Archiv für 10.2007

“Endlich einmal jemand, der noch kleiner ist als ich.”

31.10.2007

Das sagte Karl-Heinz Köpcke, Urgestein des Deutschen Fernsehens und 23 Jahre lang Chefsprecher der ARD Tagesschau zu seinem aktuellen Nachfolger als Chefsprecher – seit 2004 – Jan Hofer. Besagter Jan Hofer hielt gestern bei uns einen Gast-Vortrag zum Thema „Wo ist die Nachricht hinter der Nachricht“? Wir lernten, woher die Nachrichten kommen, wie wichtig es ist, sie auf ihren Wahrheitsgehalt hin genauestens zu überprüfen – was die Redakteure der Tagesschau natürlich noch akribischer tun, als die Redakteure der Konkurrenz-Sender – wie Text und Bild aufeinander abgestimmt werden und vieles mehr. All’ das angereichert und aufgelockert durch kleine Geschichten, oder, wie wir in Norddeutschland sagen, „Döntjes“.  

Kein Spaß mehr war es, was Jan Hofer über die Manipulationen erzählte, die heutzutage im Fernsehen gang und gäbe sind. Seine Aussage „Ein Bild lügt mehr als 1000 Worte“ und einige der Beispiele, die er dazu brachte, sorgten dafür, dass uns das Lachen im Halse stecken blieb. Ich werde mich hüten, sie hier wieder zu geben. Der eine oder andere könnte sonst an der Welt verzweifeln. 

Ich möchte auch noch herausstreichen, dass der gesamte Abend – einschließlich Sekt und Häppchen (sehr lecker!) in unserem Kuppel-Restaurant – von der Commerzbank gesponsert wurde. Das heißt: Wir haben keinen Pfennig dazu bezahlt. Wo kann man das heute sonst noch sagen?

Die Presse berichtet: Immer weniger Menschen wollen in ein Pflegeheim.

30.10.2007

Das geht nach einem Bericht der WELT aus dem Altenpflege Monitor 2007/2008 hervor. Nur acht Prozent der Befragten würden sich für die stationäre Pflege in einem Heim entscheiden, fünf Prozent weniger als in den Jahren 2005 und 2006. Nach wie vor schlecht ist das Image der Altenpflege. Während 81% der Befragten meinten, dass das Personal zu wenig Zeit habe, waren nur 24% der Ansicht, dass die Pflegebedürftigen respektvoll behandelt werden. Für 63% ist die Altenpflege zu teuer, und 48% meinten, dass die Pflegebedürftigen mit Medikamenten ruhig gestellt würden. Insgesamt betrifft das schlechte Image in erster Linie die stationäre Pflege, der Ruf der ambulanten Pflege ist weitaus besser. So weit – in Auszügen – der Bericht. 

Wenn ich diese nackten Zahlen lese, könnte mir angst und bange werden, würde ich noch auf der Suche nach einem geeigneten Heim für ein Leben im Alter sein. Gott sei dank bin ich nun schon seit vielen Jahren im Augustinum. Ich fühle mich hier sicher aufgehoben und in guten Händen. Wir in Hamburg haben an Pflegekräften keinen Mangel, die Pflege erfolgt im Appartement, das heißt in meiner gewohnten und geliebten Umgebung, und der ambulante Pflegedienst arbeitet im Hause – 24 Stunden am Tag. 

Da ich ein neugieriger Mensch bin, habe ich mich trotzdem bemüht, mehr über die oben genannte Untersuchung zu erfahren. Mich interessierte vor allem: Wer wurde da überhaupt befragt? Nach einer ca. ½stündigen Recherche im Internet war ich dann schlauer. Also: In die Studie wurden rund 500 Personen aus der “Generation 50plus” einbezogen und nach ihren „Erwartungen und Einstellungen“ zur Pflege befragt, nicht nach tatsächlichen „Erfahrungen und Beobachtungen“. Das ist ein, wie ich meine, gravierender Unterschied. Ich fürchte, manch einer der Befragten hat zuviel Fernsehen geguckt und zwar die reichlich ausgestrahlten „Dokumentationen“ über den Pflegenotstand in Deutschland. Zwar kenne ich keine Missstände aus eigener Anschauung – auch meine Schwiegereltern wurden bis zu ihrem 95. Lebensjahr in einem anderen, namhaften  Seniorenheim zur vollen Zufriedenheit meiner Frau gepflegt – aber ich bin auch nicht so blauäugig zu glauben, es wäre überall so gut. Trotzdem dürften die Medien auch gern einmal die positiven Beispiele zeigen: Alte Menschen, die gern in einem Heim sind und sich dort wohlfühlen; Pflegekräfte, die mit Herz und Überzeugung ihre Arbeit verrichten. 

Alles im Leben hat seinen Preis. Wenn es um das Augustinum geht und man hört, wie darüber gesprochen wird, scheint allerdings oft auch ein bisschen Neid dabei zu sein. Ich bin der Meinung, dass denjenigen, die es im Leben – manchmal mit sehr viel Arbeit – zu etwas gebracht haben, auch zugestanden werden sollte, im Alter die Früchte ihrer Anstrengungen zu genießen.  

Sommerzeit, Winterzeit? Zum Teufel damit!

28.10.2007

Heute morgen habe ich meine Uhren umgestellt. Und mir fast die Fingernägel ruiniert. Immer musste ich an diesen kleinen Rädchen rumfummeln, die sich so schwer bewegen lassen. Und sollte ich nun 1 Stunde rückwärts drehen oder doch besser 11 Stunden vorwärts, wie ich es einmal gelernt habe? Sechs Uhren habe ich bearbeiten müssen, nein, stimmt nicht: Es waren nur fünf, denn eine ist eine Funkuhr, die sich von alleine umstellt.

Ich frage mich: Wozu das alles? Ich weiß, damit wir heute eine Stunde länger schlafen konnten. Haha! Die wird uns doch in einem halben Jahr wieder abgezogen von unserem Lebenskonto. Ernsthaft: Wir sparen auf diese Weise natürlich Strom. So sagte man jedenfalls damals, bei der Erfindung dieser elendigen Schikane. Aber davon ist komischerweise heute so gut wie nichts mehr zu hören. Sondern davon, dass 27 EU-Länder – sind das wirklich schon so viele? – sich einig sein müssten. Ja, warum sollten sie denn nicht? Politiker haben doch auch Fingernägel. Oder lassen die etwa ihre Uhren von Bediensteten umstellen?

Auf dem Wege zum Ruhm?

25.10.2007

Jeder kennt Radio Eriwan, aber wer kennt Lilit Grigoryan aus Eriwan? Zu Ihrer Kenntnis: Die 22jährige Armenierin ist mehrfache Preisträgerin bei nationalen und internationalen Klavierwettbewerben, hat teilgenommen an den verschiedensten Musikfestivals in aller Welt und wird gefördert von der Stiftung THE KEYEBOARD CHARITABLE TRUST, London, zu deren Gründern u.a. Claudio Abbado und Alfred Brendel gehören. Seit einigen Jahren schon haben wir die besten Beziehungen zu dieser Institution, die uns immer wieder junge aufstrebende Talente vorstellt. Jedes Mal als Generalprobe für Konzerte, die von Steinway & Sons in Hamburg veranstaltet werden.  

Auf dem Programm standen:

Johann Sebastian Bach: Präludium und Fuge Nr. 15 G-Dur.

Ludwig van Beethoven: Sonate Nr. 17, d-moll op. 31,2, “Der Sturm”.

Karol Szymanowski: Variationen b-moll, op. 3.

Alberto Ginastera: Sonate Nr. 1, op. 22.  

Zum Schluss als Zugabe – selten als Klavier-Solo gehört – der Säbeltanz von Lilit Grigoryans Landsmann Aram Chatschaturjan.  

Unsere Musik-Experten im Hause antworteten auf die Frage „Was hat Ihnen gefallen?“ „Es war alles gut. Lilit Grigoryan kann heute schon mit den besten Pianisten verglichen werden. Bach und Beethoven souverän gemeistert, die moderneren Szymanowski und Ginastera großartig gespielt, der Säbeltanz einfach grandios.“ Allgemeiner Wunsch: Dass unsere gute Verbindung zum KEYBOARD CHARITABLE TRUST noch lange erhalten bleiben möge. Nur von unserem Flügel wurde zum wiederholten Male gesagt, er würde nicht allen Anforderungen gerecht. Das geht nun schon seit Jahren so.

Frage: Wer schenkt uns einen neuen Steinway? Meldungen gern in diesem Blog.

So wird man ausgehorcht…

23.10.2007

Einer der letzten schönen Tage hatte mich zu den „Elbterrassen“ gelockt. Das ist ein „Strand-Café“ in Sichtweite des Hamburger Augustinums, mit Palmen (in Kübeln), Strandkörben, Liegestühlen und natürlich vielen, vielen Tischen, an denen sitzen kann. Bei Kaffee und Kuchen, großen Eisportionen, kleinen Snacks, einem Bier oder mehreren, kurz, es gibt dort nichts, was es nicht gibt. Im Notfall sogar Wärme von oben, wenn die Sonne mal nicht scheint. (Was in Hamburg ab und zu vorkommen soll.) Dann kommt die Wärme von mannshohen „Heizpilzen“. (Die Dinger sehen nicht nur so aus, die heißen auch so.) Wer es zusätzlich noch gern von unten warm haben möchte, dem wird sogar kostenlos eine Wolldecke gestellt, in die er sich einmummeln kann.  

Um mich herum waren die Tische – außer meinem – voll besetzt. Was zwei ältere Damen, so um die 75 und 60, bewogen haben mochte, schnurstracks auf mich zuzusteuern. Sie fragten mich, ob bei mir noch frei wäre. Das war nun so gar nicht Hamburger Art. Bei uns setzt man sich nicht einfach zu wildfremden Menschen an den Tisch. Natürlich konnte ich nichts dagegen haben. Die Damen unterhielten sich ziemlich laut. Als plötzlich der Name Augustinum fiel, spitzte ich die Ohren. Wer hätte das nicht getan? Die eine Dame sagte gerade: „…wenn man pflegebedürftig wird, muss man ausziehen und ohne Trauschein lassen die einen gar nicht erst einziehen.“ Das war zu viel für mich.  Spontan gab ich mich als Bewohner des Augustinums zu erkennen und setzte zu einer Richtigstellung an. Ich erklärte der Dame, dass erstens Pflegebedürftige bei uns nicht auf eine Pflegestation kämen, sondern in ihrem Appartement, in ihrer gewohnten Umgebung, gepflegt werden würden und zweitens, dass ich mindestens zwei unverheiratete Paare bei uns kennen würde. Und überhaupt, woher sie denn diese falschen Informationen hätte? Ich muss wohl etwas erregt ausgesehen haben, jedenfalls redeten sie beide beruhigend auf mich ein und meinten, es wäre gut, dass sie in mir einen Experten gefunden hatten. Und dann schossen sie gleich einen ganzen Fragenkatalog auf mich ab.

Die jüngere Dame wollte unbedingt wissen, ob wir denn zu einer bestimmten Zeit zu Hause sein müssten. Ich verneinte und meinte, ich käme nicht selten erst um Mitternacht oder noch später nach Hause. Mir schien, die Damen sahen mich plötzlich mit ganz anderen Augen. Da hatte ich ja was angestellt. „Und wenn man über Nacht wegbleiben will, muss man dann Bescheid sagen?“ Ich sagte: „Nein, nur falls Sie bis zum Mittagessen nicht wieder zurück sind.“ Großes Fragezeichen bei den Damen. Woraufhin ich erklärte, dass beim Mittagessen gewissermaßen ein Zählappell stattfinden würde. Es könnte ja sein, dass sich jemand in seinem Appartement befände, bewusstlos und nicht in der Lage, sich bemerkbar zu machen. Das leuchtete den Damen ein. „Kriegt man denn zum Mittagessen einen bestimmten Platz zugewiesen?“ war die nächste Frage. Die Antwort lautete natürlich, dass es bei uns absolut freie Platzwahl gibt. Nachdem ich schließlich noch erklärt hatte, man könne auch selber kochen, dürfe gern sein eigenes Telefon mitbringen, aber es wäre sowieso eins im Appartement, für den Fernseher gäbe es Kabelanschluss, dessen Kosten im Pensionspreis enthalten wären, ja, und Hunde, Katzen, Vögel, Fische seien, wenn sie nicht beißen und keinen Lärm machen würden, herzlich willkommen, war ich dann in Gnaden entlassen und durfte meiner Wege gehen.