Wer es wagt, unangenehme Wahrheiten auszusprechen, der muss sich heutzutage warm anziehen

Geschrieben am 02.09.2010 von Uwe Neumann

Ein Buch macht Schlagzeilen, und sein Verfasser steht im Regen. Politiker nahezu aller Parteien gehen auf die Barrikaden. Sie sagen: „Die Fakten, die der Mann da vorbringt, sind lange bekannt.“ Ich meine: Umso schlimmer, wenn das tatsächlich so wäre. Denn dann erzählt der Mann also keine Märchen, auch wenn er manches vielleicht etwas übertreibt oder ein bisschen sehr lebhaft ausschmückt. Aber wahrscheinlich ist das, was er sagt, einfach nur „politisch nicht korrekt“. Doch wer bestimmt eigentlich, was politisch korrekt ist und was nicht? Das Volk bestimmt nicht. In der Telefonumfrage eines TV-Senders stimmten rund 95% der Anrufer dem Mann generell zu – politische Korrektheit hin oder her.
Als ich vor 10 Jahren hierher ins Augustinum kam, hatten wir mindestens ein halbes Dutzend „Putzdamen“, die alle aus demselben, seit langem etablierten EU-Land stammten. Sie waren mit Sicherheit nicht muslimischen Glaubens und trugen auch keine Kopftücher. Trotzdem sprachen sie kaum mehr als drei Worte Deutsch. Das hat sich auch in den folgenden 6 - 7 Jahren nach meiner Erfahrung nicht wesentlich geändert. Ich war mit meiner „Putzi“ trotzdem sehr zufrieden. Sie tat fleißig und gewissenhaft ihren Job und die fehlenden Deutsch-Kenntnisse waren mir ziemlich schnuppe. Um es ganz ehrlich zu sagen.
Dennoch gab es wohl im Laufe der Zeit eine Reihe von Bewohnerinnen, die an der mangelnden „Kommunikation“ etwas auszusetzen hatten und bei unserer Stiftsdirektion deswegen intervenierten. Mit der Folge, dass den Putzdamen der Besuch eines Deutschkurses angeboten wurde. Kostenlos. Die Damen lehnten jedoch mehrheitlich dankend ab. Habe ich mir sagen lassen. Das soll allerdings nicht der einzige Grund gewesen sein, weswegen man sich schließlich von ihnen trennte. Aber im Bewusstsein der Bewohnerinnen und Bewohner war es wahrscheinlich nicht der unwichtigste.
Meine neue Putzdame spricht perfekt Deutsch, und ich kann über alles mit ihr reden. Zur Not auch über das Buch, das so viele Schlagzeilen macht. Doch damit möchte ich eigentlich nicht meine kostbare Zeit vergeuden. Es wird schon viel zu viel darüber geredet.

Spätes Hobby: Scannen Sie doch mal…

Geschrieben am 31.08.2010 von Uwe Neumann

Auf unserem letzten Advents-Basar war die Schar der Bewohnerinnen, die mit dem Verkauf eigener Erzeugnisse und Kreationen richtig viel Geld in die Kasse brachten – natürlich für einen guten Zweck – größer denn je. Was mich besonders faszinierte waren selbst hergestellte farbige Briefkarten, die geradezu reißenden Absatz fanden. So schön waren die. Als ich die Urheberin dieser kleinen Kunstwerke fragte, wie sie das gemacht hatte, erzählte sie mir vom Entstehen ihres neuen Hobbys. Für alle, die Lust haben es ihr nachzumachen, hat sie den folgenden Bericht geschrieben:

„Als ich 1990 pensioniert wurde, freute ich mich darauf, dass ich nun alles tun konnte, wozu ich in der Dienstzeit nicht gekommen war. Ich schloss mich einer kreativen Gruppe an und fand Freude an der Seidenmalerei. Es entstanden Briefkarten mit den verschiedensten Motiven, zu Freunden in alle Welt verschickt ernteten sie großen Beifall. In dieser Phase des „Ausprobierens“ fertigte ich auch Clownpuppen und bemalte Keramik.
Durch meine Enkelkinder wurden meine Interessen jedoch plötzlich in andere Bahnen gelenkt. Bei unseren Gesprächen benutzten sie „Vokabeln“ mit denen ich überhaupt nicht umgehen konnte. (Zum Beispiel Maus, Menü, Monitor, Rom, Explorer….) Oder ich dachte an Bedeutungen, die gar nicht gemeint waren. So war mein Leben lang eine Maus ein kleines Tier, das vorzugsweise von der Katze gefressen wird. Meiner Bitte um Aufklärung wurde geduldig Folge geleistet. Es wäre jedoch nicht richtig, wenn ich behaupten würde, dass ich alles verstanden hätte.
Diesem unhaltbaren Zustand wollte ich so schnell wie möglich ein Ende bereiten. Ich bat unseren Sohn um Hilfe und Beschaffung eines Rechners, eines Monitors, eines Druckers und Scanners. Bei den ersten Erkundigungsversuchen, das Eigenleben meiner Erwerbungen kennen zu lernen, leitete mich unser Sohn. Viele seiner guten und fachlich fundierten Ratschläge begleiten mich noch heute und waren in der Anfangsphase unerlässlich. Schlaue Bücher halfen, mein Wissen zu erweitern.
Es dauerte gar nicht lange, und der Scanner wurde mein liebstes „Spielzeug“. Es ist wirklich erstaunlich, was ein Scanner alles kann, wenn man seine Fähigkeiten richtig zu lenken weiß. Das Spiel der Farben ist faszinierend. Aus den vier Grundtönen (Cyan = blau, Magenta = rot, gelb und schwarz) können über 200 Farbtöne entstehen. Auch beim Verändern von Fotografien, beim Umsetzen in Braun- und Grautöne kommt es zu verblüffenden Ergebnissen.
Ich griff meine ursprüngliche Vorliebe, Briefkarten zu gestalten, wieder auf und habe viel Freude daran. Dabei bin ich mir sicher, dass ich noch lange nicht an die Grenzen aller Möglichkeiten des Scanners gestoßen bin. Ich werde weiter probieren.“

Ich muss gestehen, mein nächster Weg führte mich in einen großen Elektromarkt. Was ich fand waren sogenannte „Multifunktionsgeräte“ mit denen man nicht nur drucken, sondern auch scannen und sogar in Farbe fotokopieren kann. Ein Exemplar, das mir sofort ins Auge stach, kostete ganze 106 Euro. Jetzt überlege ich, wann ich meinen aktuellen Drucker dem „Müll der Geschichte“ übergebe und selbst mit dem Scannen beginne.

P.S.
Dies, liebe Blog-Besucher, ist der vierte Bericht über ein Hobby im Alter. Die Kategorie “Spätes Hobby” wird damit fortgesetzt. Auch künftig immer am Ende eines Monats mit einem neuen Beitrag. Ich hoffe, dass ich noch eine Weile durchhalten kann, und mir nicht der “Stoff” ausgeht.
Wenn Sie auch ein “Spätes Hobby” haben, von dem Sie erzählen wollen, schicken Sie einen Text, versehen mit Ihrem Namen oder auch anonym, an Uwe Neumann, c/o Augustinum Hamburg, Neumühlen 37, 22763 Hamburg. Ich würde mich freuen und die Besucher von “Neumanns Welt” bestimmt auch.

In Hamburg lässt sich gut Feste feiern…

Geschrieben am 28.08.2010 von Uwe Neumann

Unser „Rustikales Sommerfest“ sollte am letzten Donnerstag um 18 Uhr in unserem Garten stattfinden und wurde dann wegen des wechselhaften Wetters in unsere Empfangshalle zuzüglich einiger Nebenräume verlegt. Dort hatte man alles wunderbar vorbereitet und festlich geschmückt. Ich habe mir sagen lassen, dass die ersten Teilnehmer schon eine halbe Stunde früher da waren.
Ich selbst – das muss ich gestehen – kam allerdings erst 1 Stunde später. Meine Entschuldigung: Ich hatte mich in ein Buch „verbissen“, das mir neue Erkenntnisse für einen Vortrag in der nächsten Woche liefern sollte. Darin erzähle ich die Lebensgeschichte von Lord Nelson, seiner Geliebten, Lady Hamilton sowie ihres Gemahls Sir William Hamilton, des englischen Botschafters in Neapel. Es war die berühmteste Dreiecksbeziehung - vornehmer ausgedrückt „Ménage à trois“ - der damaligen Zeit und ein Skandal ohne Gleichen.
Auf ihrem Weg von Neapel nach London im Jahre 1800 - Sir William hatte die Altersgrenze erreicht - machten die Drei, wie ich jetzt nach meiner neuesten Lektüre weiß, nicht 2 oder 3 Tage in Hamburg Station sondern kaum vorstellbare 11 Tage. In dieser Zeit besuchten sie unter anderem den ganz in unserer Nähe wohnenden Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock, der ihnen eine „Nelson Strophe“ zu lesen gibt, die er nach der Seeschlacht von Abukir seiner bekannten Ode „Freude und Leid“ hinzugefügt hatte. Die englische Kolonie schließlich feierte ihren berühmten Landsmann im “Bowling Rink”, dem Boßelhof, wo man normalerweise so etwas Ähnliches wie Boule spielte. Mehr als Tausend Personen waren geladen. Es wurde an nichts gespart: Dinner, Konzert, Supper und Ball lösten einander ab.
Drei Tage danach ließ Nelson das Postschiff, das regulär zwischen Cuxhaven und Yarmouth verkehrte, auf eigene Kosten nach Teufelsbrück kommen, um dann direkt von Hamburg aus England anzusteuern.
Zu unserer Grillparty kamen zwar keine Tausend sondern nur Hundert Personen, aber das waren immerhin 2/3 unserer Bewohnerschaft. Aber auch die wurden verwöhnt und fühlten sich sichtlich wohl. Als ich, wie gesagt mit einer Stunde Verspätung, zu meinen Mitbewohnern stieß, konnte ich gerade noch 2 schön braun gebrannte Bratwürste ergattern. Nackenkarbonade und Salate waren allerdings noch reichlich da, aber daraus mache ich mir persönlich nicht so viel. Desto besser schmeckte mir das frisch gezapfte Bier. Die meisten hielten sich allerdings an Rot- und Weißwein, denen bis zum Ende des Abends reichlich zugesprochen wurde. Es soll auch noch einige stärkere Sachen gegeben haben.
Zur allgemeinen Unterhaltung hatte man einen Bänkelsänger engagiert. Der trug eine Fischermütze und ein blaugestreiftes Finkenwerder-Fischerhemd, ging von Tischreihe zu Tischreihe und begleitete sich selbst abwechselnd mit dem Akkordeon oder der Gitarre zu bekanntem Hamburger Liedgut von Hans Albers bis zu den Gebrüdern Wolf. Darunter auch das berühmte Lied „An’ne Eck steiht’n Jung mit’n Tüdelband…“ Für Nichthamburger: Tüdelband ist die plattdeutsche Bezeichnung für einen metallenen „Trudelreifen“, der von den Kindern mit der Hand oder einem Stock voran getrieben wird. Das Publikum ging bei den Gesangseinlagen begeistert mit, überraschend viele kannten sogar die Texte. Auch geschunkelt wurde hier und da, wenn man sich nicht gerade unterhielt. Die Stimmung war jedenfalls bombig, so gar nicht hanseatisch unterkühlt.
Ich habe mir sagen lassen, dass die Letzten erst gegen Mitternacht den gastlichen Ort verließen.

Politiker empfiehlt „Zweitfrauen“…

Geschrieben am 27.08.2010 von Uwe Neumann

Vernehme ich da ein erschrockenes Durchatmen? Keine Sorge meine Damen und Herren: Es handelt sich um einen Politiker in der Türkei. Der Bürgermeister einer Schwarzmeer-Stadt hatte angeregt, dass sich Türken kurdische Zweitfrauen zulegen sollten. Damit könnte die Feindschaft zwischen den Volksgruppen überwunden werden, wie Beispiele aus seiner eigenen Familie zeigten.
Ich kann das natürlich nicht beurteilen, aber wenn ich mal so darüber nachdenke, dann finde ich: Das hat etwas für sich! Die eine Frau könnte sich voll und ganz ihrer Emanzipierung widmen und Karriere machen, die andere schmeißt den Haushalt und ist für die Kindererziehung zuständig. Dann würden vor allem endlich mal wieder mehr Kinder geboren. Denn der Mann bekäme häufiger Gelegenheit, sich der Sache zu widmen, für die er von der Natur vorgesehen ist.
Leider würden wir in Deutschland sehr schnell mit dem Gesetz und mit der Kirche in Konflikt geraten. Frage: Wie ist das eigentlich mit „unseren“ Türken oder anderen Muslimen? Dürften die bei uns zwei oder mehr Frauen haben? Ich muss gestehen: Ich habe noch nie etwas davon gehört. Augenscheinlich bekommen die in Deutschland lebenden Türken auch so genug Kinder. Es wird ja jetzt schon prophezeit, dass es in einigen Jahrzehnten mehr “Türkischstämmige” als Deutsche in Deutschland gibt.
Im Grunde ist die Polygamie auch in der säkularisierten Türkei verboten. Was der genannte Politiker leidvoll erfahren musste, denn die Regierungspartei AKP hat bereits eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet. Drücken wir ihm die Daumen, dass er nicht eine Frau wieder hergeben muss.

Scheinbar geht’s den Nashörnern wie den Menschen…

Geschrieben am 26.08.2010 von Uwe Neumann

Das Nashorn als solches steht den Bewohnerinnen und Bewohnern der augustinischen Wohnstifte näher als manches andere Tier. Deshalb interessiert es Sie vielleicht, meine Damen und Herren, dass ein Zoo in Nepal seinem einzigen Nashorn-Paar extra „Flitterwochen“ verordnet hat, um sie zur dringend erforderlichen Fortpflanzung anzuregen. Schließlich droht ihrer Art das baldige „Aus“. Auch bei uns in Deutschland steht es bekanntlich mit dem Nachwuchs nicht zum Besten. Bei uns Menschen meine ich. Zu viel Stress, zu wenig Zeit, beengte Wohnverhältnisse – all das mag eine Rolle spielen. Wenn auch natürlich nicht die einzige.
Den Nashörnern in Nepal wurde zur Abhilfe und Anregung eine eigene „Flitterwochen-Suite“ zur Verfügung gestellt. Dort können die beiden sich in weichem Schlamm suhlen, statt auf hartem Beton liegen zu müssen. Außerdem können sie jederzeit nach Lust und Laune in zwei großen Teichen baden. Das alles dürfte für uns Menschen wohl einem Aufenthalt in einem 5-Sterne-Hotel entsprechen. Zur Abwechslung mal gar nicht so übel, denke ich. Vor allem für Ehepaare, deren Flitterwochen schon eine ganze Weile zurückliegen, aber nicht bis in die letzte Konsequenz „ausgenutzt“ wurden - wenn Sie verstehen, was ich meine. Die Frage ist nur: Wer soll das bezahlen?