Archiv für 09.2008

Lassen Sie sich nicht “einwickeln”…

29.09.2008

Jedes Mal, wenn ich meinem Bankberater einen Besuch abstatte, berichtet er mir voller Stolz von den neuen „Finanz-Produkten“ der Bank. Produkte, die eine hohe Rendite versprechen und vor allem natürlich Sicherheit. Jedes Mal sage ich höflich, aber bestimmt: „Nein, danke.“ Eigentlich weiß er das schon im voraus, aber er muss es selbstverständlich versuchen. Das ist sein Job. Natürlich kennt er mein Depot, in dem sich ausschließlich Aktien befinden – die letzten Fonds, die ich hatte, und die mir von meiner Bank empfohlen worden waren, habe ich schon vor längerer Zeit mit ziemlichem Verlust liquidiert. Ja, ich stehe zu meinen Aktien. Die suche ich selber aus und mache demzufolge auch meine Fehler selber. Und Fehler macht nun mal jeder, selbst die größten Bankbosse, wie sich gerade wieder gezeigt hat. Natürlich weiß ich, dass Aktien ein nicht unwesentliches Risiko-Potenzial haben. Deshalb werde ich auch um Gottes willen niemandem empfehlen, meinem Vorbild zu folgen.
Gerade wir Deutschen sind „gebrannte Kinder“. Zwei Währungsreformen und zuletzt der Crash von 2000/2001 – bei dem auch ich mit einem Teil meiner Aktien aus großen Höhen abgestürzt bin, was ich mühsam wieder aufholen musste – haben zu einem extremen Sicherheitsbedürfnis geführt. Die Banken sind dem nachgekommen durch Finanzinnovationen ohne Ende. Der große Renner der letzten Zeit sind „Garantie-Zertifikate“ bei denen dem Käufer garantiert wird, dass er mindestens das eingesetzte Kapital am Ende der Laufzeit zurückbekommt. Dazu „bestehe natürlich noch die Chance auf eine erstklassige Rendite“. Heißt es jedenfalls. Was dem Käufer in der Regel nicht gesagt wird: Das Zertifikat ist nichts anderes, als eine Schuldverschreibung der emittierenden Bank und damit in der Regel von keiner Einlagensicherung gedeckt. Geht daher die Bank Pleite – was nach den jüngsten Ereignissen durchaus vorkommen soll –  wird die, ach so sichere, Anlage möglicherweise zum Totalverlust.
Was lehrt uns nun die aktuelle Situation auf den Kapitalmärkten? Auch die größten Banken haben nichts zu verschenken. Und wenn es doch mal so aussehen sollte - irgendein Pferdefuß steckt bestimmt dahinter. Fragen Sie deshalb unbedingt bei jeder neuen Kapitalanlage  nach dem Einlagensicherungsfonds. Denken Sie daran: Wer nicht fragt, kann auch keine Antwort erwarten. Mehr über den Einlagensicherungsfonds erfahren Sie auch unter www.bankenverband.de/einlagensicherung .
Den größten Zulauf erfahren im Moment die „Staatspapiere“. Der Bund hat glücklicherweise mit den eben genannten Finanzinnovationen nichts im Sinn, immerhin aber gibt es neben den seit langem geschätzten und altbekannten Finanzierungsschätzen und Bundesschatzbriefen seit einiger Zeit die Möglichkeit, dem Bund Geld als Tagesgeldanleihe zur Verfügung zu stellen. Die Verzinsung ist kaum niedriger als sonst für Tagesgeld gewohnt. “Tagesgeld” bedeutet übrigens: Das Geld ist täglich verfügbar. Was will man mehr? Und die Sicherheit? Glauben Sie, dass der Staat insolvent wird oder gar Pleite geht? Ich auch nicht.

Vom Regen in die Traufe

26.09.2008

Erinnern Sie meinen letzten Beitrag? Da besiegen Preußen und Österreicher gemeinsam die Dänen, die fast 300 Jahre lang die Regierung in den Herzogtümern Schleswig und Holstein ausübten. Von nun an verwalten die Preußen Schleswig und die Österreicher Holstein und damit auch Altona, den heutigen Standort des Augustinum Hamburg.  Es dauert nicht lange, da geraten nunmehr die Sieger in Streit. Bismarck soll da ein wenig nachgeholfen haben. Es kommt zum Deutschen Bruderkrieg, den Preußen gewinnt.
Jetzt sitzen die Preußen also auch in Altona. Und wenn die Altonaer Bürger zunächst nach der „Befreiung“ aus dänischer Herrschaft noch gejubelt hatten, so merkten sie schon bald den Unterschied: Aus der zweitgrößten Stadt Dänemarks mit vielen, vor allem wirtschaftlichen Privilegien, war eine ganz gewöhnliche preußische Provinzstadt geworden, deren verwöhnten Bewohnern man erst einmal zeigte, was eine preußische Harke ist. Das verschaffte den neuen Herren keine Freunde.

Als ich vor 8 Jahren ins Augustinum Hamburg einzog, habe ich mich nach und nach in der näheren und weiteren Umgebung umgesehen. Dabei ging ich auch des öfteren an dem Reiter-Standbild Kaiser Wilhelms I. – während der Zeit, von der ich hier berichte noch König von Preußen - vor dem Altonaer Rathaus vorbei. Dieses Gebäude wurde 1844 als Bahnhof erbaut und war der Endpunkt der “Christian VIII. Ostseebahn” von Kiel nach Altona. 1864 liefen dort die Züge mit den österreichischen Truppen ein, die gegen die Dänen zu Felde ziehen sollten. Ich wusste zwar, wem dieses Denkmal galt, fand aber nirgendwo eine entsprechende Inschrift. Da war ich von meiner Heimatstadt Hannover anderes gewohnt. Dort steht vor dem Hauptbahnhof das Denkmal von König Ernst August I. von Hannover, ebenfalls hoch zu Ross. Dieses Denkmal trägt die Inschrift „Dem Landesvater sein treues Volk“. Dabei war dieser Ernst August, ehemals Herzog von Cumberland und ein Onkel Queen Victorias von England, ein ganz übler……. , nein, das sage ich jetzt nicht, sonst kommt mir sein Ururur-Enkel gleichen Namens auf den Kopf und verklopft mich mit dem Regenschirm.
Meinen ursprünglichen Verdacht, das Fehlen einer Inschrift könnte vielleicht als bewusster Affront gegenüber den ungeliebten Preußen zu verstehen sein, konnte ich allerdings nicht aufrecht erhalten. Als ich mich nämlich vor kurzem im Rathaus erkundigte, wurde mir gesagt, es habe einmal “zu Füßen” des Denkmals ein Aufstell-Schild mit einem ausführlichen Text gegeben, das wäre allerdings zerstört worden. Und bisher habe man kein Geld gehabt, es zu ersetzen. Doch es würde bald etwas passieren. Das muss ich bestätigen, denn immerhin steht jetzt schon der eiserne Rahmen für das Schild.
Die Stadt Altona war und blieb preußisch. 1937 beseitigte Adolf Hitler mit einem Federstrich ihren Status als eigenständige Stadt, indem er Hamburg und Altona zu einem „Groß-Hamburg“ verband. Aber er hatte mit Altona auch „Großes“ vor: Der neue “Stadtteil” Hamburgs sollte zur „Führer-Stadt“ werden. Gigantische Bauten waren geplant. Das neue “Gauhaus” der NSDAP stellte Hitler sich als als ein Turmhaus mit 60 Stockwerken und 250 m Höhe vor, dazu kam eine Kongresshalle für 50.000 Besucher. Der Clou aber würde eine neue Hochbrücke sein. Sie sollte die Elbe in 500 m freier Länge als Hängebrücke zwischen zwei Pfeilern überspannen, jeder 140 m hoch. Damit hätte sie nicht nur die Elbe, sondern auch den Vorgänger unseres Augustinums, das Union-Kühlhaus, direkt über”brückt”. Genau hier bei uns sollte nämlich der nördliche Ausgangspunkt der Brücke sein. Erst 1943 wurden diese Pläne endgültig ad acta gelegt.
So wohnen wir jetzt glücklich und zufrieden in unserem Augustinum Hamburg, auf Altonaer, vormals dänischem Boden.

Eine Inschrift von historischer Bedeutung

23.09.2008

Als ich kürzlich auf dem „hohen“ Elbuferweg, ganz in unserer Nähe, wandelte – von „wandern“ kann man bei mir nicht reden – stand ich plötzlich vor einem Denkmal mit folgender Inschrift:

Helgoland 9. Mai 1864.

Dem Andenken der gefallenen Tapferen
der Oesterreichischen Marine.

Dazu zwei Metallreliefs mit der Patina der Jahrhunderte. Sie zeigten – nur schwer erkennbar – einen Lorbeerkranz, eine Krone und vor allem: den österreichischen Doppeladler.

Wer dieses Denkmal genauer betrachtet, kommt sicherlich ins Grübeln. Österreichische Marine? Hier im hohen Norden? Und überhaupt? Nun, ich hatte mehr als nur eine vage Ahnung. Mir war klar, dass ich mich hier auf dem Boden der „Schönen Schwester Hamburgs“, der ehemals selbständigen Stadt Altona, befand. Manches wusste ich bereits von der Geschichte Altonas, aber ehe ich hier „dummes Zeug“ erzähle, wollte ich es doch genauer wissen. Woher? Ganz klar: aus dem Internet.
Also: Um 1535 entsteht Altona als Fischersiedlung in unmittelbarer Nähe der Stadt Hamburg und fällt 1640 mit der Grafschaft Pinneberg an das Herzogtum Holstein und damit an den jeweiligen dänischen König. Der ist nämlich in Personalunion König von Dänemark und – als Erbe der Herzogtümer Holstein und Schleswig – Lehnsnehmer des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Eine verzwickte Situation, die mehr als zwei Jahrhunderte anhalten soll. Bereits 1644 verleiht Frederik III. Altona die Stadtrechte. Und damit beginnt eine dauerhafte Konkurrenz zwischen Hamburg und Altona. Hamburg ist größer, aber in Richtung Nordsee ist Altona näher dran. Schon bald wird es zur zweitgrößten Stadt Dänemarks. Mit der dänischen Verwaltung kommt Altona recht gut klar. Genau so wie das kleine Fischerdorf Neumühlen. (Merke: Da leben heute „wir“, in der Straße namens Neumühlen und die Hausnummer ist 37). Damals waren es vornehmlich Fischer und Leimsieder, die in Neumühlen ihrem Broterwerb nachgingen. Die einen fingen Wale vor Grönland und die anderen kochten am Elbufer aus dem Tran Leim, der unter anderem auch für den Schiffbau benötigt wurde. Für ihr geistliches Wohl sorgte König Christian VI., der 1735 - 38 ganz in unserer Nähe die nach ihm benannte Christianskirche erbauen ließ. Ein barockes Kleinod, das eine Besichtigung auch heute noch lohnt.
Erst mehr als 100 Jahre später ist die Idylle zu Ende. Dänen und Deutsche geraten sich in die Harre wegen der Herzogtümer. Es kommt zum Krieg. Truppen des Deutschen Bundes, hauptsächlich Preußen und Österreicher, überschreiten Anfang Februar 1864 Eider und Schlei. Bei den Düppeler Schanzen fand am 18. April die Entscheidungs-Schlacht statt, die den Krieg praktisch beendete. Am 12. Mai schließlich trat in London ein Waffenstillstand in Kraft. Nur ganze drei Tage vorher jedoch kam es noch zu dem oben „zitierten“ Seegefecht bei Helgoland, das damals übrigens noch der Königin von England gehörte.  Es stehen sich gegenüber ein dänisches Geschwader sowie ein vereintes österreichisch-preußisches unter dem Befehl des österreichischen Kapitäns und späteren Admirals und Oberbefehlshabers der österreichischen Marine Wilhelm Freiherr vonTegetthoff. Die Österreicher verfügen über 3 Schiffe mit insgesamt 88 Kanonen, die Preußen über 3 kleinere Schiffe mit zusammen lediglich 10 Kanonen. Dagegen können die Dänen 4 Schiffe mit 102 Kanonen aufbieten. Es steht also ungefähr pari. Und so geht auch das Gefecht aus – unentschieden. Die Österreicher beklagen den Tod von 39 Seeleuten, die Preußen haben keine Verluste, bei den Dänen sterben 12 Männer.
Mir dem Ende des Krieges sind die Dänen raus aus Deutschland. Das Herzogtum Schleswig kommt unter preußische Verwaltung, die Österreicher übernehmen das Herzogtum Holstein samt der Stadt Altona. Als sich 2 Jahre später Preußen und Österreich unter anderem wegen der Herzogtümer in die Haare kriegen, kommt es zum Deutschen Bruderkrieg, den Preußen bekanntlich gewinnt. Mit dem Resultat, dass beide Herzogtümer zur preußischen “Provinz” werden.
In meinem nächsten Beitrag können Sie mehr lesen über das Schicksal der ehemals dänischen Stadt Altona, auf deren Boden heute das Augustinum Hamburg steht.

15 Jahre Augustinum Hamburg - Leben im Wohnstift

17.09.2008

Unter diesem Motto steht die Fotoausstellung eines Mitbewohners im Foyer vor unserem Augustinus Saal. Eine Vernissage der besonderen Art, denn sie stellt den Beginn der Feierlichkeiten zu unserem 15. Jubiläum dar. Es gibt wohl kaum jemanden, den unser Mitbewohner nicht schon einmal bei der einen oder anderen Gelegenheit abgelichtet hat.  Wäre er jung, würde man wohl von einem „begabten“ Fotografen sprechen. Da er aber einer der Ältesten hier im Hause ist  - soweit ich weiß, ist er ein gutes Stück über 90  -  muss man ihn wohl eher als „begnadet“ bezeichnen. Seine Großaufnahmen vom Hafen und von unserer Umgebung  hängen an einigen Wänden im Inneren unseres Hauses, aber dieses Mal sind es vor allem seine Porträts, die viel Aufmerksamkeit und Interesse finden. Zwar sind einige Damen hier und da nicht ganz einverstanden, das liegt aber weniger an der Qualität der Fotos, als daran, dass wir eben alle älter werden.
Dieses „Älter-geworden-sein“ feiert nun das ganze hamburgische Augustinum noch bis zum Ende dieses Monats. Mit den verschiedensten kulturellen Veranstaltungen. Da gibt es den Aufruf an die Bewohner, einen eigenen Beitrag zu schreiben über ihre Erlebnisse bei der Auswahl und beim Einzug ins Augustinum. Sicher wird auch der eine oder andere Bewohner der ersten Stunde dabei sein. Das war schon beim „Zehnjährigen“ so, an das ich mich noch gut erinnern kann. Mein Gott, es kommt mir tatsächlich so vor, als wäre es gestern gewesen. Ihren Höhepunkt finden unsere  Feierlichkeiten am 30. September mit einem festlichen Essen. Küche und Keller werden – da bin ich ganz sicher – mal wieder ihr Bestes geben. Und danach gehen wir gut gelaunt auf die „Zwanzig“ zu. Da bin ich ganz sicher.

Irgendwann werde ich auch mal auf den Hund kommen…

15.09.2008

In letzter Zeit begegne ich häufiger einem älteren Herrn, der seinen Hund spazieren führt. Offensichtlich wohnt er hier in der Gegend. Kürzlich steuerten wir beide - von verschiedenen Seiten kommend - dieselbe Parkbank an. Einer wie der andere gingen wir schleppend und mühsam. Als wir nur noch ein paar Meter zu überwinden hatten, blieben wir wie auf ein geheimes Kommando plötzlich gleichzeitig stehen. Als wir dann schließlich einige Minuten später einträchtig nebeneinander saßen und ins Gespräch kamen, gab es keinen Zweifel mehr, dass unsere qualvolle „Langsamkeit“ die gleiche Ursache hatte: AVK. Das ist die Kurzform für „Arterielle Verschluss-Krankheit“. Hervorgerufen durch Ablagerungen in einem Blutgefäß. Diese Ablagerungen erschweren die Blutzufuhr, und je nach dem Ort der Engstelle fangen die Waden, der Oberschenkel oder auch der Fuß nach einer bestimmten Wegstrecke an zu schmerzen. Der Schmerz kann so heftig sein, dass man nur noch stehen bleiben kann und eine Weile ausruhen muss. Deshalb nennt man die AVK auch „Schaufenster-Krankheit“, weil die Betroffenen mit Vorliebe vor jedem Schaufenster halt machen. Das Dumme bei der ganzen Geschichte ist: Je schneller man geht, desto kürzer ist die Strecke, die man schmerzfrei zurückzulegen vermag.
Mein neuer Bekannter erzählte mir, ein Experte, ein Professor für Angiographie, hätte ihm als beste Therapie geraten, „flott“ zu gehen. Wir waren uns einig, dass die „Götter in Weiß“, die oft so klug reden, nur ein einziges Mal das mitmachen müssten, was wir Patienten mitmachen. Ich dachte im Stillen bei mir: „Im Mittelalter hätte man dem Mann Pest und Cholera an den Hals gewünscht, aber eine richtig schöne AVK würde es wahrscheinlich auch tun.“ Sie meinen, das sei nicht sehr christlich?  Zugegeben. Aber menschlich.
Als wir von der Parkbank aufstanden, um wieder in die eine und in die andere Richtung zu gehen, nahm ich zum ersten Mal den Hund meines Bank-Nachbarn richtig wahr. Der hatte die ganze Zeit über keinen Mucks getan. Auf dem Rückweg ins Augustinum dachte ich: „Braver Hund. Eigentlich ideal ist für einen AVKler. Man ist praktisch gezwungen, oft und viel zu gehen – aber nicht „flott“ – bei jedem Wind und Wetter, und der Hund gibt einem sogar noch ein Alibi, wenn man ab und zu mal stehen bleibt.“  Als ich nun das nächste Mal anhalten musste, wendete ich mich um und sah auch die beiden dicht beieinander stehen. Der Hund hatte offensichtlich irgendetwas entdeckt, was zu beschnüffeln sich lohnte, und Herrchen guckte in aller Ruhe zu.
Jetzt frage ich mich nur, wie lange es wohl dauern mag, bis auch ich mir einen therapeutischen Hund zulege.