Vorbei ist die kulturlose, die schreckliche Zeit
01.09.2008Man verzeihe mir die Anleihe bei Friedrich Schiller, der bekanntlich fast mit denselben Worten die Zeit des Interregnums zwischen 1245 und 1273 schildert. So lange mussten die Deutschen damals auf einen neuen Kaiser warten. Bei uns waren es nur rund 6 Wochen, in denen wir wegen der allgemeinen Sommerpause auf kulturelle Veranstaltungen weitgehend verzichten mussten. Aber da unser kulturelles Leben sonst das ganze Jahr über sehr rege ist, traf die große Flaute unsere Bewohnerinnen und Bewohner doppelt hart. Deutlicher gesagt: Wir kamen uns regelrecht ausgehungert vor.
Um so größer war denn auch die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner, die am letzten Dienstag im Augustinussaal aufkreuzten, um den Beginn der Herbstsaison feierlich zu begehen. Eingeladen war das Klavierduo Ljiljana Borota und Christian Knebel. Gegeben wurde „Ein Sommernachtstraum“, Bühnenmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy, in der Fassung mit Klavier zu 4 Händen. Da mir mein Wohnungsnachbar, ein Musik-Kenner, mal den Tipp gegeben hatte, mich immer so zu setzen, dass ich dem Pianisten auf die Hände (oder Finger) schauen kann, hatte ich jetzt ein doppeltes oder sogar dreifaches Vergnügen. Zum einen erlebte ich, wie nicht nur zwei sondern vier Hände über die Tasten huschten, zum anderen war aber auch das Klangerlebnis einfach berauschend. Ich glaube, da waren wir uns alle einig.
Zum Ausklang gab es noch eine Cocktail-Einladung. Wieder einmal zeigte sich unser Augustinum auf der Höhe der Zeit. Man verwöhnte uns mit jeder Menge Caipirinhas, wie sie auch in den nahe gelegenen Beachclubs „angesagt“ sind. Soll noch einer sagen, wir wären nicht modern oder wüssten nicht was gut schmeckt. Alles wurde frisch gemixt aus Limettensaft, Cachaca – einem brasilianischen Zuckerrohrschnaps - Zucker und gestoßenem Eis. Und natürlich fehlten auch die in Würfel geschnittenen Limetten nicht, die das Bild auch farblich abrundeten. So etwas darf man gerne wieder machen, war die einhellige Meinung.