“Koniginnendag”. Wo? Bei uns!
30.04.2008
Jetzt brachte uns die Schauspielerin, Sängerin und Autorin Veronika Kranich (Erika Mann), zusammen mit ihrem Schauspieler-Kollegen Rainer Koschorz (Klaus Mann) sowie Magnus Henning als Conferencier, unter dem Titel „Roter Pfeffer, Best of <Die Pfeffermühle>“, ein literarisch-politisches Kabarett zu Gehör. Auf dem Programm standen Lieder, Sketche, Texte und Gedichte von 1933 – 1934 und 1935 – 1937. Die Original-Texte der „Pfeffermühle“ wurden in dieser Bühnenversion von Veronika Kranich z.T. neu bearbeitet. Da es aus der damaligen Zeit keine Originalnoten mehr gibt, war man gezwungen für die Lieder Eigenkompositionen zu verwenden oder Melodien aus Opern und Traditionals. Das tat der Begeisterung bei unserem Publikum keinen Abbruch.
Was in den Gesprächen unter den Bewohnern „hinterher“ immer wieder betont wurde, war die Faszination einer ersten Begegnung mit der Frühzeit des Dritten Reiches, oder aber einer Wiederentdeckung und teilweisen Aufarbeitung. Manch einer von uns hatte immerhin diese Jahre als Jugendlicher oder Heranwachsender noch selbst erlebt.
Morgen veranstalten wir übrigens mit einem „Tanz in den Mai“ unser eigenes „Nostalgie“-Programm, mit großem Festzelt, festlichem Buffet, Maibowle, Maibock und der Big Band „all stars selection“ – wer immer sich dahinter verbergen mag. Ich werde darüber berichten.
Ganz Hamburg fiebert am nächsten Sonntag, also übermorgen, dem „Hamburg Marathon“ entgegen. Ganz Hamburg? Also, ich nicht. Dann sind wir nämlich vom Rest der Welt „straßenmäßig“ total abgeschnitten. Und zwar von 7.30 bis 11.00 Uhr. Ich aber habe um 10.30 Uhr „Kammerkonzert am Vormittag“. Normalerweise kein Problem mit unserem Bus 112, der mich in gut 20 Minuten ziemlich genau vor die Tür der Hamburger Musikhalle bringt. Nur eben an diesem Sonntag nicht. Auch ein eigenes Auto, das ich nicht mehr habe, oder ein Taxi würde mir nichts helfen. Abgeschnitten ist abgeschnitten. Zum Teufel mit dem blöden Marathon Lauf. Aber was bin ich gegen 23.200 Akteure, die sich angemeldet haben und rund 700.000 Zuschauer, die erwartet werden?
Aber glücklicherweise liegt unser Augustinum ja direkt an der Elbe. Da steige ich einfach in unsere Fähre 62. Die kennt keine Sperrungen, keine Staus, noch nicht einmal Ampeln. In rund 15 Minuten bringt sie mich zur Schiffs-Anlegestelle „Landungsbrücken“, von dort gehe ich über eine ziemlich hohe Treppe – sehr unangenehm für mich, aber leider nicht zu ändern – zur U-Bahn-Station „Landungsbrücken“, fahre drei Stationen, steige um, fahre noch mal 2 Stationen und habe dann noch einen mittleren Fußweg vor mir. Alles in allem muss ich – sicher ist sicher – eine Stunde früher aufstehen. Und das am heiligen Sonntag. Aber was tut man nicht alles für die Kultur.
Ein Kuriosum am Rande: Traditionsgemäß sollte eigentlich der 1. Bürgermeister den Startschuss abgeben. Also: Ole von Beust? Ja! Aber Startschuss? Nein! Dieses Mal wird Ole von Beust, als absolutes Novum für den Start eines Marathonlaufes, eine Glocke läuten. Dazu gibt die Renndirektion folgende Begründung: „Als wir bei der Besichtigung des neuen Startbereiches am Eingang der Reeperbahn feststellten, das hier die seit einiger Zeit bestehende Waffenverbotszone beginnt, haben wir uns animiert gefühlt, etwas Neues und Typisches für Hamburg einzuführen. Wir haben zwar auch bisher nie scharf geschossen, aber auf dem Kiez weiß man ja nie, was zurückkommt. Der Marathon in Washington hat eine Kanone für den Start, wir jetzt eben eine Schiffsglocke.“
Hoffen wir also, dass der Klang einer Schiffsglocke die Läufer genau so zum „Rennen“ beflügelt, wie der altbekannte Pistolenschuss.