nicht zerstören, die wir in ebenfalls schweren Zeiten mit aufgebaut haben. U. N.