Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Glas Vierfruchtmarmelade. Beim Aufmachen merken Sie: Es ist Erdbeermarmelade. Allerdings mit einem guten Schuss Whisky drin. Vielleicht sind Sie sogar angenehm überrascht, vielleicht aber auch nicht. So erging es uns, als wir vor ein paar Tagen ein Konzert hatten, das angekündigt war mit „Klassik, Jazz, Folklore und vieles mehr.“ Unter uns gesagt: Ich habe lange gezögert, ob ich hin gehen sollte. Wenn Musiker „alles“ können und alles machen, bin ich immer ein wenig misstrauisch. Ich dachte sogar an „Alten-Tingeltangel“. So nennen wir das, wenn ein Einzel-Künstler oder ein Ensemble von allem etwas bietet und sich darauf verlässt, dass etwas davon den lieben Alten schon irgendwie gefallen wird. Aber da kennen die unsere Ansprüche schlecht. Vielleicht dachte der eine oder andere aus der Bewohnerschaft ähnlich wie ich und ist lieber Zuhause geblieben. Und hat damit zweifellos etwas versäumt. Denn das Ensemble – Klavier, Geige, Cello, Percussion – war echt beeindruckend, spielte mit Freude, Leidenschaft und Können. Und wie war das nun mit der Erdbeermarmelade und dem guten Schuss „Whisky“? Nun: Rund 80% der gespielten Stücke waren „Irish“. Irische Folklore, von hauptsächlich irischstämmigen Künstlern hinreißend dargeboten. Hamburg liebt irische Musik. Wäre das Konzert entsprechend angekündigt worden, wäre die Besucher-Resonanz mit ziemlicher Sicherheit noch weitaus größer gewesen. So hatten wir 37 Besucher, was rund 25% der Bewohner entspricht. Gewiss nicht schlecht, aber auch nicht so gut wie erwartet.
Unsere Kulturreferentin, die von der veränderten „Programmausrichtung“ auch erst sozusagen in „letzter Minute“ erfuhr, hat die Ensemble-Mitglieder später darauf angesprochen. Die Erklärung war so simpel wie einleuchtend. Wegen des kurzfristigen Ausfalls eines Musikers hatte man den Schwerpunkt auf den irischen Teil des Programms verlagern müssen. Für meinen Geschmack „Gott sei dank“. Aber andere können anders darüber gedacht haben. Wer weiß?