Archiv für 09.2007

Keine Steuern mehr für alte Menschen?

27.09.2007

 

Es ist geschafft: Ich habe endlich meine Steuererklärung für 2006 fertig, gerade noch rechtzeitig vor dem 30. September. Bis dahin hatte ich mir eine Verlängerung der Abgabefrist erbeten. Wahrscheinlich wird jetzt der eine oder andere sagen: „Was, Ihre Steuererklärung machen Sie selbst? Wozu habe ich denn meinen Steuerberater?“ Und ich antworte: „Das ist schon immer mein Hobby gewesen. Außerdem werden Sie festgestellt haben oder noch feststellen, dass Sie die Steuerberatungskosten neuerdings nur noch zu einem Teil von der Steuer absetzen können.“

Aber ich muss Ihnen auch zustimmen, dass es nicht mehr soviel Spaß bringt mit der Steuererklärung. Zwar sind die Formulare endlich mal ein bisschen überschaubarer gestaltet, dafür gibt es aber Unmengen an neuen Bestimmungen und Dingen, die eingetragen werden müssen. Für jemanden, der mehr als die Hälfte seines Lebens hinter sich hat, ist das wahrhaftig eine Zumutung. Und es ist ja auch nicht jeder so intelligent wie die Bewohner eines Augustinums. Oder kann sich einen Steuerberater leisten. Was sollen denn all die anderen machen? Davon gibt’s doch auch immer mehr. Ich habe gerade gelesen, dass bis 2020 die über 80jährigen um 62% zunehmen werden und die über 90jährigen um stolze 185%. Ausgerechnet und vorhergesagt vom Statistischen Bundesamt.

Und von diesen Alten verlangt man, dass sie noch so komplizierte Sachen zustande bringen? Und auch noch für nichts und wieder nichts? Die Rentenerhöhungen sind nicht der Rede wert, aber die Steuern darauf sind gestiegen. Der Altersentlastungsbetrag wird abgeschmolzen, die Freibeträge auf Einnahmen aus Kapitalvermögen kann man fast vergessen. Den ehemaligen Beamten ergeht es nicht viel besser. Ich finde, wir sollten ein gutes Werk tun und dem Staat anbieten, freiwillig keine Steuern mehr zu zahlen. Dann könnte der Staat Millionen von Steuerformularen sparen, die Finanzbeamten brauchten keine Überstunden mehr zu machen wegen unvollständig oder unrichtig ausgefüllter Steuererklärungen, es gäbe keine Nachfragen mehr usw., usw. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Tut nicht weh - steckt nicht an.

26.09.2007

Man muss nicht 209 kg wiegen, um an Diabetes zu erkranken. Wie König Tupou IV. von Tonga, der letztes Jahr im Alter von 88 Jahren starb. Woran Sie auch sehen können, dass man mit Diabetes alt werden kann. Wenn der Diabetes behandelt wird. Andere bekannte Diabetiker waren Herbert Wehner, Franz-Josef Strauß, Charles de Gaulle. Unter den Damen die bekannteste ist wohl Liz Taylor. Dass es Diabetes schon im Altertum gab, scheint heute erwiesen. Die legendäre ägyptische Herrscherin Hatschepsut, die von 1502 bis 1482 vor Christi Geburt das Land am Nil regierte, ist nach neuesten Erkenntnissen entweder an Krebs oder Diabetes gestorben.  Tut nicht weh – jedenfalls nicht in den ersten Jahren – steckt nicht an. Deshalb kümmern sich viele auch nicht um ihren Diabetes. Ist Diabetes also harmlos? Ganz und gar nicht. Das merkt man, wenn’s um die möglichen Spätfolgen geht: Nierenversagen, Blindheit, Amputationen. Auch wenn heute schon Kinder an Diabetes erkranken – die Medien berichten laufend darüber – kommt der Diabetes meistens erst im Alter. Häufig bleibt er unentdeckt. 

Ich bin seit fast 50 Jahren Diabetiker. Als ich hier ins Augustinum kam, machte ich mir natürlich Gedanken über meine Ernährung. Zwar spritze ich Insulin, aber Diät sollte ich trotzdem einhalten. Das relativ „kleine“ Augustinum Hamburg hat im Gegensatz zu anderen, größeren augustinischen Häusern keine ausgesprochene Diät-Küche. Bei Suppen und Hauptgerichten spielt das nach meiner Erfahrung keine Rolle. Jeder Diabetiker weiß, wie viel Kartoffeln, Reis, Nudeln er essen darf. Anders sieht es beim Nachtisch aus. Da kann man sich frisches Obst geben lassen oder einen Diabetiker-Joghurt. Ab und zu gibt es auch „Diabetiker-Nachtische“ und zwar für alle. Das schadet niemandem und steckt ebenfalls nicht an. 

Am Anfang meines „Hierseins“ habe ich mit einem Anschlag am Schwarzen Brett versucht, andere Diabetiker ausfindig zu machen. Was soll ich sagen: Kein einziger hat sich gemeldet! Inzwischen weiß ich, dass es außer mir noch 4 weitere Bewohnerinnen und Bewohner gibt, die unseren Service – und damit auch die Küche – informiert haben, dass sie Diabetiker sind. Da offizielle Stellen, wie das Bundes- Gesundheitsministerium davon ausgehen, dass ca. 8 – 10% der Deutschen Diabetes haben, müssten es bei uns mindestens 12 sein. Wobei ich noch nicht einmal berücksichtigt habe, dass mit dem Alter die Häufigkeit zunimmt. Weshalb diese Leute sich nicht „outen“, ist für mich unerfindlich. Aber vielleicht weiß ja der eine oder andere nichts von seiner Krankheit. Das wäre dann wirklich tragisch.

 

Schöner kann man gar nicht wohnen.

20.09.2007

„Wo anders weht in der Umgebung des Deutschen Reiches auch in den heißesten Sommertagen eine so erfrischende, vom Meer her kommende Brise? Wo anders laden so üppige, mit dem frischesten Grün geschmückte Gärten und Lauben, zur Erholung nach des Tages Last und Arbeit ein, als in den kleinen Elbdörfchen Oevelgönne und Neumühlen? Auf dem sandigen Ufer sind mannigfache Badevorrichtungen angebracht, denn man kommt nicht bloß hierher, um freie Luft zu atmen, sondern auch um seine Glieder täglich in dem kühlen Fluss zu erquicken.“ 

Dieses ist, man ahnt es schon, ein Auszug aus einem Reiseführer der 70er Jahre. Ich rede natürlich von 1870. So viel hat sich übrigens gar nicht verändert. Wenn wir aus unserem Speisesaal in der Kuppel nach Westen schauen, sehen wir den Strand wie damals – allerdings ohne die beschriebenen „Badevorrichtungen“ – , wir sehen das Grün, wir sehen die Menschen, die am Strand liegen. Aus rund 50 m Höhe wirken sie allerdings klein wie Ameisen. Nur mit dem Baden ist das so eine Sache. Es gibt zwar kein direktes Badeverbot, aber die meisten Leute sind vernünftig genug, das nicht ganz saubere Wasser zu meiden. Aber auch die starke Strömung sowie der Schiffsverkehr mahnen zur Vorsicht. Ich frage mich allerdings trotzdem: War das Wasser früher wirklich sauberer oder nur die Menschen abgehärteter? Eines allerdings gab es damals nicht: Einen Bus, der quasi vor unserer Haustür hält und uns in einer halben Stunde mitten in die Hamburger City bringt. 

Übrigens: Selbst Seine Majestät, Kaiser Wilhelm II., hat einmal „unseren“ Strand besucht. Das habe ich irgendwo gelesen. Ich erinnere mich allerdings nicht, aus welchem Anlass und wann genau das war. Sie wissen ja: Mein Gedächtnis! 

Du Zivi oder Sie Zivi - das ist hier die Frage

19.09.2007

Ohne unsere Zivildienstleistenden – Kurzform Zivis – und unsere „Philas“ – das sind junge Damen, die ein freiwilliges soziales Jahr ableisten – würden wir uns ganz schön umgucken. Alle, wirklich alle, die ich hier im Laufe von 7 Jahren kennen gelernt habe, sei es in der Technik oder im Pflegebereich, waren äußerst wertvolle Mitarbeiter des Hauses. Sie waren freundlich, hilfsbereit, fleißig und hatten auch noch was „im Kopf“. Und das nicht nur, wenn es um die Hilfe am PC ging. Aber gerade dadurch bin ich mit einigen von ihnen ins Gespräch gekommen. Im allgemeinen gefiel es ihnen recht gut bei uns, aber nahezu alle fanden es nicht so „prickelnd!, dass sie von manchen Bewohnern einfach „geduzt“ wurden. Für sie war es schlicht ein Mangel an Respekt. Ich dagegen glaube weniger an bewusste Respektlosigkeit seitens der Bewohner, sondern eher an Gedankenlosigkeit. Man müsste sich ja eigentlich noch an seine Jugend erinnern, als wir auf unser Erwachsensein pochten und stolz waren, wenn man uns zum ersten Mal mit Sie ansprach. Unsere Zivis sind eigentlich alle volljährig, die meisten haben Abitur. Da sie in der Regel nur mit ihrem Vornamen bekannt sind, kann man natürlich nicht sagen „Herr Kevin“, aber Kevin und „Sie“ sollte meiner Meinung nach doch wohl möglich sein. Meinen Sie nicht auch?

Und was meinen die Philas und Zivis selbst dazu?

Das gibt’s nur einmal…

13.09.2007

Die Chance, im Hamburger Hafen eine Hafenrundfahrt mit einem echten „Hafen-Schlepper“ zu machen, ist gleich null. Sagen alle, die es versucht haben. Aber da wir im Augustinum Hamburg zum Schlepper-Liegeplatz fast rüber spucken können und somit zu den allernächsten Nachbarn gehören, gelang unserer Kulturreferentin, Sandy Leitel, das Wunder: Am 28. August stiegen im Rahmen unserer Maritimen Woche 20 unserer Bewohnerinnen und Bewohner behände wie die Leichtmatrosen über eine Art Hühnerleiter an Bord der FAIRPLAY 22. Wie ich später von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hörte, war die Fahrt mit einem Schlepper ein echtes „Abenteuer“ und rundum gelungen.  Da ich nicht so gut zu Fuß bin und jeder auf eigenes Risiko mit fuhr, musste ich mich schweren Herzens mit dem folgenden Interview begnügen: 

U.N.:   Frau Leitel, was hat Sie denn am meisten beeindruckt?            

S.L.:    Also, zuerst ist man etwas irritiert, weil das ja ein Schiff ist, das normalerweise keine Passagiere mitnimmt. Es gibt also nur Stehplätze, man hält sich am Geländer fest, das Schiff vibriert unter Ihren Füßen, Sie merken richtig, welche unbändige Kraft dahinter steckt. So ein Schlepper schleppt ja auch die dicksten Pötte weg.

U.N.:   Wie machen die denn überhaupt fest an den dicken Pötten, die sind ja 10 mal so hoch wie der kleine Schlepper oder noch mehr.

S.L.:    Also uns wurde erzählt, dass man jeweils von den Schiffen aus eine dünne Wurfleine zum Schlepper rüber wirft. Daran wird dann das Zugseil, so heißt das, glaube ich, befestigt und zum Schiff rüber gezogen.

U.N.:   Ja, das kann ich mir ungefähr vorstellen. Und warum haben manche Schiffe vorne und hinten einen Schlepper? Ich  meine, der Schlepper vorne zieht, aber was macht der hintere? Bremst der?

S.L.: Genau. Der muss notfalls bremsen oder sogar das Schiff rückwärts ziehen, zum Beispiel beim Anlegen am Kai.

U.N.:   Sie sprachen vorhin von unbändiger Kraft – wie viel P.S. hat denn so ein Schlepper, hat man Ihnen das auch gesagt?

S.L.:    Hat man. 5,000 Pferdestärken. Da staunen Sie, was?

U.N.:   Das tue ich in der Tat, liebe Frau Leitel. Und bedanke mich gleichzeitig für dieses informative und aufschlussreiche Gespräch. Vielen Dank.