Was ist “scheinheilig”?

Geschrieben am 20.10.2008 von Uwe Neumann

Ich finde, scheinheilig ist, wenn sich eine Zeitung auf der einen Seite lang und breit darüber auslässt, dass ein Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit eine Radfahrerin überfahren und schwer verletzt hat und auf der anderen Seite „Hamburgs besten Blitzer-Atlas“ veröffentlicht. Nach eigenen Angaben eine Straßenkarte „erstmals mit allen stationären und den häufigsten mobilen Radarfallen auf einen Blick“. Dazu erfolgt ein Hinweis auf ein namentlich genanntes Unternehmen, dass eine entsprechende Software für € 49,95 anbietet.
Und weiter heißt es im Text: „Viele Geschwindigkeitskontrollen sind sinnvoll, insbesondere vor Schulen, Kindergärten, Altenheimen und Unfall-Schwerpunkten“. Nett, dass man auch die Altenheime erwähnt. Ich schätze jedoch, der schwerverletzten Radfahrerin wird es ziemlich egal sein, ob sie an einem Unfallschwerpunkt überfahren wurde oder auf einer Straße, die noch nie einen Unfall gesehen hat. Mir kommt das so vor, als würde man jemandem, der vor hat, einen Mord zu begehen, auch noch Tipps geben, wie er eventuell - mit ein bisschen Glück und Geschick -   ungeschoren davon kommt.
Vielleicht bin ich ja trotz meiner relativ jungen Jahre ein wenig altmodisch, aber ich meine, „scheinheilig“ ist für solch eine Vorgehensweise genau das richtige Wort.

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