Archiv für 05.2008

Keine Angst vor großen Tieren

29.05.2008

Wenn Bewohner von einem schwerwiegenden Beschwerdegrund erzählen, und auf meine Frage, ob sie schon mit dem Stiftsdirektor darüber gesprochen hätten, nur sagen: „Ach, nein….“ – dann bringt mich das auf die Palme. Ich weiß nicht: Ist es Angst vor der „Obrigkeit“, die möglicherweise in unserer Generation nach Hitler und Honecker immer noch vorhanden ist oder die Sorge vor irgendwelchen persönlichen Nachteilen oder Schikanen? Ich bin der Meinung, dafür sind wir doch in einem Augustinum, damit uns niemand im Alter schikaniert.
Wer sich immer noch nicht so recht traut, den Stiftsdirektor zu „belästigen“, der kann sich natürlich auch dem Stiftsbeirat anvertrauen. Bei uns hat man für solche Fälle die Sprechstunden des Beirats eingeführt, die alle 6 – 8 Wochen stattfinden. Da kann alles zur Sprache gebracht werden, was die Bewohner bewegt: Ideen, Anregungen, auch mal Beschwerden, obwohl dafür wirklich in erster Linie die Stiftsdirektion zuständig ist. Nach allem, was ich weiß, ist unser Stiftsdirektor sehr darauf bedacht, die vorgebrachten Beschwerden oder auch sonst irgendwelche Anregungen zu erfahren. Natürlich lässt es sich nicht immer vermeiden, dass dabei auch der Name des „Beschwerdeführers“ genannt wird. Genannt werden muss, wenn wirklich Abhilfe geschaffen werden soll. Aber noch einmal: Ich denke, bei uns muss niemand Angst haben. Und in anderen augustinischen Häusern bestimmt auch nicht.
Zum Beispiel war da die Beschwerde, dass der Schnittlauch zu lang sei. Das verstehen Sie nicht? Ist doch ganz einfach: Ab und zu werden – zugegeben ziemlich lange Schnittlauch Halme oder Stängel (ich hoffe das ist so richtig ausgedrückt) – als Dekoration quer über das eine oder andere Mittagsgericht gelegt. Ich finde, wem das nicht gefällt, der hat verschiedene Möglichkeiten. Am besten geht, glaube ich, „Kaninchenspielen“: Man nehme mit einer Pfote so einen Stängel und beiße Stück für Stück davon ab. Oder man nehme eine Schere mit zu Tisch. Da kann man ganz elegant Stück für Stück abschneiden und mit Messer und Gabel unter das Gericht mischen. Am naheliegendesten aber auch schwierigsten dürfte es sein, die Stängel mit dem Messer zu zerschneiden. Tja, wer keine Sorgen hat, der macht sich welche. Oder wie sehen Sie das?

Schnelles Reagieren verhilft zum Überleben

27.05.2008

 Am 24. Februar berichtete ich von dem Vortrag eines Neurologen des Universitäts-Krankenhauses Eppendorf zum Thema „Schlaganfall“, dessen Fazit lautete „Schnelligkeit ist alles“. Daran wurde ich in letzter Zeit mehrfach erinnert. Meine ältere Tochter, die in unserem „nächsten“ Krankenhaus, der Asklepios Klinik Altona, als Physiotherapeutin tätig ist, erzählte mir kürzlich von der dortigen „Stroke Unit“. Bei den Stroke Units handelt es sich um spezielle neurologische Stationen, in denen Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, optimal behandelt werden können. Man ist dort technisch hervorragend ausgestattet, und in den meisten Fällen steht ein multiprofessionelles Team aus erfahrenen Ärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten ständig für die Versorgung der Patienten bereit. Eine unserer ältesten Mitbewohnerinnen hat einen Schlaganfall erst kürzlich selbst erlebt und – in der Asklepios Klinik Altona überlebt. Offenbar ohne bleibende Schäden. 
Stroke Units – das hat eine Studie der Universität Rom gezeigt – verbessern die Chancen von Schlaganfall-Patienten zu überleben und keine Behinderungen davon zu tragen um 25%. Einige Patienten erholen sich so gut, dass sie von der Stroke Unit nach Hause gehen können. Für alle, die es interessiert: Es gibt zur Zeit in Deutschland 179 „Stroke Units“, wie ich im Internet herausfand. Sie finden sehr interessante Hinweise zum Thema Schlaganfall sowie die Standorte der Stroke Units auf einer Deutschland-Karte unter
www.neurologen-im-netz.de.

 

 

Man gewöhnt sich an alles

26.05.2008

 

Man gewöhnt sich an das Schöne. Schon nach kurzer Zeit ist es „selbstverständlich“. Und damit kaum noch etwas Besonderes. Man gewöhnt sich aber auch an das, was weniger schön ist – wenn auch nur notgedrungen. Seit nunmehr ungefähr 1 Jahr steht in unserem Augustinus Park eine Skulptur aus Stahl. Es ist die Leihgabe einer Bewohnerin, die damals gerade neu zuzog. Der Schöpfer, Walter Arno Beckmann, genannt Walter Arno, wurde 1930 in Stettin geboren. Er ist also auch nicht mehr der Jüngste. Sein bevorzugtes Material ist Chrom-Nickel-Stahl. Er sagt: „Aufgrund der Festigkeit, Härte und Zähigkeit lassen sich damit Formen herstellen, die mit anderen Materialien nicht so realisierbar sind.“ 
Und – Sie haben es sicher schon erraten – um die Form geht es hier. Die Form der ungefähr mannshohen Skulptur ist filigran und - abstrakt. Das heißt, die Bewohner konnten die Skulptur nicht so recht „unterbringen“. Die Reaktionen gingen von „was ist das?“ bis zu „was soll das?“. Zugegeben: In der abstrakten Form etwas Bestimmtes zu sehen, ist schlechterdings unmöglich oder nur mit sehr viel Phantasie. Mich stört das überhaupt nicht, denn bei aller Unmöglichkeit der Bestimmung finde ich persönlich das Kunstwerk „ausgewogen“ und auch interessant. Ich sehe es mir gern an. Und ich denke, mehr soll auch nicht sein. Heute ist es nicht mehr der „Hingucker“, aber auch nicht mehr der „Aufreger“. Trotzdem aber ein Blickpunkt, an den wir uns gewöhnt haben. Unter uns gesagt: Es gibt weitaus Schlimmeres, was heute als „Kunst am Bau“ unsere Welt verschönern soll.

Wer hat Angst vor dem bösen Wolf, bösen Wolf, bösen Wolf?

23.05.2008

 

Die neue Abgeltungssteuer ist wie der „böse Wolf“. Wollen uns vor allem die Banken einreden. Aber auch Finanzvertriebe und Versicherungen stoßen ins gleiche Horn. Zu was ein Wolf fähig ist, wissen gerade wir Alten. Wer hat denn früher den Kindern aus „Rotkäppchen und der Wolf“ vorgelesen? Die Abgeltungssteuer, so wird uns jetzt erzählt, ziele vor allem auf die Alten und Schwachen und deren Kapitalerträge. Dabei vergisst man häufig hinzuzufügen, dass die Abgeltungssteuer keine zusätzliche Steuer ist, sondern lediglich die bisherige Kapitalertragssteuer ersetzt und – niedriger ist. Sicher ist nur eines, dass man als Bankberater die Alten und Schwachen am leichtesten beeinflussen kann. Schließlich sind wir es, die eine Weltwirtschafts-Krise und eine Währungsreform mitmachen durften. 
Ohne Frage wissen Bankberater, was gut für die Bank ist. Und sie stehen heute unter enormem Druck. Pleiten, Pech und Pannen während der Hypothekenkrise der letzten Monate haben in der Bankenbranche zu Milliarden-Verlusten geführt. Wir konnten es Tag für Tag in den Zeitungen lesen. Einnahme-Verbesserungen sind also dringend vonnöten. Da kommt das „Damokles-Schwert“ Abgeltungssteuer also gerade recht. Eine Depotumschichtung beispielsweise bringt für die Bank kräftige Provisionseinnahmen bei Verkauf und Kauf. Gelingt es dem Berater, sein Opfer für eine Anlage in „abgeltungsoptimierten“ Dachfonds oder Indexfonds zu begeistern, winken Ausgabeaufschläge von bis zu 10%. So gut wie jede Bank kommt heute mit Finanz-Innovationen heraus, die das Blaue vom Himmel versprechen. Ein zusätzliches Argument, das gern gebracht wird, ist die „Sicherheit“. Schön, dass man in vielen Fällen sein Geld „garantiert“ zurückbekommt. Dafür kassiert die Bank im Zweifel die Dividendenzahlungen. Merke: Keine Bank hat etwas zu verschenken. Wir aber auch nicht! 
Ich persönlich liebe die Abgeltungssteuer und freue mich schon jetzt darauf. Meine Kapitalerträge bestehen zur Hauptsache aus Zinseinnahmen. Damit kann ich sogar von der Abgeltungssteuer profitieren. Bisher griff bei Zinseinnahmen der persönliche Steuersatz, der bei gutsituierten Augustinum-Bewohnern durchaus bei 30 – 40 liegen kann. Und da hatte man dann zum Teil erhebliche Steuer-Nachzahlungen zu gewärtigen. In Zukunft führen die Banken direkt 25% Abgeltungssteuer an den Fiskus ab. Aber damit hat es sich dann auch. Sie müssen also kein Geld mehr rausrücken, dass Sie schon ausgegeben haben. Und wenn Ihr Steuersatz niedriger ist? Dann können Sie das zuviel einbehaltene Geld mit Ihrer Steuererklärung zurück holen.

Aktienbesitzer stehen sich möglicherweise etwas schlechter als bisher. Das liegt aber nicht an der Abgeltungssteuer, sondern an der Abschaffung des günstigen Halbeinkünfte-Verfahrens. Wirklich kompliziert wird es mit Fonds, denn die sind so unterschiedlich und „undurchschaubar“ wie nur irgendetwas. Deshalb lasse ich trotz aller Versprechungen die Finger davon. Übrigens sind auch Spekulationsgewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren abgeltungssteuerpflichtig. Wer also dauernd kauft und verkauft, der muss den Staat an diesem Spaß beteiligen. Aber wir sind doch keine Spekulanten. Oder?
Ein Banker meinte kürzlich zu mir, als ich ihn nach einem grundsätzlichen Rat wegen der Abgeltungssteuer fragte, man solle sich am besten mit seinem Bankberater und seinem Steuerberater zusammen setzen. Ob man sich in Zukunft besser oder schlechter stehen werde, hänge nämlich weniger von den Kapitalerträgen als vielmehr vom steuerpflichtigen Gesamt-Einkommen ab. Und darüber wisse in der Regel nur der Steuerberater Bescheid. Vielleicht ist das ein Tipp auch für Sie?

Nach dem Geburtstag ist vor dem Geburtstag

21.05.2008

Unser Hafengeburtstag ist nun schon eine Weile vorbei, und ich bin Ihnen noch einen „Abschlussbericht“ schuldig. Eigentlich war es für mich wie immer, auch bei diesem 7. Mal. So oft habe ich schon vor allem die Einlauf- und Auslauf-Parade gesehen. Aber selten meinte es das Wetter so gut wie diesmal. Pech war allerdings, dass bei der Einlauf-Parade die großen Windjammer – eindrucksvolle Drei- und Viermaster – nicht unter „vollem Tuch“ in den Hafen segeln konnten. Der Wind kam nämlich von vorn, und dann geht das nicht, habe ich mir sagen lassen. Da müsste man schon „kreuzen“, und das auf der Elbe, bei diesem Verkehr. Unmöglich. So aber sahen die stolzen Schiffe, mit einem Schlepper vorn und einem hinten sowie total nackten Masten, für mich wie „gerupfte Hühner“ aus. (Dafür kriege ich Schläge, das ahne ich schon.) Bei der Auslauf-Parade machten sie dagegen alles wieder gut. Es war wirklich ein beeindruckendes Bild, wie die stolzen Schiffe mit vollen Segeln in Richtung Nordsee entschwanden.
Wir haben ja zum Zugucken den besten Platz, den man sich denken kann. Der Einlauf-Parade schaute ich von oben zu, von unserer umlaufenden Terrasse im 13. Stock. Da hat man natürlich eine phantastische Sicht in alle Himmelsrichtungen. Mein Standplatz bei der Auslauf-Parade war dagegen auf der Terrasse im Erdgeschoss, da ist man sozusagen auf Augenhöhe mit den Schiffen. Also: beides ist reizvoll und kaum zu „toppen“. 
Insgesamt sollen rund 1,5 Millionen Zuschauer gezählt worden sein. Die meisten fanden sich natürlich an den St. Pauli Landungsbrücken ein. Die dortige U-Bahn-Station musste zeitweise geschlossen werden, so groß war der Andrang. An den Landungsbrücken lag ein Großteil der Schiffe über die gesamten 4 Tage und konnte vom Publikum besichtigt werden. Auch „drinnen“. Jedenfalls viele von ihnen. Außerdem häuften sich an den Landungsbrücken die Highlights, als da waren: Punktgenaues Fallschirmspringen, Heißluftballone mit Fahrgästen, eine Staffel antiker Doppeldecker ohne Fahrgäste, ein fulminantes Feuerwerk und so manches andere. Der maritime Höhepunkt ist nach Ansicht der meisten „Sehleute“ jedoch das alljährliche Schlepperballett. Jeweils fünf dieser Kraftprotze drehen und wiegen sich im Walzertakt auf dem Wasser der Elbe. Man könnte auch sagen: Geradezu ausgelassen „walzen“ sie durch ihr angestammtes Revier. Das sieht man wirklich nicht alle Tage. 
Ich bin sicher: Schon heute machen sich einige Leute Gedanken über den nächsten Hafengeburtstag, den 820. Vielleicht wollen ja auch Sie ihn schon mal vormerken? Anfang Mai ist es wieder so weit. Und denken Sie daran: Ein Gästezimmer im Augustinum Hamburg sollten Sie noch Ende dieses Jahres buchen.