Archiv für 02.2008

“Mich trifft der Schlag” - Geflügeltes Wort oder bitterer Ernst?

27.02.2008

Wenn man früher sagte „den hat der Schlag getroffen“, dann meinte man das auch. Heute sagt man schnell einmal so dahin: „Ich dachte, mich trifft der Schlag“, selbst wenn es nur um Kleinigkeit geht, die einen mehr oder weniger ohne „Vorankündigung“ überrascht hat. Sollte uns aber tatsächlich ein Schlaganfall überraschen, dann ist das überhaupt keine Kleinigkeit. Denn der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland – nach Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Ein Drittel der Betroffenen stirbt, ein Drittel behält Behinderungen nach und ein Drittel kann nur von „Glück“ sagen, wenn am Ende alles gut geht. Tagtäglich sehen wir Schlaganfall-Geschädigte unter uns – im Rollstuhl, mit Stock, mit Sprachbeschwerden – aber richtig wahrnehmen tun wir das nicht.  

Weil das so ist, hat die Stadt Hamburg im September letzten Jahres eine 6-monatige Aufklärungs-Kampagne „Hamburg gegen den Schlaganfall“ gestartet. Und so erlebten auch wir kürzlich den Vortrag eines Oberarztes aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Was mich dabei betroffen machte, war das – wie ich fand – relativ geringe Interesse der Bewohner. Auch unsere Kultur-Referentin meinte: „Zu einem Klavierkonzert kommen mehr“. Ich fragte am nächsten Tag einige Bewohner, ob sie denn teilgenommen hätten und hörte Aussagen wie  „Ach, ich habe schon so viel, da muss ich das nicht auch noch haben…“ oder  „ich will das gar nicht wissen…“ oder „dann ist sowieso alles zu spät“. Letzteres ist es eben genau nicht. Vorausgesetzt, man erkennt die Symptome und sorgt dafür, dass man so schnell wie möglich ins Krankenhaus kommt. Dazu genügt ein Anruf in unserer „Pflege“, die alles Nötige veranlasst. Besser kann man es gar nicht haben. Denken Sie daran: Gefährdet ist jeder von uns, denn das Risiko nimmt mit steigendem Alter zu.  

Und das sind die Symptome, die auf einen Schlaganfall hindeuten:Sprach- und Sprechstörungen. Gesprochenes wird nicht verstanden. – Halbseitige Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühl auf einer Körperseite. – Sehstörungen mit plötzlicher Erblindung eines Auges oder Einschränkung des Gesichtsfeldes. – Sichtbarwerden von herabhängenden Mundwinkeln, ohne dass der Betroffene irgendwelche Störungen bemerkt hat.  

Auch wenn nur eines dieser Symptome vielleicht nur kurzfristig auftritt, kann Gefahr im Verzug sein. Haben Sie daher keine Angst vor „falschem Alarm“. Es kommt auf jede Minute an. Wenn so etwas unterwegs passiert, bitten Sie jemanden sofort 112 anzurufen und von einem „Notfall“ zu sprechen. Passiert es im Augustinum – ich sagte das schon – sofort die Pflege anrufen bzw. den Notruf auslösen.   

Ich war ein Idiot!

19.02.2008

Man könnte auch sagen: Ich bin noch einer von der „alten Schule“. Wenn ich einkaufe, und es ans Bezahlen geht, versuche ich, es der Kassiererin so leicht wie möglich zu machen. Konkret: Ich fische in Brieftasche und Portemonnaie nach möglichst „passendem“ Geld. So wie letzten Samstag: Ich musste 5 Euro 90 bezahlen. „Hartgeld“ hatte ich nicht genug, aber in meiner Brieftasche war ein 5-Euro-Schein. Den wollte ich mir jedoch noch für etwas anderes aufbewahren. Also zog ich stattdessen einen 10-Euro-Schein hervor und legte noch ein 1-Euro-Stück drauf. Wie gesagt, ich wollte es der Verkäuferin leicht machen. So leicht wie möglich. Frage: Können Sie mir noch folgen? Ja? Gut. 

Die Verkäuferin gab mir 10 Cent raus, während wir uns noch weiter unterhielten. Es dauerte also etwas, bis ich anfing nachzudenken. Die Verkäuferin bediente inzwischen schon einen anderen Kunden. Ich fragte mich: Hätte ich jetzt nicht einen 5-Euro-Schein zusätzlich haben müssen? Zusätzlich zu dem, den ich ja noch besaß, weil ich ihn der Verkäuferin nicht gegeben hatte? Sie können mir immer noch folgen? Prima. Ich hatte aber nur einen 5-Euro-Schein in der Brieftasche.  Folglich wandte ich mich noch einmal vertrauensvoll an die Verkäuferin. Es war mir peinlich, es war ihr peinlich. Ich war nicht ganz sicher, ob ich 10 Euro gegeben hatte, sie war nicht ganz sicher, dass sie nur 5 Euro bekommen hatte. Es war nämlich ein ganz kleiner Laden, mit einer ganz alten Kasse. Nicht so etwas Modernes, wo alles genau angezeigt wird. Was also tun? Wir einigten uns darauf, dass ich am Montag noch mal anrufen sollte. Bis dahin hatte sie „Kasse“ gemacht, und man könnte weiter sehen.

Was soll ich Ihnen sagen? Heute habe ich mir meine 5 Euro abgeholt. Und in Zukunft werde ich mich nicht mehr um „passendes“ Geld bemühen, sondern einfach einen größeren Schein rüberreichen. Ich bin doch kein Idiot, kein altmodischer!

Wenn die lieben Mitbewohner nicht wären…

18.02.2008

   …würde uns kulturell so manches entgehen. Nehmen wir mal den Mitbewohner, der seit etlichen Jahrzehnten „Musik“ sammelt. Wie er selbst sagt, hat er inzwischen rund 8.000 Musiknummern, von denen er den Musikinteressierten im Hause bereits seit nicht weniger als 6 Jahren einmal im Monat unter dem Titel „Musikalische Raritäten“ eine Auswahl zu Gehör bringt. Der Begriff „Raritäten“ ist dabei überaus ernst gemeint. Auf gar keinen Fall bekommen wir das „vorgesetzt“, was wir genau so gut auch jeden Tag im Radio hören können. Ja, fast könnte man meinen, das Ziel unseres verehrten Mitbewohners wäre es, uns musikalisch universell weiterzubilden. Und jetzt füge ich etwas boshaft hinzu: Ob wir nun wollen oder nicht. Oder sind Sie besonders wild auf buddhistische oder russische Glocken oder auf australische Lieder der Arbeit oder auf „Neue Musik“ von Varesi, Ligeti oder Zimmermann? 

Beim letzten Mal jedoch hatten wir es wieder einmal – wie oft – mit der Klassik zu tun. Mit Diabelli, Schumann und Beethoven. Jetzt werden Sie vielleicht sagen: „Von Beethoven kenne ich nun wirklich alles.“ Aber haben Sie auch schon mal seine „12 Contretänze für Orchestermusik“ gehört? Vielleicht einen davon, den der Komponist im Finale der Eroica verwendet hat. Aber die anderen elf? Oder kennen Sie Beethovens „Musik zu einem Ritterballett“, die er im Alter von 21 Jahren komponierte? Die Sätze tragen die Titel Marsch, Deutscher Gesang, Jagdlied, Romanze, Kriegslied, Trinklied, Deutscher Tanz und Coda. Mit Beethoven hätte ich diese Titel nie in Verbindung gebracht, aber ich bin auch kein Musikkenner. Jedenfalls war ich überrascht und sehr angetan. Wie übrigens die meisten der gut 20 Zuhörer. Das ist mehr als ein Zehntel unserer Bewohner. In diesem Jahr stehen noch – im 2-Monats-Rhythmus – weitere acht Vorführungen „unbekannter Werke bekannter Komponisten“ auf dem Programm der „musikalischen Raritäten“. Wir freuen uns drauf.
 

4. und letzte Folge zum Thema “Gesunde Ernährung im Augustinum”

14.02.2008

Für besondere Gelegenheiten: Mittagessen “à la carte” 

Eigentlich haben Küche und Service genug damit zu tun, unser Mittagsmahl zuzubereiten und zügig auf den Tisch zu bringen. Trotzdem gibt es seit einiger Zeit etwas „Neues“: Jede Woche drei „Extra“-Hauptgerichte, die wir “à la carte” bestellen können. À la carte bedeutet in diesem Falle: Frisch zubereitet und garantiert innerhalb einer halben Stunde serviert. Natürlich muss man als Bewohner in einem solchen Fall ein wenig tiefer ins Portemonnaie greifen. Aber eben wirklich nur ein wenig, denn der normale Essenspreis, den wir täglich entrichten, wird praktisch angerechnet.  

Diese Regelung bietet etliche Vorteile. Ich hatte vor einiger Zeit Gäste zu Besuch, von denen ich wusste, dass sie gern Fisch essen. Es war ein Mittwoch, wenn ich mich recht erinnere. Die Tage, an denen es bei uns ganz „normal“ ein Fleisch- und ein Fischgericht gibt, sind jedoch der Dienstag und der Freitag. Da kam mir natürlich die Gelegenheit, “à la carte” zu essen, gerade recht. Unser Koch konnte sich mal wieder beweisen und ich für ihn das verdiente Lob entgegen nehmen. Manchmal überkommt es mich jedoch auch ohne Gäste. Wenn ich mich für etwas belohnen will oder Trost brauche.

Sie sehen: Ein Anlass findet sich immer.  Zuweilen ist auch das Angebot einfach zu verführerisch. „Gegrillte Kalbsnieren“ sind sicherlich nicht jedermanns Sache, wie überhaupt Innereien. Wegen der geringen Nachfrage kann unser Koch sie schlecht auf den täglichen Speisezettel setzen. Die Franzosen denken darüber ganz anders. Vielleicht war ich ja mal in einem früheren Leben Franzose. Wer weiß. Jedenfalls waren die Kalbsnieren unseres Kochs ganz hervorragend. Ich habe sie in der Woche, in der es sie gab, gleich zweimal gegessen. Und, wie ich positiv weiß, einige andere Bewohner auch. Ich glaube, ich muss unserem Koch mal wieder einen kleinen Wink geben.  

Das waren jetzt insgesamt 4 Folgen zum Thema „Gesunde Ernährung im Augustinum“. Ich hoffe, dass etwas Neues und Interessantes darin für Sie enthalten war und wünsche Ihnen weiterhin „guten Appetit“ im Augustinum. Wenn Sie noch spezielle Fragen haben, die ich möglicherweise beantworten kann, melden Sie sich bitte unter “Kommentar”.

3. Folge zum Thema “Gesunde Ernährung im Augustinum”

11.02.2008

Heute: „Fleischlose Kost“ (Ovo – Lacto – Vegetabile Kost) 

Das Menü 3 ist für Vegetarier gedacht, aber nicht nur. Denn nicht jeder, der – aus welchen Gründen auch immer – auf Fleisch verzichtet, ist ein „eingefleischter“ Vegetarier. Deshalb gibt es im Augustinum bei der fleischlosen Kost nicht nur viel Gemüse und Obst, sondern auch Eier, Milch und Milchprodukte, Butter und Honig, d. h. Nahrungsmittel tierischen Ursprungs, die von lebenden Tieren gewonnen werden können. Das ist, wie schon in Folge 2 erwähnt, wichtig vor allem im Hinblick auf die ausreichende Versorgung mit Eiweiß – speziell für Vegetarier. Für letztere gewinnt auch der rein pflanzliche Tofu oder „Bohnenquark“ – ein Sojaprodukt – immer mehr an Beliebtheit. Tofu ist ein kulinarisches Chamäleon: Leicht und bekömmlich, kalorienarm, cholesterinfrei und reich an hochwertigem Eiweiß. Man kann ihn auf die verschiedensten Arten zubereiten. Ein Ausblick in die Zukunft: Die Köche des Augustinum sind dabei, eine Vielzahl von Rezepten mit Tofu zu erarbeiten und auszuprobieren. Wir dürfen also gespannt sein. 

Insgesamt kommen bei der Ovo – Lacto – Vegetabilen Kost auch die Bewohnerinnen und Bewohner zu ihrem Recht, die statt „salzig“ gern mal „süß“ essen wollen und das nicht nur beim Nachtisch. Was halten Sie zum Beispiel von Quarkkeulchen mit Rosinen und Vanilleschmand? Oder Germknödeln mit Vanillesoße, Kaiserschmarrn mit Apfelmus und Puderzucker, Milchreisbrei mit Zimtsahne und Butter, Apfelradeln, knusprig gebraten, mit Vanillesoße, süße Milchnudeln mit Vanillesoße und Beerenkompott, mit Kirschen gefüllte Dampfnudel mit Vanillesoße – Sie sehen, die Liste der Möglichkeiten ist lang und lecker. 

Der Nachtisch darf keineswegs fehlen 

Ich kenne nicht wenige Leute, die nach dem Hauptgang sagen: „So, jetzt bin ich richtig schön satt!“ Und sich dann mit Wonne auf den Nachtisch stürzen. Ich glaube, es gibt keinen gängigen Nachtisch, den wir noch nicht gekostet haben. Angefangen mit der Hamburger Nationalspeise, der „Roten Grütze mit flüssiger Sahne“ bis zum „Schokoladeneis mit Eierlikör“ oder „Williamsbirne mit Vanilleeis und Schokoladensoße“. Dazwischen „Puddinge“ in allen Varianten, Quarkspeisen, Joghurte, Kompotte, Ausgebackenes, Kuchen, Obstsalate. Nicht zu vergessen: Im Sommer die frischen Erdbeeren mit Schlagsahne. Oder – täglich als Alternative – Frischobst in großer Auswahl.  Übrigens: Jeden Tag gibt es, zur Freude der Diabetiker, einen Nachtisch, der für Diabetiker geeignet ist.  

Getränke 

Alte Menschen sollen besonders viel trinken, damit der Körper nicht austrocknet. Wie groß die Menge an Flüssigkeit sein muss, wird von den „Experten“ unterschiedlich beurteilt. Mal ist von 2 – 3 Litern die Rede, mal von mindestens 1 Liter. Über den Tag, natürlich. Man streitet sich auch darüber, ob Kaffee dazu zählt. Angeblich soll er dem Körper sogar Flüssigkeit entziehen. Aber: Wenn sich nicht einmal die Experten einig sind, was sollen wir da machen? So oder so: Mittags steht immer eine Karaffe mit Wasser auf dem Tisch. Oder auch zwei. Wer gern noch mehr hat, muss es nur sagen. Und den Kaffee, den kann man ja noch hinterher bestellen. Das allerdings auf eigene Kosten. 

Dies war die 3. Folge zum Thema „Gesunde Ernährung im Augustinum“. Den 4. Teil lesen Sie an dieser Stelle in den nächsten Tagen.