Archiv für 03.2008

“Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt.”

31.03.2008

Diese Worte von philosophischer und literaturgeschichtlicher Bedeutung legt bekanntlich William Shakespeare, einer der größten Dichter der Weltgeschichte, dem Titelhelden seines „Hamlet“ nach dessen Begegnung mit dem Geist seines Vaters in den Mund.

Mit Geistererscheinungen habe die „Parapsychologie“ (PSI) nichts zu tun, so belehrte uns der Diplom Physiker Rahlf Hansen gleich zu Beginn seines Vortrags „Unser 6. Sinn: Die Parapsychologie. Wissenschaft oder Unfug?“ Ehrlich gestanden: Wir alle erhofften uns von diesem Vortrag Neues und „Bedeutendes“ zu erfahren über die Erforschung solcher Phänomene wie Telepathie (Gedankenübertragung), Präkognition (Voraussehen), Telekinese (die physikalisch unerklärbare angebliche Bewegung und Ortsveränderung von Gegenständen, ohne die Gegenstände zu berühren). Möglichst natürlich an Hand von faszinierenden Beispielen. Gehört oder gelesen hatten wohl die meisten von uns schon mal von unglaublichen Dingen, jetzt wollten wir es natürlich genau wissen. Um es gleich zu sagen: Wir wurden bitter enttäuscht. 

Der Referent berichtete von anerkannten Wissenschaftlern, wie zum Beispiel dem Psychologieprofessor Bob Morris an der Universität Edinburgh, die mit großer Akribie und Sorgfalt und unter Zuhilfenahme unterschiedlichster Versuchsanordnungen vielfältige Anstrengungen unternehmen, um endgültige Beweise für die verschiedenen Phänomene zu erbringen. Es sei von zum Teil hochsignifikanten positiven Ergebnissen unter streng kontrollierten Bedingungen zu berichten, allerdings hätten sich diese Ergebnisse in Nachfolgeversuchen leider nicht in der erwarteten Qualität wiederholen lassen. Nun, das war alles sehr “akademisch”. Wir konnten allerdings fast körperlich spüren, wie weh es unserem Referenten tat, uns mit dieser „Niederlage“ konfrontieren zu müssen. Die Skeptiker unter uns fühlten sich natürlich bestätigt, während die „Gläubigen“ – zu denen auch ich gehöre – sich in ihrem Glauben auch dadurch nicht erschüttern ließen. Aber selbst wir wurden überrascht, als der Referent bemerkte, dass nach seiner Ansicht nicht wenige Menschen über eine PSI-Veranlagung verfügten, diese jedoch nicht zu nutzen verstünden. Das heißt: PSI-Kräfte in unbekanntem Ausmaß würden einfach brach liegen. Was also tun? 

Als großer Fan von E. E. „Doc“ Smith, einem studierten Chemiker und Urgestein der Science Fiction Literatur, der mit seinem zwischen 1931 und 1946 geschriebenen „Lensmen Zyklus“ für Furore sorgte, hätte ich da einen Vorschlag: Man beginne in der ganzen Welt mit der intensiven Suche nach männlichen und weiblichen PSI-Talenten. Diese Suche unterstütze man mit einem genealogischen Programm, um über einen langen Zeitraum – das kann Jahrhunderte oder Jahrtausende dauern – schließlich die Besten herauszufiltern. Dann müssten diese Besten sich nur noch gegenseitig heiraten und Kinder zeugen. So bekommt man – bei „Doc“ Smith – am Ende die Allerbesten, die nicht zuletzt dank ihrer überragenden PSI-Kräfte die Menschheit in der ewigen Auseinandersetzung mit bösen Außerirdischen zum Sieg führen. Was meinen Sie: Wäre das was?

Ach, Sie glauben nicht an Außerirdische? Wie schade!  

Auf neuen Stühlen mit allen Sinnen genießen

28.03.2008

In unserem Kuppelrestaurant haben wir neue Stühle. Die Bewohner sind zufrieden bis begeistert. Das ist ein kleines Wunder, denn so einig ist man sich selten. Es dürfte wohl die Macht des Faktischen sein, die das bewirkt hat. Aus „grauen“, unscheinbaren und einförmigen Stühlen, deren einziger Vorzug die „Stapelbarkeit“ war, sind Stühle geworden, auf denen man nicht nur besser sitzen kann, sondern die auch noch besser aussehen. Weit besser, um es deutlich zu sagen.

Die Polster sind voluminös, weder zu hart noch zu weich, die Bezüge wirken wie teures Alcantara und sind farblich hervorragend aufeinander abgestimmt. Da gibt es zum einen die orangefarbenen – manche Leute sagen auch „karottenrot“ dazu – und dann die lindgrünen. Immer in einer Reihe von mehreren Tischen einmal die eine Farbe und dann wieder die andere. So ergibt sich ein ausgewogenes Bild. Wobei hinzu kommt, dass Rot und Grün sogenannte Komplementärfarben sind – was schon Goethe in seiner Farbenlehre erkannt hat – und Komplementärfarben sich ergänzen und gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken. Der Rahmen der Stühle besteht aus massivem Nussbaum-Holz, allein schon, mit der flachen Hand das Holz zu streicheln, ist ein besonderes taktiles Gefühl. Unsere Rücken werden gestützt durch eine um 12 cm höhere Lehne, die dafür sorgt, dass wir immer schön gerade sitzen. So wie unsere Mütter es uns in unserer Kindheit beigebracht haben, und wie es auch gut für ältere Menschen ist. Kurz: In Aussehen und Funktionalität entsprechen die neuen Stühle – 110 an der Zahl, allein in unserem Restaurant – genau dem, was für uns Senioren richtig und wichtig ist.

Wenn die Sonne in unsere Glaskuppel scheint, geht ein Leuchten durch den Raum und selbst bei tristem Wetter ist nichts mehr so, wie es einmal war. Erstaunlich, was ein bisschen mehr Farbe im Leben doch ausmachen kann. Wie ich hörte, soll man die Bezüge auch ganz einfach reinigen können. Einfach mit einem Schwamm und klarem Wasser. Wahrscheinlich haben wir es mit einem dieser supermodernen Bezugsstoffe zu tun, von denen im Fernsehen neuerdings des öfteren die Rede ist. Nun, wir werden sehen, ob sie halten, was da versprochen ist. Immerhin mag es ja vorkommen, dass man auch mal kleckert.

Übrigens: Es soll unter uns modebewusste Damen geben, die sich vor dem Mittagessen überlegen, welches Kleid oder Kostüm besser zu dem einen oder zu dem anderen Stuhlbezug passt. Da haben wir Männer es doch leichter.

Da tut man eine gute Tat, und dann …

26.03.2008

 Es ist schon ein paar Wochen her, da hatte ich einen Anruf von „Erich aus Hannover“. Hannover ist meine Heimatstadt, aber „Erich“? Wer war Erich? Ich war gespannt. Es ginge um seine Mutter, sagte Erich. Sie hätten von Tante Wieschen gehört, dass der „liebe Uwe“ jetzt im Augustinum in Hamburg wohne. Langsam fiel bei mir der Groschen: Erich, so hieß doch der etwas blässliche Knabe, der dieses bildhübsche Mädchen geheiratet hatte. Ich war sogar auf der Hochzeit gewesen. Das dürfte gut 30, 40 Jahre her sein. „25 Jahre“, meinte Erich. Nun ja, er musste es wissen.

Einige Tage später saßen wir in meinem Appartement zusammen, jeder mit einem Whisky in der Hand, und ich sagte: „Nun mal raus mit der Sprache, was ist los?“ Und dann erzählte er mir. Seine Mutter wäre seit etwa einem Jahr Witwe und wohnte seitdem allein in ihrem Haus in der Nähe von Hannover. Sie würden des öfteren miteinander telefonieren. Letztes Mal nun hätte sie gesagt: „Übrigens, ich habe mein Haus verkauft und werde zu euch ziehen.“ Erich blickte mich fragend an, neugierig ob meiner Reaktion. Nun, ich kenne Erichs Mutter kaum besser als ihn, aber mir war aus etlichen Erzählungen bekannt, dass sie zeitlebens die Familie unter ihrer Fuchtel gehabt hatte. Also sagte ich nur „Oh, Gott“.

Erich und ich beschlossen, dass er mit seiner Mutter und seiner Frau dem lieben Uwe einen Besuch im Augustinum abstatten sollte. Ich würde bei uns im Restaurant einen Tisch reservieren lassen. Da könnte sie gleich unser Mittagessen kennen lernen, und danach würden wir weiter sehen. Dazu gab ich ihm noch mit auf den Weg, er solle sehr behutsam vorgehen und mich mal machen lassen. Natürlich ist Erichs Mutter nicht dumm und war am Anfang ziemlich distanziert. Aber ob es nun die Atmosphäre in „meinem“ Augustinum war oder mein ganz spezieller Charme – allmählich taute sie auf. Und am Ende unterhielten wir uns ganz offen über die Vor- und Nachteile des Wohnens in einem Wohnstift. Ich erzählte ihr, ich wüsste von etlichen meiner Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, dass sie auf eine Bewohner-Empfehlung hin gekommen wären und es nicht bereuten. Als mein Besuch sich verabschiedete, hatte ich das Gefühl, einen guten Job gemacht zu haben.

Gestern, am Ostermontag, kam der Anruf: „Hier ist Erich aus Hannover“. Erich berichtete, dass es ihm mit unendlicher Mühe und viel Kraftanstrengung gelungen sei, seine Mutter zu bewegen, in ein „Altersheim“ zu gehen. In Hannover. Da wäre sie doch bei ihren Kindern und Enkelkindern und könnte auch mal aushelfen, beim Babysitting und so. Und dann wünschte er mir noch einen schönen Tag. Was ich von ganzem Herzen erwiderte.

Frage: Muss ich jetzt traurig sein, dass „Mutter“ nicht zu mir ins Augustinum kommt?

Oster-Nachlese 2008

24.03.2008

Nach meiner Vorschau auf Ostern folgt heute – folgerichtig – die Nachlese.

Also: Ostern ist vorbei. Die Osterfeuer am Elbstrand sind verglüht. Unser Augustinum steht noch, denn der Ansturm der Osterfeuer-Enthusiasten ist mehr oder weniger ausgeblieben. Auch die Feuerwehr und die Ambulanzwagen, die sich prophylaktisch in der Nähe des Strandes aufgestellt hatten, waren bereits frühzeitig wieder abgezogen. Das Wetter hat vielen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dass es kalt war, war sicherlich nicht so schlimm, wie der Regen. Nasses Holz brennt schlecht und eine Osternacht mit Regenschirm ist auch nicht das wahre Vergnügen. Trotzdem brannten etliche kleine Feuer und auch ein sehr großes, wie mir berichtet wurde.

Ja, berichtet wurde. Denn ich feierte den Oster-Samstag mit meiner Familie. So entging mir natürlich auch das Spektakel, das Ganze aus sicherer Entfernung von oben zu betrachten sowie das grandiose Ostermenü, das allen gut gemundet haben soll. Am Ostermorgen, als ich den Strand besuchte, war schon alles wieder aufgeräumt. Die Stadt Hamburg hatte sich nicht lumpen lassen. Nach schlechten Erfahrungen im letzten Jahr hatte man diesmal ein gutes Dutzend mobile Toiletten zum Einsatz gebracht, auch Tonnen für Papier und Flaschen waren reichlich vorhanden. Und dann dieser Regen. Es war wirklich eine Gemeinheit.

Uns konnte das alles kalt lassen. Oder warm, wie man will. Wir genossen am Ostersonntag unseren Osterbrunch, mit kaltem und warmem Büffet. Dazu den guten Roten oder Weißen, ganz wie man wollte. Die Stimmung war gelöst und locker. Klar, so kann man es aushalten. Und wenn Sie den Eindruck haben, dass mein Herz für unser Augustinum schlägt, dann liegen Sie genau richtig. Nehmen Sie mein „Herzklopfen“ für das Augustinum Hamburg deshalb ganz einfach als persönliche „Liebeserklärung“. Aber fragen Sie auch die Bewohner der anderen Häuser. Auch die werden Ihnen sagen, dass sie mit niemandem tauschen möchten.
 

Ostern steckt voller Symbole

19.03.2008

Schon lange vor Ostern wimmelt es in den Auslagen der Schaufenster sowie in den Supermärkten von Osterhasen und Ostereiern. Vor allem die Süßwarenindustrie macht mobil, hofft auf gute Geschäfte. Und auch darauf, dass so manches Ei bis Ostern bereits aufgegessen ist und man für das eigentliche Fest noch ordentlich Nachschub braucht. Ob unter den Osterhasen wirklich auch eingeschmolzene Weihnachtsmänner sind, wie böse Zungen immer wieder behaupten? Ich habe keine Ahnung, und ich weiß auch nicht, ob es wirklich wichtig wäre. – Bestimmt machen sich auch manche Menschen bereits seit längerem Gedanken, wo sie dieses Jahr das Holz fürs Osterfeuer auftreiben können. Sicherlich sind diese Symbole nur Beiwerk zum eigentlichen Fest. Denn Ostern ist das Fest der Auferstehung Jesu Christi und hat mit Hasen und Eiern nichts zu tun. Am ehesten vielleicht noch mit dem Osterfeuer. Es stammt wahrscheinlich von den heidnischen Frühlingsfeuern ab, mit denen im Frühjahr die Sonne begrüßt wurde. Im christlichen Glauben steht es für das Lichtwerden durch die Auferstehung Christi.

Wir, im Augustinum Hamburg, haben das Osterfeuer fest im Blick. Und zwar, wenn wir uns wie jedes Jahr zu einem abendlichen Ostermenü und zur Feier der Osternacht in unserem Kuppel-Restaurant im 13. Stock treffen. Dann liegt unter uns unübersehbar der Elbestrand mit größeren und kleineren Osterfeuern und vielen – vor allem jüngeren – Menschen aus ganz Hamburg. Was wir Gott sei Dank nicht so genau sehen „müssen“, weil zu weit weg, sind die vielen Flaschen, die von Hand zu Hand gehen. Ob dabei der eine oder andere auch noch an den christlichen Hintergrund des Osterfestes denkt?

Da halten wir uns im Augustinum doch lieber an Ostereier und Osterhasen. Ich gehe mal davon aus, dass uns die Stiftsdirektion auch dieses Jahr wieder mit einem süßen Ostergebinde bedenkt. Nach uralten Mythen liegt der Ursprung der Welt im Ei. Für die frühen Christen war die Eierschale Sinnbild des alten Testaments, der Inhalt dagegen Symbol des neuen Testaments. Die kirchliche Eierweihe ist schon für das 4. Jahrhundert nachzuweisen. Auch das bunte Bemalen der Eier soll bis in diese Zeit zurückzuführen sein. Da die Protestanten die Eierweihe ablehnten, haben sie angeblich im 17. Jahrhundert den „Osterhasen“ als Eierlieferanten ins Spiel gebracht. Der Hase ist wie das Ei ein Zeichen der Fruchtbarkeit, passt also sehr gut in die Frühjahrszeit.

Habe ich noch etwas vergessen? Ach, ja. Ein österlicher Gottesdienst findet bei uns auch statt. Einmal am Karfreitag und zum anderen am Ostersonntag. Damit wir daran erinnert werden, dass es zu Ostern noch etwas anderes gibt, als Osterfeuer, Ostereier und Osterhasen.