Archiv für 07.2008

Ein Blog ist ein Blog ist ein Blog ist ein Blog ist ein …

30.07.2008

Der erste Beitrag in meinem Blog erschien am 30. 07. 2007. Das war also heute vor einem Jahr. Darauf könnte ich jetzt ein Glas Champagner trinken, leider mache ich mir nichts aus Champagner. Da liege ich möglicherweise mit der Australierin Olive Riley, der ältesten Bloggerin der Welt, auf einer Linie. Als sie geboren wurde, regierte noch Queen Victoria. Jetzt verstarb sie im hohen Alter von 108 Jahren. Bis zuletzt stellte sie jeden Tag eine kurze Botschaft in ihren Blog und trank ihre Ration – einen „Pint“ (das ist nach meiner Rechnung ca. ½ Liter) – „gespritztes“ Bier.
In der Neuen Zürcher Zeitung habe ich gelesen, Blogs seien thematische Gemischtwarenläden oder digitale Spezialmagazine. Peter Hogenkamp, Gründer der von ihm geleiteten Firma Blogwerk, betreibt nicht weniger als 7 Blogs, unter anderem zu Themen wie „Digitalfotografie“, „Medien“, „Gadgets“ (technische Spielereien), „Arbeitsproduktivität“ und „Frauenbelange“. Er beschäftigt etliche Autoren. Kein Wunder bei so unterschiedlichen Themen. Die FAZ beschreibt lang und breit einen anderen bekannten Blogger, nämlich Robert Basic. Robert Basic will sich nicht nur mitteilen, sondern mit anderen Menschen diskutieren über Gott und die Welt. Er ist ein lieber Mensch, böse wird er nur, wenn er auf die Beleidigungsunkultur zu sprechen kommt, die, wie er meint, in die Blogdiskussionen eingezogen sei. Meist initiiert durch junge Leute, die sich nicht anders artikulieren können, als mit einem standardisierten „Hehe“, „Tja“ und „Ugugu“. Sie tun dies ganz ungehemmt - im Bewusstsein der in den meisten Blogs vorherrschenden Anonymität. Jeder kann jeden Blödsinn schreiben. Eine etwaige Rechenschaftspflicht ist also Fehlanzeige.
Glücklicherweise ist Uwe Neumann in Bloggerkreisen nicht im Entferntesten so bekannt wie die beiden genannten Herren. Darüber hinaus ist sein Publikum zweifellos sehr viel kultivierter, als das vieler anderer Blogs. Auch die Anzahl der Kommentare hält sich in Grenzen, was ich jedoch ein wenig bedaure. Abgesehen davon sind sie jederzeit sachlich, anregend und konstruktiv. Vermutlich liegt das in der Tat an der ausgesuchten Zielgruppe, die sich allein schon altersmäßig von den meisten Besuchern der meisten anderen Blogs unterscheidet. Trotzdem möchte ich hiermit vermelden, dass “Neumanns Welt” allein für den Monat Juni, also praktisch am Ende des ersten Jahres, 4.055 Besuche zu verzeichnen hatte. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz und sage „Dankeschön“.

Rucksack, Hackenporsche & Co.

27.07.2008

Auch die Bewohner unseres Augustinums wollen nicht immer nur in unserem “Lädchen” einkaufen. Wer noch einigermaßen zu Fuß ist, fährt ein paar Stationen mit dem Bus und hat dann die ganze Auswahl einer Großstadt. “Mercado”, auf Deutsch “Markt”, nennt sich das nächst gelegene Einkaufszentrum, wo es nichts gibt, was es nicht gibt. Früher bediente man sich zum Einkaufen einer ganz normalen Einkaufstasche oder eines Korbes, ganz früher schickte mich meine Mutter mit einem Einkaufsnetz los. Seit man in jedem Geschäft eine Plastiktüte bekommt, gibt es Leute, die haben in jeder Hand drei und wissen im Bus nicht mehr, wie sie sich festhalten sollen. Nach meinem Exkurs über das Bus fahren in einem früheren Beitrag, kann ich davon nur dringend abraten.
Deshalb komme ich hier mit den Alternativen. Da gibt es einmal den „Hackenporsche“, das sind diese kofferartigen Taschen, die man auf zwei Rädern hinter sich her ziehen kann. Sehr praktisch, so lange es beim Ziehen bleibt. Schwieriger ist es schon, so einen prall gefüllten Einkaufskoffer in einen Bus hinein zu heben. Aber da kann man natürlich jemanden freundlich um Hilfe bitten. Ist man dann drin im Bus, muss man einen Platz finden, wo man das Vehikel so abstellen kann, dass es in der nächsten Kurve nicht umkippt. Stellt man es neben seinen Sitz, kann man es zwar festhalten, aber dann kommen möglicherweise die anderen Fahrgäste nur schlecht vorbei. Erfahrene Einkäufer werden mir recht geben: In so einen Hackenporsche passt zwar viel rein, aber das hat auch seine Nachteile.
In Bezug auf die Aufnahmefähigkeit kann ein Rucksack dem Hackenporsche zwar nicht das Wasser reichen, aber dafür hat man im Prinzip beide Hände frei. Im Vergleich zu einer Tasche oder einem Korb oder mehreren Plastiktüten hat er den Vorteil, dass das Gewicht sehr schön auf beide Schultern verteilt wird. Das ist ein nicht zu unterschätzender Gesundheits-Aspekt. Böse Blicke erntet man allerdings, wenn man sich mit einem vollen Rucksack durch einen Supermarkt bewegt und – weil man ja hinten keine Augen hat – den einen oder anderen Miteinkäufer anstupst oder auch mal irgendwelche Waren ungewollt aus dem Regal befördert. Im Bus hat ein Rucksack den Nachteil, dass er beim Sitzen stört. Je voller er ist, desto unglücklicher sitzt man. Der eine oder andere kennt vielleicht den Ausdruck “wie ein Affe auf dem Schleifstein”. Wobei ich leider nicht sagen kann, wo dieser Ausdruck ursprünglich herkommt.
Der langen Rede kurzer Sinn: Am besten ist es zweifellos, man lässt sich seine Einkäufe schicken. Viele Supermärkte machen das ja heutzutage. Leider gibt’s das normalerweise nicht umsonst.

Was nun? Zurück in die Stadt?

24.07.2008

Ging es Ihnen auch mal so: Sie haben geheiratet, es kam das erste Kind, das zweite Kind, die Wohnung wurde zu klein. Ein Haus musste her. In der Stadt? Unbezahlbar. Also zogen Sie um ins Grüne, aufs Land. Das war auch gut für die Kinder. Der Mann arbeitete in der Stadt, kam vielleicht sogar, wenn er eine bestimmte Position erreicht hatte, in der Weltgeschichte herum. Die Frau wurde zu dem, was man eine „grüne Witwe“ nannte. Trotzdem gewöhnte man sich ein, aber ein echter Dorfbewohner oder Kleinstädter wurde man deshalb noch lange nicht. War es so? Oder anders?
Jetzt sind die Kinder längst erwachsen, der Mann ist pensioniert und den lieben langen Tag zuhause. Die ersten Zipperlein machen sich bemerkbar, vielleicht sogar ein bisschen mehr als das. Man besucht den Facharzt in der Stadt. Nicht nur einmal. Ach ja, die Stadt. Was war das doch früher schön. Da pulsierte das Leben, da gab es Kultur, Veranstaltungen aller Art, da hatte man viele Bekannte. Manche von ihnen leben heute noch dort. Aber jetzt noch einmal alles neu beginnen? In unserem Alter? Andererseits – alt und vielleicht krank auf dem Lande? Ist das wirklich erstrebenswert?
Glauben Sie mir: Diese und ähnliche Gedanken haben sich viele gemacht, die heute zufrieden in einem Augustinum leben. In Berlin, Hamburg, München, Essen, Dortmund, Stuttgart, Bonn, Braunschweig, Kassel, Freiburg oder Heidelberg. Was nichts gegen die augustinischen Häuser in Klein- und Mittelstädten sagen soll, die oft in landschaftlich sehr schönen Gegenden liegen und auch ihre Liebhaber finden. Jeder findet etwas. Unsere Bewohner in Hamburg kommen auch von überall her. Und haben es nicht bereut.

Was haben die Nashörner in Südafrika speziell uns Deutschen voraus?

20.07.2008

Ich will es Ihnen sagen: Die Nashörner in Südafrika vermehren sich mit einer Wachstumsrate von jährlich 5%. Dabei waren sie noch vor wenigen Jahren vom Aussterben bedroht. Wir Deutschen bringen es lediglich auf -0,33%. Das heißt: Mit unserem Aussterben wird es zwar noch ein wenig dauern, aber wir sind auf dem besten Wege. Wenn ich an unserem Nashorn vorbei komme – Sie wissen sicher: Vor jedem Augustinum steht ein in Erz gegossenes Nashorn – habe ich das Gefühl, dass es mich seit einiger Zeit ein wenig hochnäsig und gleichzeitig mitleidig anguckt.
Die Väter des Augustinums haben das Nashorn seinerzeit bei der Gründung „auf den Schild gehoben“ wegen seiner spezifischen Eigenschaften. Es ist ein wendiger und flinker Koloss, friedliebend, von höchster Sensibilität, ein Einzelgänger mit dennoch ausgeprägtem Familienleben. Man denke nur an die 5%! Die kommen natürlich nicht von ungefähr. Es gibt dafür verschiedene Gründe: Einer ist, dass der Handel mit Hornmehl und anderen Rhino-Produkten, die in der chinesischen Medizin sehr gefragt sind, international geächtet wurde. Entscheidender aber war offensichtlich die Verteilung einzelner Tiergruppen auf Ländereien von Dorfgemeinschaften, die sich anschließend für den Schutz der Tiere einsetzten. Jeder Dorfbewohner wurde dadurch zum Wildhüter, zum Heger und Pfleger. Das ist nicht nur für die Tiere ein wahrer Segen, sondern brachte durch “sanften” Tourismus bares Geld.
Auch wir tun heute einiges für unseren Fortbestand. Spät, aber immerhin. Wir helfen den Familien, tun etwas für Kinder, Mütter und sogar Väter. Ob es wirklich „fruchtet“ muss sich noch zeigen. Hoffen wir das beste.

Auch ein Stiftsbeirat hat einmal “Halbzeit” - nach 1 Jahr

11.07.2008

Alle zwei Jahre findet eine Beiratswahl statt. Das schreibt der Gesetzgeber so vor. Der Heimbeirat ist „Mittler“ zwischen den Bewohnern und der Stiftsdirektion. Bewohner, Beirat und Stiftsdirektion sollen vertrauensvoll zusammenarbeiten. Oberstes Ziel ist die Zufriedenheit der Bewohner. Nach 1 Jahr Tätigkeit – also bei Halbzeit – hat der Beirat vor den Bewohnern einen Rechenschaftsbericht abzulegen, ein zweiter Bericht folgt dann nach Ablauf der zweijährigen Amtszeit.
Bei uns war gerade Halbzeit. Folgerichtig stand unser Beirat Rede und Antwort auf einer von ihm eigens dafür einberufenen Bewohnerversammlung, die wie immer ohne Stiftsdirektion stattfand. So konnten die Bewohner frei von der Leber weg ihre Meinung sagen. Was der Beirat bereits in seinem vorab verteilten schriftlichen Rechenschaftsbericht ausgeführt hatte, bestätigte sich: Im Berichtsjahr gab es weder gravierende Zwistigkeiten, noch lag eine angespannte Stimmung vor. Und wenn es etwas gab, wurde das friedlich gelöst. Das heißt: Es war wie eigentlich immer in den letzten 8 Jahren, die ich bisher im Augustinum verbringen durfte – davon 4 Jahre selbst als Mitglied im Beirat.
Eine Ausnahme gab es allerdings: Das Augustinum hatte sich jahrelang um ein angrenzendes, im Besitz der Stadt befindliches Grundstück bemüht, mit der Absicht, dort einen Park für die Bewohner anzulegen. Besonders für diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, sollte dort Gelegenheit sein, sich ungestört und unbehelligt zu bewegen. Das Gelände war nicht zur Bebauung freigegeben, aber wir hatten so eine Ahnung: Die Stadt hätte es sehr gern als öffentlichen Parkplatz genutzt. Nach ziemlich langen und nervenaufreibenden Verhandlungen schlug man uns schließlich einen „Deal“ vor: Wir sollten ein Stück Kaimauer vor unserer Südseite, auf dem unter anderem unsere Strandkörbe standen, der Stadt übereignen, damit sie dort die „Flaniermeile“ direkt an der Elbe weiterführen konnte. Dafür wollte man uns – natürlich gegen einen finanziellen Ausgleich - das besagte Grundstück überlassen.
Die Nachteile für uns lagen auf der Hand: Die Strandkörbe mussten weg von ihrem „angestammten“ Platz, und in Zukunft würden vor allem an den Wochenenden und in der Ferienzeit Fußgängerscharen an unseren Südwohnungen vorbei defilieren.
Die Stadt saß am längeren Hebel – allein schon aufgrund strittiger Besitzverhältnisse. Monatelang beschäftigte dieses Problem alle „Instanzen“. Stiftsdirektion und Beirat waren dafür, dem Vorschlag der Stadt zu folgen. Ein Teil der Bewohnerschaft war dagegen. Gerade uns Älteren fällt es zuweilen schwer, auf liebgewordene Gewohnheiten zu verzichten. Vernunft stand gegen Gefühl. Man warf dem Beirat „Verrat“ vor. Damit überschätzten manche Bewohner allerdings auch die Möglichkeiten eines Stiftsbeirats. Denn: Der Beirat hat zwar das Recht bei Entscheidungs-„Findungen“ mitzuwirken, er hat aber kein Vetorecht, wenn die Stiftsdirektion sich anders entscheidet.
Heute sind die Spannungen von damals längst vergessen. Unsere Bewohner haben ihre Strandkörbe und Bänke im „eigenen“ Park, können dort ungestört ihre „Runden“ gehen, und auf die Elbe blicken können sie auch. Die Flaniermeile stört kaum bis gar nicht, vor allem aber war die Furcht, die Leute könnten direkt in unsere „Wohnzimmerfenster“ gucken, absolut unbegründet.
Ein ganz anderes Problem, das Bewohner, Beirat und Stiftsdirektion seit Jahren beschäftigt, wurde allerdings auch auf dieser Bewohnerversammlung wieder zur Sprache gebracht: die „Stinker“. Wer oder was die Stinker sind, erfahren Sie, wenn Sie einen Beitrag weiter gucken.