Er ist jedes Jahr einmalig. Und jedes Jahr noch einmaliger als das letzte Mal. Dieses Mal fing er um 10 Uhr an. Ich war vielleicht 20 nach 10 in unserer Eingangshalle. An den Ständen drängten sich die Besucher von nah und fern. Der Stand, an dem der Glühwein – mit und ohne „Schuss“ – ausgeschenkt wurde, war bereits dicht umlagert. Auch für die Kartoffelsuppe mit Würstchen hatten sich erste Interessenten gefunden. Entweder hatten die noch nicht gefrühstückt, vielleicht auch nichts zu Abend gegessen – ich weiß es nicht. Auch die von einigen Bewohnerinnen gebackenen Plätzchen fanden reißenden Absatz.
Besonders großes Gedränge herrschte am Bücherstand. Die zahlreichen Bücher für 2, 1 oder 0,50 € gingen weg wie warme Semmeln. Alles Spenden aus dem Bewohnerkreis. Aber manch einer fand offensichtlich genau das, was er schon immer gesucht hatte. (Unter uns gesagt: Bei mir liegen noch einige Bücher aus den Vorjahren, die ich bis heute nicht gelesen habe.) Mir stach diesmal an dem Stand, an dem es alles Mögliche zu kaufen gab – unter anderem einen Fernseher für sage und schreibe 30 € – eine Brotschneidemaschine ins Auge. Seitdem ich hier im Augustinum bin, überlege ich mir die Anschaffung einer Brotschneidemaschine. Hier stand sie nun und sollte ganze 5 € kosten. Eine unserer Empfangsdamen, die sich mit viel Geschick um den Verkauf dieser Raritäten kümmerte, machte mich pflichtschuldigst darauf aufmerksam, dass die Schutzvorrichtung fehlte, die normalerweise dafür sorgt, dass man neben dem Brot nicht auch die Finger mit abschneidet. Ich erbat mir Bedenkzeit.
Nach dem Mittagessen erfolgte mein zweiter Besuch. Dieses Mal war nun auch für mich der erste Glühwein fällig. Ein Blick auf den „Raritäten-Stand“ beruhigte mich außerordentlich: Meine Finger waren außer Gefahr, die Brotschneidemaschine verkauft. Daraufhin genehmigte ich mir eine frische Waffel mit ganz wenig Puderzucke (Diabetiker) und eine Tasse Kaffee. Eine wunderschöne Messingschüssel und ein paar Bücher – wann soll ich die lesen? – mussten auch dran glauben. Kurz vor 18 Uhr, das wusste ich noch von früheren Malen, trifft sich am Glühweinstand der harte Kern. Jetzt gilt es, die Reste aufzubrauchen, die noch da sind. Dann wird es immer besonders lustig. Ich kann Ihnen versichern: Heute auch.
Wenn es Sie interessiert: Mit den eingenommenen Geldern wird ein neuer, modernerer Elektroherd für unsere Bewohnerküche angeschafft. Damit nächstes Mal das Plätzchenbacken leichter fällt. In den alten Herd konnte man jeweils nur 1 Blech reinschieben. Geld, das durch den Verkauf von Büchern reingekommen ist, wird wieder in Neu-Anschaffungen investiert. Ich denke, so ähnlich werden es andere augustinische Häuser auch handhaben.