Archiv für 08.2008

Der Chef bittet zum “Captains Dinner”

27.08.2008

Der Chef, das ist unser Stiftsdirektor. Die Mitarbeiter nennen ihn so, wenn sie unter sich sind, und nicht wenige Bewohnerinnen und Bewohner haben das übernommen. Das nur zur Klarstellung, wer hier das Sagen hat. Insofern ist der Stiftsdirektor wirklich so etwas wie der Kapitän eines Schiffes. Und wer schon mal eine Kreuzfahrt mitgemacht hat, der weiß auch, dass es eine große Ehre ist, an den Kapitäns-Tisch eingeladen zu werden.
Uns Bewohnern widerfährt diese Ehre 1 x im Jahr und zwar immer in dem Monat, der auf den eigenen Geburtstag folgt. Vor kurzem nun war ich dran, zusammen mit 6 weiteren Geburtstagskindern. Ich konnte es nicht lassen und musste gleich darauf hinweisen, dass offenbar der Juli ein ausgesprochen geburtenschwacher Monat sei. Nähme man nämlich einen ungefähren Mittelwert, dann würde der bei 13 – 14 liegen. Selbstverständlich hatte ich auch gleich eine Erklärung zur Hand: Im November und Dezember haben die Menschen nun mal etwas anderes zu tun, etwa Plätzchen backen, Geschenke basteln, Weihnachtspost schreiben usw., usw.
Alles in allem haben wir uns fast drei Stunden lang sehr nett unterhalten, sehr gut gegessen und getrunken und uns vom Chef erzählen lassen, dass wohl die meisten anderen augustinischen Häuser es noch nicht zu einem Captains Dinner gebracht haben. Vielleicht fehlen denen ja einfach nur die Schiffe vor der Haustür? Wer weiß?

Die Deutschen bekommen wieder mehr Kinder. Die “Deutschen”?

24.08.2008

Insgesamt wurden 2007 in Deutschland 685.000 Kinder geboren, das sind 12.000 mehr als im Jahr davor. Festgestellt wurde das vom Statistischen Bundesamt, und die Medien haben es begeistert aufgegriffen. Ist ja auch schön. Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau betrug damit 1,37 gegenüber 1,33 im Jahre 2006. Dass diese Kinder wirklich in Deutschland geboren wurden, daran besteht sicherlich kein Zweifel. Aber sind es denn auch wirklich die Kinder deutscher Eltern?
Im Grunde überrascht mich das alles gar nicht. Ich beobachte schon seit längerem, dass die Anzahl der Kinderwagen und Kinderkarren in meinem Bus 112 stetig zunimmt. Im letzten Jahr waren es so manches  Mal zwei Wagen statt nur einem. In diesem Jahr kam es vor, dass ein dritter Kinderwagen vom Busfahrer zurückgewiesen wurde. Einmal aber standen wirklich drei Wagen oder Karren im mittleren Einstiegsbereich. Mir ist das vor allem deshalb so gut in Erinnerung, weil ich an die Heiligen drei Könige denken musste. Stellen Sie sich vor: Da war eine junge Mutter mit langen blonden Haaren, dann eine, die ein seidenes Kopftuch trug und schließlich eine dritte mit einer original afrikanischen Frisur, einem wahren Kunstwerk. Das dazugehörige Baby war mindestens ebenso hübsch wie die Mutter – mit milchkaffeebrauner Haut und großen dunklen Augen.
Wie in den Zeitungen zu lesen ist, sind die Politiker ob des neuen „Kindersegens“ begeistert. Solche Errungenschaften wie das neue Elterngeld, der Ausbau der Kinderbetreuung, und auch das Versprechen eines erhöhten Kindergeldes sollen dafür verantwortlich sein. Besonders stark angestiegen sind die Geburten bei Frauen zwischen 33 und 37. Diese Altersgruppe würde am stärksten vom neuen Elterngeld profitieren, heißt es. Es sind dies die hoch gebildeten Frauen in anspruchsvollen Berufen, die bisher ihrer beruflichen Karriere den Vorrang eingeräumt hatten.  Ohne Zweifel sind diese Mütter bestens geeignet, ihre Kinder auch in der Schule zu fördern. Die „Dreikönigs-Mütter“, denen ich begegnet bin, sind es möglicherweise nur in eingeschränktem Maße. Manch einer wird jetzt sagen: Hauptsache, es werden überhaupt mehr Kinder geboren und dabei die „Multikulti-Fahne“ hoch halten. Warten wir es also ab.

Besser Hören hat seinen Preis

19.08.2008

In meinem letzten Beitrag „Die Dame, der Hund und ich“ habe ich geschrieben, dass ich mich mal zu einem Hörakustiker begeben wolle. Unter uns gesagt: So ganz ernst habe ich das nicht gemeint. Und prompt lese ich jetzt einen Zeitungsartikel, in dem steht, dass jeder fünfte Deutsche schlecht hört. Vielleicht bin ich ja der Fünfte? In dem Artikel stand nämlich, es sei ein untrügliches Zeichen für ein bereits nachlassendes Sprachverstehen, wenn man bei mehreren Gesprächspartnern und möglichen Nebengeräuschen - z.B. in einem Lokal - nicht mehr alles mitbekäme. Wie es mir ganz offensichtlich bei meiner halben Käseplatte passierte. Wenn in einem solchen Falle nur noch 60% der Informationen im Gehirn ankämen, müsste sich der Betroffene notgedrungen die restlichen 40% selbst zusammen reimen. Und das könne zwar in jungen Jahren noch einigermaßen funktionieren, aber mit dem Alter ließe diese Fähigkeit immer mehr nach. Diesem Defizit ließe sich  mit moderner Hörtechnik rechtzeitig begegnen, aber die meisten Deutschen hätten geradezu einen Horror davor, ein Hörgerät zu tragen.
Danach ließ sich der Autor des Artikels lang und breit über die verschiedenen Techniken aus und schilderte, wie nahezu „unsichtbar“ einige dieser modernen Hörhilfen seien. Das will ich hier nicht wiederholen, aber einfach  mal einen kleinen Stein ins Wasser werfen. Vielleicht bringen Sie es demnächst ja doch übers Herz, einen HNO-Arzt aufzusuchen. Der kann dann über die Notwendigkeit einer Hörhilfe entscheiden und mit Ihnen über die verschiedenen Möglichkeiten sprechen. Die einzelnen Geräte kann Ihnen dann der Hörakustiker zeigen. Auch wird er Ihnen etwas über die Preise sagen, die sich, nach allem was ich gehört habe, in einer ziemlichen Bandbreite bewegen. Allerdings weiß ich auch von Betroffenen, dass ihnen für wirklich gutes, einwandfreies Hören nichts zu teuer wäre. Basisgeräte sind Kassenleistung, aber für ein Spitzengerät müssen Sie mit bis zu 2.500 € oder sogar mehr rechnen.
Wichtig ist wirklich, dass Sie rechtzeitig etwas unternehmen. Denn je länger Sie die Sache hinausschieben, desto mehr Probleme haben Sie später bei der Eingewöhnung. Apropos Eingewöhnung: Schon beim Anpassen Ihrer ersten Hörhilfe müssen Sie viel Geduld mitbringen. Es dauert angeblich mindestens 8 Wochen, bis ein zufrieden stellendes Ergebnis vorliegt. Und auch danach ist ständige fachliche Begleitung durch einen Hörakustiker zu empfehlen. Für die schlussendliche Zufriedenheit muss man eben was tun.

Die Dame, der Hund und ich

18.08.2008

Wenn ich mich mal außer der Reihe „belohnen“ will, fahre ich in die Stadt und gehe ins Alsterhaus. Das ist eine etwas kleinere Ausgabe des KDW in Berlin. Im 4. Stock befindet sich „Fromage & Bistro“. Die Chefin hat das  Diplom einer französischen Käse-Bruderschaft, der „Commanderie des Fromages“ aus St Maure de Touraine, und bietet ihren anspruchsvollen Kunden eine Auswahl von rund 100 Käsesorten an – im Sommer etwas weniger, im Winter etwas mehr – in erster Linie natürlich zum Verkauf außer  Haus. Wer jedoch die Köstlichkeiten direkt an Ort und Stelle genießen will, findet auf Barhockern an einer Theke sowie an Einzeltischen ca. 25 Sitzplätze. Ich delektiere mich in der Regel an einer halben Käseplatte, das sind 5 Sorten, die ich nach Gusto aussuchen kann. (Eine ganze Platte mit 10 Sorten gibt’s natürlich auch, aber die schaff’ ich beim besten Willen nicht.) Dazu gibt’s einen hervorragenden Chardonnay von einem Südtiroler Winzer namens Schreckbichl. Wie alle „Insider“ bestelle auch ich kurz und knapp einen „Schrecklichen“. Den krönenden Abschluss bildet dann jedes Mal - wie könnte es anders sein - ein Cappuccino.
Am vergangenen Freitag sitze ich wieder einmal an der bewussten Theke, genieße meinen Käse, ein kleines Häppchen von diesem, ein kleines Häppchen von jenem,  dazwischen einen Bissen Brot und einen Schluck Wein – was gibt es Schöneres? Da setzt sich plötzlich eine Dame neben mich. Es ist für mich selbstverständlich, dass man sich gegenseitig einen Guten Tag wünscht, aber mehr muss nicht sein. Besonders dann nicht, wenn ich gerade meinen Käse genieße. Das sieht die Dame offensichtlich anders. Sie redet ununterbrochen. Es dauert eine Weile bis ich merke, dass sie möglicherweise gar nicht mit mir redet, sondern mit ihrem Hund, einem Westentaschen Zerberus, der ganz unten, von mir aus gesehen im Tiefgeschoss, nein, nicht um unsere Beine, sondern um die Beine unserer Barhocker herumwieselt. Aber  vielleicht redet sie auch mit uns beiden, mit ihm und mit mir.  Vielleicht höre ich aber auch nur schlecht, oder die Dame spricht undeutlich. Ich weiß  es nicht.
Egal. Auf jeden Fall lasse ich sie ungestört weiter reden, genieße auch weiter meinen Käse und wünsche ihr noch einen schönen Abend, als sie irgendwann aufsteht und geht.
Vielleicht sollte ich doch einmal zum Hörgeräte-Akustiker gehen? Es könnte ja sein, dass ich nächstes Mal an eine jüngere und hübschere Dame gerate.

Ganz offensichtlich “schief gelegen”

13.08.2008

Wer hat gestern noch getönt: „Wir werden in Peking nie was gewinnen?“ Ich.
Wer hat sich damit bis auf die Knochen blamiert? Ich.
Wer muss sich jetzt bei Angela und Horst und allen braven Deutschen – Sportlern und Nichtsportlern – ganz doll entschuldigen? Ich.
Wer tut das hiermit und schwört: „Ich werde nie wieder vorlaut sein?“ Ich.
4 Goldmedaillen an einem Tag. Wer hätte das gedacht. Ich nicht.