Archiv für 08.2007

Augustinum: gut gegen Rückenschmerzen?

31.08.2007

In einem Artikel der WELT habe ich viel über Untersuchungen und Statistiken zum Thema Rückenschmerzen gelesen. So zum Beispiel, dass Menschen, die körperlich hart arbeiten, besonders häufig unter Rückenschmerzen leiden. Das ist einzusehen. Auch, dass Rückenschmerzen oft körperliche Ursachen haben. Aber was hat die seelische Verfassung eines Menschen mit Rückenschmerzen zu tun? Angeblich eine ganze Menge, vor allem wenn man die sogenannten „unspezifischen“ Schmerzen betrachtet. Das sind Rückenschmerzen, bei denen keine eindeutige Ursache ausgemacht werden kann. Wobei andererseits auch wieder behauptet wird, dass mit dem Alter „fast jeder Veränderungen an der Wirbelsäule aufweist.“

Selbstverständlich mache ich da keine Ausnahme. Etliche Röntgenaufnahmen beweisen das. Ob aber meine Schmerzen von diesen Veränderungen kamen – oder nicht – das konnte mir auch keiner sagen. Seit ich im Augustinum bin, ist mein Rücken allerdings nach meinem persönlichen Empfinden eindeutig besser geworden. (Und ich sieben Jahre älter.) Waren meine Schmerzen also vielleicht doch eine Sache der Seele? Und jetzt, wo so manche Belastung nicht mehr da ist, ist alles besser geworden?

Auch wenn manchmal über dies oder jenes gemeckert wird, folgt doch fast immer der Satz: „Aber eigentlich geht’s uns doch gut.“ Kürzlich unterhielt ich mich mit zwei Bewohnern, und wir stellten plötzlich fest, dass keiner von uns wusste, was für einen Wochentag wir hatten. Vielleicht kommt das daher, weil man uns fast alles abnimmt, wir uns um kaum etwas kümmern müssen. Etwas betreten blickten wir einander an. Bis einer sagte: „Das müssen wir auch nicht wissen.“ Erleichtertes Gelächter.

Könnten Sie sich vorstellen, dass diese “Leichtigkeit des Seins” tatsächlich positive Auswirkungen auf den Rücken hat? Dann berichten Sie doch mal über Ihre Erfahrungen.

   

Das Leben lieben - das Auto aufgeben

28.08.2007

 

Kürzlich las ich von dem Fahrer eines vollbesetzten Schulbusses in Bayern, der am Steuer ohnmächtig geworden war und beinahe eine Katastrophe verursacht hätte. Kurz bevor der Bus einen Abhang hinunter stürzte, konnte ein beherzter Elfjähriger die Handbremse ziehen und so den Wagen zum Stehen bringen. Weshalb ich das überhaupt erzähle? Nun, der Fahrer war angeblich 71 Jahre alt. Kein Alter, meinen Sie? Na, ja, alles ist relativ. Für den Fahrer eines Schulbusses war er meiner Meinung nach entschieden zu alt.

Und das bringt mich – Sie ahnen es – zu den Autofahrern, die selbst im hohen Alter nicht von ihrem Auto lassen können. Ich kann ja verstehen, wenn jemand sein Auto liebt. Aber muss er deswegen auch unbedingt noch damit fahren? Mal ganz im Ernst: Ist das Auto wirklich unverzichtbar? Wenn man doch möglicherweise die 80 schon weit überschritten hat? Natürlich meine ich damit niemand Bestimmten. Ich weiß, es geht mich auch nichts an. Und selbstverständlich hat „er“ oder „sie“ noch nie einen Unfall gehabt. Aber einmal kann ja nur das erste Mal sein. Und ein Unfall im Alter, ob nun mit dem Auto oder im Bus – kürzlich ist eine Mitbewohnerin im Bus zu Tode gestürzt – kann für den Betroffenen verheerende Folgen haben. Mein Schwiegervater war über 90, als er sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzog. Er lebte noch fast 3 Jahre. Auf die Beine kam er nie wieder.

Jetzt bin ich gespannt, wie viel Widerspruch und wie viel Zuspruch ich bekomme. Vielleicht meldet sich sogar jemand, der im höheren Alter einen Unfall mit dem Auto gehabt hat und danach ein für allemal Schluss mit dem Autofahren machte. Und trotzdem noch Spaß am Leben hat.

Vorbei ist die kulturlose, die schreckliche Zeit

27.08.2007

 

„Kultur“ wird in allen augustinischen Häusern ganz groß geschrieben. Natürlich auch bei uns in Hamburg. Aber wie an allen großen Kulturstätten – Opernhäusern, Theatern, Konzerthallen usw. – gibt es auch im Augustinum eine sogenannte Sommerpause. Sie finden den Vergleich mit den großen Kulturstätten etwas übertrieben? Nun, gut: Uns genügt ja auch eine Pause von nur ca. 4 Wochen.  Trotzdem registrieren die Bewohner: Es fehlt uns was. Und freuen sich, wenn es wieder weiter geht. Das tut es jetzt mit Macht. Eine ganze Woche lang reiht sich Programm an Programm – in unserer „Maritimen Woche“. Nicht weniger als 12 Veranstaltungen und Unternehmungen – von „Musik maritim“ bis zur Schlepperfahrt durch den Hamburger Hafen (nur für „seefeste“ Leute und auf eigene Gefahr) – stehen auf dem Programm.

Den Auftrakt machte „Musik maritim“. Wir hörten Beispiele, wie Künstler zu allen Zeiten auch in der Musik von Wasser und Meer inspiriert wurden. Eine Fülle von klanglichen Phänomenen strömten auf uns ein: Wellen und Wogen, Sturm und Stille. Natürlich waren es nur Ausschnitte, zum Teil von historischem Wert, mit den berühmtesten Interpreten und von den bedeutendsten Komponisten. Von Debussy zum Beispiel „La Mer“, das wohl berühmteste Musik-Stück, das je über das Meer geschrieben wurde. Diese Aussage ist nicht von mir, sondern von Leonard Bernstein. Weitere „Zitate“ stammten aus Haydns Schöpfung, Wagners Fliegendem Holländer sowie aus Billy Budd von Benjamin Britten, der wahrhaft authentisch die Atmosphäre auf einem Schiff eingefangen hat. Musikalisch wie textlich.

Die eigentliche Überraschung aber war Oswald von Wolkenstein. Wie, Sie kennen Oswald von Wolkenstein nicht? Trösten Sie sich: Ich kannte ihn bis dahin auch nicht. Er war der bei weitem älteste der an diesem Abend beteiligten Komponisten, denn er lebte von 1377 – 1445 und war zu seiner Zeit bekannt als Dichter, Komponist und nicht zuletzt als einer der letzten Minnesänger. Darüber hinaus galt er als ein Reisender in Sachen Politik und kam in ganz Europa herum. Ganz nebenbei saß er mehrere Jahre in verschiedenen Kerkern, das brachte sein Leben so mit sich.

Und was hatte er mit „Maritimer Musik“ zu tun? Nun, von einer Reise übers Mittelmeer hinterließ er ein Lied, in dem er die einzelnen Segelmanöver und die Arbeiten der Matrosen besang, und zwar so genau, dass wir danach noch heute die genaue Route, die das Schiff nahm, nachvollziehen können. Die Geschichte Oswalds von Wolkenstein, dessen Nachfahren heute noch leben – er hatte eine Frau und 7 Kinder – können Sie nachlesen bei Google. Am Ausführlichsten im Wikipedia-Beitrag.

Ein Schiff wird kommen…

18.08.2007

 

Eins? Hunderte. Und alle werden sie von den 3 Webcams, die auf unserer Dachterrasse installiert sind, festgehalten und hier ins Web übertragen. Es sind die letzten drei Kameras, die auf der Strecke von Wedel – im Westen vor den Toren Hamburgs – bis Altona die Schifffahrt auf der Elbe beobachten. Wenn Sie hier “links” auf den Link „Schiffe in Fahrt verfolgen“ klicken, landen Sie blitzschnell auf der Homepage der Stadt Wedel. In der rechten Spalte oben lesen Sie die Überschrift „Webcams an der Elbe“. Darunter einzelne Bilder, angefangen mit „Wasserturm Wedel“.

 

Gehen Sie ein Bild nach dem anderen nach unten durch, dann lesen Sie beim 11. Bild den Untertitel „Altona > Westen“. Es folgen „Altona Hafen“ und „Altona > Osten“. Das sind genau die Bilder, die man auch aus dem Augustinum vor Augen hat, wenn man nach Westen, Süden oder Osten blickt.

Wenn alles klappt, und es der Technik nicht gerade  einfällt, uns mit einem “leeren” Bild zu beglücken, sind Sie mitten drin im Geschehen. Sie sehen „live“ die flinken HADAG-Fähren – sozusagen die „Straßenbahn“ auf der Elbe – die alle Viertelstunde an „unserem“ Anleger „Oevelgönne-Neumühlen, Museumshafen“ zum Ein- und Aussteigen festmachen. Sie sehen „ganz kleine“, private Segelboote, flache Schuten, mittlere und große Containerschiffe, ebenso wie die vielen Kreuzfahrer.

Die besten Bilder erhalten Sie, wenn Sie mit der Sonne gucken. Bis Mittag also nach Westen und danach nach Osten. So die Sonne scheint. Aber keine Angst: Auch bei wolkigem Himmel gibt es was zu sehen.

Hallo, Herr Karasek…

16.08.2007

Wie stellt sich eigentlich Hellmuth Karasek, Buchautor und im Fernsehen auf allen Kanälen zu Hause, die angemessene Kleidung für Leute über 80 vor? In einem kürzlich erschienenen Interview in der WELT bemängelt er: „Die heutigen Alten spielen zu lange jung. Sie haben das Basecap auf, tragen Jeans, in denen kein Hintern steckt, und dazu Turnschuhe.

Also zunächst mal: „Kein Hintern“. Ich trage auch meistens Jeans, ob ich einen Hintern habe oder nicht, kann ich im Spiegel nur schwer erkennen. Vielleicht sollte ich mal jemanden fragen, der sich damit auskennt? Ich weiß nur, dass mir selbiger scheußlich weh tut, wenn ich an unseren Kulturveranstaltungen teilnehme und 60 Minuten still sitzen muss.

Im übrigen kenne ich bei uns etliche Männer, die alle auf die 80 zugehen oder schon drüber sind, denen die Basecap ganz ausgezeichnet steht. Der weit ausladende Schirm schützt außerdem ganz vorzüglich vor unangenehmen Sonnenstrahlen. Und Turnschuhe? Die Vorzüge von Turnschuhen auf normalen Wegen haben sich mir auch noch nicht erschlossen. Aber es wird sicher welche geben. Deshalb: Wie wär’s mit etwas mehr Toleranz, Herr Professor?

Früher habe ich mich auch darüber mokiert, dass die Mädchen mit den hässlichsten Beinen die kürzesten Röcke trugen. Heute sage ich mir: „Vielleicht haben sie sich ja nicht zu Unrecht etwas davon versprochen.“ Möglicherweise geht es ja den alten Herren mit Basecap, Jeans und Turnschuhen genauso? Wer weiß?

Übrigens: Das neueste Buch von Hellmuth Karasek heißt „Süßer Vogel Jugend oder der Abend wirft längere Schatten“. Gelesen habe ich es noch nicht. Vielleicht würde ich da ja wirklich ganz neue Erkenntnisse gewinnen.