Archiv für 04.2008

“Koniginnendag”. Wo? Bei uns!

30.04.2008

 Heute ist der 30. April: Koniginnendag in den Niederlanden. Am Koniginnendag feiert man den Geburtstag von Königin Juliana, der Mutter von Königin Beatrix. Gleichzeitig ist es auch der niederländische Nationalfeiertag, ein Tag, an dem mächtig viel los ist, vor allem in Amsterdam. Habe ich mir sagen lassen von unserem Service-Leiter. Der ist Niederländer und muss es wissen.  Und weil er feiert, durften wir auch feiern. So gab es für jeden von uns heute Mittag einen „Oranje Bitter“. Das ist ein orangefarbener Genever, der speziell für diesen Tag gemixt wird. Wenn Sie mich fragen: Der Bitter ist verdammt süß. Aber sonst ganz O.K.

Veronika Kranich “ist” Erika Mann.

29.04.2008

 Man schrieb den 1. Januar 1933, als in der Münchner Bonbonniere ein politisches Kabarett mit Namen „Die Pfeffermühle“ das Licht der Welt erblickte. Die Geburtshelfer waren unter anderem Therese Giehse sowie die Geschwister Erika und Klaus Mann. Erika Mann tat sich besonders hervor, schrieb viele Texte selbst und trat auch als Darstellerin auf. Der Erfolg war von kurzer Dauer. Mitte März gingen Erika Mann, ihre Eltern Thomas und Katja, ihre fünf Geschwister sowie ihr Onkel Heinrich in die Emigration. Die Pfeffermühle wurde zunächst zum „Exilkabarett“ in der Schweiz, und tourte durch halb Europa. Nachdem man Erika Mann 1935 als der „geistigen Urheberin“ des „deutschfeindlichen Kabaretts“ die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt hatte, und die Lage in Europa immer unsicherer geworden war, suchte sie schließlich 1937 mit „The Peppermill“ in New York den Erfolg. Leider vergeblich. 

Jetzt brachte uns die Schauspielerin, Sängerin und Autorin Veronika Kranich (Erika Mann), zusammen mit ihrem Schauspieler-Kollegen Rainer Koschorz (Klaus Mann) sowie Magnus Henning als Conferencier, unter dem Titel „Roter Pfeffer, Best of <Die Pfeffermühle>“, ein literarisch-politisches Kabarett zu Gehör. Auf dem Programm standen Lieder, Sketche, Texte und Gedichte von 1933 – 1934 und 1935 – 1937. Die Original-Texte der „Pfeffermühle“ wurden in dieser Bühnenversion von Veronika Kranich z.T. neu bearbeitet. Da es aus der damaligen Zeit keine Originalnoten mehr gibt, war man gezwungen für die Lieder Eigenkompositionen zu verwenden oder Melodien aus Opern und Traditionals. Das tat der Begeisterung bei unserem Publikum keinen Abbruch. 

Was in den Gesprächen unter den Bewohnern „hinterher“ immer wieder betont wurde, war die Faszination einer ersten Begegnung mit der Frühzeit des Dritten Reiches, oder aber einer Wiederentdeckung und teilweisen Aufarbeitung. Manch einer von uns hatte immerhin diese Jahre als Jugendlicher oder Heranwachsender noch selbst erlebt.  

Morgen veranstalten wir übrigens mit einem „Tanz in den Mai“ unser eigenes „Nostalgie“-Programm, mit großem Festzelt, festlichem Buffet, Maibowle, Maibock und der Big Band „all stars selection“ – wer immer sich dahinter verbergen mag. Ich werde darüber berichten. 

Die U-Bahn machte alles wieder gut

28.04.2008

 Von meiner bevorstehenden Odyssee durch halb Hamburg wegen des Marathonlaufes am Sonntag hatte ich am letzten Freitag geschrieben. Und von meiner Angst, ich könnte zu spät zum Kammerkonzert kommen. Kurz gesagt: Die Angst war umsonst. Wo ich lange Umsteigezeiten befürchtet hatte, belehrte mich die Hamburger U-Bahn-Gesellschaft, die in Hamburg „Hochbahn AG“ heißt, weil die ersten Bahnstrecken 1912 zum großen Teil oberirdisch über Viadukte führten, eines Besseren. Kurzfristig hatte man den sonntäglichen 10-Minuten-Takt auf einen gar nicht „marathönlichen“ 3-Minuten-Takt umgestellt. In der Praxis hieß das: Ich kam auf den Bahnsteig und die Bahn fuhr „sofort“. Wenn ich das gewusst hätte! Dann hätte ich doch glatt ½  Stunde länger schlafen können.

Wenn nichts mehr “geht”, geht immer noch der Wasserweg

25.04.2008

Ganz Hamburg fiebert am nächsten Sonntag, also übermorgen, dem „Hamburg Marathon“ entgegen. Ganz Hamburg? Also, ich nicht. Dann sind wir nämlich vom Rest der Welt „straßenmäßig“ total abgeschnitten. Und zwar von 7.30 bis 11.00 Uhr. Ich aber habe um 10.30 Uhr „Kammerkonzert am Vormittag“. Normalerweise kein Problem mit unserem Bus 112, der mich in gut 20 Minuten ziemlich genau vor die Tür der Hamburger Musikhalle bringt. Nur eben an diesem Sonntag nicht. Auch ein eigenes Auto, das ich nicht mehr habe, oder ein Taxi würde mir nichts helfen. Abgeschnitten ist abgeschnitten. Zum Teufel mit dem blöden Marathon Lauf. Aber was bin ich gegen 23.200 Akteure, die sich angemeldet haben und rund 700.000 Zuschauer, die erwartet werden? 

Aber glücklicherweise liegt unser Augustinum ja direkt an der Elbe. Da steige ich einfach in unsere Fähre 62. Die kennt keine Sperrungen, keine Staus, noch nicht einmal Ampeln. In rund 15 Minuten bringt sie mich zur Schiffs-Anlegestelle „Landungsbrücken“, von dort gehe ich über eine ziemlich hohe Treppe – sehr unangenehm für mich, aber leider nicht zu ändern – zur U-Bahn-Station „Landungsbrücken“, fahre drei Stationen, steige um, fahre noch mal 2 Stationen und habe dann noch einen mittleren Fußweg vor mir. Alles in allem muss ich  – sicher ist sicher – eine Stunde früher aufstehen. Und das am heiligen Sonntag. Aber was tut man nicht alles für die Kultur.

Ein Kuriosum am Rande: Traditionsgemäß sollte eigentlich der 1. Bürgermeister den Startschuss abgeben. Also: Ole von Beust? Ja! Aber Startschuss? Nein! Dieses Mal wird Ole von Beust, als absolutes Novum für den Start eines Marathonlaufes, eine Glocke läuten. Dazu gibt die Renndirektion folgende Begründung: „Als wir bei der Besichtigung des neuen Startbereiches am Eingang der Reeperbahn feststellten, das hier die seit einiger Zeit bestehende  Waffenverbotszone beginnt, haben wir uns animiert gefühlt, etwas Neues und Typisches für Hamburg einzuführen. Wir haben zwar auch bisher nie scharf geschossen, aber auf dem Kiez weiß man ja nie, was zurückkommt. Der Marathon in Washington hat eine Kanone für den Start, wir jetzt eben eine Schiffsglocke.“ 

Hoffen wir also, dass der Klang einer Schiffsglocke die Läufer genau so zum „Rennen“ beflügelt, wie der altbekannte Pistolenschuss.

Nicht schlecht, Herr Specht!

23.04.2008

 Entschuldigung, vielleicht ist es ja auch eine Frau Specht, die mir seit geraumer Zeit in den Ohren liegt. Aber ich will mich nicht beklagen. Es ist doch mal was anderes, als das ewige Zwitschern und Tirilieren, das bei Vögeln sonst so üblich ist. Wussten Sie, dass ein Specht bis zu 12.000 mal am Tag seinen Schnabel gegen einen Baum schlägt? Und dieser Aufprall dabei eine „Schlag-Geschwindigkeit“ von 25 km pro Stunde erreicht? Angeblich soll er davon nicht einmal Kopfschmerzen bekommen. Unter uns gesagt: Ich möchte gern mal wissen, woher man das wohl so genau weiß. Bei uns Menschen kann doch auch keiner beurteilen, ob wir tatsächlich Kopfschmerzen haben oder nicht. 

Ich weiß nur: Irgendwo von gegenüber, aus „Donners Park“, kommt das Gehämmere prestissimo. Mal lauter, mal leiser, mal von hier, mal von da. Deshalb nehme ich an, dass er nicht dabei ist, sich eine Nisthöhle zu „zimmern“. Dann würde das Geräusch ja wohl immer von der gleichen Stelle kommen. Die anderen Möglichkeiten sind – so habe ich jedenfalls gelesen – dass er auf Futtersuche ist, sein Revier markiert oder einen Geschlechtspartner anzuziehen versucht. Aber vielleicht täusche ich mich ja grundsätzlich, und es sind schon zwei!