Es war uns strikt untersagt, über den Tisch zu spucken.
19.10.2007
Dafür durften wir aber nach Herzenslust mit den Fingern essen und danach selbige sowie unser Messer am Tischtuch abwischen. Wo und wann? Gestern Abend in unserem Kuppel-Restaurant. Es galten die Tischsitten der damaligen Zeit bei unserer „Fürstentafel des Mittelalters“. Die Tafel wurde angeführt von unserer Hausdame als Gastgeberin und Vertreterin des Stiftsdirektors. Unsere Kulturreferentin hatte das „Spektakel“ eingefädelt, in Szene gesetzt wurde es originalgetreu von einer veritablen Kunsthistorikerin, die uns auch mit einem Dia-Vortrag auf den Abend vorbereitete und uns die rechten Verhaltensregeln – siehe oben – eintrichterte. Unser Küchenchef und seine Mannen vollbrachten eine wahre Glanzleistung: Jede einzelne Speise war liebevoll und geschmacklich perfekt zubereitet. Der Service bediente uns so flink und aufmerksam, als wäre jeder von uns ein Fürst oder eine Fürstin. Wir selbst konnten zum Gelingen des Abends beitragen, indem wir einen eigenen Becher aus Metall oder Holz mitbrachten sowie ein scharfes Messer. Die heute üblichen Gabeln waren damals noch nicht erfunden.
Zum Empfang gab es ein Käseküchlein und einen gehörigen Schluck Met. Danach als 1. Gang Barsch in süß-salziger Mandelmilch. Serviert wurde diese sogenannte “Jerusalem-Speise” in einer Schüssel aus knusprigem Brotteig. Die konnte man anknabbern oder aufessen. Dann hätte man aber kaum noch Appetit gehabt für den leckeren 2. Kräutertorte, Wildragout in Weichselkirschensauce und als Beilage höfisches Erbsenmus. Zum Nachtisch erfreuten uns ein Birnenpudding und dazu ausgebackene Sauerkirschen. Runter gespült wurde das alles mit Badischen Weinen in Weiß und Rot.
Fazit: Ein ereignis- und lehrreicher Abend mit vielen Überraschungen, den wir so schnell nicht vergessen werden. Ein großes Dankeschön den Initiatoren und allen Beteiligten.