Archiv für 11.2008

Wie konnte ich nur so dumm sein…

13.11.2008

Kennen Sie das auch: Man tummelt sich im Internet, hat nichts Böses im Sinn und begegnet plötzlich irgendeiner „Mitmach-Aufforderung“. So ging es mir vor einiger Zeit. Eine „Meinungsumfrage Initiative Deutschland“ wollte wissen, ob ich für Angela Merkel oder Frank-Walter Steinmeier als nächsten deutschen Kanzler sei. Ich gestehe es offen: Ich habe eine Schwäche für solch kleine Spielchen, umso mehr, als ich auch politisch interessiert bin. Und es ist ja so einfach, mal eben etwas anzuklicken.
Was soll ich Ihnen sagen? Ich klicke, und schon kurze Zeit später habe ich in meinem e-mail-Postfach die Nachricht von Herrn Dr. Soundso, dass er sich über meine Teilnahme bei “Initiative Deutschland” sehr freut. Um meine Teilnahme abzuschließen, möge ich doch zur endgültigen Bestätigung bitte noch einmal klicken. Natürlich sei die Teilnahme gratis. Als Dankeschön würde ich im Anschluss an meine Teilnahme ein Willkommensgeschenk im Werte von 50,- EURO erhalten.
Sie wären jetzt vielleicht noch ausgestiegen. Ich jedoch wollte es genau wissen. Na ja, ich geb’s schon zu: Wahrscheinlich hatte mich einfach die „Gier“ gepackt, von der heutzutage so viel die Rede ist. Die nächste Mail ließ nicht lange auf sich warten. Nach einem weiteren Klick blickte ich auf eine Ansammlung von Firmen-Logos, angefangen von Bertelsmann bis Motorola, alles nur vom Feinsten. Denen hatte ich nun - Datenschutz hin, Datenschutz her - die Erlaubnis gegeben, mich mit jeder Menge Werbung einzudecken. Und jedes dieser Unternehmen war nun begierig, mir als erstes das kostenlose Willkommensgeschenk anzudienen. Weil ich dachte, dass mir das Geschenk nicht weglaufen würde, habe ich mich dann aber erstmal anderen Dingen zugewandt.
Von da an jagte eine e-mail die andere. Ein paar Beispiele gefällig? Bitte: “Uwe, 2000 € für Ihre Meinung”, “Uwe, hol deinen DVD-Player ab”, “Sensation: iPhone heute bei Rabattschlacht, Uwe.” Ist es nicht herrlich, wenn man so herzlich und persönlich angesprochen wird? Direkt wohltuend in unserer so unpersönlichen Zeit, nicht wahr! Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute auf diese Masche tatsächlich reinfallen. Für mich “höchste Eisenbahn”, endlich die Kurve zu kratzen. Heute nun habe ich überraschend leicht den Ausstieg geschafft. Aber vermutlich nur, weil ich noch kein Willkommensgeschenk angenommen hatte. So wurde ich anstandslos „in der Datenbank gelöscht“. Ich fürchte jedoch, dass die Unternehmen, die meine Anschrift bereits in ihre Interessenten-Datei übernommen haben, mich auch weiterhin beglücken werden. Da wird einfach auf Automatik geschaltet und weiter gehts. Das Dumme bei solchen Sachen ist ja, dass das Versenden einer Mail die Firmen praktisch kein Geld kostet.

Ihr Leben: Für immer festgehalten!

04.11.2008

Kennen Sie schon diese Adresse: Deutsches Tagebucharchiv e. V., Marktplatz 1, 79312 Emmendingen, Telelfon: 07641 / 574659, www.tagebucharchiv.de ? Vom 21. bis zum 23. November 2008 veranstaltet das Archiv die ersten Autobiografietage mit Lesungen aus Tagebüchern berühmter, aber auch ganz normaler Menschen. Eröffnet wird die Veranstaltung mit dem Schriftsteller Martin Walser. Und Sie können dabei sein. In diesem Jahr zum Hören und Sehen und im nächsten Jahr vielleicht schon mit einem eigenen Tagebuch.
Was Sie dafür tun müssen? Wenn Sie bereits zu den Tagebuch-Schreibern gehören, können Sie Ihr Tagebuch an die oben genannte Adresse schicken und um Registrierung bitten. Das ist seit 1998 – so lange gibt es das Archiv schon – bereits mit rund 6.000 Tagebüchern, Lebenserinnerungen, Briefwechseln, Haus- und Hofbüchern geschehen. Natürlich können Sie auch Tagebücher Ihrer Eltern oder Großeltern einschicken. In Emmendingen stehen rund 90 „Ehrenamtliche“ bereit, jede einzelne Einsendung zu sichten, Handschriften zu transkribieren und sämtliche Notizen nach Schlagworten in einer Datenbank zu erfassen.
Es ist auch nicht zu spät, jetzt noch mit dem Schreiben eines Tagebuchs zu beginnen. Warum nicht „Mein Leben im Augustinum“? Zeit genug hätten wir doch alle dazu. Vielleicht tun sich sogar einige zusammen und verfassen etwas Gemeinsames. Das hat es möglicherweise noch nie gegeben. Und einer kann dem anderen helfen, wenn es mal irgendwo „hakt“. Ich sage: Nur Mut. Und: Es ist mit Sicherheit gut für die „kleinen grauen Zellen“. Je öfter wir die beschäftigen, desto länger bleiben wir auch “fit im Kopf”.