Archiv für 11.2007

“Bewahrerin der Literatur - Hüterin von mehr als 3.000 Büchern.

26.11.2007

Unsere „Bibliothekarin“, die nicht müde wird zu betonen, sie sei keine Bibliothekarin sondern eigentlich eine Buchhändlerin, betreut von Anfang an – und das ist jetzt 14 Jahre her – mit Herz und Verstand unsere Bibliothek. Nach der Lehre in einer Sortiments-Buchhandlung ging sie dorthin, wo die geistige Elite – nicht nur die englische! – zu Hause ist: nach Oxford. Dort war sie dann 6 Jahre in einer wissenschaftlichen Buchhandlung tätig und lernte auch diesen Zweig kennen. Das kommt ihr heute zugute, denn unsere Bewohner sind anspruchsvoll. Was sich nicht zuletzt an den Büchern zeigt, die sie beim Einzug ins Augustinum mitbringen. Um dann am Ende festzustellen: Wohin, um Himmels willen, mit all den Büchern? Deshalb ist es sinnvoll, bereits vor dem Umzug den Bestand ordentlich zu „lichten“ und auch das Appartement genau auszumessen, um zu sehen, was mitgenommen werden kann und was nicht. 

Wenn dann am Schluss doch nicht alle ausgewählten Titel im Appartement Platz finden, ist unsere Bibliothekarin – die eigentlich eine Buchhändlerin ist und auch nichts anderes sein will – gern behilflich und sucht mit aus, was eventuell in die Bibliothek übernommen werden kann. Manchem Bücherfreund fällt es leichter, sich von vertrauten Bänden zu trennen, wenn sie im Hause bleiben können, jederzeit wieder griffbereit. Und in einem Ambiente, wie es schöner gar nicht sein könnte. Mit dem Blick auf die Elbe, in 2 Meter hohen Regalen aus dunklem Holz, neben bequemen Ledersesseln und stilvollen Stehlampen. Und das Schönste: Unsere Bibliothek ist 24 Stunden am Tag geöffnet, 365 Tage im Jahr. Man sucht sich ein Buch aus, trägt Titel und den eigenen Namen in eine ausliegende Kladde ein, und das ist auch schon die ganze Bürokratie. Wenn man das Buch zurückbringt, trägt man es wieder aus und legt es in ein bestimmtes Fach.  

Viel Freude empfindet unsere Bibliothekarin auch beim Kauf neuer Bücher. Diese Freude wäre noch weit größer, wenn mehr Geld da wäre. Die übliche Finanzierung erfolgt durch den Verkauf von Büchern, die von den Bewohnern für unseren Adventsbasar zur Verfügung gestellt werden – jetzt wieder am 2. Dezember. Gemeinsam mit lesebegeisterten Bewohnern werden vor allem Neuerscheinungen ausgesucht und angeschafft. – Trotz aller Freude: Ihre schöne und ehrenvolle Beschäftigung würde unsere Bibliothekarin in absehbarer Zukunft gern in jüngere Hände übergeben. Wenn also jemand Buchhändlerin ist oder Bibliothekarin oder sonst irgendwie prädestiniert und daran denkt, in ein Augustinum zu ziehen, könnte dieser Jemand ja vielleicht mal unsere wirklich wunderschöne Bibliothek mit dem Blick auf die Elbe in Augenschein nehmen. Um dann für immer hier zu bleiben. 

Wenn Frauen uns Männer übertreffen wollen…

22.11.2007

Meine Schwiegermutter erzählte immer wieder genüsslich die Story, wie sie ihren späteren Mann kennen lernte und ihm sagte: „Ein Mann, der nicht raucht, ist kein richtiger Mann.“ Das war in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Zu einer Zeit also, da das Rauchen noch nicht „tödlich“ war. Oder besser gesagt: Als man von den gesundheitlichen Gefahren des Rauchens noch wenig Ahnung hatte. Ich weiß nicht, ob es damals schon den Spruch gab: „Hör auf Deine Frau…“ , aber folgsam, wie wir Männer so sind, gewöhnte sich mein Schwiegervater flugs das Rauchen an und rauchte bis weit über sein 90. Lebensjahr hinaus. Jetzt starb er vor kurzem im gesegneten Alter von 95 Jahren. An Altersschwäche. 

Seit dem Anfang dieser kleinen Geschichte hat sich viel verändert. Ich habe keine Zahlen zur Hand, aber wenn ich so durch die Straßen schlendere, habe ich das Gefühl, als begegneten mir viel mehr rauchende Frauen als rauchende Männer. Und immer wenn ich bei meinem täglichen Spaziergang hier in der Nähe an einigen Bürohäusern vorbei gehe, stehen vor den Eingängen meist Gruppen von 2, 3 oder mehr, meist jüngeren Frauen, bibbernd vor Kälte, in der Hand die brennende Zigarette. Männer sind eine Seltenheit.

Kann es sein, dass die Frauen von Heute die besseren Männer sind, bereit allen Gefahren zu trotzen? Muss man vielleicht den Spruch meiner Schwiegermutter umformulieren  in “eine Frau, die nicht raucht, ist nicht emanzipiert”? Oder hat meine Frau recht - eine starke Raucherin - die behauptet, dass Frauen, wenn sie einmal verführt wurden, das Rauchen anzufangen, aufgrund des hormonellen Unterschiedes schwerer wieder von dieser Droge loskommen? Kann das sein?

Der Tod ist offenbar kein Tabu mehr.

19.11.2007

So lange ich zurück denken kann, wurde im Familienkreise das Thema „Sterben und Tod“ nie direkt angesprochen. Es war schlicht ein Tabu. Als ich einmal meine hochbetagten Eltern daran erinnerte, dass sie doch bitte eine Vorsorge-Vollmacht und eine Patientenverfügung aufsetzen sollten, nur für den Fall der Fälle, gingen sie stillschweigend darüber hinweg. Solch eine Mahnung gehörte sich offensichtlich nicht. Hatten sie etwa Angst, Gevatter Tod zu provozieren? Oder dachten sie womöglich, ich wäre vorzeitig auf mein Erbe aus? Ich hoffe nicht. Immerhin haben wir hier im Augustinum vor einigen Jahren den Vortrag des Chefarztes der Intensivstation des uns nächstgelegenen Krankenhauses zum Thema „Patientenverfügung“ gehört. Der Vortrag war, so weit ich mich erinnern kann, gut besucht und es wurden auch ziemlich viele Fragen gestellt.

Trotzdem war ich einigermaßen erstaunt, dass vor einiger Zeit in unserem Kulturkalender der Besuch des Ohlsdorfer Friedhofes angekündigt wurde. Nun muss man wissen, dass der Ohlsdorfer Friedhof nicht irgendein Friedhof ist, sondern mit 400 Hektar der größte Parkfriedhof der Welt. Mehr noch: Er ist auch Hamburgs weitläufigster Park und gilt mit seinen historischen Grabmalen, seinen 800 Plastiken und der eindrucksvollen Gartenarchitektur als Kunstwerk internationalen Ranges. Hier findet man 36000 Bäume und insgesamt 450 Laub- und Nadelgehölzarten, 15 Teiche und eine ganze Reihe von Bächen sind von unzähligen Wasservögeln belebt; Waldkauz und Waldohreule sowie der seltene Eisvogel brüten in heimischer Umgebung.  Mehr als die Mausoleen der alten Hamburger Familien haben mich die neuen Themen-Grabstätten beeindruckt. Aber, bevor ich davon erzähle, noch ein paar Worte zum Thema „Fortbewegung“ auf diesem riesigen Gelände: Es gibt 17 km Straße, die mit 2 Buslinien, aber auch mit dem eigenen Auto, befahren werden können. Die Busse verbinden die 12 Kapellen. Fast könnte man Ohlsdorf trotz seiner riesigen Ausmaße als einen Friedhof der „kurzen“ Wege bezeichnen.  Jetzt aber zu den Themen-Grabstätten. Innovativ und unkonventionell passen sie sich dem Park-Charakter des Friedhofes an. Da ist der „Ruhewald“: Um die Stämme der alten Bäume herum gruppieren sich Urnengräber. Die Namen der Verstorbenen erscheinen auf einer Schildertafel im Bereich des entsprechenden Baumes und sind einheitlich graviert. Dann gibt es den „Schmetterlingsgarten“: Er liegt auf einer sonnigen Lichtung, Stauden und Blütenstauden ziehen im Sommer Schmetterlinge an. Die Grabmale zeigen Schmetterlingsornamente. Wunderschön auch die „Rosengrabstätte“. Die mit Beet- und Hochstammrosen sowie Clematis bepflanzte Anlage ist von Bänken umgeben, die zum stillen Verweilen einladen.  

So nimmt es nicht Wunder, dass es viele Hamburger gibt, die keine andere Bindung an den Ohlsdorfer Friedhof haben, als die Liebe zur Natur. Aber die reicht aus, sie immer wieder anzuziehen. Wer von unseren Bewohnern den Friedhof noch nicht kannte, war beeindruckt. Etliche von ihnen nahmen die Gelegenheit war, sich näher zu informieren. Ich bin der Meinung: Wer sich frühzeitig für einen bestimmten Friedhof – und vielleicht sogar für eine bestimmte Grabstätte – entscheidet und damit eindeutig seinen Willen bekundet, macht für seine Angehörigen, aber auch für das Augustinum, vieles leichter. Machen wir uns nichts vor: Irgendwann geht es mit jedem von uns zu Ende.  

Was, bitte, ist eine “Analgastrategie”?

15.11.2007

Eine neue privatärztliche Abrechnungsposition für vorbeugende Bemühungen bei Proktologen? (Proktologen sind bekanntlich jene Mediziner, die sich vorwiegend auf die Behandlung von Hämorrhoiden spezialisiert haben.) Oder eine neue Strategie für besondere Behandlungsmethoden bei einer „versteckten“ Gastritis? Oder schlichtes „Soziologendeutsch“ bei der Beschreibung eines zunehmenden zivilisationsbedingten Analphabetismus innerhalb unserer geistigen Elite? In der Tat: Gefunden habe ich diese neue Wortschöpfung in der Beilage WELT REPORT der Tageszeitung DIE WELT vom 9. November 2007. Dort steht sie als Überschrift für die folgenden sechs Seiten, die ganz und gar dem Thema „Geldanlage“ gewidmet sind. Und nichts anderem.  

Jeder von Ihnen wird leicht mit einer Reihe ähnlicher Beispiele aufwarten können. Wobei ich mich frage: Ist es die Hektik unserer Zeit? Ist es Nachlässigkeit? Sind es Konzentrationsmängel? An Fehler auf „gewöhnlichen“ Handzetteln und Ladenplakaten, in Schaufenster-Auslagen und auf Speisenkarten haben wir uns ja langsam gewöhnt, aber dass selbst bei den renommiertesten Zeitungen des Landes solche Pannen passieren und nicht entdeckt werden, das finde ich schon schlimm. Oder sehen wir Älteren das nur nicht „locker“ genug?  

Ein Vorschlag: Vielleicht könnte man ja für die Zukunft den Beruf des „vereidigten“ Buchstaben-Prüfers einführen? Wie wäre das denn?

Hamburg liegt an der Nordsee? Wie man’s nimmt…

12.11.2007

Als ich gegen Ende der 50er Jahre meine Heimatstadt Hannover verließ, um einem neuen Arbeitgeber in Darmstadt meine Dienste anzubieten, wurde ich von den neuen Kollegen gefragt, woher ich denn käme. Ich sagte mit stolzgeschwellter Brust: „Aus Hannover“. (Was ich nicht sagte:  …wo man das beste Deutsch spricht.“) Einen Moment Schweigen, dann meinte jemand: „Ah, aus Hannover, da oben an der Nordsee.“ Mir verschlug es die Sprache, aber da ich keinen Ärger wollte, schwieg ich fein still. 

Daran musste ich kürzlich denken, als ein augustinischer Bewohner aus dem tiefsten Süden Deutschlands mir weis zu machen versuchte, dass mein jetziger Lebensmittelpunkt Hamburg an der Nordsee liege. Hiermit möchte ich nun ein für allemal klarstellen, dass das Augustinum Hamburg nicht an der Nordsee liegt. Sondern gut und gern 80 km entfernt. (Übrigens: Die Ostsee ist genauso weit oder nah, und die meisten Hamburger fahren am Wochenende eher an die Ostsee als an die Nordsee.) Richtig ist allerdings, dass echtes Nordseewasser, wenn auch stark verdünnt durch echtes Elbwasser, manchmal gewissermaßen „vor unserer Tür“ steht. Vor einigen Tagen war es mal wieder soweit. Die Bewohner unserer „Westseite“ genossen aus ihren Fenstern ein gar nicht so einmaliges Schauspiel, dass jedes Mal viele, viele Zuschauer anzieht. (Es sei denn, es passiert nachts.) Während man normalerweise den Unterschied zwischen „Niedrig“- und „Hochwasser“ – für Landratten: „Ebbe und Flut“ – kaum bemerkt, weil das Wasser sehr langsam fällt oder steigt, und auch nicht jeder auf die Strömung achtet, wird bei starkem West-Wind mehr als sonst Nordseewasser in die Elbmündung gedrückt. Dann kann es passieren, dass ein öffentlicher Parkplatz, der gut und gern 2 Meter tiefer liegt als wir, und durch ein großes Schild „Tiefliegendes Gebiet, Überschwemmungs-Gefahr“ gekennzeichnet ist, von der Flut langsam, aber sicher in Besitz genommen wird.  Bei den dort parkenden Autos „spielt“ das Wasser zunächst um die Vorderräder herum, dann erreicht es auch die Hinterräder. Autobesitzer, die ihren Wagen jetzt noch schnell retten wollen, bekommen schon mal nasse Füße. Etwas später wird’s gefährlich, dann schwappt das Wasser in den Innenraum. Wenn man Glück hat, kommen die Abschleppwagen, bevor das Wasser den Motor und andere edle Teile ruiniert. So oder so ist das Ganze ein teurer Spaß. Den Wagen findet man auf irgendeinem offiziellen Abstellplatz wieder, der Abschleppdienst kassiert und was die Reparatur kostet, wissen die Götter. Nur für unsere Bewohner ist der Tribünenplatz kostenlos. 

Was bei einer richtigen Sturmflut passiert, das erfahren gleich Sie im folgenden Beitrag.