Archiv für 12.2007

Weihnacht

19.12.2007

 

Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,

Mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit,

Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle

Schöne Blumen der Vergangenheit. 

Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,

Und das alte Lied von Gott und Christ

Bebt durch Seelen und verkündet leise,

Dass die kleinste Welt die größte ist. 

Joachim Ringelnatz  

Nachdem hiermit klar gestellt ist, dass dieses Gedicht nicht von mir stammt, sondern von Joachim Ringelnatz, möchte ich Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest wünschen sowie ein gesundes und gesegnetes Neues Jahr. 

Uwe Neumann

Das verflixte 7. Jahr.

18.12.2007

In Kürze liegt es endgültig hinter mir – mein 7. Jahr im Augustinum. Bei einer Ehe sagt man ja, das 7. Jahr sei das schwierigste. Nun ist man durch den Abschluss eines Wohnvertrages nicht auf ewig mit dem Augustinum verbunden. Jeder kann ohne weiteres und ganz unproblematisch wieder ausziehen. Jederzeit. Und das kommt auch vor, dass Menschen sich umorientieren, in eine andere Stadt ziehen oder sogar in ein anderes Seniorenheim. Aus welchen Gründen auch immer.  Für manch einen aber ist es doch so etwas wie eine Ehe. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner haben einen geliebten Menschen verloren, und sich erst danach entschlossen, ins Augustinum zu gehen. Nur, um nicht allein zu sein. Wie schnell man sich hier eingewöhnt und Anschluss findet, ist unterschiedlich. Aber gar nicht selten entwickeln sich Bekanntschaften und Freundschaften, die gerade im Alter sehr wertvoll sein können. Wer sich jedoch mehr verspricht, erwartet nach meiner Erfahrung allerdings meistens zu viel. 

Als ich – wie gesagt vor gut 7 Jahren – hierher kam, war ich 66 Jahre alt. Oder jung, ganz wie Sie wollen. In den ersten Tagen war natürlich alles ungewohnt. Ich ertappte mich dabei, dass ich, wenn ich in der Umgebung des Hauses spazieren ging, sagen wir mal so im Umkreis von 500 m, jeden älteren Menschen freundlich grüßte. Die meisten werden sich darüber gewundert haben, aber sicher ist auch der eine oder andere Mitbewohner darunter gewesen, der meinen Gruß  „positiv registriert“ hat. So nach 4 – 6 Wochen fragten mich die ersten Bewohner, mit denen ich inzwischen mehr oder weniger „bekannt“ geworden war, wie weit ich mich denn schon eingewöhnt hätte. Ich hab’ die ganz groß angeguckt und konnte mir gar nicht so recht vorstellen, was sie eigentlich meinten. Erst nach und nach ging mir auf, dass es eben ein Unterschied ist, ob man mit „unter“ 70 oder mit „über“ 80 diesen für viele doch ziemlich einschneidenden Schritt wagt.

Ich behaupte: Je früher desto besser. Was meinen Sie dazu? Haben Sie selbst schon ähnliche Erfahrungen gemacht oder von anderen gehört?           

Wie stellen wir Alten uns eigentlich den idealen PC vor?

12.12.2007

Haben Sie Ihre Weihnachtswünsche schon geäußert? Oder wurden Sie von Ihrer Familie gefragt und wussten nicht so recht, was Sie antworten sollten? Wie wär’s denn mit einem neuen PC? (Und wenn’s vor Weihnachten nicht mehr klappt – im neuen Jahr gibt es PCs vielleicht sogar billiger.)  Und sagen Sie nicht: Der alte tut’s doch noch. Sogar das Finanzamt gibt zu, dass ein PC, der mehr als 3 Jahre alt ist, ausgedient hat und auf den Müll gehört. (Entschuldigung, entsorgt gehört.) 

Ein neuer PC kann vieles besser, macht vieles leichter, ist in vielem praktischer. Als „Notebook“ zum Beispiel nimmt er auch viel weniger Platz ein und ist vor allem transportabel. Und dann könnte ein neuer PC ja auch genau – oder genauer als der alte – auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten sein. Marktforscher sprechen schon vom „Best-Ager-PC“, also einem PC für Menschen im „besten Alter“. Dabei wollen sie herausgefunden haben, was die Alten sich nicht wünschen. Nämlich keine größeren Tasten und schon gar kein „Seniorendesign“. Beim Seniorendesign kann ich nur zustimmen, es würde ja auch niemand gern mit einem Schild „Vorsicht, Senior“ um den Hals rumlaufen. Aber bei den größeren Tasten oder besser gesagt bei größeren Buchstaben auf den Tasten würde ich mich nicht festlegen. Die Zahl der Älteren, die selbst mit Brille nicht mehr gut sehen, ist doch beträchtlich. Nur – und da kommen wir zum eigentlichen Punkt – keiner will es zugeben.

Gefragt sind dagegen – wiederum nach Meinung der Marktforscher – gut lesbare und vor allem bebilderte Handbücher, leicht und intuitiv bedienbare Computer sowie fachliche Begleitung. Bei den Handbüchern sind wir uns einig. Leider habe ich jedoch noch keines entdeckt, das für mich wirklich einfach genug geschrieben wäre. Ich habe immer das Gefühl: Da schreiben Fachleute für Fachleute. Genau wie bei den meisten technischen Gebrauchsanweisungen. Und was ein „intuitiv“ bedienbarer PC sein soll, weiß ich nicht. Vielleicht muss da erst der Computer kommen, dem man per Sprache Befehle erteilen kann. Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben. Mit der „fachlichen“ Begleitung bei einer Gruppe haben wir es bei uns in Hamburg versucht. Es war ein Flop. Die Kenntnisse der einzelnen Teilnehmer waren zu unterschiedlich. Jetzt haben sich „echte“ Interessenten jeweils ihre persönlichen Coaches besorgt. Ein Beratungs-Unternehmen ist bei uns ganz in der Nähe. Nicht billig, aber so kommt man weiter. 

Unser Advents-Basar war mal wieder einmalig.

11.12.2007

Er ist jedes Jahr einmalig. Und jedes Jahr noch einmaliger als das letzte Mal. Dieses Mal fing er um 10 Uhr an. Ich war vielleicht 20 nach 10 in unserer Eingangshalle. An den Ständen drängten sich die Besucher von nah und fern. Der Stand, an dem der Glühwein – mit und ohne „Schuss“ – ausgeschenkt wurde, war bereits dicht umlagert. Auch für die Kartoffelsuppe mit Würstchen hatten sich erste Interessenten gefunden. Entweder hatten die noch nicht gefrühstückt, vielleicht auch nichts zu Abend gegessen – ich weiß es nicht. Auch die von einigen Bewohnerinnen gebackenen Plätzchen fanden reißenden Absatz.

Besonders großes Gedränge herrschte am Bücherstand. Die zahlreichen Bücher für 2, 1 oder 0,50 € gingen weg wie warme Semmeln. Alles Spenden aus dem Bewohnerkreis. Aber manch einer fand offensichtlich genau das, was er schon immer gesucht hatte. (Unter uns gesagt: Bei mir liegen noch einige Bücher aus den Vorjahren, die ich bis heute nicht gelesen habe.) Mir stach diesmal an dem Stand, an dem es alles Mögliche zu kaufen gab – unter anderem einen Fernseher für sage und schreibe 30 € – eine Brotschneidemaschine ins Auge. Seitdem ich hier im Augustinum bin, überlege ich mir die Anschaffung einer Brotschneidemaschine. Hier stand sie nun und sollte ganze 5 € kosten. Eine unserer Empfangsdamen, die sich mit viel Geschick um den Verkauf dieser Raritäten kümmerte, machte mich pflichtschuldigst darauf aufmerksam, dass die Schutzvorrichtung fehlte, die normalerweise dafür sorgt, dass man neben dem Brot nicht auch die Finger mit abschneidet. Ich erbat mir Bedenkzeit. 

Nach dem Mittagessen erfolgte mein zweiter Besuch. Dieses Mal war nun auch für mich der erste Glühwein fällig. Ein Blick auf den „Raritäten-Stand“ beruhigte mich außerordentlich: Meine Finger waren außer Gefahr, die Brotschneidemaschine verkauft. Daraufhin genehmigte ich mir eine frische Waffel mit ganz wenig Puderzucke (Diabetiker) und eine Tasse Kaffee. Eine wunderschöne Messingschüssel und ein paar Bücher – wann soll ich die lesen? – mussten auch dran glauben.  Kurz vor 18 Uhr, das wusste ich noch von früheren Malen, trifft sich am Glühweinstand der harte Kern. Jetzt gilt es, die Reste aufzubrauchen, die noch da sind. Dann wird es immer besonders lustig. Ich kann Ihnen versichern: Heute auch. 

Wenn es Sie interessiert: Mit den eingenommenen Geldern wird ein neuer, modernerer Elektroherd für unsere Bewohnerküche angeschafft. Damit nächstes Mal das Plätzchenbacken leichter fällt. In den alten Herd konnte man jeweils nur 1 Blech reinschieben. Geld, das durch den Verkauf von Büchern reingekommen ist, wird wieder in Neu-Anschaffungen investiert. Ich denke, so ähnlich werden es andere augustinische Häuser auch handhaben. 

Es war nicht Knecht Ruprecht…

10.12.2007

Am letzten Donnerstag stand ich im Flur meines Appartements vor meiner „Küchenzeile“ und bereitete mir mein Abendbrot zu. Da plötzlich bebte meine Wohnungstür, als sei ein Bulldozer dagegen gefahren. So hörte es sich jedenfalls an. Natürlich dachte ich sofort an Knecht Ruprecht, der möglicherweise seinen Schlitten nicht richtig eingeparkt hatte. Aber der war ja schon längst „durch“, fiel mir ein. Ehe ich mich näher informieren konnte, drehte sich hörbar ein Schlüssel im Schloss.  

Als dann tatsächlich die Tür aufging, blickte ich – natürlich nicht! – auf einen Schlitten, nein, es war ein ganz normaler Rollstuhl, und eine unserer weiblichen Pflegekräfte war im Begriff, ihn über meine Schwelle zu schieben. Wir starrten uns an, die Pflegerin und ich, einer so erstaunt wie der andere. Nur die Dame im Rollstuhl lächelte glücklich. So etwas Aufregendes hatte sie bestimmt lange nicht erlebt.  

Die Pflegerin konnte es nicht fassen. Immer wieder guckte sie ungläubig auf das Namensschild an meiner Tür. Wie sie sagte, war sie ganz sicher gewesen, vor der richtigen Tür zu stehen: Appartement 909 im 9. Stock, das Appartement der Dame im Rollstuhl. Ich wohne in 709, genau zwei Stockwerke tiefer. Nur weil die Pflegerin die Tür mit ihrem „Passepartout“ aufgeschlossen hatte, war sie überhaupt in das „falsche“ Appartement reingekommen. Nun kann man sich bei insgesamt 13 Stockwerken schon leicht mal vertun. Da steigt man automatisch aus, wenn der Fahrstuhl hält, ohne lange zu gucken, ob man denn wirklich schon „Zuhause“ ist. Und natürlich kann man auch den falschen Knopf drücken. Und dann geht man den altbekannten kurzen Weg. Bei uns ist kein Appartement mehr als maximal 15 m von unseren 3 Fahrstühlen, die zentral in einem Block zusammengefasst sind, entfernt.  

Die Pflegerin war und blieb untröstlich. Ich habe ihr noch auf der Stelle verziehen. Dabei bin ich ganz sicher: Nächstes Mal wird sie zweimal hingucken, wo sie aussteigt und in welche Tür sie „einsteigt“.